
Genau 30 Jahre nach ihrer ersten Teilnahme am Eurovision Song Contest ist Justyna Steczkowska (Aufmacherbild) wieder mit dabei: In Basel tritt sie im Mai mit dem Song „GAJA“ an. Darin besingt sie eine Göttin – die sie irgendwie auch gleichzeitig selbst ist bzw. sein will. Entsprechend göttlich-opulent war die Inszenierung des Beitrags bei der polnischen Vorentscheidung. Das hat die dortigen Zuschauer*innen überzeugt. Aber funktioniert das auch in anderen Ländern Europas?
Polen hat in diesem Jahr auf die öffentliche Vorentscheidung Wielki finał polskich kwalifikacji gesetzt und dort ausschließlich die Zuschauer*innen über die elf Beiträge abstimmen lassen. Dabei setzte sich mit 39,3% der Stimmen und großem Vorsprung vor Platz 2 Justyna Steczkowska mit ihrem Track „GAJA“ durch. Die Künstlerin ist eine der bekanntesten Sängerinnen Polens und seit den 1990er-Jahren fester Bestandteil der dortigen Musikszene.
Justynas Karriere begann mit dem Sieg in einem Talentwettbewerb. 1995 vertrat sie Polen mit der Ballade „Sama“ beim Eurovision Song Contest in Dublin und landete dort auf dem 18. Platz. Seither ist Justyna in Polen für ihre außergewöhnliche Stimme und ihren vielseitigen Musikstil bekannt. Sie kombiniert Pop, elektronische Klänge und traditionelle Elemente und experimentiert dabei immer wieder mit neuen Sounds.
Neben ihrer Musikkarriere ist sie auch als Schauspielerin und Moderatorin aktiv. Ihr Markenzeichen sind ihre hohe Gesangsstimme und eine oft mystische, künstlerische Inszenierung ihrer Auftritte. Auf diese Karte setzt sie mit „GAJA“ auch bei ihrem zweiten ESC-Anlauf.
Das Lied
„GAJA“ wurde von Justyna Steczkowska gemeinsam mit Patryk Kumór, Emilian Waluchowski und Dominic Buczkowski-Wojtaszek geschrieben. Der erste Ausruf im Lied – „They call me Gaja“ – ist auf Englisch, anschließend wird auf Polnisch weitergesungen. In dem Song geht es um Gaia, die Göttin der Erde aus der griechischen Mythologie, die als personifizierte Erde und Urmutter gilt. Das Lied thematisiert also die Verbindung zwischen Mensch und Natur sowie die schöpferische Kraft der Göttin. Die Sängerin kritisiert den mangelnden Respekt gegenüber der Natur und ruft zu mehr Achtsamkeit gegenüber der Umwelt und sich selbst auf.
Musikalisch zeichnet sich „GAJA“ durch eine spirituelle und energiereiche Atmosphäre aus, die durch verschiedene mystisch-traditionelle Klänge unterstrichen wird. Obwohl der Titel einen ausgeprägten Rhythmus und eine gute Dynamik aufweist, ist er nicht wirklich tanzbar. Das liegt auch an den verschiedenen, in die Länge gezogenen Gesangs- und Schreieinlagen von Justyna Steczkowska. Diese wurden im polnischen Vorentscheid von einer opulenten Inszenierung begleitet. So hob die Sängerin zwischendurch einigermaßen unmotiviert ab und landete kurz darauf wieder auf der Bühne. Was Göttinnen halt so machen. Das alles im schwarzen Lack-und-Lederoutfit. Dazu gab’s Geigen und reichlich Feuer.
Fun Fact: Der Song war bei seiner Veröffentlichung im November 2024 nur 2:27 Minuten lang – und wurde für den ESC auf die erlaubten drei Minuten verlängert. Ob das dem Beitrag genutzt oder geschadet hat, möge jeder selbst beurteilen.
Justyna Steczkowska tritt im ersten Halbfinale am 13. Mai auf Startplatz 2 an.
