Musical Acts beim ESC – Wann stirbt der Trend denn wieder? (Viva Vienna 29)

Viktoria und Michael haben nicht nur moderiert, sondern auch performt. Erfolgreich? Foto: EBU / Sarah Louise Bennet

Wer kann sich noch daran erinnern? Soeben ist das Finale des Eurovision Song Contest 2016 über die Bühne gegangen – und was für eines! In einem Herzschlagfinale hatte die Ukraine Russland noch vom Thron gestoßen und sich die ESC-Krone gesichert. Ausgerechnet mit einem kontroversen Song über die Deportation der Krimtataren während des Zweiten Weltkriegs. Die Credits laufen, die Sendung ist vorbei und ESC-Fans wie auch ESC-Ferne haben nur noch eine Sache im Kopf: „LOVE LOVE, PEACE PEACE!!“

Ja, Musical-Acts gab es im ESC-Kosmos auch schon vor 2016. Aber erst als Petra Mede und Måns Zelmerlöw den Smash-Hit als Pausen-Act zum Besten gaben, entwickelte sich daraus so etwas wie ein Trend. Gleich vorab: Dieser Artikel soll kein Best-of der Musical Acts werden. Falls ihr das erwartet habt, muss ich euch leider enttäuschen. Bei Viva Vienna lassen wir schließlich die Show in Wien Revue passieren – und damit konzentrieren wir uns natürlich auf das, was im Mai passiert ist.

Am Titel „Wann stirbt der Trend denn wieder?“ kann man vermutlich schon erahnen, wie ich zum Konzept „Musical-Act“ stehe. Trotzdem muss ich dafür ein wenig ausholen.

Wer das Melodifestivalen kennt, weiß, dass solche Showeinlagen der Moderator*innen – gelegentlich ergänzt durch Gast-Acts – dort längst Tradition haben. Im Grunde haben die Schweden dieses Konzept auch beim ESC etabliert, allen voran Petra Mede. Und weil sie das schon so lange machen, haben sie darin eben auch eine gewisse Routine entwickelt. Tatsächlich müssen für einen gelungenen Musical-Act einige Dinge zusammenspielen:

  • Ein eingängiger Refrain
  • Eine geballte Ladung Wortwitz
  • Charismatische Interpret*innen
  • Unerwartete Wendungen und Überraschungen (wie eben Gäste)
  • Ein Thema, das in dieser Form noch nie behandelt wurde und auf das vermutlich niemand freiwillig gekommen wäre
  • Und natürlich ein eingängiger Refrain. Ja, den hatte ich schon erwähnt – aber er ist eben wirklich wichtig

Das sind die Grundvoraussetzungen. Fehlt einer dieser Faktoren, kann ein Musical-Act schnell zum Reinfall werden. So vielleicht auch in Wien geschehen.

Viktoria Swarovski und Michael Ostrowski präsentierten im Rahmen der Shows im Mai gleich drei Musical Acts. Zum einen gab es das humoristische Opening des zweiten Halbfinales, in dem das Staging von „Wasted Love“ parodiert wurde. Zudem wurde ebenfalls „I’m so excited“ von den beiden performt, in dem gerade Viktoria ihre Tanz-Skills auspacken durfte.

Zum anderen folgte im ersten Halbfinale der Pausen-Act „Opposites“, der sich der verblüffenden Ähnlichkeit zwischen „Austria“ und „Australia“ im Englischen widmete und als klassischer Musical-Act inszeniert war.

Dass diese beiden Acts wohl kaum in die ESC-Geschichte eingehen werden, liegt für mich daran, dass viele der oben genannten, notwendigen Zutaten gefehlt haben. Zu sehr hatte man in Wien das Gefühl, sich an früheren Shows zu bedienen. Spätestens seit Malmö wirkt es fast so, als gäbe es nur noch eine einzige Art, eine ESC-Show zu strukturieren. Ich hatte das Gefühl dass man Viktoria und Michael eben in dieses ESC-Moderations-Korsett gezwungen hat. Nach dem Motto: Sind sie prädestiniert für diese Art Musical-Einlage? Egal, sie müssen, das macht man nun eben beim ESC in letzter Zeit.

