
Songwriting-Camps gehören inzwischen fast selbstverständlich zur ESC-Welt dazu – und sorgen gleichzeitig regelmäßig für Diskussionen. Während die einen darin den Schlüssel zu modernen und internationalen ESC-Beiträgen sehen, kritisieren andere die Songs als austauschbare „Stangenware“. Marcel Schicken ist einer der Organisatoren des Berlin Song Fest, ein Songwriting-Camp mit Fokus auf den Eurovision Song Contest. In loser Reihenfolge wird er als Gastautor auf ESC kompakt Artikel zu diesem Thema veröffentlichen. Zum Auftakt geht es um die Frage, welche Rolle solche Camps inzwischen beim ESC spielen – und warum die Wahrheit vermutlich irgendwo zwischen Kreativlabor und Reißbrettproduktion liegt.
Ein Beitrag von Marcel Schicken
Die einen finden Songwriting-Camps super, die anderen lehnen sie komplett ab. Für manche sind sie der beste Weg zu modernen und internationalen ESC-Songs, andere halten sie für künstlich und austauschbar. Die Diskussion ist nicht neu – gerade im ESC-Kontext wird sie aber immer intensiver. Deshalb lohnt sich ein Blick darauf, welche Rolle Songwriting-Camps inzwischen tatsächlich spielen.
Kurz zu mir: Ich bin Marcel, ESC-Fan und Mitorganisator des Berlin Song Fests gemeinsam mit Carl-Henrik Wahl und Jonas Jensen aus Norwegen. Die beiden betreiben den Studiokomplex „The Woods“ in Rena, aus dem bereits zahlreiche Songs für nationale Vorentscheide und den Eurovision Song Contest hervorgegangen sind – darunter „Laika Party“ von Emmy oder „Give That Wolf A Banana“ von Subwoolfer.
Gerade der deutsche ESC-Vorentscheid 2026 zeigt ziemlich deutlich, wie präsent Songwriting-Camps inzwischen geworden sind. Genau ein Beitrag entstand nicht in einem solchen Format, nämlich „Ciao, Ragazzki“ von Ragazzki. Alle anderen acht Beiträge dagegen schon.
Sechs Songs wurden beim SWR-Songwriting-Camp in Limoux in Südfrankreich geschrieben – darunter die Beiträge von Laura, Wavvyboi, Molly, Myle, Malou und Dreamboys the Band. Ein weiterer Song entstand beim Camp an der Popakademie Mannheim (Bela) und der deutsche ESC-Beitrag „Fire“ bei einem Songwriting-Camp in Marokko für Sarah Engels.
Jetzt fühlen sich vermutlich viele Kritiker bestätigt und sagen: „Genau deshalb funktionieren solche Camps nicht.“ Tatsächlich wurde nach dem deutschen Vorentscheid häufig kritisiert, dass viele Songs zu austauschbar oder zu wenig ESC-tauglich gewirkt hätten. Außerdem wünschen sich viele Fans authentische Songs – nicht Musik, die klingt, als wäre sie komplett am Reißbrett entstanden.
Auch international werden solche Diskussionen regelmäßig geführt. „My System“ von Felicia aus Schweden entstand beispielsweise ebenfalls in einem Songwriting-Camp in Island. Ganz so einfach ist die Debatte aber nicht.
Denn auch der diesjährige ESC-Siegersong „Bangaranga“ von DARA entstand bei einem Songwriting-Camp – genauer gesagt bereits am 9. November 2023 beim „Sofia Songwriting Camp“. Natürlich kann man darüber diskutieren, ob der Song ein lyrisches Meisterwerk ist. Entscheidend war aber letztlich etwas anderes: Der Titel traf den Nerv der Zeit und funktionierte zusammen mit einer herausragenden Live-Performance. Das Ergebnis: Der Eurovision Song Contest 2027 findet in Bulgarien statt.
Und damit wären wir beim nächsten wichtigen Punkt. Denn beim ESC geht es längst nicht mehr nur um Songs allein. Die Inszenierung spielt eine immer größere Rolle. Verantwortlich für das Staging von „Bangaranga“ war der Schwede Fredrik Rydman – genauso wie zuvor schon bei „The Code“ von Nemo. Auch dieser ESC-Siegersong entstand übrigens im Rahmen eines Songwriting-Camps, nämlich beim Suisa Songwriting Camp rund um Pele Loriano.
Natürlich beweist das nicht automatisch, dass Songwriting-Camps bessere Songs hervorbringen. Dort entsteht genauso Durchschnitt wie außerhalb solcher Formate. Aber die Beispiele zeigen, dass Songwriting-Camps längst ein fester Bestandteil der modernen ESC-Musikproduktion geworden sind.
Das gilt wie bereits erwähnt auch national. Nach der Raab-Ära zwischen 2010 und 2012 erreichte Deutschland beim ESC genau einmal die Top 10: Michael Schulte wurde 2018 in Tel Aviv Vierter mit „You Let Me Walk Alone“. Und auch dieser Song entstand im Rahmen eines Songwriting-Camps des NDR.
Gerade dieses Beispiel zeigt für mich, dass Authentizität und Songwriting-Camps kein Widerspruch sein müssen. Viel persönlicher als Michaels Geschichte über seinen verstorbenen Vater kann ein ESC-Beitrag kaum sein.
Am Ende hängt der Erfolg eines Songs deshalb nicht davon ab, ob er in einem Camp entstanden ist oder nicht. Entscheidend bleiben die Qualität des Songs, die Auswahl des richtigen Artists und die spätere Umsetzung auf der Bühne.
Songwriting-Camps sind deshalb weder automatisch Fluch noch Wundermittel. Sie sind inzwischen schlicht Teil der ESC-Realität geworden – mit allen Chancen und Risiken, die kreative Zusammenarbeit mit sich bringt.
Mit diesem Beitrag möchte ich einen ersten Einblick geben, wie solche Camps funktionieren und warum sie für viele Länder inzwischen selbstverständlich zum ESC-Prozess dazugehören. Und natürlich darf man Songwriting-Camps weiterhin kritisch sehen. Die Diskussion darüber gehört für mich auch ganz selbstverständlich dazu.
Wie stehst Du grundsätzlich zu Songwriting-Camps beim ESC? Klingen viele moderne ESC-Songs für Dich tatsächlich zu ähnlich – oder gehören Camps inzwischen einfach zur Musikindustrie dazu? Und glaubst Du, dass Deutschland durch professionellere Songwriting-Prozesse langfristig erfolgreicher werden könnte? Lass uns Deine Meinung in den Kommentaren da.
Am Dienstag, den 26. Mai werfen wir um 21 Uhr einen Blick zurück auf den ESC in Wien – und einen voraus auf den kommenden Wettbewerb in Bulgarien.
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Sowohl als auch
Ich mag auch sowohl Pizza als auch Pasta!
Ich mag Sonnenschein als auch Regen
Dummheit und Intelligenz.
Tag und Nacht
Ich mag Brünette als auch Dunkelhaarige (oder schweife ich jetzt gerade ab) ?
👎
Kleine Korrektur:
Michael Schulte sang 2018 in Lissabon, nicht in Tel Aviv;)
Tel Aviv waren die Sisters , das will man gerne vergessen haha
Ich mag die Sisters, dazu steh ich!
Du magst ja auch die Underdogs. 😉
Einer muss es ja machen 😛
Grundsätzlich bin ich für diese Camps, da den Künstlern eine Möglichkeit gegeben wird ihr Potenzial auszuschöpfen bzw neue Ideen von außerhalb ihrer eigenen Welt einfließen zu lassen.
Was beim Vorentscheid bedacht werden sollte, die Qualität der Songs und Künstler sollte im Vordergrund stehen und nicht wo die Songs entstanden sind.
Beim Staging ist der Vorentscheid sowieso nur ein Fingerzeig und wird zum ESC meist komplett aufgewertet.
Es gibt prima Songs die haben ein ganzes Songwriter-Team, dann gibt es prima Songs die entstehen in der Zweisamkeit, hier auch noch, ganz klassisch, Composer und Lyricist getrennt. Und es gibt prima Songs, welche auch nur von einem Songwriter stammen. Deswegen bin ich im Grunde für alle Möglichkeiten offen. Sowohl für Songwriting-Camps als auch, wie es z.B. der SWR gemacht hat, über die GEMA zu gehen oder gleich eine komplett offene Bewerbung nur für Songs. Weil ich stelle mir halt auch die Frage, ob ein guter Songwriter, welcher bisher seine Songs alleine, im typischen „stillen Kämmerlein“ geschrieben hat, sich auf so einem Songwriting-Camp überhaupt wohl fühlt? Deswegen sollte man keine Chance ungenutzt lassen und offen für alles sein was das Thema Songs anbelangt.
