Sarah Engels im Wonderland: In die ESC-Bubble gekommen, um zu bleiben? (Viva Vienna 17)

Bild: Deutsche ESC-Delegation 2026 in der Stadthalle Wien – Sarah Louise Bennett/EBU

Es ist der Tag des Türkisen Teppichs – eine Woche vor dem Finale des Eurovision Song Contest 2026 in Wien. Die Acts stellen sich den Fragen der Presse, posieren vor den Fotowänden und geben Interviews. So auch Aidan aus Malta und die spätere Siegerin DARA aus Bulgarien.

Dann nähert sich Sarah Engels in ihrem spektakulären roten Kleid, das eine Hommage an Katniss Everdeen darstellt. Mit einem Lächeln beobachtet sie die beiden Kolleg*innen beim Posieren. Aidan bemerkt Sarah aus dem Augenwinkel und ruft sie zu sich, DARA winkt sie ebenfalls heran. Man sieht Sarah förmlich an, wie sie sich darüber freut – fast so, als würden die coolen Kids in der Schulkantine fragen, ob man sich zu ihnen an den Tisch setzen möchte. Nicht, dass Sarah nicht selbst cool wäre. Aber man merkt ihr an, dass diese offene, herzliche Willkommenskultur rund um den ESC für sie alles andere als selbstverständlich ist.

Aidan, Sarah und DARA posen auf dem Türkisen Teppich

Vielleicht wird irgendwann einmal an Universitäten erforscht, warum Sarah Engels ein derart hohes Maß an Kritik bis hin zu Anfeindungen auf sich zieht. Vor der ESC-Saison hatte ich dieses Ausmaß überhaupt nicht auf dem Schirm. Erst im Laufe der Wochen wurde ich – vor allem auf Social Media – immer wieder damit konfrontiert.

Jede Person, die in der Öffentlichkeit steht, bekommt früher oder später ihr Fett weg. Selbst wir Blogger*innen erleben das, obwohl wir keine Prominenten sind. Doch bei Sarah bewegt sich das in einer völlig anderen Dimension. Ich habe mir während der ESC-Saison immer wieder die Frage nach dem Warum gestellt. Eine wirklich schlüssige Antwort konnte weder ich noch jemand anderes finden.

Als mögliche Erklärungen werden ihre DSDS-Vergangenheit, die mediale Aufmerksamkeit rund um ihr Privatleben oder die Lagerbildung nach ihrer Trennung von Pietro Lombardi genannt. Doch all das sind letztlich nur Theorien. Nichts davon rechtfertigt auch nur ansatzweise das, was Sarah tagtäglich lesen oder hören muss. Hoffentlich bekommt sie vieles davon gar nicht erst mit.

Zurück zum ESC: Unsere Bubble ist – wie wir alle wissen – eine ganz eigene Welt. Sie folgt ihren eigenen Regeln und Dynamiken, die Außenstehende oft nur schwer nachvollziehen können. Ehrlich gesagt verstehen wir sie manchmal selbst nicht. Aber wir wissen, dass hier andere Maßstäbe gelten.

Dazu gehört auch, internationale Acts unabhängig von ihrem Ruf im Heimatland zu feiern. So werden etwa Azúcar Moreno von deutschen ESC-Fans gefeiert, obwohl sie in Spanien durchaus polarisieren. Umgekehrt wird eine in Deutschland so kontrovers diskutierte Sarah Engels von Fans aus Israel, Polen oder anderen Ländern begeistert aufgenommen. Auch das konnte man in Wien – etwa im EuroClub – sehr gut beobachten.

Was interessiert einen ESC-Fan aus Albanien schließlich, was Pietro Lombardi in einem Podcast mit Oliver Pocher über Sarah erzählt? Gar nichts. Für ihn zählt nur, dass Sarah aus Deutschland einen „Guilty Pleasure“-EuroClub-Hit liefert – und diesen auch noch live hervorragend singt. Damit erfüllt sie alle Kriterien einer ESC-Popdiva. Alles andere spielt in dieser Welt kaum eine Rolle. Unser Blogger Peter sagt den Acts gerne: „Einmal ESC-Bubble, immer ESC-Bubble.“ Und tatsächlich gewinnen viele Künstler*innen hier Fans, die ihnen über Jahrzehnte hinweg treu bleiben.