In Basel gelang mit „Made in Switzerland“ zwar noch einmal ein gelungener Musical Act, aber auch dort wurde das Rad letztlich nicht neu erfunden. (Wir sind natürlich dennoch dankbar für diesen Evergreen).

Für den ESC in Sofia hoffe ich deshalb, dass man sich von dem Trend der (mitunter etwas erzwungen wirkenden) Musical-Acts verabschiedet, nicht einfach bestehende Konzepte kopiert und das bulgarische Fernsehen der Show stattdessen einen ganz eigenen Stempel aufdrückt.

Wenn die Schweden ihre Musical-Acts weiterhin machen wollen, dann sollen sie das gerne tun. Nummern wie Gina Gråter“ hatten sogar Songs, die mit etwas Fantasie problemlos selbst im Teilnehmerfeld hätten antreten können. Das bestätigten übrigens auch meine Freunde ganz von selbst – jene Menschen also, die ich regelmäßig dazu zwinge, mit mir ESC-Vorentscheide zu verfolgen – allen voran das Melodifestivalen.

Aber im Rest Europas gibt es genug Kreativität und Talent, um selbst ikonische ESC-Momente auf die Bühne zu zaubern – ganz ohne schwedisches Vorbild. Ich will auch an dieser Stelle nicht Viktoria und Michael diskreditieren oder ähnliches. Ich denke nur nicht, dass die Musical-Acts, die sie in Wien abgeliefert haben, einen wirklichen Mehrwert boten. Aber vielleicht seht Ihr das ja anders?

Lasst es mich in den Kommentaren wissen: Wie steht Ihr zu Musical-Acts beim ESC? Könnt Ihr nicht genug davon bekommen oder seid Ihr auch froh, wenn es damit Mal vorbei ist? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

In unserer Reihe Viva Vienna bereits erschienen:

Diese Rückblickserien auf die letzten fünf Ausgaben des Eurovision Song Contest sind bereits erschienen:



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12 Comments
Matty
Matty
1 Stunde zuvor

Ich liebe Musicals! Victoria und Michael haben ihre Musical Acts gemeistert und nächstes Jahr wird es auch gut werden.

Last edited 1 Stunde zuvor by Matty
sam1
sam1
59 Minuten zuvor

OT:

Die Deutsche Frauen Nationalmannschaft zeigt, dass sie keine Angst vor großen Gegnern hat, anders als die Deutsche Männer Nationalmannschaft

Nun steht es also fest gegen wen die Deutsche Frauen Nationalmannschaft im kommenden Oktober testen wird.

Es sind 2 Mannschaften, die bei den Frauen zur absoluten Weltspitze gehören und mit lauter Topspielerinnen gespickt sind.

Am 9. Oktober 2026 um 20:30 Uhr werden sie in Karlsruhe gegen die Topmannschaft und Mit-Gastgeber der Frauen WM 2023 Australien ein Testspiel bestreiten.

Das letzte Spiel zwischen diesen Mannschaften war auch ein Testspiel und zwar 2024 und Australien konnte mit 2:1 gewinnen. Dieses Spiel damals war auch gleichzeitig der offizielle Abschied und das letzte Spiel in der Nationalmannschaft von der lebenden Legende Alexandra Popp gewesen. Zuvor hatte die Deutsche Frauen Nationalmannschaft sie aber bei Olympia 2024 klar mit 3:0 geschlagen.

Und am 13. Oktober 2026 um 17:45 Uhr werden sie in Bremen gegen die Topmannschaft Japan ein Testspiel bestreiten.

Japan ist gespickt mit absoluten Topstars, darunter u.a. Momoko Tanikawa vom FC Bayern.

Und Japan wurde 2011 bei der Frauen WM bei uns in Deutschland Weltmeister und hat dabei u.a. die Deutsche Frauen Nationalmannschaft im Viertelfinale rausgeschmissen.

Das bisher letzte Spiel zwischen Deutschland und Japan, bei den Frauen, gab es 2019 und es war auch ein Testspiel, dass damals 2:2 endete.

Da macht die Deutsche Frauen Nationalmannschaft wirklich alles richtig. Denn nur gegen solche Gegner wird man auch wirklich besser. Es werden auf jeden Fall 2 Spiele auf Augenhöhe.

