
Nach zwei Jahren interner Auswahl kehrte Slowenien in diesem Jahr wieder zum altbekannten Vorentscheidformat Evrovizijska Melodija 2025 (EMA 2025) zurück. Das Finale fand am 1. Februar 2025 im Studio 1 von RTV Slovenija in Ljubljana statt und wurde von Štras und Raiven, Sloweniens ESC-Teilnehmerin 2024, moderiert. Zwölf Acts traten mit ihren Songs an, darunter auch bekannte Acts wie July Jones, Astrid & The Scandals und Jon Vitezič.
Das Voting erfolgte in zwei Runden: Zunächst bewertete eine Jury alle Beiträge und bestimmte die beiden Bestplatzierten: Klemen erhielt 51 Punkte, dicht gefolgt von July Jones mit 50 Punkten. Im anschließenden Superfinale entschied das Publikum dann per Televoting über den Gewinner. Mit über 66 % der Stimmen setzte sich dabei Klemen durch und sicherte sich das Ticket für Basel.
Klemen, geboren am 3. Juni 1985 in Brežice, ist ein vielseitiger Künstler und eine Hausnummer in Slowenien. Schauspieler, Sänger, Songwriter und TV-Moderator, mehr Showman geht kaum. Bekannt wurde Klemen vorallem durch seine musikalischen Parodien in der slowenischen TV-Show Hri-bar, später machte er sich mit humorvollen Imitationen auf YouTube einen Namen. Im Rahmen seiner Vorentscheidungs-Teilnahme parodierte Klemen etwa auch ESC-Acts. Zudem moderierte er mehrfach die slowenische ESC-Vorentscheidung EMA und widmete sich in den letzten Jahren verstärkt der Musikproduktion. Sein erstes Soloalbum soll in diesem Jahr erscheinen.
Das Lied
Der Song „How Much Time Do We Have Left“, den Klemen alleine geschrieben hat, ist eine emotionale Ballade. Der Text behandelt die Zerbrechlichkeit des Lebens und den Wunsch, wertvolle Momente bewusst zu erleben. Die Inspiration lieferte, so hart es klingt, das Leben selbst: Wie Klemen auf Social Media verkündete, geht es in seinem Beitrag um eine persönliche Geschichte, die seine Frau betrifft. Kurz nachdem sie ihm ihre Schockdiagnose über eine unheilbare Krankheit mitteilte, griff Klemen zu Stift und Papier und schrieb einen Song darüber. Eine traurige Thematik also von dem Comedy-Talent, das eigentlich eher mit humorvollen Inszenierungen und schrillen Imitationen auffällt.
Bei seinem Auftritt im EMA-Finale stand er zunächst alleine vor einem LED-Sternenhimmel, der am Ende der Performance „aufbricht“. Ganz verzichten auf Showeinlagen kann Klemen aber nicht: Zu Beginn der zweiten Strophe wird er an Seilen befestigt und zwei Herren helfen ihm dabei, sich so zu drehen, dass er kopfüber weitersingen kann.
Klemen tritt im ersten Halbfinale am 13. Mai auf Startplatz 3 an.
