
Das Internet vergisst nie. Ich glaube, das war der Satz, den ich im Informatikunterricht meiner Schule damals fast am häufigsten gehört habe. Und wie man Tabstopps formatiert. Das erste Stückchen Wissen habe ich noch immer, Tabstopps mache ich nie. Jedenfalls ist es ja auch schön, dass das Internet nie vergisst und vor allem immer am Start ist, wenn rund um den Eurovision Song Contest etwas passiert. Denn seit es eine Meme-Kultur gibt, entstehen zum ESC jedes Jahr Goldstückchen. Letztes Jahr beim ESC 2025 in Basel hatten die sogenannten Beauty Blender das größte Meme-Potenzial. Eine solche Formation gab es in diesem Jahr beim ESC 2026 in Wien nicht, und trotzdem gab es natürlich wieder viel Spaß im Internet.
Meme-Potenzial: Das war vorhanden. Meme-Potenzial bezeichnet die Eigenschaft eines Inhalts, leicht als Meme aufgegriffen, variiert und weiterverbreitet zu werden. Gemeint ist also, wie gut sich etwas für humorvolle, ironische oder zugespitzte Internetnutzung eignet. Entsprechendes Material gab es beim ESC 2026 zur Genüge, und nun möchte ich hier in diesem Beitrag auf den ESC 2026 in Memes zurückblicken und das einmal kuratieren. Dafür habe ich mich für euch in die Tiefen von Instagram, TikTok und Co. bewegt und so einiges gefunden. Der ESC 2026, das ist ein Ocean of Memes, und ich bin aber nicht „scared of water“.
Wir machen das der Reihe nach: Der ESC wurde natürlich auch in diesem Jahr wieder mit dem türkisen Teppich eröffnet. Nachdem das Internet komplett crashout gegangen ist (crashout gehen bedeutet umgangssprachlich, dass jemand komplett ausrastet, die Beherrschung verliert oder emotional zusammenbricht. Man kann es auf Deutsch am ehesten mit „ausrasten“, „durchdrehen“ oder „die Fassung verlieren“ wiedergeben), weil dieser auf Deutsch moderiert wurde und das für die internationale Zuschauendenschaft natürlich eher ungünstig war, war trotzdem einiges los. Und in den Sprachwirren entstanden auch einige lustige Momente.
JIVA aus Aserbaidschan wurde von ORF-Reporterin Tina Ritschl am Teppich gefragt, ob sie denn nicht schon Österreichisch beziehungsweise Deutsch könne und das Wort „Bussi“ gelernt habe. JIVA, sichtlich verwirrt, was da gerade Phase ist, hatte offenbar ein anderes Wort verstanden und „Bussi“ offensichtlich noch nicht gelernt. „Pu**y?“, fragt sie verwirrt und sagt es dann auch noch in die Kamera. Genial!
Übrigens: Wahrscheinlich hat JIVA dann auch irgendwann erklärt bekommen, wie diese Interaktion für uns Außenstehende wirkte, und nahm es sportlich. Nach ihrem Auftritt im zweiten Semi ging sie mit den Worten „Bussi“ von der Bühne. Das Wort verlernt sie auf jeden Fall nicht mehr – und das Internet vergisst natürlich auch nicht.
Weiter im Text: Vor jedem Beitrag auf der ESC-Bühne flimmern bekanntlich die Postcards über unsere Bildschirme. Diese zeigen Eindrücke vom Gastgeberland und die Kommentator*innen haben Zeit, den jeweiligen Act vorzustellen. Das Meme-Potenzial der diesjährigen Postcards war der Wahnsinn. Grundsätzlich war die ORF-Idee: Die Acts „träumen sich“ nach Österreich und schweben dann quasi in ihrer Traumwelt irgendwo in Österreich herum. Besonders ulkig sah das beim italienischen Sänger Sal Da Vinci aus und das wurde natürlich prompt zu Content verarbeitet.

Gleichzeitig ist dabei auch etwas Lustiges entstanden, denn im Internet wurden die Postcards einfach als Vorlage benutzt und daraus sind dann eigene Versionen der Videos entstanden. Ich selbst habe mich daran versucht (siehe Aufmacherbild) und was soll ich sagen: Es ist in Zeiten von einfachen Bild- und Videoprogrammen wirklich nicht schwer. Hat der ORF da Geld gespart? Jedenfalls konnten österreichische Tourismusziele humoristisch (wenn vielleicht auch nicht lustig gemeint) beworben werden.