Der Check
Song: 2/5 Punkten
Stimme: 4/5 Punkten
Darbietung: 4/5 Punkten
Instant Appeal: 2/5 Punkten
Douze Points: Viel hilft normalerweise viel. Aber hier regiert das blanke Chaos. Meine campe Seele feiert die Inszenierung mit Outfits, Tänzern und Gimmicks – und macht mich dabei vergessen, dass es ja um das Lied gehen soll. Das rauscht einfach an mir vorbei – trotz der langen Töne. Es ist mir einfach unmöglich, nur eine Zeile des Liedes oder der Melodie zu erinnern. Ich freue mich aber auf die Parodien des Beitrags beim ECG-Fanclubtreffen in Köln und vergebe dann doch göttlich-beschwingte 5 Punkte.
Manu: Justyna ist natürlich DIE „Welcome Back“-Geschichte des Jahres – und das feiere ich erstmal. Leider bietet „GAJA“ mir persönlich musikalisch mehr Chaos als Musik und ich habe etwas gebraucht, um den roten Faden des Liedes überhaupt zu finden. Auf den energetischen Auftritt und Justynas „Wild Dances“ freue ich mich aber jetzt schon. 4 Punkte
Max: Der Song hat viele Fans in der Bubble, aber für mich ist das nichts. Das Lied hätte auch vor über einem Jahrzehnt dabei sein können. Ja, es versucht mystisch rüberzukommen, aber bei mir erzeugt es nur Chaos. Immerhin ist Justyna einfach eine krasse Performerin und es wird einiges geboten – auch wenn das Lied nicht so krass wie die Show ist. Sorry, Poland! 3 Punkte
Peter: Nicht originell, aber funky. Es ist so cool, dass 2025 das Jahr in Landessprache ist. Ich mag den osteuropäischen Ethnofunk mit Kreischeinlage. Tolles Staging, erfrischende Bassline. Irgendwie cool, wenn auch alles schon mal dagewesen ist. 8 Punkte
Rick: Ich kann mir selbst nicht ganz erklären, was ich an diesem Beitrag so faszinierend finde. Vermutlich die Kombination aus mysteriösem Vibe, Justynas vollem Körpereinsatz und dem eingängigen Dance-Beat. Abzug gibt’s lediglich für die seeeehr lang gezogenen Töne. Das ist mir zu theatralisch. Ansonsten cool! 8 Punkte
Punktezahlen der anderen Blogger*innen:
- Benny: 3 Punkte
- Berenike: 6 Punkte
- Chris: 10 Punkte
- Danio: 4 Punkte
- Giulia: 4 Punkte
- Laureen: 3 Punkte
Gesamtpunktzahl aller Blogger*innen: 58/132 Punkten.
Beim ESC-kompakt-Index landet „GAJA“ auf Platz 19.
Wie schneidet der polnische Beitrag "GAJA" von Justyna Steczkowska ab?
- Platz 16-20 (28%, 199 Votes)
- Platz 11-15 (21%, 147 Votes)
- bleibt im Halbfinale hängen (20%, 140 Votes)
- Platz 21-26 (16%, 114 Votes)
- Platz 6-10 (8%, 60 Votes)
- Top 5 (8%, 54 Votes)
Total Voters: 714
Bisher erschienene Songchecks:
Erstes Halbfinale
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Absolut schreckliches Machtwerk. Skippe das rumgeschreie immer sofort, für mich persönlich schwer auszuhalten.
Hmm, das ist so ein Song, der bei mir nicht so richtig zündet – sie schreit mir zu sehr und das doch etwas überladene Lied hat nur wenige Stellen, die mir positiv im Gedächtnis bleiben – am schönsten find ich noch den Part gegen Schluss, wo es kurzfristig etwas ruhiger wird. Ich müsste den Song jetzt nicht im Finale haben, finde aber super, dass sie eine erneute ESC Teilnahme nach 30 Jahren nochmal durchzieht – sie ist auch mit über 50 top in Form, da zieh ich echt den Hut🤗
ich habe mal spontan für semiaus gevotet.
song: 0/5
stimme: 1/5
darbietung: 2/5
instant appeal: 1/5
Oh, da sind wir diesmal ja ganz anderer Meinung! Umgekehrt wird es dann leider bei deinem (glaub ich) Lieblingsbeitrag, den ich den ödesten von allen 37 finde.
wir werden es beide überstehen. 🙂
Oje. Da bleibt so gar nichts hängen. Keine erkennbare Melodie, nichts, was man nicht im selben Moment schon wieder vergessen hätte. Und dass schreien keine Option ist, hätte sich auch schon bis Polen herumsprechen müssen. Sorry, aber das bleibt verdient im Semi hängen.
