Promi Big Brother 2019: Einer für alle – alle für Zlatko?

14 Millionen Zuschauer sahen im Schnitt den deutschen Vorentscheid 2001, als sich Zlatko Trpkovski mit der historischen Aussage „Vielen herzlichen Dank, Ihr Fotzköpfe“ nach seinem Auftritt bei den buhenden Zuschauern „bedankte“. Ich war damals beim Countdown Grand Prix 2001 in Hannover in der Halle dabei und hatte größte Befürchtungen, dass Zlatko aufgrund seiner Beliebtheit das Rennen machen und Deutschland mit „Einer für alle“ beim ESC in Kopenhagen vertreten würde.

Bereits nach seinen ersten Tönen ließ aber meine Anspannung etwas nach: der Gesang war einfach zu schief, der Text zu simpel und der Auftritt zu angepasst für einen Zlatko, der durch seine unangepassten Sprüche groß geworden war. Das Ergebnis bestätigte später den Eindruck: Zwar konnte Zlatko Rudolph Moshammer outperformen, blieb aber mit 3,7% der Zuschauerstimmen in der ersten Runde auf einem enttäuschenden Platz 6 hängen und kam damit nicht ins Superfinale, wo später Michelle das Rennen machte.

Zum Zeitpunkt des Vorentscheids lag die große Erfolgswelle von Zlatko bereits ein halbes Jahr zurück. Die hatte es aber in sich. Bekannt wurde er in der ersten Staffel von Big Brother in Deutschland. 41 Tage hielt er sich im Container und freundete sich vor allem mit Jürgen Milski an, der bis heute von seiner Ballermann- und Karnevals-Musik lebt (wobei er seinen Klassiker „Heute fährt die 18 bis nach Istanbul“ von 2007 nie übertreffen konnte).

Während die Big-Brother-Staffel im Mai 2000 noch lief, veröffentlichte Zlatko seine erste Single „Ich vermiss‘ Dich (wie die Hölle)“, die es bis auf Platz 1 in den deutschen und österreichischen Charts schaffte. Darin setzte er sich u.a. ironisch mit seinen Wissenslücken auseinander, die ihn im Container so populär gemacht hatten. Nachdem Jürgen Milski Zweiter der Show geworden und wieder „frei“ war, nahmen die beiden „Großer Bruder“ auf und landeten damit erneut einen Nummer-1-Hit in Deutschland.

Danach war aber die Luft raus. Weitere Singles, wie auch „Ich bleibe wer ich bin“ (erste Minute im Video oben) erreichten nur noch niedrige Platzierungen in den Verkaufshitlisten. Der Auftritt beim deutschen ESC-Vorentscheid am 2. März 2001 sollte für Zlatko den Befreiungsschlag bringen – scheiterte jedoch krachend. Im Gegensatz zu Jürgen Milski zog sich Zlatko anschließend aus der Öffentlichkeit zurück. Es war noch zu hören, dass er wieder in Schwaben als Kfz-Mechaniker arbeiten würde.

Nun steht nach einigem Zögern fest, dass Zlatko wieder in den Container zieht – diesmal aber bei Promi Big Brother. Das hat der übertragende Sender Sat.1 bestätigt. Unterschiedliche Medien hatten das in den letzten Tagen erst spekuliert. Es scheint aber so, dass er nicht in der ersten Rutsche direkt einzieht.

Die Zuschauerresonanz auf den deutschen Vorentscheid 2001 ist seither unerreicht. Sie war sicher auch Zlatko und seiner Prominenz geschuldet. Mit Michelle und Joy Fleming (ESC 1975), Illegal 2001, German Tenors, Wolf Maahn, Lou (ESC 2003) sowie dem bereits erwähnten Rudolph Moshammer hatte der NDR viele bekannte, großteils talentierte, aber auch polarisierende und die Öffentlichkeit liebende Künstler verpflichtet. Das sicherte im Vorfeld ein riesiges Medienecho, von dem der Wettbewerb heute nur träumen kann. Andererseits wurde aber auch nicht zuletzt mit dem Aufritt von Zlatko eine Qualitätsschwelle unterschritten, die beim ESC erst 2008 mit Dustin the Turkey erreicht wurde.



24 Kommentare

  1. Das Internet war ja noch nicht so weit, also gab es trotz Zlatko & Co nur eine Bild-Schlagzeile und laue Lüftchen. Gar nicht auszudenken, wie es heutzutage da abgehen würde. Wäre ein Paradies für Blogger mit Reichweite … 😉

    Der Vorentscheid war echt übel: 9 Mio TV-Zuschauer täuschen über das armselige Angebot hinweg. Fans des alten Grand Prix mögen das noch als Reminiszenz abfeiern, weil ihre in Formaldehyd getränkte Favoritin Miss Helium knapp gewonnen hatte. Doch so mies und klebrig wie Zlatko waren locker die allermeisten Songs. Selbst die gefeierten „Lesley, Joy & Brigitte“ hatten so was müffelndes (war es Joy Flemings Federboa?). Aber naja … für den eigenen Geschmack war damals wirklich nichts dabei.