Sal Da Vinci ist nicht nur Meme-König bei den Postcards, sondern schafft es auch mit seinem Beitrag „Per sempre sì“ in den Meme-Kosmos. Für immer Ja, liebe soziale Medien! Und das ist ja so spannend, weil zum Beispiel Sarah Engels oder auch Akylas aus Griechenland eigentlich die TikTok-Stars sind (nun ja, Akylas ist ein griechischer TikTok-Star und Sarah Engels nutzt es eben). Aber Sal ist nun wirklich kein TikToker oder Content Creator und auch nicht unter den Jungspunden des diesjährigen Contests und trotzdem hat er so viel Meme-Potenzial, das auch absolut entfaltet wurde. Bereits bei seinem Sanremo-Auftritt ging das los und in den letzten Minuten seines Songs wurde eine Explosion dorthin geschnitten, als er mit der Faust auf die Hand schlägt. Sal-Meme Nummer 1 war geboren. In Italien wurde er dann wirklich zu einem Meme und sein Auftritt wurde zu vielen verschiedenen Videos.
@eurovisionvibes1
Den ESC 2026 hat DARA aus Bulgarien mit „Bangaranga“ gewonnen, der Meme-Award geht an Sal. Trotzdem hat natürlich auch Siegerin DARA einiges Lustiges für das Internet zu bieten, und auch der ESC in Bulgarien hat Meme-Potenzial. Das hatte ich im ESC-kompakt Live nach dem ESC bereits erwähnt. Aber schon beim ESC in Wien war DARA lustig drauf und der erste Anlass war direkt wieder der türkise Teppich (insgesamt ein Fiebertraum würde man im Internet sagen). Die Moderatorin fiel nämlich direkt mit der journalistischen Tür ins Haus und wollte ihre Frage flott loswerden. DARA nahm sich da mehr Zeit und wählte einen klassischeren Gesprächseinstieg. Ein weiteres Teppich-Meme war geboren.
Dann wird Bulgarien natürlich den nächsten ESC hosten und hier steckt das wahre Potenzial für lustige Memes: Zum einen hatte sich Bulgarien ja vom ESC zurückgezogen, auch aufgrund von Budgetproblemen, und das Hosten ist natürlich finanziell kein Zuckerschlecken. Selbstironisch machen sich nun auch bulgarische Content Creator darüber lustig, dass das Land eigentlich gar nicht bereit dafür ist und stellen dabei eher nicht-urbane Gebiete des Landes in den Vordergrund, unterlegt mit folkloristischer Musik.
Ganz häufig (und auch ein Meme) wird dabei der Song „Sen Trope“ von Azis verwendet. Es gibt sogar Forderungen (in vielen Videos) à la „Bulgaria you have one job“. Bedeutet: Man möchte Azis beim ESC sehen.
@fotoumpaa Don’t let us down! #balkantiktok #bulgaria #azis #φοργιου #eurovision2026
Azis ist eine der bekanntesten und zugleich auffälligsten Persönlichkeiten der bulgarischen Popkultur. Als öffentliche Figur wurde er vor allem durch den Pop-Folk- bzw. Chalga-Bereich bekannt und hat sich über Jahre hinweg eine große Präsenz in der Musik- und Medienlandschaft aufgebaut.
Im Zusammenhang mit dem Eurovision Song Contest wurde Azis vor allem 2006 international wahrgenommen. Damals trat er gemeinsam mit Mariana Popova mit dem Song „Let Me Cry“ für Bulgarien an und vertrat das Land auf der ESC-Bühne.
Der größte Hit aber und im ganzen Balkan bekannt sowie vielfach gecovert ist: „Sen Trope“. Also wenn Azis keine Rolle beim ESC bekommt, sei es als Interval Act oder was auch immer, dann weiß ich auch nicht weiter. Und das Internet wird sehr enttäuscht sein.
Welche Meme-Momente vom ESC 2026 feierst Du? Wer ESC-Act oder welcher Moment hatte noch Meme-Potenzial? Schreib uns Deine Gedanken gerne in die Kommentare!
In unserer Reihe Viva Vienna bereits erschienen:
- (1) Die schönsten Wien-Bilder der Blogger*innen
- (2) Mein erster Eurovision Song Contest vor Ort
- (3) Wie war Wien als Gastgeberstadt 2026?
