
Bei ihrer 96. Generalversammlung der European Broadcasting Union (EBU) in Prag ist am Donnerstag eine Entscheidung gefallen, die sich zuletzt schon abgezeichnet hat: Der kanadische öffentlich-rechtliche Sender CBC/Radio-Canada ist vom assoziierten Mitglied zum vollwertigen Mitglied der EBU aufgestiegen. Damit kann der Sender prinzipiell bereits 2027 auch am Eurovision Song Contest teilnehmen. Gleichzeitig hat der katalanische Sender 3Cat einen neu geschaffenen Sonderstatus erhalten. Grundlage für beide Entscheidungen war eine Änderung der EBU-Statuten, über die die Generalversammlung ebenfalls abgestimmt hat.
CBC/Radio-Canada ist kein Neuling in der EBU-Familie. Der Sender war bereits seit der Gründung der EBU im Jahr 1950 assoziiertes Mitglied, hat also eine lange Geschichte der Zusammenarbeit mit europäischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Aufgrund der Statuen und der geografischen Begrenzung der EBU war eine vollwertige Mitgliedschaft des Senders aber bisher nicht möglich. Das ändert sich jetzt.
Die Statutenänderung schafft einen Rahmen für Vollmitgliedschaften außerhalb des klassischen europäischen Sendegebiets. Voraussetzung: Das Land muss über ein öffentlich-rechtliches Mediensystem verfügen, das mit den Grundwerten des Europarats vereinbar ist, und einen Beobachterstatus beim Europarat besitzen. Kanada erfüllt beide Bedingungen.
EBU-Generaldirektor Noel Curran erklärte dazu:
„CBC/Radio-Canada ist seit unserer Gründung 1950 Teil der EBU-Familie. Als einer der führenden öffentlich-rechtlichen Sender der Welt hat er unsere Union bereits enorm bereichert und dazu beigetragen, die Standards des öffentlich-rechtlichen Qualitätsjournalismus zu setzen und aufrechtzuerhalten. Die Vollmitgliedschaft bedeutet, dass wir nun noch mehr gemeinsam tun können: bei der Plattformverantwortung, bei vertrauenswürdigem Journalismus und bei der Resilienz, die öffentlich-rechtliche Sender in den kommenden Jahren aufbauen müssen. Kanadas Stimme in dieser Gemeinschaft macht uns stärker.“
Marie-Philippe Bouchard, Präsidentin und CEO von CBC/Radio-Canada, sagte:
„Vielen Dank an die EBU für die Aufnahme von CBC/Radio-Canada als vollwertiges Mitglied. Dieses neue Kapitel unserer Beziehung zur EBU und ihren Mitgliedern wird unsere Zusammenarbeit vertiefen zu einem Zeitpunkt, an dem die kollektive Wirkung öffentlich-rechtlicher Medien essenziell ist. Es ist ein wichtiger Meilenstein, der Menschen auf beiden Seiten des Atlantiks zugute kommt, indem er zur Bekämpfung von Desinformation beiträgt und kulturellen Ausdruck fördert. Als Vollmitglied starten wir sofort durch und kündigen unsere vollständige Teilnahme am Eurovision News Exchange an.“
Diese Entscheidung hat vielfältige Auswirkungen. So hat CBC als Vollmitglied Zugang zu allen EBU-Netzwerken für investigativen Journalismus, Verifikation, digitale Nachrichten und Daten. Dazu kommen die Eurovision News Exchange und die Euroradio Music Exchange. Zur letztgenannten gehört auch der Eurovision Song Contest.
Kanada braucht nunmehr also keine Sonderregelung mehr wie Australien, um am ESC teilnehmen zu können. Letztlich kann das der Sender ab jetzt jederzeit selbst entscheiden. Auf die Frage, ob Kanada beim ESC 2027 in Bulgarien antreten wird, schwieg sich CBC noch aus. Sprecher Leon Mar ließ lediglich verlauten: „Wir werden uns später zum Eurovision Song Contest äußern.“ Eine Absage sieht anders aus.
Ähnlich wie in Luxemburg scheint es auch von kanadischer Regierungsseite ein Interesse an einer ESC-Teilnahme zu geben. Bereits im kanadischen Regierungshaushalt 2025 hatte die Carney-Regierung angekündigt, gemeinsam mit CBC die Möglichkeit einer ESC-Teilnahme zu prüfen. Nicht zuletzt Premierminister Carney soll sich persönlich für das Projekt stark gemacht haben. ESC-Direktor Martin Green erklärte im Mai, dass der Wettbewerb eine kanadische Beteiligung herzlich willkommen heißen würde. ESC kompakt hatte das damals eingeordnet und auf die dafür notwendige Statutenänderung hingewiesen, die nun beschlossen wurde.
Kanada wäre damit das erste nicht-europäische Land, das als vollwertiges EBU-Mitglied am ESC teilnehmen könnte; Australien ist bis heute nur assoziiertes Mitglied, dessen Teilnahme weiterhin auf einer Sondergenehmigung basiert. Prinzipiell könnte sich das aber ändern, wenn der australische Sender dieselben Voraussetzungen erfüllt wie jetzt CBC.
Neben Kanada hat die EBU-Generalversammlung auch für den katalanischen Sender 3Cat eine Entscheidung getroffen. Er wird als erstes sogenanntes „Ancillary Member“ in die EBU aufgenommen, was man am besten mit „assoziiertes Mitglied mit erweiterter Beteiligung“ übersetzen könnte. Dieser Status wurde erst durch die heute beschlossene Statutenänderung geschaffen und richtet sich ausdrücklich an Rundfunkanbieter, die eine große autonome Sprachgemeinschaft bedienen.
