
Wer kann sich noch daran erinnern? Soeben ist das Finale des Eurovision Song Contest 2016 über die Bühne gegangen – und was für eines! In einem Herzschlagfinale hatte die Ukraine Russland noch vom Thron gestoßen und sich die ESC-Krone gesichert. Ausgerechnet mit einem kontroversen Song über die Deportation der Krimtataren während des Zweiten Weltkriegs. Die Credits laufen, die Sendung ist vorbei und ESC-Fans wie auch ESC-Ferne haben nur noch eine Sache im Kopf: „LOVE LOVE, PEACE PEACE!!“
Ja, Musical-Acts gab es im ESC-Kosmos auch schon vor 2016. Aber erst als Petra Mede und Måns Zelmerlöw den Smash-Hit als Pausen-Act zum Besten gaben, entwickelte sich daraus so etwas wie ein Trend. Gleich vorab: Dieser Artikel soll kein Best-of der Musical Acts werden. Falls ihr das erwartet habt, muss ich euch leider enttäuschen. Bei Viva Vienna lassen wir schließlich die Show in Wien Revue passieren – und damit konzentrieren wir uns natürlich auf das, was im Mai passiert ist.
Am Titel „Wann stirbt der Trend denn wieder?“ kann man vermutlich schon erahnen, wie ich zum Konzept „Musical-Act“ stehe. Trotzdem muss ich dafür ein wenig ausholen.
Wer das Melodifestivalen kennt, weiß, dass solche Showeinlagen der Moderator*innen – gelegentlich ergänzt durch Gast-Acts – dort längst Tradition haben. Im Grunde haben die Schweden dieses Konzept auch beim ESC etabliert, allen voran Petra Mede. Und weil sie das schon so lange machen, haben sie darin eben auch eine gewisse Routine entwickelt. Tatsächlich müssen für einen gelungenen Musical-Act einige Dinge zusammenspielen:
- Ein eingängiger Refrain
- Eine geballte Ladung Wortwitz
- Charismatische Interpret*innen
- Unerwartete Wendungen und Überraschungen (wie eben Gäste)
- Ein Thema, das in dieser Form noch nie behandelt wurde und auf das vermutlich niemand freiwillig gekommen wäre
- Und natürlich ein eingängiger Refrain. Ja, den hatte ich schon erwähnt – aber er ist eben wirklich wichtig
Das sind die Grundvoraussetzungen. Fehlt einer dieser Faktoren, kann ein Musical-Act schnell zum Reinfall werden. So vielleicht auch in Wien geschehen.
Viktoria Swarovski und Michael Ostrowski präsentierten im Rahmen der Shows im Mai gleich drei Musical Acts. Zum einen gab es das humoristische Opening des zweiten Halbfinales, in dem das Staging von „Wasted Love“ parodiert wurde. Zudem wurde ebenfalls „I’m so excited“ von den beiden performt, in dem gerade Viktoria ihre Tanz-Skills auspacken durfte.
Zum anderen folgte im ersten Halbfinale der Pausen-Act „Opposites“, der sich der verblüffenden Ähnlichkeit zwischen „Austria“ und „Australia“ im Englischen widmete und als klassischer Musical-Act inszeniert war.
Dass diese beiden Acts wohl kaum in die ESC-Geschichte eingehen werden, liegt für mich daran, dass viele der oben genannten, notwendigen Zutaten gefehlt haben. Zu sehr hatte man in Wien das Gefühl, sich an früheren Shows zu bedienen. Spätestens seit Malmö wirkt es fast so, als gäbe es nur noch eine einzige Art, eine ESC-Show zu strukturieren. Ich hatte das Gefühl dass man Viktoria und Michael eben in dieses ESC-Moderations-Korsett gezwungen hat. Nach dem Motto: Sind sie prädestiniert für diese Art Musical-Einlage? Egal, sie müssen, das macht man nun eben beim ESC in letzter Zeit.
In Basel gelang mit „Made in Switzerland“ zwar noch einmal ein gelungener Musical Act, aber auch dort wurde das Rad letztlich nicht neu erfunden. (Wir sind natürlich dennoch dankbar für diesen Evergreen).
Für den ESC in Sofia hoffe ich deshalb, dass man sich von dem Trend der (mitunter etwas erzwungen wirkenden) Musical-Acts verabschiedet, nicht einfach bestehende Konzepte kopiert und das bulgarische Fernsehen der Show stattdessen einen ganz eigenen Stempel aufdrückt.
Wenn die Schweden ihre Musical-Acts weiterhin machen wollen, dann sollen sie das gerne tun. Nummern wie „Gina Gråter“ hatten sogar Songs, die mit etwas Fantasie problemlos selbst im Teilnehmerfeld hätten antreten können. Das bestätigten übrigens auch meine Freunde ganz von selbst – jene Menschen also, die ich regelmäßig dazu zwinge, mit mir ESC-Vorentscheide zu verfolgen – allen voran das Melodifestivalen.
