
Die 96. Generalversammlung der EBU in Prag hat laut einem Bericht von Eurovision Fun offenbar weitreichende Änderungen am Televoting-System des Eurovision Song Contests beschlossen. Demnach sollen die neuen Maßnahmen den Einfluss von Diaspora-Voting und politisch motiviertem Abstimmverhalten beim ESC 2027 deutlich reduzieren. Wie genau das erreicht werden soll, ist noch offen. Eurovision Fun geht davon aus, dass die EBU diese Informationen in den kommenden Wochen veröffentlichen wird.
Eurovision Fun beruft sich bei seiner Meldung auf eigene Quellen, also wahrscheinlich jemanden, der bei der Generalversammlung zugegen war. Gesichert ist damit derzeit noch nichts; die Website gilt in der ESC-Community aber als gut informiert. Die EBU will das Televoting demnach weiter reformieren, um Diaspora-Voting und politisches Voting noch stärker einzuschränken. Bereits für den ESC 2026 in Wien hatte die EBU die maximale Stimmzahl pro Person und Gerät von 20 auf 10 reduziert, um organisierte Fanmobilisierung und geopolitisch motiviertes Abstimmverhalten abzuschwächen. Nun sollen die Reformen noch weiter gehen; Details könnte die EBU in den kommenden Wochen bekanntgeben.
Welche konkreten Maßnahmen gemeint sein könnten, lässt sich derzeit nur spekulieren. Einen möglichen Hinweis liefert ein Mechanismus, über den wir bereits im Zusammenhang mit dem Eurovision Song Contest Asia berichtet haben: Dort ist geplant, dass Zuschauer für mindestens drei verschiedene Acts abstimmen müssen, um überhaupt am Voting teilnehmen zu können. Technisch umsetzbar wäre das über eine kontrollierbare App-Plattform wie ZOOP. Mit klassischem SMS- oder Telefonvoting wäre das hingegen nicht möglich.
Ob die EBU diesen oder einen ähnlichen Weg für den ESC 2027 einschlagen will, ist völlig unklar. Die Notwendigkeit zur Reduktion des politischen Votings ist aber eminent. Die EBU steht vor der Aufgabe, die Länder zurückzugewinnen, die den ESC 2026 boykottiert haben. Alles, was den Eindruck eines politisch beeinflussten Votings reduziert, sei es zugunsten der Ukraine wie 2022 oder Israels in den vergangenen Jahren, könnte dabei helfen, das Vertrauen in den Wettbewerb wiederherzustellen.
Der Einsatz einer Plattform wie ZOOP hätte natürlich diverse Konsequenzen. So könnten weniger durchdigitalisierte Länder (wie etwa Deutschland) einwenden, dass ein rein internetbasiertes Voting bestimmte Zuschauergruppen ausschließen würde. Andere Länder müssten sicherstellen, dass sie weiterhin für abgegebene Stimmen Geld verlangen können. Während in Deutschland die ARD mit dem Televoting kein Geld verdienen darf und Telefonanrufe daher nur 14 Cent kosten, müssen Zuschauer in anderen Ländern einen Euro oder mehr berappen.
Außerdem neigt ja nicht nur das Televoting zum politischen Voting. Auch die Juroren sind davon alles andere als frei. Dass sich Griechenland und Zypern gegenseitig die 12 Punkte zuschieben, ist schlicht nicht mehr ernst zu nehmen. Problematisch ist aber ebenso das schematische Setzen von Israel auf den letzten Platz durch andere Juror*innen. Die Liste der To-Dos für die EBU ist also weiterhin lang.
Wäre eine Pflicht, beim ESC für mehrere Acts abstimmen zu müssen, ein sinnvoller Schritt gegen politisches Voting? Oder greift die EBU damit zu tief in die Abstimmungsfreiheit der Zuschauer ein? Und welche anderen Maßnahmen könntest du dir vorstellen, um den Einfluss von Diaspora- und Power-Voting zu begrenzen? Lass es uns in den Kommentaren wissen!
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Na ja, solange man nicht weiß was konkret beschlossen wurde bringt uns diese Info an sich eher wenig. 🤷
Kommentar Flut von Matty, Jakub und Marko in 3, 2,…
…1, meins!! 😜
Viel Spaß dabei, Dich daran aufzugeilen … 😜 Ich kenn‘ die neuen Regeln allerdings bereits, insofern ist mein Kommentierungsbedarf hiermit schon gedeckt. Und tschüss 👋🏻 und rüber zum SCC!
Du kennst sie schon? Woher? Und kannst du uns bitte mehr dazu verraten?
Ich habe nur einen kleinen Fehler im Artikel kommentiert. Reicht das? 😉
Höchstens 3 Stimmen pro Beitrag und Gerät könnte eine Idee sein.
Und weiterhin maximal zehn Stimmen insgesamt.
Das sowieso.
Da wäre ich auch dafür
Klingt auf den ersten Blick sinnvoll. Allerdings wird es so wahrscheinlich auch schwieriger klare Televoting-Favoriten zu haben, was wiederum dazu führen könnte, dass „immer“ der Jury-Sieger gewinnt (dort Konzentration auf einen Beitrag möglich, Televoting noch mehr gestreut).
Trotzdem ist es wahrscheinlich die beste Lösung.
Ein „klarer Televoting-Favorit“, der erst auf Powervoting angewiesen wäre, um zu gewinnen, hätte es ohnehin nicht verdient, den Jurysieger auszustechen. Am Ende soll schon ein mehrheitsfähiger oder zumindest qualitativer Gewinner stehen.