3Cat sendet auf Katalanisch und erreicht mehr als acht Millionen Menschen. Die Beziehung zur EBU besteht schon seit über 15 Jahren, bisher als sogenannter „Approved Participant“ über Catalunya Música. EBU-Generaldirektor Noel Curran lobte den Sender als „modernen, zukunftsorientierten Rundfunkanbieter mit starker Expertise, die er einbringen kann: bei katalanischsprachigen Inhalten, bei der digitalen Transformation, beim Qualitätsjournalismus für regionale Zielgruppen.“

Konkret heißt das: 3Cat wird künftig katalanischsprachige Inhalte zur Eurovision News Exchange und zur Euroradio Music Exchange beisteuern und bringt damit sowohl mengenmäßig Content als auch redaktionelle Vielfalt in die EBU-Netzwerke ein. Sein Knowhow in der Minderheitensprachenberichterstattung, bei der crossmedialen Integration und der digitalen Transformation soll anderen EBU-Mitgliedern zugute kommen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Eine ESC-Teilnahme Kataloniens ist damit allerdings NICHT verbunden und auch nicht vorgesehen. Der Ancillary-Status ist also kein Weg in den Wettbewerb.
Würdest Du Kanada beim ESC begrüßen, oder gehört der Wettbewerb für Dich nach Europa? Glaubst Du, dass CBC/Radio-Canada die Chance nutzt und 2027 in Bulgarien dabei ist? Welches Land würdest Du Dir sonst noch als neues ESC-Mitglied wünschen? Lass es uns in den Kommentaren wissen!
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Beste Entscheidung mit politischer Tragweite – man rückt enger zusammen und ideell voll im Sinne der Gründer des Eurovision Song Contest.
Sehe ich ebenso.
OT: Freue mich, dass Ecuador weiter dabei ist. 🥳🥳🥳
Verdient! Wäre schade gewesen, wenn die mit ihrer Qualität rausgeflogen wären. Also weitsichtige Entscheidung unseres Bundestrainers! 😉
Aber bei der Nachbesprechung abgestellt, weil bestimmte Positionen immer noch von „Experten“ schöngeredet werden.
Nachbesprechung sehe ich fast nie. Ich verstehe ja, was ich gesehen habe.
Hab nach der Schicht die letzten 20 Min. vor der Tankstelle mit einigen Stammkunden geschaut. Die Trainer- und Ersatzbank von Ecuador sah aus wie der Backstage-Bereich bei RiP. Sebastian Beccacece hat die Haare schön. Und dann noch der rockige Typ mit dem Bart. 😉
Da kann ja nun Justin Bieber ft Katy Perry für Kanada an den Start gehen. 😜🫣🫣🫣 *duckundweg*
Meine Lieblingsmusik aus Kanada kommt von Black Atlass, Coeur de Pirate und Michelle Gurevich.
Nummer 2 sagt mir sogar was.
P.S. Parg hat einen neuen zweisprachigen Song draußen. 💃💃💃
Macht gute Laune. 💃💃💃
Oh ja. Klingt nach Sommerhit. 😎
Shawn Mendes, Shania Twain, The Weeknd, Arcade Fire, Sarah McLachlan ….
Ich würde Kanada sehr herzlich begrüßen!
Ansonsten würde ich beim ESC natürlich, die bereits viel genannten, Kasachstan (bereits mehrmalige JESC-Teilnahme) und Kosovo Willkommen heißen, aber, speziell bei Kosovo würde es dann wieder politische DIskussionen geben, da von mehreren EBU-Ländern Kosovo nicht anerkannt wird.
Und wir hätten mit Albanien und Kosovo ein weiteres 12/12-Szenario …
Sogar 24/24. Und die weiteren 10 Punkte (Jury + Televoting) gehen an Italien.
So ganz hat man die pure Anerkennungslehre für die Eurovisionsteilnahme früher auch nicht umgesetzt. Spanien hat z.B. Israel erst 1986 anerkannt. Da waren die schon 13 Jahre beim ESC. Portugal 1977, Andorra und andere auch später.
To whom it may concern: Das ist nur ein Beispiel und keine Einladung, irgendwas zu dem Nahostkonflikt zu diskutieren.
Es geht ja beim Kosovo auch eigentlich nicht um die Anerkennung durch einzelne Staaten, sondern um die fehlende ITU-/UN-Mitgliedschaft.
Das ist die praktische Umsetzung des Carney-Programms. Ich bin da persönlich etwas zwiegespalten. Einerseits finde ich diese Politik von Mark Carney wirklich vorbildhaft und diesen EBU-Beitritt absolut richtig. Andererseits bin ich eigentlich gegen die ESC-Teilnahme eines nichteuropäischen Senders, der bislang gar nichts mit dem ESC zu tun hatte. Das verwässert mMn schon den Markenkern. Trotzdem bin ich natürlich sehr gespannt, wie die kanadische Teilnahme nächstes Jahr aussehen wird.
Coolio!
Billy Talent, Propagandhi… und Sum 41 starten ihr Comeback. 😉 😛
als ft. Justin Bieber oder Katy Perry. 😜 und am Ende ist Nickelback am Start.
Haha. Möglich.