
Beim Eurovision Song Contest 2026 wird ein Stück Weltkulturerbe zu hören sein: die Gruppe Bandidos do Cante konnte das 59. Festival da Canção gewinnen und wird den Song „Rosa“ mit Elementen des „Cante Alentejano“ auf der Bühne in Wien präsentieren.
Die Gruppe war einer der zwei Acts, die in diesem Jahr von vorne herein bekannt gegeben haben, im Falle eines Sieges beim FdC zum ESC fahren zu wollen. Alle anderen Acts erteilten dem ESC aufgrund der Teilnahme Israels eine Absage. Für sie sei Musik nicht nur ein Mittel des Protests, sondern auch etwas, das Menschen zusammenbringt, Gemeinschaft schafft und an gemeinsame Werte erinnert. Sie betonten, dass sowohl das Festival da Canção als auch der Eurovision Song Contest in erster Linie dazu dienen, Lieder, Komponisten und Künstler zu feiern. Dies seien Bühnen, auf denen Musik eine Brücke zwischen Menschen schlagen kann, insbesondere in schwierigen Zeiten.
Bandidos do Cante ist eine fünfköpfige Gruppe aus Beja in der Region Alentejo, die Elemente des „Cante Alentejano“ mit kontemporären Pop-Klängen verbindet. Die Band gründete sich 2022 unter dem Namen „Amigos do Alentejo“, im Jahr darauf nahmen sie ihren heutigen Namen an. Die Bandmitglieder sind Miguel Costa, Duarte Farias, Francisco Raposo, Luís Aleixo und Francisco Pestana.
Das Lied
Mit „Rosa“ bringen Bandidos do Cante ein Lied, welches im „Cante Alentejano“ wurzelt, zum Song Contest nach Wien. Polyphone Stimmharmonien stehen im Vordergrund. Im Gegensatz zum klassischen „Cante Alentejano“, der ausschließlich durch Stimmen dargeboten wird, sind bei „Rosa“ auch eine Gitarre und eine Geige zu hören, sonst wird jedoch auf Instrumente verzichtet. Das Lied strahlt eine sehr ruhige Grundstimmung aus.
Lyrisch lebt das Lied von Erinnerungen und Emotionen und wirkt fast schon wie ein Gedicht aus einer vergangen Zeit. Es beschreibt Erinnerungen an eine vergangene Liebe, die durch Naturbilder wie Rosen und einen Garten lebendig werden. Der Erzähler bereut Versäumnisse in der Beziehung und empfindet große Sehnsucht, während der einst gepflegte Garten nun zur Metapher für verlorene Liebe geworden ist. Die geliebte Person wird als besonders schön („schönste Rose, die im Alentejo erblüht ist“) und einzigartig dargestellt, verbunden mit tiefer Nostalgie und dem Wunsch nach ihrer Nähe.
Text und Musik stammen aus den Federn der fünf Bandmitglieder selbst sowie von Bluay, Gonçalo Narciso, Gui Alface und Kasha.
Bandidos do Cante treten mit „Rosa“ für Portugal im ersten ESC-Halbfinale am 12. Mai 2026 in der ersten Hälfte an.
Der Check
Song: 3/5 Punkten
Stimme: 5/5 Punkten
Darbietung: 1/5 Punkten
Instant Appeal: 2/5 Punkten
Benny: Einfach ein wunderschöner Song, bei dem mit vermeintlich wenigen Zutaten sehr viel erreicht wird. Mir ging das Lied gleich beim ersten Hören direkt ins Herz. Wenn es mit rechten Dingen zugeht und Il Volo damals Dritte geworden sind, müsste Portugal den ESC in diesem Jahr mindestens gewinnen. Auf zusätzliche Extrapunkte dafür, dass die Bandidos auch wirklich zum ESC wollen, wenn sie an einer ESC-Vorentscheidung teilnehmen, verzichte ich an dieser Stelle, auch wenn sie in Portugal durchaus angebracht wären. 10 Punkte.
Berenike: Auf den Song muss man sich einlassen (können). Wer das kann, darf sich über ein wunderschönes, herzerwärmendes Stück Musik freuen, dass ein angenehmer Ruhepol und Balsam für Ohr und Seele ist. Wer es nicht kann, wird sich gehörig langweilen. Bei mir schwankt es immer mal. Wenn ich aber in der richtigen Stimmung bin, dann kriegt es mich „richtig“, dann berührt mich „Rosa“ ganz tief und hat eine ganz wundervoll beruhigende Wirkung auf mich. Es sticht in diesem sehr lauten Jahrgang mit vielen Uptempo-Nummern und meist auch eher „lauten“ Balladen angenehm heraus. 12 Punkte.
Manu: Mit „Rosa“ habe ich eine Reise hinter mir: Beim anfäglichem Querhören konnte ich den Zauber noch nicht erkennen, doch beim bewussten Hören wurde ich auf einmal emotional und fühlte mich wohlig umarmt. „Rosa“ ist kein Lied, das zeigen will, wie abgefahren modern es ist. Die schöne Melodie, die erkennbaren heimischen Wurzeln und der Ruhe spendende harmonische Gesang könnte (hoffentlich mit einem anderen Staging) für einen ganz besonderen und verbindenden Moment in Wien sorgen. 10 Punkte.
Marcel: Portugal portugalt mal wieder. Und unter UNESCO-Kulturerbe macht man es da ohnehin nicht. Dabei sticht „Rosa“ natürlich so hervor, dass es das Land wieder einmal zur Überraschung vieler ins Finale bringt. Ich kann mit den herrlich altmodischen Cante-Banditen zumindest mehr anfangen als mit Napa vergangenes Jahr. 4 Punkte.
Max: Ganz schwierig. Ich mag es sehr, dass Portugal sich treu bleibt und lieber gerne etwas Traditionelles, „Authentisches“ zum Wettbewerb schickt. Allerdings finde ich persönlich den Song einfach zu öde, zu träge und da kann auch die geballte Ladung Tradition und Authentizität nichts ausrichten. Sehr schwere Kost für mich, leider! 2 Punkte.
Punktzahlen der anderen Blogger*innen:
- Bennet: 3 Punkte
- Douze Points: 6 Punkte
- Giulia: 5 Punkte
- Laureen: 5 Punkte
- Peter: 5 Punkte
- Rick: 3 Punkte
Gesamtpunktzahl aller Blogger*innen: 65/132 Punkten.
Beim ESC-kompakt-Index landet „Rosa“ auf Platz 13.
Bisher erschienene Songchecks:
- Finnland: „Liekinheitin“ von Linda Lampenius & Pete Parkkonen
- Georgien: „On Replay“ von Bzikebi
- Griechenland: „Ferto“ von Akylas
- Kroatien: „Andromeda“ von Lelek
- Moldau: „Viva, Moldova!“ von Satoshi
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