Das sehe ich ziemlich ähnlich wie du.
Meiner Meinung nach sollte sich der SWR einfach allen möglichen Wegen öffnen und dann so neutral wie es geht das auswählen, was man für am ESC-tauglichsten hält.
Ich bleibe bei meiner Skepsis, was Songwriting-Camps angeht. Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel, aber ich würde schon sagen, dass Deutschland, Luxemburg und die rapide sinkende Qualität des Mello zeigen, dass es nicht sinnvoll ist, Songwriting-Camps zum Auswahlkonzept zu machen.
Zum Konzept nicht, aber die Songs daraus aber auch nicht kategorisch ausschließen.
overall: Fluch
Vollkommen egal! Es gehört beim ausrichtenden Sender nur ein ESC-Verantwortlicher an die Spitze, der Ahnung hat. Dieser jemand muss den Riecher haben, welche Titel zünden. Wenn an den Song-Camps gute Komponisten, Texter und Produzenten teilnehmen – warum nicht? Ansonsten: die besten Titel einreichen, Material, das auch gerne polarisieren darf und nicht in erster Linie als Malle- und O-Fest-tauglich einzustufen ist.
Genau meine Meinung
Momentan habe ja wieder viele Fans eine ablehnende Haltung
gegenüber Songwriting-Camps :
Welche ich als Laie aber für übertrieben halten.
Da ich von „Songwriting-Camps “ nicht einen Hit nach den anderen
erwarte. Es gibt sicher viel Ausschussware. Aber wenn ein oder
zwei gute Songs daraus hervorgehen, dann hat sich doch der
Aufwand gelohnt.
Und es kommt sicher auch auf die Anzahl der Beteiligten an.
Wenn neue Leute an einem Song arbeiten, erkennt man wohl
weniger einer Handschrift. Bei zwei oder drei Leuten ist das sicher
einfacher,
Ja klar. Ist ne Option.
Auch wenn die Meinung momentan nicht populär ist.
Viel wichtiger ist am Ende die musikalische Qualität des Songs, das Alleinstellungsmerkmal, dass er zum Act authentisch passt und perfekt beim ESC perfekt inszeniert wird. Ob der Song dann bei einem Songwritingcamp oder in der heimischen Badewanne entstanden ist, ist unerheblich.
Gleichwohl kann ein Songwritingcamp unterschiedliche Künstler:innen zusammenbringen und Kreativität fördern. Also gerne auch solche Formate nutzen um einen herausragenden ESC-Beitrag zu kreieren.
Dass Marcel Songwriting Camps verteidigt, liegt natürlich auf der Hand. Mit „The Code“ und „Bangaranga“ hat er auch gute Argumente auf der Habenseite – zumindest wenn man nach dem Abschneiden beim ESC geht. Und auch allgemein schätze ich seinen Einsatz sehr, weil er zu einem Zeitpunkt von sich aus aktiv geworden ist, als der NDR damals mal wieder komatös erschien.
Grundsätzlich sehe ich bei Songwriting Camps neben der fehlenden Authentizität (und nein, „You let me walk alone“ halte ich da explizit nicht für ein Gegenargument) aber vor allem zwei Probleme. Da wäre einerseits der zeitliche Aspekt: Das Camp hat ein fix gesetztes Ende, außerdem womöglich eine feste Zielsetzung bezüglich des Outputs – à la „fünf Songs bis Donnerstag“. Das ist Fließbandarbeit und steht der Qualität im Wege, was man z. B. „Fire“ oder „Laika Party“ auch deutlich anhört. Rückt die Deadline nahe, muss es eben schnell gehen – und heraus kommt gerne mal Wischiwaschi. Hinzu kommt, dass durch den Faktor „Auftragsarbeit“ wahrscheinlich auch auf allen fast Seiten das nötige Herzblut fehlt. Ich bezweifle jedenfalls, dass etwa ein G:son nach dem letzten Platz für „Eins, zwei, drei“ auch nur eine schlaflose Nacht hatte.
Zudem sind Songs aus dem Songwriting Camp oft sterile Kopfgeburten, die allein auf den ESC ausgelegt sind. „The Code“ ist hierfür das beste Beispiel: clever konzipiert, aber auch komplett verkopft. Eine Nummer, die auf der ESC-Bühne drei Minuten lang eine tolle Show bot – aber außerhalb des ESC keine Minute überlebensfähig war, weil sich sowas im Alltag eben keiner anhört. Den Schweizern wird’s nach dem Sieg natürlich egal sein – aber für die Kredibilität des ESC sind solche Gewinnerbeiträge auf Dauer absolutes Gift.
Und ja, wie Marcel sagt: Die Mischung macht’s. Und die Qualität muss stimmen. Aber wo war denn die Mischung beim deutschen Vorentscheid, wenn – exklusive „Ciao Ragazzki“ – alles aus Camps kam? Und wo war die Qualität, wenn – inklusive „Ciao Ragazzki“ und exklusive höchstens noch „Black Glitter“ – hinterher jeder Song bei der Bubble als untauglich durchfällt?
Songwriting Camps sind in der Tat kein Allheilmittel. Auch da stimme ich Marcel zu. Doch solange der SWR sie aber anscheinend als ebensolche betrachtet, sehe ich nicht, dass man noch weiter für sie werben müsste.
Ist es wirklich so? Man hat in der Bubble oft eine vorgefertigte Meinung.
Ich glaube schon das die Camps feste Termine haben, allerdings liegt es immer noch am Künstler ob er seinen Song als fertig anerkennt oder nach dem Camp daran weiterarbeitet.
Das Camp sollte eher als Werkzeug als als Fließband gesehen werden.
Das unterschreibe ich so.
Warum sollte G:son auch schlaflose Nächte durch einen Song von Stengaard haben? 😉
Skandinavische Lohnschreiberling-Sippenhaft, ist doch klar. 😛
Touché. Da habe ich die Beiden durcheinander gebracht.
„The Code“ und auch „Wasted love“ waren schlicht musikalische Todgeburten, die einzig und allein auf den Effekt am ESC-Abend ausgerichtet waren – und funktionierten. Null Seele, hundert Prozent kalkuliert und am Ende halt einfach antiseptisch.
Meine Rede.
Und ja, jetzt kann natürlich – gerade nach den letzten 30 Jahren – auch niemand voraussetzen, dass ein ESC-Sieger immer gleich das Potential zum Chartstürmer haben muss. Viele reine Shownummern wie „Wild Dances“ oder auch „Rise like a Phoenix“ waren musikalisch wirklich toll und sind in der Bubble bis heute zurecht ikonisch und heißgeliebt. Und ich schätze es z. B. auch sehr, dass der Europa beim ESC im Zweifel einmal im Jahr Liebe für gut gemachtes, aber nischiges Handwerk wie „Amor pelos dois“ zeigt.
Doch gäbe es stattdessen nur noch effekthascherische, kalkulierte Reißbrettnummern wie „Wasted Love“ oder „The Code“ als Gewinner, verkäme der ESC wirklich zum musikalischen Gegenstück des Zirkusfestivals von Monte Carlo. Ohne die ehrlichen, authentischen Songs ginge nicht nur sehr viel verloren, sondern auch sehr viel kaputt.
Es gibt aber auch genug Songs die man lieben kann die nicht Nummer 1 oder top 10 waren. Bei mir zum Beispiel Emma – la Mia citta aus Italien 2014, hat gerade mal den 21. Platz geschafft.
O jardim 🫠
Was will man denn nun? Radioware ist nicht gut und für den ESC geschrieben und dort sehr gut funktionierend auch nicht?
Sobral hört man sich bestimmt auch nicht dauernd an.
Zudem gibt es noch YouTube. Und zusammen mit der sichtbaren Bühnenperformance werden solche Beiträge durchaus viel geschaut.
Mit „Bangaranga“ haben wir endlich mal einen Song, der kommerziell an die Decke geht – trotz Songwriting Camp. Deswegen bin ich davon begeistert, wie viele andere auch, dass wir einen Hit haben, der viel Anklang bekommt. Dazu zähle ich auch „Arcade“ und „Snap“. Das tut dem Contest sehr gut!