- (4) Das „Eurovision at 70“-All-Star-Medley beim ESC 2026 in Wien – ein neuer Klassiker
- (5) ESC 2026 in Wien: All My Life for a Night Like
- (6) Tagebuch ESC 2026: Mini-Storys aus meiner Zeit in Wien
- (7) Bevor wir heimgehen … Sechs Nächte im Euroclub
- (8) Zero points – Wie nah dran Sarah Engels, Essyla und UK an Televotingpunkten waren
- (9) Machen die neuen Jury-Regeln das ESC-Endergebnis unvorhersehbar?
- (10) Zu viel Drama, zu wenig Bangaranga? Warum die Favoriten 2026 scheiterten
- (11) So haben sich Juryvoting und Televoting beim ESC 2026 unterschieden
- (12) Eigentlich nur ESC – Ein Reisebericht zu meinem ersten ESC vor Ort
- (13) Deutschlands erstes ESC-Jahr unter Federführung des SWR – Die ultimative Bilanz
- (14) Absturz beim ESC 2026: Was ist mit Schweden passiert? Und wie geht es weiter?
- (15) Nicht im Finale, aber längst in unseren Herzen
- (16) Wie eine Inszenierung einen Song verändern kann – Die Magie hinter dem Staging von „Bangaranga“
- (17) Sarah Engels im Wonderland: In die ESC-Bubble gekommen, um zu bleiben?
- (18) Producers Curse? Diese Sache mit den Startplätzen beim ESC
- (19) All aboard – Die Eurofan Cruises auf der Donau
- (20) Die Bedeutung von Fanblogs für den ESC – die Diskussion, die niemand hören und sehen wollte
- (21) Die Dancefloor-Hits vom ESC 2026 – Die Wettbewerbssongs aus diesem Jahr
- (22) Die Dancefloor-Hits vom ESC 2026 – Die Vorentscheidssongs aus diesem Jahr
Diese Rückblickserien auf die letzten fünf Ausgaben des Eurovision Song Contest sind bereits erschienen:
- Bye Bye Basel: Unser Rückblick auf den ESC 2025
- Malmö Memories: Unser Rückblick auf den ESC 2024
- Leaving Liverpool: Unser Rückblick auf den ESC 2023
- Torniamo a Torino: Unser Rückblick auf den ESC 2022
- Replay Rotterdam: Unser Rückblick auf den ESC 2021
- Talking Tel Aviv: Unser Rückblick auf den ESC 2019
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Ach ja, die krampfhaft lustigen Memmes, die allerdings in Wirklichkeit überhaupt nicht lustig sind!
Einen Fiebertraum bekomme ich immer, wenn statt türkisfarbenem Teppich von einem türkisen Teppich gesprochen wird.
Einen weiteren Fiebertraum bekomme ich dann noch, wenn englische Ausdrücke arg zwanghaft im Deutschen verwendet werden, nur um sie dann mit mindestens zwei, ach besser drei Erklärungen zu verdeutlichen. Das kann man sich nicht ausdenken. Schräg.
An die jüngere Generation hier:
Turquoise Carpet wird nicht ins Deutsche als türkisener oder türkiser Teppich übersetzt. Es ist mittlerweile so etwas wie ein Trademark geworden, könnte also genau so als Ausdruck bestehen bleiben.
Andererseits, immer weiter schön fleißig Gendern, insbesondere bei auf Englisch geführten Interviews, die zum besseren Verständnis auf Deutsch übersetzt werden, gell?! Die Welt ist schon verrückt geworden.
Ach ja, Memes sind wohl auch nur etwas für U30, können ansonsten weg.
Damit kann man auch die U30 Menschen ansprechen.
Also ich hab ja gelegentlich auch meine Probleme mit der aktuell vorkommenden Interpretation der deutschen Grammatik, aber man kann’s auch übertreiben mit der Korrektheit. Was kannst du eigentlich noch lesen ohne Fiebertraum?
Pseudo-Memes, Tänzelfest, “Dieses Spiel” Egotripping, Reiseberichte über Bahnfahrten, mein ganz persönlicher Stalker, es ist echt Sauregurkenzeit. Ich bin erst mal raus, bis es wieder los geht. Allen viel Spaß.
Supi Laureen …was für eine Mühe du dir gibst. Was soll man/frau uch machen wenn die Saison noch nicht begonnen hat und wir darauf warten bist die Hostcity verkündet und das Airbnb oder Hotel für 2027 gebucht werden kann. Ich wünsche dir bis dahin einen schönen Sommer.