Der Check:
Song: 1/5 Punkten
Stimme: 3/5 Punkten
Darbietung: 3/5 Punkten
Instant Appeal: 2/5 Punkten
Chris: Es gibt deutlich stärkere Balladen. Ich sehe auch kein Potenzial für ein Staging, das hier noch das Ruder herumreißen könnte. Der Text ist etwas zu direkt und wirkt dadurch ein wenig unbeholfen. 1 Punkt
Laureen: Für mich als Fan von Krankenhausserien wie Grey’s Anatomy ist dieser Beitrag natürlich theoretisch super. Das Storytelling passt – allerdings klingt es für mich zu flach und zu sehr nach Schulaufsatz im Englischunterricht. Gleichzeitig nehme ich Klemen die Emotionen total ab und muss sagen, der Song gefällt mir fast mit jedem Hören besser (hat aber auch sehr schwach angefangen). Außerdem haben wir in diesem ESC-Jahr nicht sehr viele ruhige Töne, da ist Sloweniens Beitrag eine schöne Abwechslung. 4 Punkte
Manu: Ich warte die ganze Zeit darauf, dass mich Klemens emotionales Lied packt und berührt, doch bisher ist das leider noch nicht passiert. Ein bisschen Zeit hat Klemen bis zum Halbfinale ja noch, denn eigentlich besitzt sein Lied alle Zutaten dafür. „We never know“. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich so lediglich die schönen Harmonien honorieren: 3 Punkte
Max: Ein bedrückendes Lied das bei mir leider nicht die Emotionen freisetzt, auf die Klemen wohl hofft. Da hilft auch der Kopfüber-Stunt beim Auftritt nicht viel. Das Lied hat für mich musikalisch leider nicht so viel zu bieten und der Text führt dazu, dass ich mich unter einer Decke verkriechen will. Schade Slowenien, in den vergangenen Jahren war mehr geboten! 3 Punkte
Peter: Geht so. Das Beste sind die reflektierten Lyrics. Klemen singt den Song stimmlich stark, aber alles in allem ist das nicht sonderlich aufregend, auch wenn er zwischendurch von der Decke hängt. Ist so ein bissel wie ein Mittelklassewagen, den man wegen des praktischen Stauraums aus Vernunft kauft. 5 Punkte
Rick: Hmm… ich muss zugeben, dass mich der Vorentscheid-Auftritt bewegt hat, weil Klemen die Geschichte eben selbst erlebt hat. Das spürt man. Doch musikalisch ist Sloweniens Beitrag weder innovativ, noch besonders auffällig oder eingängig. Zudem wirkt die Showeinlage kopfüber beim ersten Sehen verwirrend und irgendwie auch unpassend. 3 Punkte
Punktezahlen der anderen Blogger*innen:
- Benny: 2 Punkte
- Berenike: 7 Punkte
- Douze Points: 2 Punkte
- Danio: 1 Punkt
- Giulia: 3 Punkte
Gesamtpunktzahl aller Blogger*innen: 34/132 Punkten.
Beim ESC-kompakt-Index landet „How Much Time Do We Have Left“ auf Platz 33.
Wie schneidet der slowenische Beitrag "How Much Time Do We Have Left" von Klemen ab?
- Bleibt im Halbfinale hängen (73%, 466 Votes)
- Platz 21-26 (13%, 81 Votes)
- Platz 16-20 (7%, 44 Votes)
- Platz 11-15 (4%, 26 Votes)
- Top 5 (2%, 14 Votes)
- Platz 6-10 (2%, 11 Votes)
Total Voters: 642
Bisher erschienene Songchecks:
Erstes Halbfinale
- (1) Estland: „Espresso Macchiato“ von Tommy Cash
- (2) Island: „Róa“ von VÆB
- (3) Polen: „GAJA“ von Justyna Steczkowska
- (4) Portugal: „Deslocado“ von NAPA
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Ich bin bekennender Fan von vielen ruhigen Nummern beim ESC – aber der slowenische Beitrag geht komplett an mir vorbei.
Balladen sind eigentlich meins. Slowenien ist bei mir platz 20.
Songcheck #5
Diesmal mit Klemen aus Slowenien 🇸🇮 und „How Much Time Do We Have Left“.
Vorweg: Für das Land habe ich einen soft Spot. Nicht wegen dem ESC, aber es ist so. Und der Titel des Beitrags hat für mich mind. 3 Wörter zu viel.
Zum Beitrag selber: Ja… der Song lässt mich etwas ratlos zurück. Ich kenne die Geschichte dahinter und kaufe ihm das ja sogar ab. Aber auch wenn ich verstehe was er singt, kommt mir das alles ziemlich einfach vor. Mir fehlt da auch ein wenig die orchestrierung. Ich finde da hätte man am Instrumental mehr machen können. Ich spüre wenig Höhepunkte.
Sonderlich hoch kann ich den Song daher nicht ranken. Er tut aber auch niemanden weh und ob der jetzt abgespielt wird oder nicht tut mir jetzt nicht so viel zur Sache.
Ich gebe 6 von 12 Punkten und würde mich trotz allem freuen wenn sie sich qualifizieren würden 🇸🇮
Tipp: Leider aus im Halbfinale.
Leider hänge ich mit den Songchecks ein bisschen zurück und habe gestern gerade noch Portugal fertiggestellt. Deswegen muss ich mich jetzt ein bisschen ranhalten.
