Presseschau Österreich: Darum hat es Vincent Bueno nicht ins ESC-Finale geschafft

Am Donnerstagabend endete der österreichische ESC-Traum 2021 mit dem Ausscheiden von Vincent Bueno uns seinem Beitrag „Amen“ im zweiten Halbfinale. Wie knapp der Sänger an der Qualifikation gescheitert ist, werden wir nach der Finalshow erfahren. Die österreichische Presse hat sich aber bereits jetzt auf die Ursachensuche begeben. Hier ein kurzer Überblick.

Mehrere Zeitungen zitieren Vincent Buenos Statement nach dem Ausscheiden, bei dem er sich als guter Verlierer zeigt:

„Der Auftritt für mich war so ein schönes Erlebnis. Die Leute zu spüren im Saal und gleichzeitig die Geschichte zu erzählen, es war unvergesslich. Ich muss ehrlich sagen, ohne es schön zu reden, ich bin überhaupt nicht enttäuscht. Emotional bin ich glaub ich … habe ich mich sehr gut darauf vorbereitet auf jedes Szenario. Ich muss es einmal verarbeiten, da kann man nicht gleich sagen: Ja okay, mir geht’s so und so. Ich kann nicht sagen, dass ich enttäuscht bin, ich kann aber auch nicht sagen, dass ich überglücklich bin. Ich brauche meine Zeit, um das zu verdauen.“

Die Tiroler Tageszeitung zitiert Vincent Bueno darüber hinaus:

„Der Auftritt für mich war ein unvergessliches Erlebnis. Es war so ein extrem schöner Moment, einfach die Leute zu spüren im Saal und aber gleichzeitig diese Geschichte zu erzählen. Es war unvergesslich. Ich habe 100 Prozent gegeben.“ Seine Mission sei es gewesen, Herzen zu berühren. „Diese Mission habe ich erfüllt. Das ist das wichtigste.“

Die Kleine Zeitung findet, dass sich Vincent nichts vorzuwerfen hat: „Vincent war mehr als 100 Prozent im Song „drinnen“, musste mitunter mit Tränen kämpfen, weil er den Schmerz von „Amen“ fühlte. Mehr Emotion geht also nicht. Das Outfit war elegant, die Inszenierung edel und pur. Marvin Dietmann, der auch Conchita als künstlerischer Direktor in Kopenhagen betreut hat, schuf um den 35-Jährigen eine schicke und stilvolle Lichtshow … Vincent Bueno braucht sich nichts vorzuwerfen!“

Heute.at vermeldet den Fakt des Ausscheidens unter der Überschrift „Kein Finale! Österreich scheitert beim Songcontest“, betreibt darin vor allem nachträgliches Erwartungsmanagement: „Schon im Vorfeld standen die rot-weiß-roten Quoten eher schlecht. Sämtliche Wettanbieter sprachen Vincent Bueno keine großen Chancen für das Finale zu. Im Endeffekt sollten sie recht behalten. Der ESC-Shootingstar lehnte sich auch vor seinem Auftritt nicht sonderlich weit aus dem Fenster, betonte mehrmals, dass er sein bestes geben würde. Mehr könne er nicht bieten. Das war am Ende dann auch zu wenig.“

Die Kronen Zeitung titelt zwar „ESC-Drama: Vincent Bueno ist gescheitert“, gibt sich dann aber doch sehr versöhnlich: „Trotz einer tollen Performance und eines wirklich starken Liedes hat es Österreich wie schon 2019 nicht ins Finale des Song Contests geschafft.“ Die Zeitung begibt sich nicht selbst auf Ursachensuche, sondern lässt den Künstler zu Wort kommen, warum es denn schlussendlich nicht geklappt hat.

„Ich bin kein Hellseher, und ich kann mir das auch nicht erklären. Ich weiß aber, alles passiert aus einem Grund – so gehe ich durchs Leben“, so Bueno. „Ich freue mich aber, dass ich das erleben durfte.“

Der Standard nennt einige Gründe für das Ausscheiden: „Der 35-jährige sympathische Sänger aus Österreich wirkte bei seinem Auftritt mit der Ballade „Amen“ sehr nervös und konnte nicht zur Höchstform auflaufen – bei einem so reduzierten Lied und ohne große Bühnenshow müssen die Töne sitzen und die Emotionen überzeugen. Das taten sie leider nicht.“