Alle nur am meckern hier. Lass dich nicht entmutigen Laureen! Ich finde deinen Beitrag toll und liebe Memes! 🥳
Momo liebt Memmes? Wieder was gelernt
Momo liebt Memmen?
Momo liebt Mammas?
Momo liebt Mammen?
Oder doch Mammon?
Man weiß es nicht. Aber besser man lernt nie aus…
Momo liebt Chilly 😉
Der war gut! 😂
Und nur zu verständlich: Ich mag Chillkröten auch.
🫶☺️😘
Erwischt 😁
Generell stecke ich voller Liebe. 🥰
Genau! Mensch, ich bin über 30 und mag Memes oder alles was Leute in positive Sinne zum Lachen oder Lächeln bringt. Generell gefällt mir diese Rückblickserie gut – vielseitig. Wirklich kein Grund zum meckern – jede(r) Autor(in) bemüht sich etwas gutes nach vorne zu holen.
Schnelle Suche auf YT:
Danke! Ich habe mich weggeschmissen 😀 Liebe so etwas.
Immer gerne
Gut, Arbeit fast erledigt, heute Mittag war nur eine Kaffee-Länge zwischendurch, und noch mal nach ESC Forte gesehen. Der Typ ist Deutsch und …
Psst … Laureen … bist du noch da … und rufe Rick an 😉
Schaue mal etwa ab 2:45
… und er/sie macht halt ein typischen Fan-Channel, wirkt sehr 2026 auf mich. Wäre nicht einmal verwundert, wenn er/sie auch hier mitliest.
die 🪓👸 der ❤️❤️ kommt aber gut weg.
Ich glaube ich bin schon zu alt um sowas lustig zu finden. 🙄
Muss leider generell sagen dass ich von der Rückblick-Serie dieses Jahr enttäuscht bin. 😐
Wie gelungen kann man die super schlechten Postcards des 2026er Jahrgangs aufs Korn nehmen?
Danke, Laureen! Deine Postcard ist die erste dieses Jahr, die mir gefällt.
Ich fand die Postkarten super!
Echt wahr? 😮
Geschmäcker eben. Und darüber kann und soll man nicht streiten. 🫶🏻
Für mich gehören die zu den schlechtesten ever ever ever.
Witzigerweise sind meine Lieblinsgpostcards aller Zeiten auch aus Österreich.
Ich fand die Postcards eigentlich gar nicht so schlimm. Die Memes dazu habe ich trotzdem gefeiert. 😂
Fand sie auch nicht richtig prickelnd und verständlich. Nur so viel wie Starter, Österreich und irgendein Bezug zum Gastgeberland . Reicht zwar aber der inhaltliche Gedanke hinter den Cips wurde eher bruchstückhaft und nicht nachvollziehbar. präsentiert.
Hier wurde das Budget ziemlich vergeudet.😐
Danke für den launigen Beitrag, liebe Laureen 🙂
Das mit der Sal da Vinci Explosion ist ja schon starker Tobak 😀
Warum so viele negative Kommentare? Ich fand den Beitrag sehr witzig. 😀 Jiva feiere ich auf jeden Fall sehr dafür, dass sie sich auch auf der ESC-Bühne mit „Bussi!“ verabschiedet hat. Wenn ich mich in 20 Jahren auch vielleicht (sehr wahrscheinlich) nicht mehr an ihren Song erinnere, dann definitiv daran. 😀
Auch ich fand den Beitrag sehr unterhaltsam, Memes und lustige Momente gehören für mich irgendwie auch zum ESC dazu. Das beginnt schon bei den VEs und zieht sich dann die ganze Saison durch, denn da passiert schon so einiges, das Memepotenzial birgt.
Und natürlich hat Sal Da Vinci alle anderen mit seiner unbesiegbaren Meme-Kraft überstrahlt. Schon allein die Postcard war einfach Gold, da kann ich wirklich für keine Sekunde ernst bleiben. Aber auch der Handmove wurde ja dann sogar von den anderen Artists adaptiert und durfte in keiner Meme-Compilation fehlen. 😅
Wie hier teilweise auch schon verlinkt wurde gibt es da auf YouTube wirklich wahnsinnig lustige Zusammenschnitte, die kann man nur empfehlen falls einen so etwas interessiert.
Vlt. hat der ORF das Alles mit Absicht gemacht? Man soll nicht alles so ernst nehmen. Viele haben ja auch Ostrowski nicht verstanden der ja eigentlich Kabarettist ist.
Bisschen funny die Kommentare der älteren Generation hier – allerdings auch etwas verklemmt. 😀