Meine Vermutung ist, dass Sarah dieses besondere Gefühl schon früh gespürt hat. Spätestens während der Pre-Partys dürfte sich dieser Eindruck bestätigt haben. Bloggerin Laureen hatte in Wien die Gelegenheit, sie nochmals zu interviewen, und fragte gezielt, ob sie sich vorstellen könne, auch künftig Teil der ESC-Bubble zu bleiben. Sarah bejahte das. Sie schätze die positive Atmosphäre und den enormen Zuspruch, den sie erfahre. Deshalb könne sie sich gut vorstellen, auch über den Wettbewerb hinaus in irgendeiner Form Teil dieser Community zu bleiben.

Besonders eindrucksvoll wurde das im Eurofan House in Wien. Als Sarah dort auftrat, drohte die Location beinahe aus allen Nähten zu platzen. Minutenlang skandierte das Publikum ihren Namen. Spätestens in diesem Moment dürfte ihr bewusst geworden sein, dass der Eurovision Song Contest für sie vielleicht so etwas wie ein Safe Space außerhalb Deutschlands geworden ist. Zumal sie auch ziemlich am Anfang ihrer ESC-Reise bedauert hatte, dass der Rückenwind aus Deutschland ausbliebe und sie in und von anderen Ländern etwas ganz anderes beobachtet hatte.

Sarahs ESC-Reise war sicherlich sehr anstrengend und sie – und wir – hätten uns auch ein anderes Ende gewünscht. Wie Sarah heute, einige Wochen nach dem Finale, auf die ESC-Bubble blickt, ist nicht bekannt. Sicherlich musste auch sie zunächst das Finalergebnis verarbeiten. Doch eines dürfte feststehen: Die Türen der ESC-Community stehen ihr weiterhin offen. Und ESC-Events gibt es bekanntlich das ganze Jahr über.

Was meint Ihr: Ist Sarah in der ESC-Bubble angekommen, um zu bleiben? Habt ihr ähnliche Beobachtungen gemacht? Lasst es uns in den Kommentaren wissen!

In unserer Reihe Viva Vienna bereits erschienen:

Diese Rückblickserien auf die letzten fünf Ausgaben des Eurovision Song Contest sind bereits erschienen:



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21 Comments
Matty
Matty
1 Tag zuvor

Schln und vor allem ihre Reaktionen zu den Songs der anderen diesjährigen Teilnehmer am ESC war auch klasse und stellte die von ESC KOMPAKT komplett in den Schatten!

Last edited 1 Tag zuvor by Matty
benegigs
benegigs
1 Tag zuvor
Reply to  Matty

Och Matty…

Matty
Matty
1 Tag zuvor
Reply to  benegigs

Fit?

JoelESC
JoelESC
1 Tag zuvor
Reply to  Matty

Was ist eigtl das Problem von dir an den Reaktions von ESC-Kompakt?
Da machen die ein Projekt, was gut ankam beim NDR, für die Fans ….

Geri
Geri
1 Tag zuvor

Hab sie auch kritisiert aber trotzdem dranbleiben.
Mit einem anderen song hätte sie sich besser abgeschnitten!
Ihr Auftritt beim Teppich hatte hollywood und Cannes flair.