Die Presse ist sich nicht sicher, warum es nicht fürs Finale gereicht hat, nennt aber ein paar Ansätze: „Vielleicht waren es zu viele Balladen, die im zweiten Halbfinale des Eurovision Song Contest miteinander konkurrierten. Vielleicht war die Bühnenshow doch zu puristisch, der Song zu schwach.“ Sie lobt aber den Einsatz des Künstlers: „Er trug seine Ballade „Amen“, die sich im letzten Drittel effektvoll öffnet, mit Inbrunst vor …“

Für Oe24 war das Ergebnis von Vincent bereits vorher abzusehen: „Die Niederlage ist bitter, war aber fast abzusehen: Der unspektakuläre Song Amen schaffte es niemals in die Austria-Top-40.“ Bei den Ursachen dafür scheint man sich recht sicher: „Dazu war Buenos ESC-Show an Langeweile kaum zu überbieten: Er tanzte ganz alleine auf erhöhtem Laufsteg : Keine Explosionen, Keine Videozuspieler, keine Tänzer. Dazu ein dunkler Gehrock vor finsteren Hintergrund. Das ließ Europa Schwarz sehen. Die anderen Kandidaten trieben es viel bunter und sicherten sich so die wichtigen Punkte.“

Trotz des Ausscheidens Österreichs aus dem Wettbewerb zieht die Tiroler Zeitung im Namen des ORF ein positives Urteil über das Engagement des Landes beim ESC: „Im Schnitt zogen Vincent Bueno respektive das 2. ESC-Halbfinale 458.000 Zuschauerinnen und Zuschauer vor den Fernseher. Der Marktanteil bei den 12- bis 49-Jährigen lag bei 26 Prozent, bei den 12- bis 29-Jährigen bei 32 Prozent. In letzterer Gruppe erzielte man während des Votings sogar 52 Prozent Marktanteil. Langsam scheint sich die Alpenrepublik also zur Song-Contest-Republik zu entwickeln. Und das, obwohl Österreich nun zum zweiten Mal in Folge nicht in die Endrunde des ESC kam. Seit dem Wiedereinstieg ins Tournament 2011 haben die heimischen Kandidaten und Kandidatinnen aber immerhin sechs von zehn Mal den Aufstieg geschafft. Noch sind die Finalisten also in der Mehrheit.“

Was glaubt Ihr, warum Österreich nach Paenda 2019 auch in diesem Jahr den Einzug ins ESC-Finale verpasst hat? Kommentiert gern unter diesem Artikel. 


62 Kommentare

  1. „Was glaubt Ihr, warum Österreich nach Paenda 2019 auch in diesem Jahr den Einzug ins ESC-Finale verpasst hat?“

    Das ist doch ganz einfach, mindestens 10 Länder haben mehr Punkte als Österreich bekommen.

  2. Ich muss gestehen, dass mich der Song, als ich ihn zum ersten Mal hörte, nicht vom Hocker gehauen hat. Und so ist es wahrscheinlich den Zusehern am Donnerstag auch gegangen. Je öfter man ihn hört, umso besser gefällt er.
    Die Juroren hätten ihn wohl unter den Top 10 gehabt, vermute ich.
    Die frühe Startnummer war auch nicht optimal. Als eines der letzten Lieder nach dem ganzen Schrott in Semi 2 (vor allem Serbien, Portugal) wäre unser Beitrag, meine ich, wohl doch noch weitergekommen.
    Aber was soll´s. Österreich hatte so eine hohe Erfolgsquote in den letzten Jahren; jetzt sind halt die anderen mal dran.

  3. Was geht uns dieser Österreicher an? Mein Gott, wir sind in Deutschland und nicht in Österreich. Die Österreich würden, wenn wir auch ausscheiden, keine tumulte machen darum wie ihr. Der Song war scheisse öde und lahm darum, sind sie raus fertig!

    • Das hier ist ein deutschsprachiger Block, für deutschsprachige Deutsche, deutschsprachige Scnweizer und deutschsprachige Österreicher!

      • Nicht zu vergessen deutschsprachige Belgier, Niederländer, Franzosen, Dänen, Polen, Tschechen usw. Es gibt hier keine Einschränkung und das ist gut so

    • Was für ein asozialer Kommentar ist das denn bitte. Hier in diesem Blog sind auch viele Österreicher und Schweizer. Da ist das nur richtig und wichtig das die Blogger darüber berichten.