Dieser Titel, den ich am Anfang ziemlich chaotisch fand, hat sich in meine Top 10 emporgearbeitet (und ist damit von den bisher vorgestellten am weitesten oben). Ich mag vor allem die Stellen, an denen die Bassgeräusche pausieren und fast nur Gesang zu hören ist, ganz besonders den Chorgesang zu Beginn der dritten Minute.
So Leute, auch wenn Justyna hier nicht so gut weg kommt:
Ich mag den Song und größtenteild auch die Performance. Ich mag den ethnischen Einfluss und mich darf man auch gerne musikalisch „anschreien“! 😉
Polen ist dieses Jahr das erste Mal in meinen persönlichen Top 5!
Aber die Erfahrung hat mich gelehrt, dass das kein gutes Zeichen für den Act sein muss.
Ich hoffe sie kommt nichts dest Trotz ins Finale und wird dort nicht Letzte!
„Gaja“ gehört bei mir zu den größeren Absteigern von meiner Ersteindruck-Bewertung zu meinem derzeitigen Ranking. Grundsätzlich mag ich Mashups aus folkloristischen, rockigen und elektronischen Elementen, aber die Blogger haben schon recht – sowohl der Song, als auch die Liveperformance sind zu „drüber“. Auch löblich, dass Polen nach 2019 erstmals wieder zur Landessprache zurück gekehrt ist, wenn auch der eine englische Refrain weder stört noch wirklich notwendig ist. In meiner Vorbereitung zum SCC habe ich nochmal festgestellt, dass Polen viele bessere Songs im „ Wielki Finał Polskich Kwalifikacji do Konkursu Piosenki Eurowizji 2025“ hatte (ich glaube, dass war der längste Vorentscheidsname aller Zeiten 😅). Vor allem in diesem Jahrgang mit vielen lauten bis lärmigen Songs geht „Gaja“ etwas unter und so werte ich dann mit immer noch ordentlichen 6,6 von 10 Punkten. Damit landet Justyna bei mir auf Platz 8 im ersten Semi und wäre weiter und insgesamt liegt sie auf Platz 25. Bereinigt um ein paar Ausscheider im zweiten Halbfinale läge sie im Finale bei mir auf Platz 23. Mit dem Todesslot 2 und einer weniger verlässlichen „Voting-Diaspora“ im Vergleich zu anderen Nationen könnte es am Ende wirklich knapp mit einer Finalqualifikation werden. Wenn Justyna es aber doch schafft landet „Gaja“ mutmaßlich in den Bottom 5.
Ja, das sehe ich (surprise, surprise) ähnlich 😇 Auf der Playlist höre ich die Nummer noch recht gern – aber der Liveauftritt hat bei mir auch Punkte gekostet, der war einfach zu aufdringlich. Schade.
Das ist ESC Einheitsbrei, zu gewollt, zu divenhaft, da fehlt jegliche Natürlichkeit wie z.B. bei Abor & Tynna
Klar Chris steht auf Geschrei.
Der Song ist mir an einigen Stellen zu chaotisch, dafür finde ich den Vibe, der hier durch die traditionellen Elemente erzeugt wird, sehr schön. Daher wäre der Song bei mir in diesem meiner Meinung nach schwächeren Jahr irgendwo zwischen Platz 20 und 28. Trotzdem habe ich großen Respekt vor Justyna und freue mich, sie nochmal beim Esc zu sehen 🙂
Es gibt einen neuen Song von Blanka, die für Polen vor zwei Jahren beim ESC antrat und der Titel ist „Guilty“:
Songcheck #3
Polen und Justyna mit „GAJA“. Ich kann damit wenig anfangen. Den Beat mag ich sehr. Viel mehr aber auch nicht. Mit dem Sprechgesang komme ich klar. Es hat im Refrain und zum Teil auch in den Strophen wieder diese Einflüsse, die ich gerne als „Leiden“ bezeichnen würde – denn so nehme ich das wahr, wenn auch in abgeminderter Form. Dort ist der Beitrag dann fast schon nervig.