Ja, es entstehen viele Songs. Maximal 3 übrigens. Darauf gehe ich u.a. in den nächsten Artikeln ein. Aber es ist meine persönliche Aufgabe Feedback zu geben. Songs, die keine ESC-Tauglichkeit oder kein Qualität haben, sollten erst gar nicht in den Bewerbungsprozess reinkommen. Aufhalten kann ich die Artists nicht, aber es sollte meine Aufgabe sein (egal wer so ein ESC Songwriting Camp organisiert), auch Feedback zu geben. Denn ich halte auch 100 % den Kopf hin, wenn ein Artist aus Berlin Song Fest Breitseite bekommt und oder nicht so stark abliefert.
Aber paar Sachen habe ich von deinem Text aufgenommen, die ich dann in naher Zukunft erläutern werde. 🙂
Wie meinst du das , das nicht ESC taugliche Songs nicht in den Bewerbungsprozess hinein kommen sollen?
Für das ESC Camp oder für den Auswahlprozess zum Vorentscheid?
Die Artists wollen ja zum ESC, aber es ist nicht gegeben, dass die Songs auch eine ESC Tauglichkeit haben. Ich spreche mit allen nach den Camps darüber, ob sie sich mit den Songs eine ESC Teilnahme vorstellen können. Ich gebe auch ein direktes und ehrliches Feedback zurück, ob diese stark genug sind. Es bringt nichts, wenn ich alles super toll finde, aber die Songs nicht gut sind. Also vielleicht für einen normalen Release oder für die nächste EP. Das ist auch meine Aufgabe die Artists zu schützen, sodass ESC-untaugliche Songs erst nicht in die Bewerbungsphase kommen.
Es ist letztendlich wie so oft im Leben: So ein Camp kann funktionieren, muss es aber nicht. Es kommt ganz auf die beteiligten Songwriter, den Einfluss des Künstlers und auch einfach äußere Faktoren wie Staging und Ausstrahlung an. Interessant ist es aber allemal, hinter die Kulissen eines solchen Camps zu schauen, weshalb es mich freut, dass dazu wohl eine kleine Serie hier auf ESC Kompakt kommen wird.
Beispiele, für Songwriting-Camp-Songs (was für ein Wort), welche meiner Meinung nach sehr gelungen sind, wären The Code, Tout l’univers, Voyage, Who The Hell Is Edgar, Lights Off und bestimmt noch ein paar andere, die mir gerade nicht einfallen. Bangaranga kann man da auch positiv hervorheben, wobei hier auch mehrere Aspekte zusammenkamen: ein äußerst erfahrener Artist, ein Song, der am Puls der Zeit ist und ein raffiniertes Staging-Konzept.
Grundsätzlich halte ich es für eine gute Idee, zum Teil auf Songwriting-Camps zu setzen, aber gleichzeitig auch immer solche Beiträge im Feld zu haben, die nicht in Camps entstanden sind. Die Mischung macht’s am Ende meistens, wobei letztendlich die eigentlichen Songs natürlich im Vordergrund stehen sollten, egal, in welchem Hintergrund diese entstanden sind.
„Songwriting-Camps sind deshalb weder automatisch Fluch noch Wundermittel. Sie sind inzwischen schlicht Teil der ESC-Realität geworden – mit allen Chancen und Risiken, die kreative Zusammenarbeit mit sich bringt.“
Das ist eine Aussage ohne Inhalt. Meine Steuererklärung ist auch Realität und trotzdem Fluch!
Ein sehr interessanter Artikel, danke dafür.🙂
Gehöre ja normalerweise eher zu den Kritikern von solchen Camps, dachte immer, da wird ja viel Stangenware produziert. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel wie die Songs von Nemo und Dara. Wenn ich des das richtig verstanden habe, sind diese Camps ein Zusammenschluss verschiedener Akteure, also nicht nur Komponist:innen, sondern auch Texter:innen und Arrangeure rund um den Auftritt? Ist schon okay, wobei ich manchmal verwundert den Kopf schütteln muss, wie viele Leute an nur einem Song mitschreiben. Früher gab es doch auch nur je ein Texter und Komponisten… ich glaube, ich werde wirklich langsam alt.😀
Ach so, Klugschwätzer-Modus aktiviert: Michael Schulte hat in Lissabon den 4. Platz geholt🤓. Aber das spielt ja hier auch nur eine Nebenrolle, nichts für ungut.🙂
Sie sind da. Punkt.
Die ESC-Songs sind sich vor allem zu ähnlich weil sie fast alle in der gleichen Tonart gesungen werden, in sofern da noch live-Gesang vorhanden ist.
Meine Schwiegersöhne arbeiten (auch) als Lehrer an einer Musik-/Kunsthochschule. Die neue Studenten sind jetzt schon in der Lage mit Hilfe von KI viel bessere Songs in sehr wenig Zeit zu komponieren als die genannte Beispiele im Artikel. Deswegen glaube ich, dass Songwritingscamps in sehr kurzer Zeit überholt werden.
Erfolg basiert auf Kreativität. So wie SWR Song und Sänger (mwd) sucht, bekommt man Bügeleisenmusik und bleibt Kreativität auf der Strecke.
KI ersetzt aber keine Kreativität und davor habe ich besonders „Angst“ da KI eigentlich auch nur auf das Internet zurückgreift und das „beste“ daraus nimmt, was sich im Endeffekt zu einem Selbsternährenden System entwickeln kann wenn alles aufeinander aufbaut.
Die Studenten verwenden KI als Beschleuniger der Kreativität. Deswegen liegt die Messlatte für ein positives Urteil viel höher und das Ergebnis muss mit akustische/analoge Instrumente vorgespielt werden.
Ich fände tatsächlich einen Einblick interessant, wie solche Camps funktionieren bzw ablaufen. So als absoluter Laie zum kreativen Prozess, ein Lied zu erfinden.
Der Auftaktartikel hat ja erstmal primär aufgezeigt, dass sie inzwischen verbreitet sind und welche Songs zuletzt daraus hervorgingen.
Die Camps sind in der Popmusik gängig, warum soll man darauf beim ESC nicht zurückgreifen, es ist nur kein Allheilmittel.
Ich würde mir für nächstes Jahr (bzw. dieses Jahr, da diese ganzen Prozesse in ein paar Monaten ja schon wieder losgehen) wünschen, dass der SWR sein Songwriting-Camp (vielleicht wieder in Südfrankreich) mit einer anderen, besseren Anspruchshaltung organisieren wird.
Gerade dieses Jahr haben sich viele Songs (7 von 9 kamen aus dem SWR-Camp) mal wieder wie absolute Kompromisse angehört, in denen man versucht, den kleinsten gemeinsamen musikalischen Nenner zu finden. Wenig Mut, kaum Ecken und Kanten, keine klar abgrenzbare musikalische und künstlerische Identität. Alles einfach sehr lasch, austauschbar und vergessenswürdig.
Ich würde mir mehr Risikofreudigkeit wünschen und dass man aufhört, mit Schere im Kopf zu agieren. Man muss nicht zu verkopft an die Sache herangehen und ununterbrochen im Schaffensprozess grübeln, ob man damit vielleicht einen Teil der Zuschauer verschrecken könnte oder ob es auch wirklich massen- und radiotauglich ist.
Die Zuschauer selbst (im Tandem mit dem Juries, was dieses Jahr nur teilweise der Fall war) treffen am Ende mit ihrem Voting ein Kompromiss. Die Songs selbst sollen sich aber nicht wie ein Kompromiss anhören. Das wäre sonst im Grunde nur Homöopathie. In Bulgarien haben auch nicht alle sofort „Bangaranga“ gemocht und das ist auch heute nicht der Fall, auch wenn viele ob des Erfolges nun natürlich ein Auge zudrücken. Daher finde ich, dass mehr Risiko, Provokation und Anecken sehr wichtig wären und dass das die Maxime bei den Songwriting-Camps sein sollte. Man kann sowieso nicht jedem gefallen. Man muss nur genug Leuten in dem Maße gefallen, dass sie den Impuls spüren, für einen anzurufen. Bei diesen Kompromiss-Songs nach 08/15-Schema fehlt dieser Impuls jedoch.
