
Die Teilnahme Kanadas am Eurovision Song Contest 2027 kam offenbar deutlich kurzfristiger zustande, als man vermuten würde. In einem Videointerview mit dem Eurotrip Podcast hat ESC-Direktor Martin Green den Hintergrund der Entscheidung erläutert. Die überraschende Aussage: Der Eurovision Song Contest und die Teilnahme daran waren für CBC/Radio-Canada zunächst gar nicht das Hauptmotiv.
Vielmehr stand für den kanadischen Sender zunächst die Vollmitgliedschaft in der European Broadcasting Union (EBU) im Vordergrund. Green ordnet das in einen größeren Zusammenhang ein: der öffentlich-rechtliche Rundfunk stehe weltweit unter Druck. Konkret nennt er finanzielle Gründe, politische Einflussnahme von rechts und durch die Marktmacht großer Tech-Konzerne. Dass sich Public-Service-Broadcaster international zusammenschließen, sei deshalb wichtiger denn je. Die EBU biete dafür den passenden Rahmen.
Dass eine EBU-Vollmitgliedschaft automatisch das Recht auf eine ESC-Teilnahme mit sich bringt, sei für CBC/Radio-Canada zwar durchaus von Interesse gewesen – aber eben erst „Schritt zwei“. Tatsächlich wurde die Vollmitgliedschaft erst bei der 96. Generalversammlung der EBU in der vergangenen Woche beschlossen. Konkrete Gespräche über eine ESC-Teilnahme liefen laut Green erst seit wenigen Wochen.
Am heutigen Canada Day – dem kanadischen Nationalfeiertag – haben die EBU und CBC/Radio-Canada die Teilnahme dann offiziell bestätigt. Kanada wird also xbeim ESC 2027 in Bulgarien in den Halbfinals antreten. Martin Green bestätigte gegenüber dem Eurotrip Podcast außerdem, dass der Wettbewerb auch in Kanada stattfinden würde, sollte das Land gewinnen.
🇨🇦 #Eurovision Director Martin Green has confirmed to The Euro Trip that Canada will host the contest if they win. https://t.co/CaQ5Ipw4L7
— ESC Discord (@ESCdiscord) July 1, 2026
Im Interview sagte Martin Green wörtlich:
„Der kanadische Sender wollte als Vollmitglied der EBU beitreten, und dahinter steckt eine große, ernste Geschichte. Der offentlich-rechtliche Rundfunk steht unter Beschuss – sei es finanziell, durch die extreme Rechte oder durch den Einfluss und die Macht von Big Tech. Es ist deshalb wirklich wichtig, dass öffentlich-rechtliche Sender zusammenkommen, und die EBU ist ein großartiger Ort dafür, weil sie im Interesse aller arbeitet.
Aber natürlich, wie alle unsere Fans wissen: Wenn man Vollmitglied der EBU ist, hat man automatisch das Recht, am Eurovision Song Contest teilzunehmen. Und ich sage nicht, dass das für sie nicht auch von Interesse war. Aber es war sehr klar Schritt zwei. Erst vergangene Woche haben die Mitglieder abgestimmt, dass CBC/Radio-Canada beitreten kann – und erst damit wurde eine Teilnahme überhaupt zur Realität. Tatsächlich haben wir erst seit ein paar Wochen konkrete Gespräche geführt, um das vorzubereiten. Und jetzt haben sie offiziell gesagt: Wir sind dabei.“
Findest Du es überraschend, wie kurzfristig die Entscheidung für Kanadas ESC-Teilnahme gefallen ist? Und glaubst Du, dass nach Kanada noch weitere Länder von außerhalb Europas den Schritt zur EBU-Vollmitgliedschaft und damit zum ESC wagen könnten? Lass uns Deine Meinung in den Kommentaren da.
In einem ESC kompakt LIVE diskutieren wir am Sonntag, den 5. Juli um 21 Uhr die Teilnahme Kanadas am Eurovision Song Contest 2027.
Entdecke mehr von ESC kompakt
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.



Gut, dass das Achtelfinale am Sonntag erst um 22 Uhr beginnt. 😉
😁😉
Ich schau jetzt erst mal die 👹👺.
Wenn jetzt klar ist, dass bei einem ESC-Sieg Kanadas der ESC tatsächlich auch in Kanada stattfinden würde, dann sollte das endlich mal auch klipp und klar vorab für Australien festgelegt werden, was dann passiert.
Dazu müßte Australien erst Vollmitglied der EBU werden.
Woher ahnte ich, dass das als Antwort kommt? 😉 Der formale Status hat doch nichts damit zu tun, dass man das vorher ankündigen könnte, was man dann macht.
Man hat doch damals gesagt, dass ein anderes Land für Australien ausrichtet?
Ja, und vor dem diesjährigen Finaltag schaffte Herr Green wieder Verwirrung mit der Meldung, dass es ja doch auch Australien selbst werden könnte. Es war auch irgendwo zu lesen, dass Australien diesmal vorab kein Co-Land gefunden haben könnte. War es eine Anforderung, vorher ein Co-Land für den Fall der Fälle gefunden zu haben? So genau, hat man das nie kommuniziert und man hat diverses dazu gelesen.
So viele Regeln zum ESC, aber hier blieb man meines Erachtens immer ungefähr – und nicht nur aus Schutz- oder Wettbewerbserwägungen.
Davon wusste ich nicht.
Ich finde hinter diesem Szenario steckt jetzt kein großes Abenteuer: Wenn Australien den ESC gewinnt, dann wird das Recht an der ESC-Austragung bestimmt das zweitplatzierte Land bekommen. Wenn dieses nicht will, dann an das drittplatzierte Land usw.
naja, nur „bestimmt“… aber was ist mit dem Co-Host-Konzept? Wie auch immer. Man sieht es ja. Keine Klarheit – seit Jahren. Im Gegensatz jetzt zu Kanada.