Aber im Rest Europas gibt es genug Kreativität und Talent, um selbst ikonische ESC-Momente auf die Bühne zu zaubern – ganz ohne schwedisches Vorbild. Ich will auch an dieser Stelle nicht Viktoria und Michael diskreditieren oder ähnliches. Ich denke nur nicht, dass die Musical-Acts, die sie in Wien abgeliefert haben, einen wirklichen Mehrwert boten. Aber vielleicht seht Ihr das ja anders?
Lasst es mich in den Kommentaren wissen: Wie steht Ihr zu Musical-Acts beim ESC? Könnt Ihr nicht genug davon bekommen oder seid Ihr auch froh, wenn es damit Mal vorbei ist? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!
In unserer Reihe Viva Vienna bereits erschienen:
- (1) Die schönsten Wien-Bilder der Blogger*innen
- (2) Mein erster Eurovision Song Contest vor Ort
- (3) Wie war Wien als Gastgeberstadt 2026?
- (4) Das „Eurovision at 70“-All-Star-Medley beim ESC 2026 in Wien – ein neuer Klassiker
- (5) ESC 2026 in Wien: All My Life for a Night Like
- (6) Tagebuch ESC 2026: Mini-Storys aus meiner Zeit in Wien
- (7) Bevor wir heimgehen … Sechs Nächte im Euroclub
- (8) Zero points – Wie nah dran Sarah Engels, Essyla und UK an Televotingpunkten waren
- (9) Machen die neuen Jury-Regeln das ESC-Endergebnis unvorhersehbar?
- (10) Zu viel Drama, zu wenig Bangaranga? Warum die Favoriten 2026 scheiterten
- (11) So haben sich Juryvoting und Televoting beim ESC 2026 unterschieden
- (12) Eigentlich nur ESC – Ein Reisebericht zu meinem ersten ESC vor Ort
- (13) Deutschlands erstes ESC-Jahr unter Federführung des SWR – Die ultimative Bilanz
- (14) Absturz beim ESC 2026: Was ist mit Schweden passiert? Und wie geht es weiter?
- (15) Nicht im Finale, aber längst in unseren Herzen
- (16) Wie eine Inszenierung einen Song verändern kann – Die Magie hinter dem Staging von „Bangaranga“
- (17) Sarah Engels im Wonderland: In die ESC-Bubble gekommen, um zu bleiben?
- (18) Producers Curse? Diese Sache mit den Startplätzen beim ESC
- (19) All aboard – Die Eurofan Cruises auf der Donau
- (20) Die Bedeutung von Fanblogs für den ESC – die Diskussion, die niemand hören und sehen wollte
- (21) Die Dancefloor-Hits vom ESC 2026 – Die Wettbewerbssongs aus diesem Jahr
- (22) Die Dancefloor-Hits vom ESC 2026 – Die Vorentscheidssongs aus diesem Jahr
- (23) Der ESC 2026 in Memes: Momente vom Teppich und Co.
- (24) Werden Public Viewings in der ESC-Gastgeberstadt immer wichtiger?
- (25) Songs in Landessprache gewinnen den Eurovision Song Contest nicht mehr
- (26) Das waren die Fan Favourite Fails und Dark Horses des ESC 2026
- (27) So sähe das Ergebnis des ESC 2026 nach einer Wertungen nach Platzierungen aus
- (28) Highlights der ESC-kompakt-LIVE-Youtube-Saison 2026
Diese Rückblickserien auf die letzten fünf Ausgaben des Eurovision Song Contest sind bereits erschienen:
- Bye Bye Basel: Unser Rückblick auf den ESC 2025
- Malmö Memories: Unser Rückblick auf den ESC 2024
- Leaving Liverpool: Unser Rückblick auf den ESC 2023
- Torniamo a Torino: Unser Rückblick auf den ESC 2022
- Replay Rotterdam: Unser Rückblick auf den ESC 2021
- Talking Tel Aviv: Unser Rückblick auf den ESC 2019
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Ich liebe Musicals! Victoria und Michael haben ihre Musical Acts gemeistert und nächstes Jahr wird es auch gut werden.
OT:
Nun steht es also fest gegen wen die Deutsche Frauen Nationalmannschaft im kommenden Oktober testen wird.
Es sind 2 Mannschaften, die bei den Frauen zur absoluten Weltspitze gehören und mit lauter Topspielerinnen gespickt sind.
Am 9. Oktober 2026 um 20:30 Uhr werden sie in Karlsruhe gegen die Topmannschaft und Mit-Gastgeber der Frauen WM 2023 Australien ein Testspiel bestreiten.