Nun, komplett wird man das politische Voting nicht verhindern können. Man kann ja auch schlecht jemandem „unterstellen“ (überspitzt formuliert), dass bei der eigenen Entscheidung nicht der Geschmack maßgebend ist, sondern woher der Song kommt. Wenn man an den Balkan denkt z. B., ist es manchmal sogar ein bisschen nachvollziehbar, weil sie die Künstler: innen oft schon kennen und sich dort schon eine Fanbase aufgebaut hat. Sie wählen sich, denke ich, nicht gegenseitig, weil sie sich „ach so lieb“ haben, sondern halt die Musik bevorzugen.
Das Thema finde ich bei den Juries fiel dringender, denn die sollten wirklich objektiv nach Stimme und Musikalität beurteilen. Es kann mir doch wirklich niemand erzählen, dass jedes Jahr Griechenland bzw. Zypern bei der jeweiligen Jury ganz oben steht. Das scheint schon festzustehen, noch bevor die Songs bekannt sind. Oder anders ausgedrückt: In Moldavien sollen beim Sender Konsequenzen folgen, weil die Jury eigentlich nur einen Job gemacht hat, wofür sie da ist: nämlich nach Musikalität zu urteilen. Da stand Rumänien mal nicht ganz oben in deren Gunst, was ich völlig okay finde. Aber nein, sie haben sich „geoutet“, dass es bei der jeweiligen Jury (Moldawien/Rumänien) auch in der Vergangenheit, darum ging, dem Nachbarn was „Gutes zu tun“. Da liegt für mich der eigentliche Skandal. Das kann und darf nicht sein.
Um nochmal aufs Televoting zurückzukommen: Es wurde ja schon versucht, wenigstens ein bisschen gegenzusteuern, in dem man nur zehn Anrufe insgesamt zulässt. Ich würde sogar noch weitergehen: Es darf zwar zehnmal abgestimmt werden, aber nur jeweils für ein Act.
Ganz wird man es natürlich nicht wegbekommen. Wenn man es aber so macht wie in Asien (man muss für 3 verschiedene Acts stimmen) dann sehe ich voraus, dass politisch motivierte Voter erst für ihr Vorzugsland stimmen, und die restlichen Stimmen an 2 krasse Aussenseiter vergeben, un ihre Votes nicht zu verwässern…. was dann vielleicht zur Folge hat, dass die Top 3 Montenegro, UK und Deutschland sind 😂🤣😂
Stimmt, das könnte sich zum realen Problem entwickeln
Ich sehe sowohl das Pro als auch das Contra für den Einsatz der App. Man könnte hier vielleicht das Zuschauervoting splitten. Wir bleiben bei 50 % Jury. Dann 25 % Voting via App mit den 3 verteilten Votes und 25 % über Televote/SMS/Kreditkarte. Es würde immernoch zu einer Schwächung politischer Votes kommen, wenn auch nicht ganz so krass und trotzdem können Leute anrufen. Man müsste sich nur Gedanken machen, wie das verrechnet/bekannt gegeben wird.
Das ist ohne Details jetzt natürlich schwer, irgendwas dazu zu sagen. Hoffentlich wird es zeitnah von der EBU kommuniziert, aber da sollte man wohl eher nicht mit rechnen. Grundsätzlich kann man mMn politisches Voting nicht mit Herumschrauben am System verhindern, das ist eine Illusion. Und dass damit die Israel-Diskussionen verschwinden werden, ist auch sehr unwahrscheinlich.
Alles was hilft dieses politische voting einzuschränken hilft dem ESC seine Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen.
Ich persönlich würde echt lieber über eine App abstimmen als anzurufen. Warum nicht weiterhin 10 stimmen zulassen, aber maximal eine Stimme pro Kandidat ermöglichen, also können auch weniger als 10 stimmen abgegeben werden.
Reines App-Voting würde viele ältere Zuschauer ausschließen.
Doch. Bei jedem Stimmabgabe wird die Nummer mitgeschickt, egal ob Telefon oder SMS.
Ich bin gespannt, was sich die EBU hier überlegt hat. Ich kann mir letztendlich dann wirklich nur reines App-Voting vorstellen. Apps sind in dieser Hinsicht sicherer als „normale“ Webseiten im Browser, da Apps in geschlossenen Systemen (Smartphones, Smart-TV etc.) laufen. Nicht umsonst bieten viele Streaming-Anbieter die höchsten Qualitätsstufen nur für die Apps und nicht für den Browser an. Außerdem müsste man sich dann für das Voting vielleicht zusätzlich noch einen Account anlegen oder man verbindet sich mit dem Eurofan-Account.
Ansonsten könnte ich mir noch eine unterschiedliche Gewichtung der Votes vorstellen, falls von einem Land aus stark für das Nachbarland gevotet wird, obwohl in den übrigen Ländern sich die Begeisterung für dieses Land in Grenzen hält.
Dabei sind es doch die Jurys, die in diesem Jahr wieder extrem lächerlich abgestellt haben.
Man denke nur an das übliche Ding Griechenland-Zypern sowie die italienische Jury deren Votes man mittlerweile nur noch als Troll-Move ansehen kann.
OTBN
Ab heute können sich Künstler(innen) für die Teilnahme am Dansk Melodi Grand Prix bewerben:
https://eurovoix.com/2026/06/27/dansk-melodi-grand-prix-2027-song-submissions-open/
Die Bewerbungszeit endet am 25. Oktober 2026 um Mitternacht.