Matty
Matty
1 Tag zuvor

Am besten fand ich auch „Sarah Engels singt Hate-Kommentare“:

https://youtube.com/shorts/-G9cEOUF1EE?is=zOvoEj8tdjxFggJz

Carsten
Carsten
1 Tag zuvor

Ich hatte sie vorher überhaupt nicht auf dem Schirm. DSDS und die ganzen Dramen sind gar nicht meine Bubble. Um so mehr war ich positiv von ihr überrascht und konnte den ganzen Hate nicht nachvollziehen. Sie ist eine tolle, sympathische und weltoffene Frau. Und sie hat großartig geliefert. Sie hat den Safe Space ESC definitiv verdient und bleibt dem ESC hoffentlich erhalten. Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass sie mit einem noch besseren Song und einer noch außergewöhnlicheren Performance noch einmal antritt. Das Potenzial hat sie definitiv.

byJannik
byJannik
1 Tag zuvor

Ich denke ehrlich gesagt nicht dass sie in der Bubble angekommen ist um zu bleiben und sehe das ganze eher pessimistisch. Sarah hat bereits in der ESC-Woche auf mich eher genervt gewirkt (gut, vielleicht war es auch nur der Stress, aber so mein empfinden). Die durch ihr Verhalten ausgelöste Feminismus- und Afrika-Debatte sowie die 0 Punkte vom Publikum haben ihrem Image in Deutschland sicher nachhaltig geschadet. Ich denke daher nicht, dass wir sie weiter im ESC-Universum sehen werden, sie wird ihre Krone richten und sich wieder anderen widmen. Man wird Fire aber bestimmt ab und zu noch in der Bubble hören, so wie auch Loop von der anderen Sarah. Die Songs sind sich ja ohnehin ziemlich ähnlich. 

Gaby L
Gaby L
1 Tag zuvor

Welch eine schöne Hommage an Sarah.😍

Ehrlich gesagt, habe ich vor der Vorentscheidung nur den Namen ab und zu gehört. Weder habe ich vorher einen Song von ihr gehört, da ich DSDS nicht verfolge, noch weiss ich, wer dieser Pietro Lombardi ist. Was für Schwierigkeiten in ihrer Beziehung hatten, interessiert mich ehrlich gesagt auch nicht. Ist ihre Privatsache. Immer wieder erstaunlich, wie über Menschen gleich der „Stab gebrochen“ wird, obwohl man gar nicht persönlich involviert ist, und somit die Situation gar nicht beurteilen kann.🤔

Es ist aber wirklich schön zu sehen, dass Sarah so herzlich aufgenommen wurde. Auch von Mitstreiter:innen, oder schöner ausgedrückt, von Kolleg:innen. Das finde ich sehr schön.😊

lekristo
Mitglied
lekristo
1 Tag zuvor

Ich glaube das größte Problem an der ganzen Sarah Engels-Thematik ist einfach der Song. Das sie eine großartige Stimme hat, ist klar. Aber das Lied war halt einfach nicht ideal. Und die Performance hat es dann leider auch nicht „gerettet“.
Sie kann gerne wiederkommen, aber dann mit einem Lied, dass ihrer Stimme und dem Zauber eines guten ESC-Liedes gerecht wird.

💪 Jakub 🇮🇱 dances אנה פרנק 🌪️ 🌅 💎
💪 Jakub 🇮🇱 dances אנה פרנק 🌪️ 🌅 💎
1 Tag zuvor

Einen Teil seines Lebens unter öffentlicher Beobachtung zu verbringen, ist immer eine Medaille mit zwei Seiten. 🏅 Wobei man hinsichtlich deutscher ESC-Acts auch nicht unterschätzen darf, daß sie eine Menge negative Energie abbekommen, die eigentlich der ARD gilt und sich über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren aufgestaut hat. 🤬 Was für jemanden mit der Erfahrung einer Sarah Engels trotzdem weitestgehend problemlos händelbar sein sollte.
Inwiefern sie der ESC-Bubble verbunden bleibt, wird in erster Linie von ihr selbst abhängen. Ich würde eine Eurovisionsteilnahme in diesem Zusammenhang aber zumindest als eine lebenslang offene Tür bezeichnen …

🌈 🎡

Nebenbei erwähnt, trägt Aidan auf dem Photo nicht exakt die gleichen Klamotten, in denen die ukrheinische Frohnatur in Wien unterwegs war? 🤠 🤔 Und die wichtigste Frage überhaupt: Was hätte man selbst auf dem türkisfarbenen Teppich getragen? Die Farbpalette meiner eigenen Outfits umfasst ja lediglich Schwarz, Silbergrau sowie sämtliche Sandtöne, also ausnahmslos Varianten, die auf türkisfarbenem Untergrund bestens zur Geltung kommen und edel wirken!!! 😮 🤗

Bosch
Bosch
1 Tag zuvor

Sarah hat Deutschland gut vertreten in Wien und sich richtig reingehängt.
Sie ist mir sehr sympathisch als kölsche Frohnatur.
Sie darf jederzeit wieder antreten.