  2. Dustin The Turkey war doch gerade wegen der Satire Qualität pur! Schönes Bühnenbild, eingängige Melodie und vor allem super lustiger Text! Ich liebe Dustin und ich stehe dazu 😍 „And don’t forget about the Swiss… cheese! Did we win? Irelande Douze Points!“ 😂😂

  3. Zlatko zieht heute live ab 20:15 Uhr mit zwei weiteren „Promis“ ein, die restlichen sind seit gestern kaserniert. 🙂

    Dustin The Turkey find ich tatsächlich auch immer noch witzig.

  4. Meine Güte, so viel ESC-Bezug wie zur Zeit hatte das deutsche Privatfernsehen ja schon lange nicht mehr 😉
    Das ist in der Tat ein echter Knüller, wenn man bedenkt, dass Zlatko seit seinem VE-Auftritt vor 18 Jahren (!) nirgendwo mehr nennenswert in Erscheinung getreten ist. Vielleicht kommt dann jetzt auch mal sein damals gecancelter Kinofilm auf irgendeinem Weg in die Öffentlichkeit.

  5. Ich war in meinen Teenager-Jahren großer Big-Brother-Fan der ersten Stunde und „Großer Bruder“ steht in meinem CD-Regal. Aber den VE-Auftritt empfand ich schon damals als sehr gruselige Angelegenheit, weil sowohl Stimme als auch Song so unglaublich schlecht waren. Ich hatte Titel und Melodie ehrlich gesagt total verdrängt… Meine Favoritin war 2001 übrigens Lou!

  6. Das ist doch jetzt ein schlechter Scherz, oder – Zlatko bei „Promi Big Brother“? Sein Promistatus ist doch schon längst verblaßt und deshalb hat er meiner Meinung nach auch nichts bei dieser Show zu suchen!

    • Wie oben schon geschrieben: Zlatko zog ja live ein und damit später als 9 andere. Daher war er auf der Liste wohl zu dem Zeitpunkt noch nicht vermerkt. 🙂

  7. 14 Millionen damals, was heißt, das damals zumindest einiges richtiger gemacht wurde als heute. Ich kann mich noch gut an diese VE erinnern und diese war sehr abwechslungsreich und gut produziert. Mittlerweile gibt es nur noch „hingeklatschte“ VE’s, völlig ohne Konzept.

    Was Zlatko betrifft. An das „ihr Fotzköppe“ erinnere ich mich noch sehr gut. Eigentlich ist diese VE gerade mal „nur“ 18 Jahre her. Er aber sieht mittlerweile aus wie nen alter Opa, wie nen alter Greis. Kokain und dauerhaft Alkohol sind vielleicht doch nicht die Lösung?!

  8. Wir brauchen wieder einen Vorentscheid wie 2001. Bis auf für Hardcorefans wie uns juckt den Vorentscheid doch niemanden mehr. Von langweiligen Sendungen wie 2017 oder einfach schwach besetzten Vorentscheiden wie dieses Jahr. Mehr Mut wünsche ich mir.

    • Grundsätzlich hast du damit Recht, aber man darf dabei nicht vergessen, dass

      1.) 2001 das Fernsehen an sich noch einen ganz anderen Stellenwert hatte, weil das Internet bei weitem noch nicht konkurrenzfähig war;

      2.) der ESC durch die Abschaffung von Orchester und Sprachregel gerade eine Frischzellenkur hinter sich hatte, die auch neue Zuschauergruppen erschlossen hat, was sich durch die deutschen Erfolge der Vorjahre und Stefan Raab noch verstärkt haben dürfte;

      3.) der VE damals auch vorab schon massiv durch die BILD-Zeitung gepusht wurde, welche heute nur noch einen Bruchteil ihrer damaligen Reichweite hat und außerdem eher im Clinch mit dem NDR liegt;

      4.) Jürgen Meier-Beer damals generell eine Aufreger- und Skandal-Strategie bei der Bestückung des VEs verfolgt und damit im zu der Zeit herrschenden Reality-Boom den Zeitgeist genau getroffen hat, was man auch, wenn man sich die Aufzeichnungen von damals anschaut, am dauer-buhenden Krawall-Publikum merkt. Solche deutschlandweit bekannten Reibungs-Objekte wie damals gibt es aber heute durch die gestiegene Medienvielfalt einfach nicht mehr. Würde man Katja Krasavice, Shirin David und Leon Machère aufstellen, wäre zwar das Jungvolk direkt gehooked, die Generation 30+ würde nur mit den Achseln zucken und gar nicht erst einschalten 😉
      14 Millionen in der Spitze sind für eine solche Show heutzutage ein völlig utopischer Wert. Sowas käme wohl nur zu Stande, wenn Helene Fischer, Rammstein und Capital Bra gegeneinander antreten würden.
      Dass ein No-Name-VE die Quoten nicht explodieren lässt, ist auch klar. Am Ende kommt es darauf an, wie man beim NDR die Prioritäten setzten möchte.

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