Und auch sowieso muss man anerkennen, dass der Song selbst nur noch die halbe Miete ist, und in manchen Fällen sogar noch weniger. In diesen Camps sollte an keinen Songs gearbeitet werden, ohne nicht zugleich zumindest skizzenhaft an der Inszenierung zu tüfteln, und dass bei den Bewerbungen neben dem Song selbst dann auch ein (wenn auch nur provisorisches) Staging-Konzept eingereicht werden soll.
Kurzum: Songwriting-Camps sind nicht an und für sich schlecht, sondern stets eine Reflexion derjenigen, die sie benutzen. Der Output kann nur dann gut sein, wenn der ursprüngliche Input bereits gut und sinnvoll war. Hoffentlich hat der SWR in der nächsten Saison ein glücklicheres Händchen
Meins ist das nicht. Es mögen nun Vorurteile von mir sein, aber für mich ist das einfach nur Fließband- Ware und überhaupt “ seelenlos“. Eben Lieder am Stück zu produzieren und irgendwie dann möglichst viele Songs in verschiedenen VEs unterzubringen. Lustigerweise bzw dummerweise landen dann auch noch offensichtlich die „schlechtesten“ Beiträge in unserer VE.
Jedenfalls stelle ich mir den ESC nicht so vor. Ich höre am liebsten die Musik, welche in jenen Ländern angesagt ist.
Es sollten eigentlich ganz andere Dinge bemerkt werden:
– belanglose und mittelmäßige Lieder in einem Songwriting-Camp entstehen zu lassen, ist eine deutsche Kernkompetenz bzw. die des verantwortlichen Senders
– dieselben Lieder haben demnach in einer internationalen Marktforschungsstudie so sehr überzeugt, daß man sie in die VE gelassen hat
Das ist wirklich bemerkenswert.
Die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Songwriting-Camps á la Germany wäre demnach hinreichend beantwortet.
Wurde nicht in einen anderen Artikel hier auf ESC kompakt erwähnt, das die Songs hier NICHT bei der internationalen Marktforschung überzeugt haben.
Ja, das hatte ich auch noch im Hinterkopf und es allerdings in die Schublade „unbewiesene Behauptung“ geschoben. Solange der SWR nicht transparentes Arbeiten zu seiner Kernkompetenz macht, bin ich da offen für jedwede Schlußfolgerungen.
Falls es allerdings so sein sollte wie Du schreibst, dann ist dem SWR und der ARD bezogen auf den ESC auch zukünftig schwer etwas zu glauben.
Ich habe das so verstanden, dass die Songs zwar gut abgeschnitten hätten, aber auch nicht zu den Beiträgen mit den allerbesten Bewertungen zählten.
Ich glaube, dass es zwei verschiedene Aspekte sind, die du vermischst.
Persönlich kann ich dir sagen, dass ich mit den Artists nach dem Songwriting Camp rede und dann schauen wir gemeinsam, ob eine ESC Bewerbung Sinn macht oder nicht. Ich gebe persönliches Feedback, weil es nichts bringt, irgendwelche Songs einzureichen, die nicht ansatzweise eine ESC Tauglichkeit haben.
Denn in den meisten Fällen ist es nicht so und das, obwohl jeder Artist mit 2 – 3 Songs nach Hause fährt.
Die Rückkopplung war bisher auch sehr positiv. Keiner möchte sich der Situation stellen, dass sie im VE landen und dann ist der Song bei weitem nicht stark genug.
Deine 2 Punkte betreffen eher andere Probleme, würde ich mal so formulieren wollen.
Gut erkannt, denn sie sind das eigentliche Problem und nicht ob ein Lied in einem Camp entstanden ist.
Wenn es nur nicht so ab und an diese vermaledeiten Zufälle geben würde…
Ich kann dir offen und ehrlich sagen, dass ich persönlich da aufpasse. Ja, es entstehen viele Songs, aber sie sollen nicht alle einfach eingereicht werden ohne etwas Reflektion, ob sie gut genug sind.
Wie der Ablauf beim SWR Camp ist, weiß ich nicht. Ich kann nur das sagen, wie wir das beim Berlin Song Fest machen.
„Am Ende hängt der Erfolg eines Songs deshalb nicht davon ab, ob er in einem Camp entstanden ist oder nicht. Entscheidend bleiben die Qualität des Songs, die Auswahl des richtigen Artists und die spätere Umsetzung auf der Bühne.“
Damit ist meiner Meinung nach alles gesagt.
Ich glaub, die Frage nach Fluch oder Segen greift ein bisschen zu kurz. Letztlich sind die Camps nicht mehr und nicht weniger als ein Mittel zum Zweck. Man schließt sich ein und versucht, einen möglichst guten Song zu finden. Die Frage ist doch eher: Wie definiert sich der gute Song? Produziert man möglichst viel und damit auch hohe Streuverluste und hofft, dass der eine Treffer dabei ist? Vergisst man, dass man einen Song für den ESC schreiben soll und versucht als erste Zielsetzung einfach mal, (mindestens) einen guten Song zu erstellen, wo sich organisch eins in andere fügt? Denn in einem Punkt sind wir uns sicher alle einig: Songs vom Reißbrett bzw aus der Baukastenschublade sind nicht das, was wir uns wünschen. Wenn sich aber mehrere Songwriter in so einer Klausur zusammen finden, die eine Idee haben und es gemeinsam schaffen, aus dieser Idee einen brauchbaren Song mit Herz, Seele, Originalität und Wiedererkennungswert zu schreiben, ohne dabei eine Liste abzuarbeiten und zu überlegen, wie das denn beim ESC abschneiden könnte, dann wäre das ein überaus erfreuliches Ergebnis.
Manche Schubladen Songs verhelfen auch zum ESC Sieg – angepasst an den passenden Künstler, wie „Satellite“. 😀
2008 – 2009: Die Schubladen-Phase
John Gordons Musikverlag (Iceberg Publishing) versucht fast zwei Jahre lang erfolglos, das Lied an verschiedene Künstler zu vermitteln. Niemand zeigt Interesse, und die fertige Demo-Version verstaubt im Archiv.
Frühjahr 2010: Die Neuentdeckung für den ESC
Der Verlag schickt den Song schließlich an die deutsche Produktionsfirma Valicon, die Titel für die Show Unser Star für Oslo sucht. Aus rund 300 Einsendungen schafft es „Satellite“ unter die Top 4. Für die Show wird das ursprüngliche Gewand noch einmal überarbeitet, um es perfekt auf Lenas unkonventionellen Gesangsstil anzupassen.
Sorry, aber gerade der deutsche Auswahlprozess für Wien 2026 hatte nicht wirklich etwas mit Songs zu tun, sondern mit „Wer kennt wen?!“ – und genau aus diesem Grund halte ich persönlich auch Songwriting-Camps für absolutes Gift … ☠️
Ich bin kein Fan von Camps, die sich komplett auf ESC-Lieder fokussieren. Besser finde ich Camps, in denen einfach das Ziel ist gute Songs zu schreiben.
Letztendlich können gute Songs aber auf allen möglichen Wegen entstehen. Das wichtigste ist, glaube ich einfach, dass wirklich mit Herzblut gearbeitet wird.
So ist es
Klar, man möchte schon zum ESC, aber jedem ist bewusst, dass die Songs am Ende nicht für den ESC geeignet sein können. Es ist sehr wichtig, dass die Artists ihre Musik kreieren, wofür sie auch komplett hinterstehen. Nach dem Camp rede ich mit den Teams / Artists über die Songs. Meine Aufgabe ist es, dass ich Feedback gebe, ob eine ESC-Tauglichkeit und die Qualität für den Wettbewerb gegeben ist.
Ich werde aber auf die Thematik in den nächsten Artikeln eingehen.
Ich habe keine große Meinung zu Songwriting Camp. Ich glaube bei vilen Liedern sieht man es nicht an, ob sie in einem Songwriting Camp entstanden sind oder nicht.
Interessantes Thema, das man aber noch vertiefen könnte. Meine ersten Fragen wären z.B. :
Wer wird überhaupt zu den Camps eingeladen? Sind die offen für jedermann und jedefrau? Oder gibt es ein Auswahlprozedere? Nach welchen Kriterien?
Wissen die AutorInnen, für wen sie einen Song schreiben oder kommt das erst in einem nächsten Schritt?
Und was passiert mit den Songs, die zunächst in der Schublade bleiben (wie Bangaranga z.B.)? Bei wem liegen sie in der Schublade und wer verfügt dann darüber?