Green wurde deswegen schon dieses Jahr gefragt und die Antwort war das damals das eher nicht zu stemmen war Logistisch aber die Zeit sich geändert hat und wenn Australien gewinnen sollte, es doch sehr wahrscheinlich ist das dann in Australien der ESC austragen werden wird
Bei Australien würde es für mich rein organisatorisch keinen Sinn ergeben, weil die Shows dann ja mitten in der australischen Nacht abgehalten würden (die Anfangszeit um 21 Uhr MESZ gilt in der EBU ja schlißlich als gesetzt und heilig.
Der TV-Sender könnte dadurch trotz hoher Kosten keine explodierenden Einschaltquoten (zumindest live) erwarten.
Und hier noch ein paar mögliche Probleme/offene Fragen:
Kurzum: Sollte Australien mal gewinnen, wird SBS selber froh sein, wenn sie das mit einem europäischen TV-Sender zusammen in Europa veranstalten können.
Ja, ist richtig und mag alles sein. Fordert ja auch niemand, dass sie es selbst ausrichten würden, sondern einfach nur vorherige Klarheit/Willensbekundung für den Fall der Fälle.
Warum soll es überraschend sein, dass der ESC nicht das Hauptmotiv der EBU-Vollmitgliedschaft war? Bisschen vermessene ESC-Fan-Sicht… 😉
Das es kurzfristig war ist für mich überraschend. Dachte, dass zum heutigen Tag, dem Canada Day, ein guter Tag sei es raus zu troppen. Aber schön das Kanada „ja“ gesagt hat. Bin gespannt ob sie auf Englisch ofer Franzöisch singen, hoffe auf letzteres.
Gibt es von Herrn Green auch farbige Fotos, die man einbinden könnte?
Man hat da leider so den Impuls, dass da jemand verstorben sein könnte… 😉
Ich dachte es auch zuerst nach dem Öffnen der Seite😅
Sorry, aber das ist nur überraschend, wenn man keine Ahnung hat, wie die EBU funktioniert…
Auch wenn Kanada nicht Europa ist, ich bin für jedes demokratische und gleichzeitig nicht antisemitische Land dankbar, das mitmachen will. Wäre das nicht geil, wenn Kanada für 2027 Celine Dion intern nominieren würde.
OTBN
Es gibt Neuigkeiten aus dem Kosovo. Der Sender RTK hat heute Details zur Show Akordet e Kosovës veröffentlicht, die als nationaler Vorentscheid für den ESC und den JESC dienen soll:
https://eurovoix.com/2026/07/01/kosovo-first-detail-relaunched-akordet-e-kosoves/
Die Show soll in der 1 Tetori Sports Hall in der Hauptstadt Pristina stattfinden.
Das Thema Ausrichtung und eine eventuelle Ungerechtigkeit zwischen Australien und Kanada lässt dich ja recht leicht beantworten.
Da der ESC immer um 20 Uhr GMT beginnt, also bei uns um 21 Uhr, wäre es in Australien bereits der nächste Tag zwischen 3 und 5 Uhr morgens. Für einen ESC unpraktisch.
In Kanada wäre es noch der selbe Tag, zwischen 12 und 16 Uhr, je nachdem wo man einen ESC ausrichten wollte.
Eine Nachmittagsveranstaltung wäre wohl deutlich leichter auszurichten (und für das Publikum vor Ort richtig familienfreundlich!) als eine solche früh am Morgen bzw. eigentlich noch mitten in der Nacht.
Ja, in Baku war es damals auch bereits 23 Uhr, ich weiß.
Schöner Vorteil wären die Proben der Semifinals am frühen Dienstag bzw. Donnerstag morgen. Ich stelle mir jetzt schon vor, wie die Halle mit Horden von kanadischen Schulklassen und Kita-Gruppen gefüllt wäre.
Quasi die ersten Family Shows, wo die Kinder die Hauptzielgruppe wären. 🙂
Außerdem: EuroClub im Anschluss an die Live-Shows (in der Woche vielleicht ab 18 Uhr) fände ich als Ü40er auch mal eine hervorragende Innovation. 🙂
Während einer Rede bei einem Canada Day-Event in Ottawa hat der kanadische Premierminister Mark Carney angedeutet, dass ein nationales Finale Kanadas ESC 2027-Teilnehmer auswählen wird.
„Und Sie werden entscheiden, […] welcher kanadische Künstler zuerst auf diese Eurovision-Bühne tritt“.
https://www.youtube.com/live/4WayjAdsQUc?is=Yl26moe0XZV7vone
Top!
cool, übrigens ab ca. 18:59 Min.
Klingt für mich alles sehr schlüssig. Gerade symbolisch kann der ESC nun ein wichtiger Baustein für die weitere Zusammenarbeit sein.
Liebes ESC Kompakt-Team, falls sich X-Posts nicht mehr einbinden lassen, ESC Discord postet auch alles bei Bluesky: https://bsky.app/profile/escdiscord.com
Grüße
Hier der Link zum Tweet
https://bsky.app/profile/escdiscord.com/post/3mpllsozpo22t
Nartun Green hat der Zeitschrift Variety ein Interview gegeben und klargestellt, daß es keine weitere Abstimmung über die Teilnahme von Israel beim ESC geben wird:
https://escspot.pl/2026/07/02/dyrektor-eurowizji-decyzja-izrael-ostateczna-glosowanie-finanse-bzdury/
Außerdem hat er sich noch zu anderen Themen geäußert.
OT
Das Eurovision Asia Finale wird live auf Youtube gestreamt und es gibt auch ein Rest of the World Voting.