Punkt 1: Song und Lyrics
– Ich finde schon, dass man dem Lied anmerkt, dass diese Art von Musik nicht das ist, was Klemen sonst eigentlich macht. Es ist rein vom musikalischen Aspekt eine sehr durchschnittliche ESC-Ballade, die man auch schon vor zehn oder mehr Jahren genauso auf die Bühne hätte bringen können. Das ist jetzt erstmal nicht als Verurteilung sondern als klarer Fakt gemeint. Aber was den Beitrag wirklich ausmacht, sind ja die Lyrics und vor allem die Geschichte dahinter. Dadurch, dass das komplette Lied auf Englisch auf einfachen Niveau vorgetragen wird, werden auch möglichst viele Menschen dieses wohl verstehen, was vielleicht auch den sehr direkten Charakter des Textes erklärt. Es geht bei dem Lied also darum, dass man berührt wird, dass man vielleicht auch selbst an ähnliche Schicksalsschläge erinnert wird und dass man emotional mitgenommen wird. Ob das gelingt, finde ich etwas schwer zu sagen, beim Großteil der ESC-Bubble scheint das zumindest nicht wirklich der Fall zu sein. Ich selbst bin mir unsicher, da mich die Geschichte dahinter an sich schon berührt, das Lied an sich auch nicht schlecht ist, aber es eben auch nichts ist, was ich mir aktiv anhören würde und es auch generell eher zu den Liedern zählt, die ich nicht so auf dem Schirm habe. Aktuell befindet sich das Lied in meinem breitgefächerten Mittelfeld, und ich glaube auch nicht, dass das sich da noch viel bewegen wird. Es ist eben die Definition eines okayen Songs in meinen Augen. Und diese okayen Songs tendieren meiner Ansicht nach dazu, im Feld der lauten, speziellen, kreativen und auffälligen anderen ESC-Lieder verloren zu gehen, obwohl sie andererseits auch genau deswegen hervorstechen können.
Zu den Lyrics: Viele sagen ja, dass der Text ihnen zu direkt gestaltet ist, was ich teilweise nachvollziehen kann, für mich persönlich geht das aber in Ordnung, da ich sowieso nicht so sehr auf die einzelnen Worte höre. Es wird sehr viel mit Bildern und Kontrasten gespielt und es wird auch versucht, möglichst die Aufmerksamkeit des Hörers auf sich zu ziehen. Dabei wurde bewusst auch eher von einfachem Englisch Gebrauch gemacht und generell sollte der Text wohl für so viele wie möglich verständlich gemacht werden.
Nun, dem Song gebe ich 5,5/10 Punkten und dem Text 1,5/3 Punkten.
Punkt 2: Auftrit, Staging, Performance und Stimme
– Das Thema der Inszenierung ist schwer zu erkennen natürlich die Schlichtheit und alles ist eher zurückgenommen. Der Sternenhimmel kreiert eine Atmosphäre, die sehr gut mit dem melancholischen Feel des Songs harmoniert und steht auch für eine gewisse Weite. Es werden viele nahe und direkte Kamera-Winkel genutzt, sehr oft steht sein Gesicht sowie seine Mimik und Gestik im Vordergrund. Es wird generell möglichst persönlich gehalten. Das passt auch gut zum Song, aber ich würde mir einen besseren Aufbau und mehr Abwechslung wünschen, vor allem am Anfang des Songs.
Die stimmliche Darbietung ist natürlich jetzt nicht krass professionell, aber für den Song komplett ausreichend.
Ich gebe dem Auftritt 3/6 Punkten und der Stimme 3/5 Punkten.
Punkt 3: Prognose, Mögliches Abschneiden im Contest
– Um es kurz zu halten: Es wird für den Song schwierig, das Halbfinale zu überstehen. Es muss schon alles aus der Inszenierung rausgeholt werden und die Message muss deutlich sein, sonst sehe ich Slowenien definitiv draußen. Bis jetzt sehe ich den Beitrag persönlich auch als Non-Qualifier, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, das dies noch lange nicht in Stein gemeißelt ist. Falls das Finale erreicht wird, sehe ich einen Platz zwischen 18-25 voraus. Das positivste Szenario wäre ein Ergebnis wie Dons es letztes Jahr hatte.
Für die Wettbewerbsfähigkeit gebe ich 0/1 Punkt, da ich mir keine linke Tabellenhälfte für den Song vorstellen kann.
Gesamt bekommt der Beitrag von mir 13/25 Punkten.