Habe ich mir notiert. Werde ich in den nächsten Artikeln drauf eingehen.
Danke für deine Fragen! 🙂
Solange die deutsche Musikindustrie nicht von selbst das ganze Jahr über auch für den ESC arbeitet, wie es in anderen Ländern seit Jahren, teils seit Jahrzenhenten, an der Tagesordnung ist, halte ich spezielle ESC-Songwritingcamps für sehr nötig.
Gleichzeitig ist es aber auch Aufgabe der Veranstalter, im Vorfeld klar zu kommunizieren, welche Art Song man gerne hätte (Stichwort ESC-Tauglichkeit) und der Künstler, sich daran zu orientieren und nicht nur Hintergrund-Gedudel für überteuerte Hotelbars zu produzieren.
Eigentlich braucht der SWR fast keine Vorgaben machen was er an Songs sucht, bis auf maximal 3 Minuten und maximal 6 Personen, obwohl da gewisse Toleranzen sind die bis zum ESC noch angepasst werden können.
Die wichtige Aufgabe fällt den SWR Verantwortlichen zu , die passenden Songs heraus zu suchen und das ist ja scheinbar nicht geglückt.
Auf eure Kommentare bezogen. Es bringt nicht so viel, wenn man die Musiker einfach machen lässt. Wir beim Berlin Song Fest machen auch jeden Tag verschiedene Präsentationen vor den Sessions. Gerade beim ESC gibt es schon Kriterien, die wichtig sein könnten oder die zumindest in den Prozess einfließen sollten, aber die Artists nicht komplett verformen in dem, wie ihre Musik eigentlich ist.
Ich kommuniziere auch mit den Teams bzw den Artists nach dem Camp, ob sie sich eine ESC-Teilnahme mit den Songs vorstellen können. Ich gebe aber auch direktes Feedback zurück, ob die Songs eine ESC-tauglichkeit haben und stark genug sind.
Werde im nächsten Artikel näher drauf eingehen. 🙂
OT:
Vielleicht ist da ja ein interessanter Act mit dabei:
https://www.instagram.com/p/DYxPXhHDJKA/?igsh=M2podmN1OW9xaHRm
Das Line Up vom Altstadtsommer 2026 am 19. und 20. Juni bei uns in Kaufbeuren steht ja schon seit letzter Woche. Zu finden auf der Offiziellen Webseite vom Altstadtsommer Kaufbeuren. Und nun werden die Acts nach und nach genauer vorgestellt. Da seht ihr die Acts nun also auch auf Fotos. Los geht’s mit dem Line Up von der Obstmarkt Stage am Freitag, den 19. Juni 2026. Da kommen überwiegend Rap-Fans auf ihre Kosten.
Diese Informationen wurden von dir schon ein einem themenfremden Kommentar unter einem anderen Artikel bereits erwähnt.
Schon etwas erschreckend, dass die einschläfrigsten Nummern im speziell vom SWR organisierten Camp entstanden sind, also mit dem Ziel ESC.
Ich kenne mich nicht so aus, entstehen nicht quasi fast alle Song heutzutage in Writing Sessions oder Camps? Ich würde sagen es liegt halt sehr an der Qualität der Beteiligten, wie offen oder strikt die Kreativität sprudeln kann, z.B. bis Ende des Tages 1 Song fertig haben, oder man verbringt ein WE zusammen und das kann 1 oder 5 Songs sein.
Es wird da immer positive und negative Beispiele geben, Kreativität kann man nicht erwingen. Grundsätzlich finde ich die Möglichkeit gut, wenn auch vom SWR so etwas angeboten wird, aber das steht und fällt mit den Leuten die dran teilnehmen ob Radiomusik raus kommt, weils das ist was man üblicher Weise macht? Angebunden an die Popakademie fänd ich glaube ich auch gut, wenn man solche Kompetenzen einfach nutzt und auch da vielleicht Kompetenzen aufbauen kann bezüglich ESC. Das kann auch ein paar Jahre dauern.
Man muss alle Wege gehen und offen halten, wenns um den Song geht, aber letztlich ist die Inzenierung fast genauso wichtig.
Mir geht’s auch weniger um Top 5 zu erreichen, als zu sehen, was die (junge) deutsche Musikszene so kann, jenseits von Radiotauglich, Schlager oder Ballermann.
Halte ich für einen löblichen Ansatz.
Aber überueuge mal Bubble und mediale Öffentlichkeit davon,
dass Platz 8 -15 auch eine respekttabele Platzierung ist.
Für micch ein sehr dickes Brett.
Weiß nicht. Für die Öffentlichkeit mag das wohl gelten. Aber unsere Bubble war doch z. B. mit LotL und Abor & Tynna wesentlich glücklicher als etwa mit Isaak.
Naja, ich sag’s mal so: Diese Camps haben ja sicherlich ihre Berechtigung. Ich bevorzuge allerdings hausgemachte Songs, die von Herzen kommen. Ohne vorher groß zu planen oder sogar zu kalkulieren. Wenn z.B. ein Bandmitglied oder ein/e Künstler/in Emotionen verarbeitet und diese in Text und Musik festhält, holt mich das ab. Oder Themen umsetzt, die einen beschäftigen und wichtig sind. Das gilt übrigens für jedes Genre.
Ich kann mir auch nicht im Traum vorstellen, dass eine meiner Bands in einem Songwriting Camp unterwegs ist. Wobei: Die Emil Bulls haben sich mal ein Ferienhaus in Italien (glaub, es ist Italien) gemietet, um dort an den Songs für ein anstehendes Album zu feilen. Ich würde das aber nicht miteinander vergleichen. Und dann gibt es noch das Thema Colab. Inwieweit sich die Acts dabei austauschen, wird unterschiedlich sein. Aber auch hier dürften wir weit weg von der Art und Weise einer Komposition sein, wie sie in einem Camp abläuft.
Ergo: Songs nach Rezept finde ich seelenlos. Vor allem, wenn sie bewusst nur auf Erfolg getrimmt sind.
Persönlich habe ich das Gefühl das bei diesen Songcamps eher Mainstream Pop entsteht der genau das ist was nicht zum echten Erfolg beim ESC führt.
Absolut!
Der nicht ganz so erfogreiche schweizer esc-song “ alice“ is der erste ch-esc-song seit längerem, der nicht vom suisa songwrithing-camp kommt.
Spricht für mich eigentlich klar für das camp und vor allem für pelle ioriano
Kann mir aber auch keiner erzählen, dass die Verantwortlichen Veronica Fusaro in der Hoffnung auf einen erneuten Sieg geschickt haben …
Meine Vermutung ist, man wollte eine respektable Künstlerin mit einem respektablen Song schicken, aufgrund der Jurys noch irgendwie ins Finale rutschen, dort dann aber auch – mit Blick auf die Austragungskosten – möglichst wenig mit dem Ausgang zu tun haben.
Sollte die Schweiz nächstes Jahr allerdings den ultimativen Buchmacher-Liebling schicken, ziehe ich alles zurück.
Wenn sich die Schweiz weiterhin von Pele Loriano und seinem Camp distanziert, dann könnten vielleicht eher düstere Zeiten in den nächsten Jahren bevorstehen.
Ihr Glück ist, dass es viele tolle Künstler in der Schweiz mit ESC-Bereitschaft gibt und sie immer noch die Connection zum Creative Director Benke Rydman haben. Und dieses Jahr war es ja auch wirklich knapp, denn sie sind dem neuen System zum Opfer gefallen.
Ich traue der Schweiz daher zu, den Turnaround zu schaffen.
Ich hoffe, Deutschland wählt nächstes Jahr auch mal einen Song aus, der würdig ist, von einem Rydman inszeniert zu werden. Ich frage mich, ob die SWR-Verantwortlichen überhaupt wissen, wer das ist.
Und ob der Vertrag mit Marvin Dietmann dieses Jahr ausgesetzt war, weil dieser für den ORF beschäftigt war, und man nächstes Jahr wieder die Dietmann’schen Stagings ertragen muss. Oder galt der Vertrag nur mit dem NDR… wir werden es sehen.
Wäre erstmal besser zu wissen,was diesen Song auszeichnen muss.
Kommt da was?
Songwriting Camps fabrizieren Retorten-Musik und keine organisch gewachsene Inspiration.
Kunst muss von Herzen kommen und nicht auf Abruf.