Alles in allem reicht das für meinen Platz 36. Und ich gebe 4 von 12 Punkten.
Dennoch dürfte Polen 🇵🇱 eine relativ gute Chance auf die Qualifikation haben 🙂
🩵💚💙 Wohl jener Beitrag, der heuer von mir den größten Sympathiebonus erhält, obwohl ich den Song an sich eher als durchschnittlich bezeichnen würde – womit man in speziell diesem Eurovisionsjahrgang allerdings schon geradezu positiv auffällt. Ich hoffe für Justyna auf die Qualifikation zum Grand Final (sicher bin ich mir da keineswegs) und darauf, daß sie es im Idealfall wie 1995 in Dublin eröffnen darf (zugegebenermaßen pures Wunschdenken). Wie damals „Sama“ bei meinem Lieblings-ESC ever wird „Gaja“ höchstwahrscheinlich knapp in meinen persönlichen Top Ten landen, was nach exakt 30 Jahren schätzungsweise ein Zeitspannenrekord für die Ewigkeit wäre … 🌎🌍🌏
Extrem nervig das Lied. Hoffe es fliegt im Semi raus.
Polen:
Top:
1997 (im Olymp)
2003
2022
2024 (jawohl!)
Flop:
2007
2004
2015
Etwas verspätet lasse ich nun auch ein paar Rezensionen für die 37 Beiträge da, weil ich am heutigen Tage mal nichts anderes zu tun habe. Dabei beziehe ich mich nur auf den Song, nicht auf das Musikvideo oder etwaige potenzielle Stagings. Es kann bis zum zweiten Dress-Rehearsal sowieso noch an einigen Stellen vieles geändert werden, was Song und Staging anbelangt.
Womöglich der dichteste und überfrachteste Beitrag dieses Jahr. Da kommen höchstens die Ukraine, Kroatien und Georgien dran. Ich würde aber lügen, wenn ich sage, dass er keinen Spaß macht. Er macht ungeheuer Spaß und ist ein Erlebnis. Es ist ein Song, wie ich ihn mir nur im ESC-Kontext vorstellen und wünschen kann, weil in jedem anderen Kontext würde ich so einen Song sofort von der Bettkante stoßen. Für mich ist es jedoch ESC pur. Es muss doch jedes Jahr diesen einen Beitrag geben, der jedes biedere und hartknäckige Klischee über den ESC erfüllt, und dieses Jahr ist es „Gaja“. Es ist wild, verrückt, überdreht, exzentrisch und auf Landessprache.
Viele beschweren sich, dass sie nicht angeschrien werden wollen. Zunächst finde ich, dass der Schrei ein unfassbarer USP ist. Nicht nur muss man in gesangshandwerklicher Sicht Respekt haben, sondern fügt er sich auch thematisch gut in das Lied ein. Es verpackt den Weltschmerz der Göttin Gaja ganz gut. Im Hinblick auf die ökologischen, zivilisatorischen und humanitären Krisen lässt die Göttin Gaja einen Schrei los, der ihre Frustration und Wut zum Ausdruck bringt.
Kommt man darauf, wenn man das nicht weiß? Nein. Dafür ist dieser Song zu sperrig, als dass sich einem die tiefere Bedeutung wirklich erschließen könnte.
Vor allem, weil der Song bewusst trashig ist, Dancebreak inklusive. Als älteste Teilnehmerin muss man die Frage stellen: Handelt es sich hier um einen Fall „Mutter, du bist so peinlich“ oder „Mama, du bist ja so jung geblieben“? Es ist wohl irgendwo dazwischen. Am Ende ist es mir aber zu anstrengend, sodass ich mich mit diesem Song niemals außerhalb des ESC beschäftigen würde. Für das Semi drücke ich dennoch die Daumen, weil so etwas möchte ich im Finale eigentlich nicht missen.
Meine Platzierung: 23/37