Bei der Deutschen Männer Nationalmannschaft wären solche Testspielgegner undenkbar. Sie haben sich nämlich im Vorfeld der Männer WM 2026 lauter Testspielgegner ausgesucht, die bestenfalls mittelmäßig sind. Und gegen solche Gegner wird man eben nicht wirklich besser. Mal schauen ob sich das unter Jürgen Klopp ändern wird.

Und das ist auch der Unterschied, warum die Deutsche Frauen Nationalmannschaft derzeit zur Weltspitze gehört und die Deutsche Männer Nationalmannschaft eben nicht und davon derzeit auch weit entfernt ist.

Last edited 45 Minuten zuvor by sam1
Festivalknüller
Festivalknüller
44 Minuten zuvor
Reply to  sam1

🙄

ESC1994
ESC1994
42 Minuten zuvor
Reply to  sam1

Und das hat jetzt genau WAS mit dem Artikel von Max zu tun?? 🙄

Matty
Matty
2 Minuten zuvor
Reply to  sam1

Es reicht jetzt!

Festivalknüller
Festivalknüller
40 Minuten zuvor

Musical-artige Unterhaltungsacts in den Zwischenpausen wird es wohl auch zukünftig geben. Wie soll man die freie Zeit sonst sinnvoll überbrücken.
Mal gelingen sie, mal nicht. Aber ohne wird es nicht gehen.

ESC1994
ESC1994
38 Minuten zuvor

Joa, so langsam habe ich diese Art von Pausenact auch schon über. Damals war „Love Love, Peace Peace“ ja noch originell, mit jedem weiteren Act wirkte es dann abgestandener, lediglich „Made in Switzerland“ fand ich noch amüsant. Zu Wien sage ich mal lieber nix, besonders die Nummer mit Go-Jo fand ich einfach nur unangenehm und peinlich. 😩

Porsteinn
Mitglied
Porsteinn
26 Minuten zuvor

Schließe mich an. Sobald die Kür zur Pflicht wird, ist es Zeit für frischen Wind.

Malge1985
Malge1985
18 Minuten zuvor

Musicals sind doch eh jetzt Out! 😉

Nun kommt die Quiz-Ära beim ESC. 🥳 Wer zuerst 12 Punkte auf sein Quizkonto hat, gewinnt den ESC.

Da weiß man dann auch schon, wenn in drölfzig Jahren Deutschland mal gewinnen sollte, das Günther Jauch mit Jörg Pilawa und Babsi moderieren werden. 😱😂

*duckundweg*

konstantin berlin
Mitglied
konstantin berlin
17 Minuten zuvor

Gibt Schlimmeres.

Gwendolyn
Gwendolyn
9 Minuten zuvor

Ich stehe total auf Musicals und solange solche Pausen Acts originell und nicht auf Krampf zusammengeschustert sind, dürfen sie gerne beim ESC einfließen , sie sind immer sehr unterhaltsam während der votingpause und allemal besser als die zähen langatmigen Interviews mit Dreifach-Translation mit den Teilnehmern vom Intervision letztes Jahr (ja ich weiß , Verräter🫣) , und oft auch besser als die Zwangspräsentation der neuesten Kreationen der Vorjahressieger , ich denke da mit Schaudern an Nemo mit seinem „Song“ aus der Welt des Wahnsinns

Lorenz
Lorenz
2 Minuten zuvor

Ich mag Musicals beim ESC oder Melodifestivalen. Sie müssen, wie Max gesagt hat, aber gut gemacht sein und charismatisch präsentiert werden von den Moderatoren. Dies gelang dem Moderationsduo in Wien dieses Jahr nicht, während es den Schweizern und vor allem den Schweden immer wieder gelingt. Bestes Beispiel dafür ist „Gina Gråter“.😃 Besonders die Nummer mit Go-Jo fand ich einfach nur unangenehm und peinlich. Wenn ihm ausserdem die Melodie eines Musicals nach dem Ende diesem nicht als ein Ohrwurm erhalten bleibt, war es kein gutes Musical. Das war leider dieses Jahr bei der Nummer mit Go-Jo der Fall. 😐