Ich glaube tatsächlich, dass das unterschätzt wird. In Michael-Schulte-Sphären wird das nicht vordringen, aber ins Finale kommt das wohl. Ist ja jetzt nicht so, dass die Konkurrenz erdrückend stark wäre…
Slowenien:
Top:
2001 (wird auf ewig meine slowenische Pole Position haben)
1998
2005
2019
2015
Flop:
2004
2009
Etwas verspätet lasse ich nun auch ein paar Rezensionen für die 37 Beiträge da, weil ich am heutigen Tage mal nichts anderes zu tun habe. Dabei beziehe ich mich nur auf den Song, nicht auf das Musikvideo oder etwaige potenzielle Stagings. Es kann bis zum zweiten Dress-Rehearsal sowieso noch an einigen Stellen vieles geändert werden, was Song und Staging anbelangt.
Dass der Komiker und Parodist Klemen Slakonja mit einem solchen Lied zum ESC fährt, das ist doch eigentlich das wahre komödiantische Kunststück. Das ist doch ein Streich par excellence. Jedoch ist an der ganzen Angelegenheit nichts lustig, denn das Lied ist sehr ernst.
Man kann dieses Lied eigentlich nicht als kontrovers bezeichnen, weil die breite Mehrheit in der ESC-Fangemeinde ihm ablehnend gegenübersteht. Von daher traue ich mich nun heraus und möchte den „advocatus diaboli“ spielen. Denn mir gefällt das Lied wirklich ausgesprochen gut.
Klemen besingt hier eine reale Erfahrung, die er mit seiner Familie durchgemacht hat, nämlich die schwere Erkrankung seiner Frau, die diese entgegen aller ärztlichen Prognosen überstanden hat. Damit reiht sich „HMTDWHL“ ein in die lange Reihe persönlicher und autobiografischer Songs beim diesjährigen ESC. Doch kein Song ist vermutlich so direkt und gradlinig wie dieser, wenn es um die Verarbeitung eines persönlichen Erlebnisses geht.
Die Sach- und Textebene sind kongruent und bilden somit Eins. Es gibt keine Metaphern oder Allegorien, die das Geschehene umschreiben sollen. Dadurch kommen Lyrics zustande, die so beim ESC oder allgemein für Populärmusik eher ungewöhnlich sind. What you see is what you get. Es gibt keine zweite Ebene, denn alles ist deskriptiv. Die Lyrics sind wie ein Dialog, den Klemen mit seiner Frau führt. Eine Elogie an sie, die in einen (reduzierten) musikalischen Rahmen überführt wird. Ein Großteil des Songs ist daher eher im Rezitativ/Sprechgesang gehalten. Vom Instrumental ist es sehr zurückhaltend, was die Lyrics hervorhebt. Es gibt keinen anderen Song in diesem Jahr, in dem die Lyrics derart tragend sind.
Dieser Song hat zum Vorteil, dass er in Englisch ist, in einem Jahr, in dem die Mehrheit der Beiträge in Landessprache sind. Das Englisch ist dazu noch sehr simpel, was den Song einfach zugänglich macht. Es ist jedem unmittelbar klar, worum es in diesem Song geht. Und obwohl ich eine solche Erfahrung noch nie durchgemacht habe und mich eigentlich Null damit identifizieren kann, spricht mich das Thema der Vergänglichkeit des Lebens, der Jugend und der Gesundheit doch an. Vor allem, weil das Lied letztlich sehr erbaulich, inspirierend und optimistisch ist. Es lässt mich gut fühlen.
Viele werfen dem Lied Exhibitionismus vor, und das ist ein legitimer Kritikpunkt. Ich persönlich nehme es Klemen jedoch zu 100 % ab. Es ist die totale Selbstoffenbarung. Es wird sich emotional nacktgemacht. Die Selbstdarstellung in einem Moment völliger Verwundbarkeit. Das Öffentliche wird zur Bühne für das Private.
Ich halte es für den besten Song dieser Art seit Michael Schultes „You Let Me Walk Alone“, und Klemen scheint denselben Effekt erzielen zu wollen. Ich wünsche ihm Glück und hoffe, dass er es in das Finale schafft.
Meine Platzierung: 13/37
Lorella Fego ist dieses Jahr wieder die Punktesprecherin für Slowenien:
https://eurovoix.com/2025/04/23/slovenia-lorella-flego-spokesperson-for-eurovision-2025/