Aber für die Herangehensweise, die Deutschland hat („Möglichst nicht unangenehm auffallen und möglichst unauffälligen Mainstream Pop liefern“) reicht es natürlich aus.
Das hast du wunderbar geschrieben.
lieben Dank!
Musik ist zur Unterhaltung da. Ob diese Musik vom Künstler selbst geschrieben wurde unter seinen besondersten Erfahrungen des lebens oder ob er den Song einfach nur zugespielt bekommen hat ist dann völlig egal.
Glaube langsam das ein sehr großer Teil der Songs die inzwischen veröffentlicht werden keine selbst geschriebenen Songs mehr sind und da rechne ich schon die Songs raus wo der Künstler nur ein paar Zeilen selbst geschrieben hat und der Rest kam von jemand anderes.
Wäre es nicht besser so Songwriting Camps die dann ausgesuchten Titel für den Vorentscheid „weiterzuentwickeln“ bzw. auf den ESC anzupassen?
Satellite seinerzeit war ja auch eher langweilig – man hat es ja eher Lena/Raab zu verdanken, dass der Song über nacht neu abgemischt wurde (und das die Komponistin das zugelassen hat).
Denn wenn man ehrlich ist, war in diesem Jahr im VE kein einziger Song ESC-tauglich…
Normalerweise sollten alle Songs die zum deutschen Vorentscheid genommen wurden, erstmal noch in ein Camp bzw Musikstudio optimiert werden um wirklich Konkurrenzfahige Musik zu liefern.
Eigentlich sollten die Songs bei der Bewerbung final schon stehen. Kleine Änderungen wie bei Dara im letzten Chorus sind absolut in Ordnung. Auch bezogen auf die Live-Performance / Inszenierung.
Sie werden ja eingereicht und von den Verantwortlichen bewertet. Es wäre nicht vorteilhaft, wenn diese Songs noch nicht finalisiert sind; auch im Hinblick auf den ESC.
Meiner Meinung nach totales Verbot von Songwritingcamps . ist fast so schlimm wie KI.
Weg damit in die Tonne.
Songwriting-Camps haben im Rahmen des ESC-Findungsprozesses definitiv ihre Daseins-Berechtigung. Denn es gibt genügend Beispiele die zeigen, dass ein ESC-Song aus einem Songwriting-Camp nicht nur kommerziell erfolgreich wurde, sondern auch zu einem ESC-Klassiker.
Allerdings sollte nach meiner Einschätzung in jedem ESC-Songwriting-Camp darauf geachtet werden, dass der potenzielle ESC-Song nicht nur in seiner am Ende des Camps produzierten Fassung auf der CD / auf der Playlist „eine gute Figur abgibt“.
Viel wichtiger finde ich ist, dass die Live-Performance des ESC-Songs sowohl auf der ESC-Bühne selbst sowie auf einem Live-Konzert oder auf einem Festival à la Rock im Park (kennt glaube ich jeder), La Notte Della Taranta (Sizilien) oder Lotta på Liseberg (Schweden) beim Publikum überwältigend gut ankommt. 😀
Wenn man als Songwriter (m/w/d) auf einem entsprechendem Camp dies mit einem gutem Gefühl über seinen geschriebenen ESC-Song sagen kann, dann nichts wie ab damit und diesen Song beim nationalen Vorentscheid zur Bewerbung einreichen. 😀
Hier mal ein Link eines Live-Auftritts von Måneskin mit ihrem ESC-Siegersong „Zitti E Buoni“ beim Festival Lotta på Liseberg in Schweden. Die Leute sind garantiert nicht alle Fans (m/w/d) italienischer Musik. Aber bei „Zitti E Buoni“ gingen die Leute ab wie Schmidt’s Katze. 😀
Das sollte die Richtlinie in einem Songwriting-Camp sein.
https://youtu.be/XLcTroPEdGA?si=Vfv08VsvVvoZCeHb
Natürlich geil! Aber Måneskin machen ja auch keine Musik aus dem Songwriting Camp. 😉
Das stimmt. Aber es ist jetzt bei Måneskin auch nicht so, dass nur Thomas Raggi allein die Songs komponiert. Auch wenn er meistens derjenige ist, der das Zepter für die Songkomposition und Produktion fest in seinen Händen hält. 😀
Soviel ich weiß, sitzen Thomas Raggi, Victoria de Angelis, Damiano David und Ethan Torchio meistens zusammen und überlegen sich gemeinsam einen Song. Also auch immerhin vier Personen. 😀
Ja. So kenne ich es von all meinen Bands.
Bei DMC schreibt v.a. der Frontmann/Sänger die Texte, die ihm am Herzen liegen. Der Gitarrist ist für die Musik zuständig. Und dann wird geschaut, dass der Rest der Truppe es auch gut findet. Aber da wird nichts erzwungen.
Kann man das daher mit den Songwriting Camps vergleichen? Ich weiß nicht. Die erscheinen mir halt viel kalkulierter, nach Rezept und auf Erfolg getrimmt.
Ein Songwriting-Camp ist auf jeden Fall kalkulierter und berechnender. Das stimmt. 😀
Aber am Ende des Tages wollen sowohl die Songwriter (m/w/d) eines Camps, als auch die vier ehemaligen Schulkameraden Thomas Raggi, Victoria de Angelis, Damiano David und Ethan Torchio nicht nur auf den Straßen von Rom als Straßenmusiker nach der Schule musizieren, sondern mit ihrer Musik Geld verdienen und große Auftritte haben. 😀
Ethan mentioned 😍🫠
Wohl wahr.
Meine fränkische Schülerband hat leider noch nicht so ganz große Auftritte. Dafür kriegt man aber noch persönliche Widmungen. Die halt ich in Ehren. 🙂
PS: Hab gerade die ISS beobachtet. Mein jährliches Sommerspektakel auf dem Balkon. 😉
Besser als KI
Generel bin ich extrem gegen Slopwriting-Camps. Aber die Ergebnisse der letzten Jahre sprechen natürlich auch für sich. Sie können also schon funktionieren.
Aber bitte nicht in Deutschland, das ging komplett daneben. Lasst die Künstler sich einfach mit ihren eigenen, bereits (zumindest fast) fertiggestellten Liedern bewerben und wählt daraus die besten aus. Dadurch wird die Zahl der Bewerbungen die in Frage kommen zwar sicher sinken, aber in einem so großen Land sollte es trotzdem mehr als genug brauchbares geben. Und vielleicht sogar das nächste Baller, das wär doch schön
Mal sehen wie erfolgreich Songwriting Camp Songs beim SCC ist. 😀
Ich mache gerade mein eigenes
SongwritingSCC Camp um an der perfekten Liste zu arbeiten. 😀 😎Mir persönlich wird ja viel zu wenig darüber gesprochen, dass „Bangaranga“ schon Ende 2023 komponiert wurde und dennoch so dermaßen den Zeitgeist trifft. 😮 Theoretisch hätte Dara den Song ja auch auf einem ihren Alben veröffentlichen können, dann wäre der Song nur einem winzigen Bruchteil Europas zu Ohren gekommen. Nun haben wir stattdessen den Bangaranga-Sommer! 😎
Umso bemerkenswerter ja auch, da 2023 ja das erste Jahr des bulgarischen Rückzugs war und zu diesem Zeitpunkt noch überhaupt nicht absehbar war, wann und ob BNT überhaupt zurückkehren würde. Aber Dara sollte mit ihrem Gefühl, der Song sei ein ESC-Song Recht bekommen, und diese Geschichte zeigt doch ganz schön, dass es sich lohnt an seinen Träumen festzuhalten. 🙂
Das nun war mein Wort zum Dienstag.
Aber wir haben doch Montag. 🤭
Wer braucht schon Montag? 🫣
Musste ja arbeiten.
Aber war vorhin wieder am See. Ziemlich heiß. 😀 (doppeldeutig 😉 )
Ich sollte langsam ins Bett. Hatte wohl ein Bier zu viel. 😛
Ich war heute auch am See. 🙂
An welchem diesmal? 😀
Ich bin ja eigentlich immer am selben.
