Die Moderation von Victoria Swarovski und Michael Ostrowski beim ESC 2026 (Viva Vienna 31)

Victoria Swarovski und Michael Ostrowski – Foto: EBU / Sarah Louise Bennett

Der Eurovision Song Contest feierte in diesem Jahr sein 70-jähriges Jubiläum – der zweite runde Geburtstag des Wettbewerbs, der in Wien gefeiert wurde, denn schon 2015 war Österreichs Hauptstadt Gastgeber. Während damals ein Damen-Trio den 60. ESC moderierte, reduzierte man dieses Jahr auf ein Duo: Victoria Swarovksi und Michael Ostrowski. Doch waren die beiden TV-Persönlichkeiten dieser großen Aufgabe wirklich gewachsen?

Vorab sei gesagt, dass selbstverständlich jede Person eine andere Wahrnehmung hat – das gilt nicht nur bei den ESC-Wettbewerbsbeiträgen, sondern auch bei allem drumherum. Während es sicherlich auch viele Menschen gab, denen die diesjährige Moderation gefiel, beleuchten wir hier die übergreifenden Rückmeldungen aus der ESC-Fancommunity und den (internationalen) Medien. Als Autor dieses Artikels gebe ich natürlich auch meine persönliche Meinung ab.

Schon als über mögliche Moderator*innen des ESC 2026 spekuliert wurde, fiel der Name Victoria Swarovski immer wieder. Sowohl in Österreich, als auch in Deutschland war der Konsens (vor allem online), dass man die Moderatorin nicht für die beste Wahl hielt – auch bei uns auf Instagram. Vor allem durch ihre Arbeit bei RTL-Formaten wie Das Supertalent und Let’s Dance polarisiert Victoria Swarovksi stark und wird unter anderem für ihre zu glatte, perfekte Art kritisiert.

Als Swarovski dann tatsächlich für die Moderation ausgewählt wurde, las ich sogar Kommentare, in denen der Verdacht geäußert wurde, sie wurde lediglich wegen ihres Namens ausgewählt. Auch der Fakt, dass andere weibliche Hosts in Frage gekommen wären, sorgte möglicherweise für einen zusätzlichen Groll, den viele gegen Victoria hegten. Ich hatte ehrlich gesagt ebenfalls Bedenken, ob sie wirklich die richtige Wahl war.

Während es Gerüchte um Moderatoren wie Andi Knoll, Philipp Hansa oder auch Philipp Hochmair gab, war es am Ende Michael Ostrowski, der vom ORF als zweiter Host ausgewählt wurde. Schon seit den 1990er-Jahren ist er im deutschsprachigen Raum vor allem als Schauspieler bekannt. Dabei fällt Michael immer wieder durch sein komödiantisches Talent auf, was er sich auch bei der ESC-Moderation zu Nutze machte (siehe oben) – ein einigen Stellen jedoch etwas „zu gewollt“.

Innerhalb der Fan-Community hatte ich persönlich den Eindruck, dass viele die beiden Hosts (vermutlich unterbewusst) mit den Schweizer Moderatorinnen im Jahr zuvor verglichen. Dass mit einer Hazel Brugger kaum jemand mithalten kann, war von vorn herein klar. Die Presse, Online-Stimmen und Expert*innen waren jedoch ebenfalls wenig begeistert, was darauf hindeutet, dass Victoria und Michael auch unabhängig von der Basel-Moderation einen eher negativen Eindruck hinterließen.

An sich war nichts „falsch“ mit der Moderation, doch irgendwie sprang der Funke am TV-Bildschirm nicht über. Nur wenige Momente wirkten locker und nicht einstudiert. Moderator und Großbritanniens ESC-Kommentator Graham Norton bezeichnete es an einer Stelle ziemlich treffend: Victoria und Michael haben einfach „keine Chemie“. An einer Stelle der Show konnte sich Graham Norton sogar ein sadly we now return to our hosts“ nicht verkneifen, was soviel wie „Leider geht’s jetzt mit unseren Moderator*innen weiter“ heißt (siehe oben).