    • Na du bist ja unsympathisch. Und ganz ehrlich: wenn sich Deutschland nicht jedes Jahr einen Fixstartplatz erkaufen würde, sähe es bei den Schrecklichen Songauswahlen der letzten Jahr sehr düster fürs Finale aus

  4. Vincent hat bei mir seine Botschaft erfüllt und mich berührt. Leider konnte ich nicht für ihn anrufen

  5. Es gehört auch immer ein bisschen Glück dazu. Vincent Bueno hatte das Pech, im Balladen-Semi starten zu müssen. Und die Konkurrenz war stark. Im Semi 1 hätte er meiner Meinung nach größere Chancen gehabt.

  6. 2019 war einfach völlig ESC-ungeeignet und für mich persönlich todlangweilig; Paenda kommt glaub ich besser auf einer kleinen Bühne.
    Vincent war unspektakulär und saß mit einer musicalesquen Ballade am Klavier. Letztes Jahr hieß es, er sei ein toller Tänzer, vielleicht hätte man eine Uptempo-Nummer wählen sollen. Aber sympathisch, dass er jetzt nicht rumjammert wie Aly Ryan oder damals der jodelnde Rumäne.

    • Mir hat auch Paenda gefallen 😙. Allerdings hat sie ein Lied gesungen, welches gar nicht ihrem Stil entspricht.

      • Sie tat mir fast ein bisschen leid; wirkte etwas verloren auf der großen Bühne.

      • Immerhin war eine doofe Schwedin in der Jury und so bekam Paenda doch noch Punkte .

  7. Wahrscheinlich waren die Zuschauer mehr gelangweilt als berührt und bei der Jury hat der Song auch nicht so stark abgeschnitten, wie von mir erwartet und erhofft. Gesanglich war es ok, aber gerade in der Zuschauershow Gefühlsmäßig nicht optimal

  8. Ich fand den Auftritt nicht optimal, da haben leider einige Töne gewackelt, insbesondere auch im Schnelldurchlauf konnte man es sehen. Sehr schade. Ich hatte ihn eigentlich ins Finale getippt und würde mich schwer wundern, wenn es schlechter als Platz 12 geworden wäre.

  9. Mir tut es für Vincent sehr leid. Ich hätte ihn sehr gerne im Finale gesehen. Sein Lied mochte ich schon immer, aber auch mit dem Auftritt hat er mich gepackt. Schade. Es lag vielleicht wirklich daran, dass im 2. Semi mehrere Balladen am Start waren. Könnte mir auch vorstellen, dass er nur knapp gescheitert ist.

  10. Gegen den Kirkorov-Schrott zu verlieren ist sehr bitter. Portugal mag ich zwar auch nicht, aber da kann ich es sogar noch nachvollziehen.

  11. Die Frage könnte auch lautem: Warum hat uns keiner lieb ? Das übliche Geschreibsel der Krawallpresse eben.

  12. Ich hätte Vincent gerne im Finale gesehen und gehört, aber nachdem er am Donnerstag nicht einmal den Elterntest bestanden hatte (weder meine Mutter noch mein Vater haben eine SMS geschickt …), war mir klar, dass das nichts werden wird.
    Leider hat mich Vincent auch einen Punkt im Tippspiel gekostet, aber deshalb bin ich ihm nicht böse. Wie könnte ich? Er sieht aus wie mein Ex aus London-Zeiten. 😍

    Schlussendlich war mMn ganz einfach das Lied nicht stark genug. Vincent selbst war klasse. Alles Gute für die weitere Karriere.

  13. Bei mir am Fernseher kam seine Stimme nicht gut durch; die Musik hat ihn erdrückt. War das bei Euch anders?

  14. ich bin mir zu 100 prozent sicher das Vincent bei der Jury in den Top 10 war. Ein Televoting Kracher ist das
    eh nie gewesen , daher keine Überraschung

  15. Hat man eigentlich schon was aus Irland gehört. Weiß man was da aktuell Sache ist und wie die Iren mit dem ausscheiden umgehen ?