Annie
Annie
1 Tag zuvor

Ihr Feminismus-Interview hat es jedenfalls auch in die ausländische Presse geschafft und sicherlich den ein oder anderen Beliebtheitspunkt gekostet. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet schlechte Presse der erfahrenen Sarah zum Verhängnis wird?

Ganz nebenbei glaube ich kaum, dass Fire Potenzial hat, zum ESC-Dauerbrenner zu werden…

ESC1994
ESC1994
1 Tag zuvor
Reply to  Annie

Der Song ist doch selbst innerhalb der deutschen Bubble mittlerweile Schnee von vorgestern.

Marvin_Gallus
Marvin_Gallus
23 Stunden zuvor

Sarah hat uns klasse vertreten beim ESC, ganz unabhängig vom finalen Ergebnis. Im Euroclub hat jede Person laut mitgesungen und es stimmt, das Eurofanhouse platzte aus allen nähten. Eine tolle Vertreterin und immer Teil unserer geliebten Bubble!

Rusty
Mitglied
Rusty
23 Stunden zuvor

Ich finde Sarah Engels nach wie vor klasse in ihrem Musik Genre. Außerdem wünsche ich mir,dass sie im nächsten dt .Vorentscheid ihren Auftritt bekommt und zwar einmal mit Fire und gerne noch einem weiteren Song.
Und super wäre es ebenfalls,wenn wir sie im ESC Cosmos bei verschiedenen Anlässen wiedersehen werden.

elkracho
Mitglied
elkracho
22 Stunden zuvor

Jede Person, die in der Öffentlichkeit steht, bekommt früher oder später ihr Fett weg.

Da ist ja wirrklich klasse.
Alle anderen müssen um ihre Figur kämpfen

ESC1994
ESC1994
22 Stunden zuvor

Bin ganz ehrlich dass ich sie im ESC-Umfeld nicht nochmal sehen will, allein schon für ihre Äußerungen nach dem Finale dass Deutschland es ja generell schwer haben und vielleicht pausieren solle. Wie ne schlechte Verliererin die null Selbstreflektion hat.

Last edited 22 Stunden zuvor by ESC1994
Timo1986
Timo1986
19 Stunden zuvor

Sarah Engels ist meine persönliche ESC-Siegerin der Herzen des ESC 2026 in Wien, so wie Melody aus Spanien meine persönliche ESC-Siegerin der Herzen des ESC 2025 in Basel ist. 😀

Über eine erneute Teilnahme von Sarah Engels bei einem deutschen Vorentscheid, dann allerdings hoffentlich mit einer Ballade im Piano-Violinen-Mandolinen-Style eingerahmt in einem leichten Touch Sizilien-Romantik würde ich mich sehr freuen. 😀

Sarah Engels wird immer ein teil der ESC-Familiy bleiben. 😀

ESC Jul
ESC Jul
18 Stunden zuvor

Bleibt zu hoffen, dass das alles so stimmt, was sie im Interview mit Laureen gesagt hat. Nach dem ESC klang das ein bisschen anders.

Ich erwarte gar nicht, dass ehemalige Teilnehmer unbedingt mit dem ESC verbunden bleiben müssen, wenn sie das nicht möchten, und sie müssen natürlich auch keine ESC-Fans sein.
Dann erwarte ich aber zumindest ein bisschen Ehrlichkeit, ansonsten bekommt das einen sehr faden Beigeschmack.

Franny
Franny
3 Stunden zuvor
Reply to  ESC Jul

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