Besonders viel Kritik mussten die beiden Hosts – wie ich finde zurecht – für ihren immer-wiederkehrenden Witz rund um die Ähnlichkeit der Worte „Austria“ und „Australia“ einstecken. Dass dieses Thema überhaupt als so essenziell gesehen wurde, um ihm den eigenen Pausenact „Opposites“ im ersten Halbfinale zu widmen (siehe unten), war für viele bereits fragwürdig. Dieses Wortspiel jedoch immer wieder herauszukramen, fühlte sich zweifelsohne inspirationslos an.

Nicht besonders gut umgesetzt war zudem die beinahe nicht-wahrzunehmende Moderation von Emily Busvine aus dem Green Room. Während Conchita als Green-Room-Host 2015 zumindest regelmäßig Small Talk mit den Teilnehmenden führte, war Emily nur ganz selten im Bild zu sehen. Wenn es dann mal soweit war, wirkte sie – ähnlich wie Victoria Swarovksi – sehr perfektionistisch und wenig spontan.

Einen der – zumindest in der Fancommunity – größten Kritikpunkte gab es jedoch für einen ganz anderen Moment des ESC 2026. Während das Opening im zweiten Semifinale, in dem Victoria und Michael „Wasted Love“ unfallreich performten, meines Erachtens nach noch sehr gut umgesetzt wurde und echt lustig war, gab es in selbiger Show einen Einspieler, der weniger gut ankam – und bei einigen sogar für Entsetzen sorgte.

Der ORF und die EBU entschieden sich dafür, der Frage „Warum gibt es so viele Schwule beim ESC?“ (O-Ton aus der Sequenz „Professor Eurovision“) auf den Grund zu gehen. Aber leider nicht so humorvoll, wie es Schweden oftmals praktiziert hat, sondern eher wissenschaftlich. Während ich persönlich es nicht verwerflich finde, darüber zu sprechen, dass der ESC für viele in Verbindung mit der LGBTQ+-Community steht, war es vor allem die Art und Weise, wie darüber gesprochen wurde, die für gemischtes Feedback sorgte.

Ich persönlich vermute, die EBU hat bei der Umsetzung der Thematik eher die Normalo-Zuschauerschaft im Sinn gehabt, die tatsächlich eine faktenbasierte Antwort auf diese Frage haben möchte. Auf viele Fans wirkte es jedoch wenig empathisch und fast schon respektlos, wie das Thema behandelt wurde. Victoria Swarovski belegt in der Sequenz, wie viele heterosexuelle Acts doch bereits am ESC geteilnommen haben (siehe oben). Faktisch ist das zwar korrekt – die Umsetzung und Wortwahl konnten jedoch unsensibel wahrgenommen werden.

Interessanterweise gibt es die „Professor Eurovision“-Clips auf dem offiziellen Eurovision-YouTube-Kanal nicht mehr separat bzw. einzeln abrufbar, sondern lediglich als Teil des Livestreams des zweiten Halbfinals (siehe oben, ab Minute 33:58). Mehrere Sequenzen, beispielsweise auch das stark polarisierende „Eurovision Quiz“, wurden in vielen Ländern übrigens gar nicht ausgestrahlt und stattdessen für eine Werbeunterbrechung genutzt.

Alles in allem muss ich sagen, dass mein persönlicher Eindruck nicht gaaanz so negativ war, wie der vieler Fans und Kritiker*innen. Allerdings habe ich von vorn herein an Victoria Swarovski und Michael Ostrowski keine allzu hohen Erwartungen gehabt. Dass die Moderatio, insbesondere vor dem Hintergrund des 70-jährigen Jubiläums etwas „underwhelming“ war, kann ich aber definitiv nachvollziehen.

Ist dir wichtig, wie die Moderation beim ESC umgesetzt wird? Waren Victoria und Michael die richtige Wahl für den 70. ESC in Wien? Was hat dir an ihrer Moderation gefallen – und was nicht? Lass uns gerne deine Meinung da.

In unserer Reihe Viva Vienna bereits erschienen:

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1 Kommentar
Matty
Matty
10 Minuten zuvor

Gehört für mich zu den guten Moderationen beim ESC in diesem Jahrzehnt. Spannend ist, wie das unser Philipp-Hansa-Fanboy sieht. Antwort in 3 – 2 – 1 …

Last edited 3 Minuten zuvor by Matty