Störmthaler See, da ist es nicht ganz so voll. 🙂
Ja. Bei uns war sehr voll. Pfingsten. Alles da. Von der Familie mit Kids über Pärchen bis hin zu jungen Fegergrüppchen. Aber ich liebe diesen Sandstrand! Und ich hatte Platz, da die meisten auf dem Rasen im Schatten saßen/lagen. Ich bevorzuge Sand… obwohl er sehr heiß war. 😀
Ich finde Sandstrand auch schöner. 🙂
Ja. Viel mehr Urlaubsfeeling. Und ist weicher. 😀
Außerdem sitzen im Gras die Zecken. 😛
An diesen Orten bin ich meistens:
https://www.fraenkisches-seenland.de/freizeit/a-z/wakepark_brombachsee-20684/
https://www.fraenkisches-seenland.de/freizeit/a-z/grosser_brombachsee-freizeitan-6122/
Schöner Sandstrand. 😀
Ja. Das ist das Tolle, dass wir rund um die Seen sehr viele Sandstrände haben. 🙂
Das Problem sind nicht die Songwriting Camps an sich. Aber wenn ein Vorentscheid fast nur aus Camp-Songs besteht, dann fehlt eine ganze Menge Diversität. Und wenn darüber hinaus zwei Drittel der Songs aus dem selbst veranstaltetem Camp stammen, dann hat man den Eindruck, dass für die Auswahl nicht die Qualität der Einreichungen entscheidend war, sondern man die Kosten für das eigene Camp rechtfertigen wollte. Objektiv betrachtet, ist bei dem Camp kein Song herausgekommen, der beim ESC was hätte reißen können. Nein, auch nicht Black Glitter oder Optimist (Ha Ha Ha). Und dann ist schon die Frage, ob der SWR sein Geld in diesem Camp sinnvoll angelegt hat oder ob das Geld am Ende nicht besser in der Verpflichtung eines großaritgen Stage Directors angelegt gewesen wäre.
Ich sehe es eher zwiespältig. Obwohl solche Songwritingcamps auch schon Siegertitel hervorgebracht haben. Ich finde es aber irgendwie besser, wenn der Künstler seine Lieder aber selbst schreibt, ohne Hilfe von solchen Camps. Das hat irgendwie was von Malen nach Zahlen.
Die Camps sind eigentlich auch nur Musikstudios mit Anhang, also das dort mehr gemacht werden kann als fertige Songs optimal aufzunehmen, denn auch in Musikstudios wird immer noch an Songs herum geschraubt bis das Endergebnis steht.
Die Künstler*innen schreiben ihre Songs im Camp mit. Werde aber darauf im nächsten Artikel noch etwas konkreter eingehen. 🙂
Na, auf diese Reihe bin ich ja mal gespannt.
Ich bin kein Fan von solchen Camps, aber natürlich hat das ganze Vor- und Nachteile. Ja, dieses Jahr war kein guter Song in Deutschlands Auswahl, das zeigten schon die Vorab-Snippets vor der Vorentscheidung. Und das hat sich ja dann auch bewahrheitet.
Irgendein „Creator“ hat eine Melodie oder einen Text im Kopf, der Song wird dann mit mehreren Menschen bis zur Unkenntlichkeit des Originals ausgearbeitet.
Da kann man Glück haben wie DARA dieses Jahr, aber eben auch viel Pech wie unzählige andere Künstler, u.a. Sarah Engels, deren Song nicht nur simpel und altmodisch klingt, sondern wie mal eben aus der KI generiert.
Nur weil der Interpret als Mitautor aufgeführt wird, heißt das noch lange nicht, dass der Song authentisch ist… die Aussage Sarahs zum Beispiel, dass sie damit Female Empowerment ausdrücken möchte, war einfach nur an den Haaren herbeigezogen.
Das ganze dann noch im sexy Dress zu performen machte das ganze noch unglaubwürdiger. Ja, Frau darf sich zeigen wie sie möchte, das ist eine Tatsache. Aber wenn sexy, dann nicht so erwartbar. Überhaupt war bei dieser Inszenierung nichts, aber auch gar nichts überraschend, frisch und anders.
Für mich ist der ESC in allererster Linie immer noch ein Komponistenwettbewerb. Das ist aber wirklich zur Nebensache geworden, die Inszenierung tritt immer mehr in den Vordergrund. Das ist etwas, was ich wohl akzeptieren, aber mir nicht gefallen muss.
Jeder Winnersong der letzten Jahre hatte allerdings keine großartige Inszenierung nötig und hätte trotz manch großer Props und Inszenierungen auch gewonnen, das haben in den letzten Jahren viele Fans und Medien auch über die Schlussperformance gesagt.
Okay, eigentlich wollte ich nur über die Komposition sprechen, jetzt bin ich schon bei der Inszenierung gelandet.
Ich nehme Baller vom letzten Jahr mal als Beispiel, das ja nicht für den ESC geschrieben wurde. Der Song an sich ist beim Publikum ja sehr gut angekommen und war ein Hit, nur kann Deutschland anscheinend keine Inszenierung. Die Präsentation mit der Boombox war schon ein Schritt in die richtige Richtung, allerdings passierte dann auch nicht mehr viel außer Knallbumm am Ende… darin ist Deutschland dann doch sehr gut, denn Feuer ist einfach zu inszenieren. Jetzt bin ich schon wieder bei der Inszenierung *seufz*.
Aber nehmen wir mal Lena und Nicole als bestes Beispiel. Beide brauchten keine großartige Inszenierung, bei Nicole war es etwas mehr mit Komfirmationskleid und weißer Gitarre, Lena brauchte nur das „kleine Schwarze“ und einen knallroten Lippenstift für ihren Schneewittchen-Look. An beide Lieder kann sich die Welt noch erinnern, beide Lieder wurden allerdings auch nicht von ihnen komponiert oder getextet… wie in den ganzen Jahren zuvor auch schon nicht.
Welche deutschen Künstler schreiben ihre Songs selbst? Da gibt es sicherlich einige, aber das hört man dann auch (Grönemeyer, Westernhagen u.a.) oder es sind großartige Songs, dann aber Künstler, die sie nicht ESC-tauglich performen können wie DARA. Und die (nicht nur deshalb) sicher nicht beim ESC für Deutschland antreten.
Vielleicht sollte man mal das Pferd von hinten aufzäumen und durch Kunsthochschulen eine ausgefallene Inszenierung entwickeln, zu der dann ein guter Song geschrieben und ein passender Interpret*in gefunden werden kann.
Letzten Endes ist es mir inzwischen fast egal, was Deutschland schickt… irgendwie waren viele Songs in diesem (schlechten) musikalischen Jahrgang verzichtbar.
Man wird entweder besäuselt (und zum Ende hin angeschrien), bespaßt (was inzwischen ziemlich anstrengend geworden ist) oder mit Pop konfrontiert (der meist simpel und uninspiriert ist und daher mit ausgefallener Inszenierung auffallen muss).
Das Rad wird nicht neu erfunden, auch beim ESC nicht. Wenn jemand ein unentdecktes Schräubchen entdeckt, sind die Gewinnchancen größer. Oder es muss ein ausgefallener Song her.
Die Auftritte von Nicole und Lena waren aber auch der Zeit geschuldet in der sie aufgeführt worden. 1982 hatte man noch nicht solche Inszenierungen wie heutzutage, was auch technisch gar nicht möglich war. Bei Lena war das schon anders. Aber man hat sich damals darauf geeinigt, den Fokus vollkommen auf Lena zu legen. Was auch richtig war. Baller kam nur auf Platz 15, also so beliebt war das Lied dann auch beim Publikum auch nicht.
Deswegen wurde Baller später ja auch ein europaweiter Hit. Und ich glaube, dass die Inszenierung da eben auch recht schlicht war und deshalb „nur“ Platz 15 erreichte. Auf jeden Fall war es nicht generisch und das ist mir lieber als eine übertriebene Inszenierung wie bei JJ (die durchaus beim Publikum ankam).
Jede Epoche hat ihre Ideen… klar gab es 1982 kein LED, aber durchaus eine Inszenierung, die bis ins Detail von Ralph Siegel durchdacht war.
Und auch bei Lena gab es kein LED, da hat Oslo gespart… und trotzdem war es aufgrund Lenas Auftritt (der zwar uninspiriert war, aber authentisch wirkte).
Abor & Tynna haben aktuell übrigens wieder über 1 Million monatliche Hörer, da insbesondere die Streams von Baller zum ESC wieder deutlich angezogen haben, da sich der Song immer noch hoher Beliebtheit erfreut.