Das letzte Spiel zwischen diesen Mannschaften war auch ein Testspiel und zwar 2024 und Australien konnte mit 2:1 gewinnen. Dieses Spiel damals war auch gleichzeitig der offizielle Abschied und das letzte Spiel in der Nationalmannschaft von der lebenden Legende Alexandra Popp gewesen. Zuvor hatte die Deutsche Frauen Nationalmannschaft sie aber bei Olympia 2024 klar mit 3:0 geschlagen.
Und am 13. Oktober 2026 um 17:45 Uhr werden sie in Bremen gegen die Topmannschaft Japan ein Testspiel bestreiten.
Japan ist gespickt mit absoluten Topstars, darunter u.a. Momoko Tanikawa vom FC Bayern.
Und Japan wurde 2011 bei der Frauen WM bei uns in Deutschland Weltmeister und hat dabei u.a. die Deutsche Frauen Nationalmannschaft im Viertelfinale rausgeschmissen.
Das bisher letzte Spiel zwischen Deutschland und Japan, bei den Frauen, gab es 2019 und es war auch ein Testspiel, dass damals 2:2 endete.
Da macht die Deutsche Frauen Nationalmannschaft wirklich alles richtig. Denn nur gegen solche Gegner wird man auch wirklich besser. Es werden auf jeden Fall 2 Spiele auf Augenhöhe.
Bei der Deutschen Männer Nationalmannschaft wären solche Testspielgegner undenkbar. Sie haben sich nämlich im Vorfeld der Männer WM 2026 lauter Testspielgegner ausgesucht, die bestenfalls mittelmäßig sind. Und gegen solche Gegner wird man eben nicht wirklich besser. Mal schauen ob sich das unter Jürgen Klopp ändern wird.
Und das ist auch der Unterschied, warum die Deutsche Frauen Nationalmannschaft derzeit zur Weltspitze gehört und die Deutsche Männer Nationalmannschaft eben nicht und davon derzeit auch weit entfernt ist.
🙄
Und das hat jetzt genau WAS mit dem Artikel von Max zu tun?? 🙄
Es reicht jetzt!
Musical-artige Unterhaltungsacts in den Zwischenpausen wird es wohl auch zukünftig geben. Wie soll man die freie Zeit sonst sinnvoll überbrücken.
Mal gelingen sie, mal nicht. Aber ohne wird es nicht gehen.
Joa, so langsam habe ich diese Art von Pausenact auch schon über. Damals war „Love Love, Peace Peace“ ja noch originell, mit jedem weiteren Act wirkte es dann abgestandener, lediglich „Made in Switzerland“ fand ich noch amüsant. Zu Wien sage ich mal lieber nix, besonders die Nummer mit Go-Jo fand ich einfach nur unangenehm und peinlich. 😩
Schließe mich an. Sobald die Kür zur Pflicht wird, ist es Zeit für frischen Wind.
Musicals sind doch eh jetzt Out! 😉
Nun kommt die Quiz-Ära beim ESC. 🥳 Wer zuerst 12 Punkte auf sein Quizkonto hat, gewinnt den ESC.
Da weiß man dann auch schon, wenn in drölfzig Jahren Deutschland mal gewinnen sollte, das Günther Jauch mit Jörg Pilawa und Babsi moderieren werden. 😱😂
*duckundweg*
Gibt Schlimmeres.
Ich stehe total auf Musicals und solange solche Pausen Acts originell und nicht auf Krampf zusammengeschustert sind, dürfen sie gerne beim ESC einfließen , sie sind immer sehr unterhaltsam während der votingpause und allemal besser als die zähen langatmigen Interviews mit Dreifach-Translation mit den Teilnehmern vom Intervision letztes Jahr (ja ich weiß , Verräter🫣) , und oft auch besser als die Zwangspräsentation der neuesten Kreationen der Vorjahressieger , ich denke da mit Schaudern an Nemo mit seinem „Song“ aus der Welt des Wahnsinns
Ich mag Musicals beim ESC oder Melodifestivalen. Sie müssen, wie Max gesagt hat, aber gut gemacht sein und charismatisch präsentiert werden von den Moderatoren. Dies gelang dem Moderationsduo in Wien dieses Jahr nicht, während es den Schweizern und vor allem den Schweden immer wieder gelingt. Bestes Beispiel dafür ist „Gina Gråter“.😃 Besonders die Nummer mit Go-Jo fand ich einfach nur unangenehm und peinlich. Wenn ihm ausserdem die Melodie eines Musicals nach dem Ende diesem nicht als ein Ohrwurm erhalten bleibt, war es kein gutes Musical. Das war leider dieses Jahr bei der Nummer mit Go-Jo der Fall. 😐