
Eigentlich war es klar wie Kloßbrühe, dass er den griechischen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest 2026 gewinnen wird: Akylas. Er selbst konnte aber trotz Favoritenstatus bis zum Schluss nicht glauben, den Sieg bei Sing For Greece tatsächlich zu holen und seine Heimat Griechenland in Wien vertreten zu dürfen. Nach zwei Halbfinals und dem großen Finale ließ er aber wirklich alle hinter sich und darf mit „Ferto“ im Mai zum ESC.
Mit seinem verspielten Style begeisterte Akylas schon vor dem Vorentscheid Sing For Greece 2026 die internationale Fancommunity. Während er beispielsweise auf YouTube die meisten Klicks sammelte und sein Lied einen ersten kleinen viralen Moment erlebte, rückten etabliertere Vorentscheid-Acts wie Evangelía und Marseaux in den Hintergrund. Am Ende konnte der 27-jährige Akylas gewinnen und die Höchstpunktzahl bei der Jury und den Zuschauenden holen.
Akylas Mytilineos veröffentlicht seit über fünf Jahren Musik und konnte sich so auf TikTok eine Fangemeinde aufbauen. Diese wuchs vor allem, als er 2022 an der achten Staffel von The Voice Of Greece teilnahm. Zuvor besuchte Akylas eine Kochschule und arbeitete in Restaurants, hatte aber auch einen Job als Sänger auf einem Kreuzfahrtschiff. Die Teilnahme am griechischen Vorentscheid sorgt aktuell für seinen bisher größten Karrieresprung.
Akylas‘ ESC-Beitrag „Ferto“ ist der erste Song des Künstlers, der es in die griechischen Charts schaffte, zudem ist er aus den Medien in seiner Heimat nicht mehr wegzudenken und hat zahlreiche Fernsehauftritte. Natürlich ist der griechische Vertreter momentan auch schwer mit den ESC-Vorbereitungen beschäftigt und bei zahlreichen PrePartys dabei.
Das Lied
Das Lied „Ferto“ („Gib her!“ oder „Bring es!“) besticht durch einen schnellen Dancebeat, der mit Ethno-Elementen der Kretischen Lyra kombiniert wird, die auch im offiziellen Musikvideo zu sehen ist. Zudem werden immer wieder Soundeffekte eingebaut, die an Videospiele der 80er-Jahre erinnern. Akylas singt im Song auf Griechisch, es werden allerdings auch Worte auf Englisch, Spanisch und Französisch eingestreut. Produziert und geschrieben wurde der Beitrag von Papatanice, Orfeas Nonis, Akylas selbst und dem Duo Freaky Fortune, das Griechenland 2014 beim ESC vertrat.
In „Ferto“ geht es um den Überkonsum der heutigen Gesellschaft und den ständigen Drang, immer mehr zu besitzen. Der Hintergrund ist Akylas‘ eigene Lebensgeschichte, denn seine Mutter konnte ihm aus finanziellen Gründen selten seine materiellen Wünsche erfüllen, als er noch ein Kind war. In der Bridge singt Akylas deshalb auch emotionale Passagen, die an seine Mutter gerichtet sind wie „Ich werde dafür sorgen, dass es uns an nichts mehr fehlt, Mama.“
Akylas wird im ersten Halbfinale am 12. Mai in der ersten Hälfte auftreten.
Der Check
Song: 5/5 Punkten
Stimme: 4/5 Punkten
Darbietung: 4/5 Punkten
Instant Appeal: 4/5 Punkten
Berenike: Der obligatorische verrückte Spaßbeitrag kommt in diesem Jahr also aus Griechenland. Ich mag es, „Ferto“ ist sehr eingängig und unterhaltsam in Szene gesetzt. Durch Sprache und landestypische Elemente erkennt man, aus welchem Land es kommt, es ist nicht gesichtslos international. Außerdem ist Akylas ziemlich knuffig. Allerdings ist es mir etwas zu überdreht und hippelig, um mich vollständig zu überzeugen. 7 Punkte
Douze Points: Wieso wird eigentlich klassische Musik in U-Bahn-Eingängen gespielt, um Leute dort vom Rumlungern abzuhalten? Nehmt einfach „Ferto“ – und ich werde nie wieder eine U-Bahn betreten. Ich finde auf rationaler Ebene durchaus positive Aspekte an dem Beitrag. Ansonsten ist das für mich ein nerviger, lauter, überfüllter Kinderfreizeitpark mit kaputten Attraktionen aus den 80er Jahren. 3 Punkte
Giulia: Der Beitrag reiht sich von seiner Art her nahtlos in die Reihe „Cha Cha Cha“, Baby Lasagna, „Europapa“ und Tommy Cash ein. Allerdings ist der Refrain sehr eintönig und mich persönlich nervt er auch. Wenn das Lied Erfolg haben will, sehe ich es vor allem problematisch, dass Akylas im Vorentscheid kaum Energie auf die Bühne gebracht hat, wie es so ein Beitrag absolut verlangt. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass der Act dennoch einige Fans unter denjenigen findet, die den ESC ironisch schauen. 5 Punkte
Laureen: Ich nehme die Begeisterung, die viele Menschen für diesen Beitrag haben, wahr, kann sie aber nicht teilen. Ja, der Refrain geht ins Ohr (und bleibt im Kopf), aber es nervt mich auch und ist mir einfach „too much“. Der langsame Part? Ganz klar für die Jurys geschrieben und da erkenne ich die Absicht und bin verstimmt, obwohl das stimmlich natürlich gut ist. 3 Punkte
Rick: Die Kombination aus Ethno, Rap-Einflüssen und dieser ganz speziellen Dance/Techno-Produktion ist einfach spannend. Griechenland präsentiert sich damit von einer ganz neuen Seite, die dennoch authentisch wirkt. Mein Highlight sind die Sound-Effekte in „Ferto“, die an Videospiele erinnern. Definitiv ein Beitrag mit starker eigener Identität, was für mich die wohl wichtigste Eigenschaft eines ESC-Songs ist. 10 Punkte
Punktzahlen der anderen Blogger*innen:
- Bennet: 10 Punkte
- Benny: 4 Punkte
- Manu: 6 Punkte
- Marcel: 8 Punkte
- Max: 12 Punkte
- Peter: 8 Punkte
Gesamtpunktzahl aller Blogger*innen: 76/132 Punkten.
Beim ESC-kompakt-Index landet „Ferto“ auf Platz 7.
Bisher erschienene Songchecks:
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