In den weltweiten Charts des renommierten Magazins Billboard war Baller außerdem der am höchsten platzierte Song des Jahrgangs 2025.
Der ESC hat sich schon immer gewandelt und wenn man ihn gewinnen will, sollte man halt nach den aktuellen Spielregeln spielen.
Für mich krankt es immer noch an der Auswahl der Songs zum Vorentscheid. Kann mir kaum vorstellen das dies die besten 9 Songs waren.
Klar liegt die Wahrheit – wie meistens – irgendwo dazwischen. Das Problem ist nach wie vor, die geeigneten von den ungeeigneten Songs zu unterscheiden. Ganz egal wo sie entstanden sind.
Und das heißt dann auch, dass ich erwarte, dass der SWR nicht einfach 66 % des Vorentscheids aus dem eigenen Camp bestückt (um die Kosten des Camps zu rechtfertigen?), sondern rigoros die besten bzw. für den ESC geeignetsten Songs auswählt.
Normalerweise sollte sich das Camp selber finanzieren können mit seinen aufgerufenen Gebühren und somit die Kosten für den SWR egal sein, da es ja durch die Sendung Gegenfinanziert wird.
Wartet mal?
Die haben den Song bereits im November 2023 geschrieben?
Finde ich irgendwie cool.
Was leider ganz dabei vergessen wird, ist, dass diese ganzen Songwritings camps für den ESC zu einem einträglichen Geschäftsmodell geworden sind. Nicht selten kosten diese mehrere hundert Euro. Oftmals mehr als 1.300 €. Da wird mit den Hoffnungen vieler Songwriter ordentlich Kasse gemacht.
Wird nicht mit allen Leute Kasse gemacht? Lebensberater, Finanzberatung usw.
Das mag sein, halte ich im Kunstbereich aber für falsch. Natürlich gab es immer Auftragskomponisten oder Auftragsmaler, aber das schränkt die Kunst natürlich ein, weil nicht nach eigenem Gusto, sondern nach dem Gusto des Auftraggebers gearbeitet wurde. Und wird.
Ich freue mich schon auf den nächsten Artikel der Serie. Vor allem würde mich interessieren, womit die Künstler*innen in ein solches Camp hingehen. Haben sie in der Regel schon eine Songidee, an der nur noch geschliffen wird oder beginnt alles mit einem Brainstorming bei Null? Vielleicht kannst Du ja in einem der nächsten Beiträge der Serie Deine Erfahrungen dazu teilen, wie so ein Camp konkret abläuft.
Da ich auch zu den „Stangenware“-Kritiker*innen gehörte, noch ein zwei grundsätzlichere Sätze zum Thema. Eine Kritik nach dem Motto „SWCs sind immer Mist“ geht sicher zu weit und Du hast die Gegenbeispiele ja auch schon genannt. Ich glaube aber schon, das es darauf ankommt, wieviel Selbstbewusstsein eine Künstler*innenpersönlichkeit bereits mitbringt, wenn sie in so ein Setting kommt und wie viele Künstler*innen insgesamt in so einem Camp sind. Wenn sechs bis zehn Newcomer gleichzeitig mit Profiproduzierenden in so einem Camp zusammenkommen, dann ist die Wahrscheinlichkeit recht groß, dass am Ende rauskommt, was die Profis so im Sinn haben und sich alles irgendwie ähnlich anhört. Gehen eins, zwei, drei selbstbewusste Personen mit dem gleichen Profipool in Klausur, kann das schon ein ganz anderes Ergebnis bringen.
Der deutsche Vorentscheid jedenfalls war, wie hier von vielen schon mehrfach geschrieben, hinsichtlich der Songqualität ein Alptraum. Und man tut den beteiligten Newcomern, die ich zum großen Teil sehr symphathisch fand, auch keinen Gefallen, sie mit so etwas auf die Vorentscheidsbühne zu stellen. Zugegeben nicht zum ersten Mal – auch das Jahr, in dem Malik Harris gewann, war auf den Plätzen 2 bis x gruselig. Ich weiß gar nicht, ob das auch schon Produkte von SWCs waren. Mein persönlicher Tiefpunkt diesbezüglich war die Wildcard, die Conchita und Ray damals gecastet haben. Der einzig brauchbare Song (für einene Vorentscheid) damals war nach meinem Geschmack der von Bibiane, die sich dem Camp-Prozess nach meiner Erinnerung verweigert hatte (und die dann krank wurde). Die anderen Songs waren in keinerlei Hinsicht konkurrenzfähig. Natürlich ist das nur meine Meinung und mein Geschmack und man kann das alles auch ganz anders sehen und es ist explizit nicht als Kritik an den beteiligten Künstler*innen gemeint, die sich der Sache gestellt haben…
Also: Beim nächsten Mal im Vorentscheid vielleicht nur maximal ein Drittel der Beiträge aus selbst veranstalteten Camps und den Rest aus den eingereichten Bewerbungen – ob diese Songs dann in einem anderen Camp, dem Probenraum oder dem Wohnzimmer entstanden sind, bleibt den Bewerber*innen selbst überlassen. Vielleicht würde das die Vielfalt der Beiträge (und auch ihre Qualität) erhöhen.
Hey. Auf die Punkte oben gehe ich im nächsten Artikel gerne ein. 🙂
Waren schon Beiträge vom „Berlin Song Fest“ beim ESC-Vorentscheid dabei? Und rechnest du damit, dass vielleicht beim kommenden Vorentscheid einer der Songs, der bei euch entstanden ist, vertreten sein könnte?
Und denkst du, dass euer Camp noch die Anforderungen des SWR erfüllt? Das Bewerbungsverfahren ist mittlerweile ja intern innerhalb der deutschen Musikindustrie (GEMA, Plattenlabels, Musikmanagements) und Tina Sikorski spricht von „hochkarätigen Acts“.
Haben eure Künstler da noch eine realistische Chance und lohnt sich der Aufwand dann überhaupt noch?
Und allgemein, wie war der weitere Werdegang der Künstler, die bei euch mitgemacht haben?
Ansonsten, falls ihr dieses Jahr wieder ein Songwriting-Camp veranstalten solltet, dann wünsche ich euch viel Erfolg, Spaß und viel Inspiration 🙂
Ich rechne schon damit. Egal ob national oder international. Einige Artists haben die Möglichkeit sich für mehrere / andere Länder zu bewerben.
Die Anforderungen erfüllen wir auf jeden Fall. Wir haben auch den Code bekommen, der für die Bewerbung notwendig war.
Der Aufwand lohnt sich schon. Es entstehen ja auch Songs für internationale VE. Und Artists und deren Teams profitieren auch von normalen Releases oder vom Networking im Camp.
Du meinst nach dem Camp? Ich versuche so gut wie es geht mit allen zu reden, ob sie die Songs einreichen möchten oder nicht. Gebe auch Feedback zurück. Viele Songs sind nämlich nicht ESC tauglich, aber super für einen normalen Release (Single oder auf einer EP). Es gibt auch die Option den Song zu pitchen, also das ein anderer Artist den Song übernimmt.
Auf diese ganzen Punkte gehe ich aber noch in den nächsten Artikeln genauer ein.
Nächste Camp ist vom 3. – 5. August.
Danke 😊
Ich finde schlicht, dass das Kunst ad absurdum führt. Man produziert etwas für den ESC, also für eine spezielle Veranstaltung und agiert nicht so, wie ein Künstler normalerweise agieren würde.
Und bis auf wenige Ausnahmen fallen diese Songwriting-Camp-Beiträge auch alle in die Kategorie „akustisches Fastfood“, die beim ESC einen 16. Platz holen und die man danach nie wieder hört.
Also, es ist kein Camp verantwortlich. Auch da kann was gutes entstehen. Die Auswahl muss passen. Und da ist und bleibt das Übel. Es haben sich definitiv auch andere Songs im Camp entwickelt bzw anderweitig beworben.
Und wenn hier Stefan Raab erwähnt wird: mir hat seine Steuerung zu Abor und Tynna und die damit verbundene Behandlung anderer auch nicht gefallen. Aber er hat eben auch einen Riecher zum besonderen. Da gab es jedenfalls auch mal 12 Punkte, also gab es Jurys und auch Publikum, die den Beitrag für den besten befunden haben.
Tanzschein soll die österreichische Antwort auf Macarena sein?
https://www.instagram.com/reel/DY5A1NjsQhT/?igsh=MTcyd3hkc25ua210YQ==