  16. man die nacht war lang – danach gab es noch eishockey und baseball. 😀

    zum einem glaube ich,daß lieder aus frankreich oder auch portugal dieses jahr den rahm abschöpfen wenn es um so sachen wie berührung usw. geht – desweiteren scheinen die jurys zumindest 2021 nicht gewillt zu sein,einen schlappen song mit guter bzw. sehr guter stimme veredelt, automatisch zu honorieren.
    österreich stand im schwächeren semi 1 und hat es nicht geschafft – stattdessen die musikalischen „meisterwerke“ aus serbien,aserbaidschan und moldavien.
    tja,vielleicht sollte österreich mal seine strategie ändern – man hat wohl gedacht mit caesar 2 läuft das automatisch – irrtum!

  17. Die Zuschauer haben richtig entschieden. Sie haben erkannt dass sein Lied schwach und öde war….. Punkt!

  18. Das war das falsche Lied für dieses Jahr, ich denke das gab den Ausschlag.
    Viel hat sicher nicht gefehlt.
    Und er hatte auf jeden Fall Stil, was gewissen Kommentatoren manchmal leider fehlt

  19. Beim ORF sehe ich folgendes Problem- „bloß nicht mehr gewinnen, aber im Finale schon dabei sein“. Dieses Kunststück umzusetzen ist nicht so leicht. Das Lied für Vincent Bueno wurde auch intern gewählt. „Amen“ ist nicht schlecht. Aber bei einer internen Wahl hätte ich mir auch mehr Wums gewünscht.

    • Dieses Argument, das ja sehr oft gebracht wird, geht mir auf die Nerven. Es ist doch total unrealistisch, oder glaubst du, wenn ein Sender einen wirklich guten Song angeboten bekommt, dass die furchterfüllt davon laufen? Außerdem kann niemand wissen, welcher Song das Potential zum Sieg haben wird.

  20. Ein toller Typ der Vincent sein Song war gut aber vielleicht in dem Jahr nicht der richtige …Österreich hatte in den letzten Jahren ganz gute Ergebnisse. 2019 und jetzt hat’s nicht geklappt,aber das ist ja kein Beinbruch. Die Österreicher werden sich schon was einfallen lassen. Nächtstes Jahr wird’s wieder klappen. 👍👍👍👍

  21. Österreich kann sich noch zurücklehnen mit einem ersten und dritten Platz in einem Jahrzehnt. Aber das nächste Mal sollte es wieder klappen. Immerhin hat man das österreichischen Fernsehpublikum dazu gebracht konstant jedes Jahr in Scharen ESC zu schauen, gerade bei den Jungen sind die Einschaltquoten ziemlich hoch. Vielleicht ist es für Eberhard Forcher Zeit, Abschied zu nehmen, und man probiert mal ein neues Konzept aus. Vielleicht kann man es in die Hände von Cesar Sampson legen, damit hätte man auch ein Gesicht, das bei den Jungen bekannter und beliebter ist.

  22. Es lag schlichtweg am Song, der sich irgendwann nur noch in einer „Is this what you wanted?!“ – Schleife verloren hat. Zudem ziehen religiöse Balladen auch beim Publikum einfach nicht mehr. Man hört nur „Amen“ und ist im Schlafmodus.
    Finde Vincents Stimme für eine Ballade auch einfach nicht stark genug, kann aber Geschmackssache sein. Mag seine Stimmfarbe irgendwie nicht, wobei sie mich bei Alive nicht gestört hat.

    Bulgarien hat im Vergleich eine viel frischere Ballade abgeliefert, deren Text viel mehr im Jetzt ist.

  23. Der Song unserer österreichischer Nachbarn war um ein Vielfaches besser als z.B. Moldau oder Serbien. Offensichtlich gilt beim ESC immer noch Sex sells. Schade, dass wir nicht wahlberechtigt waren. Wir werden Vincent Bueno im Finale vermissen. Toller Song und großartig performt.

  24. Ich habe unseren Song nie im Finale gesehen und war daher auch nicht über das Ausscheiden überrascht. Ich finde allerdings nach wie vor, dass der ORF in den letzten Jahren immer wieder tolle Sängerinnen und Sänger zum ESC geschickt hat – und das wird auch wieder mal mit dem Finaleinzug klappen.

    • Ich glaube, dass Eberhard Forcher ein etwas festgefahrenes Bild davon hat, wie er Österreich vertreten sehen möchte: Männlich, weltbürgerlich und musikalisch irgendwo zwischen Soul, R’n’B und Funk (Paenda als „Notnagel“ mal ausgeschlossen). Das kann natürlich super funktionieren (2018), ist auf Dauer aber wahrscheinlich zu eingeschränkt.

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