Zum Tod von Tina Turner: Die Geschichte hinter ihrem größten Hit „What’s Love Got To Do With It“

Herbst 1996. Auf dem Musiksender VIVA läuft hoch und runter „What’s Love Got To Do With It“ von dem US-amerikanischen Rapper Warren G zusammen mit der Sängerin Adina Howard. Das Lied wird – ebenso wie die Nachfolgesingle „I Shot The Sheriff“ – ein Hit und schafft es in Deutschland bis auf Platz 3 der Charts.

Es ist die Zeit, in der sich die Interessen des Autors dieser Zeilen verändern: Weg von „Micky Maus“ und den nachmittäglichen Anime- und Zeichentrickserien auf RTL ZWEI, hin zu „BRAVO“ und Sendungen wie „VIVA Interaktiv“. Das Musikvideo zur Warren-G-Coverversion von „What’s Love Got To Do With It“ dürfte dann auch mein erster bewusster Berührungspunkt mit Tina Turner gewesen sein – ohne dass mir das damals schon klar gewesen wäre.

Vergangene Woche ist Tina Turner im Alter von 83 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Hinter ihr lag ein bewegtes Leben mit zahlreichen sowohl privaten als auch beruflichen Hochs und Tiefs. Sie hinterlässt ein beeindruckendes Lebenswerk mit vielen Hits und Klassikern. Ihr erfolgreichster Song ist „What’s Love Got To Do With It“ aus dem Album „Private Dancer“. Das Lied war ihre einzige Nummer 1 in den Vereinigten Staaten und schaffte es in Deutschland bis auf Platz 7 der Charts. Weltweit wurden mehr als 2 Millionen Exemplare der Single verkauft. „What’s Love Got To Do With It“ wurde bei den Grammys unter anderem mit den Preisen „Song of the Year 1985“ und „Record of the Year 1985“ ausgezeichnet. Später wurde das Lied Namensgeber für den Film „Tina – What’s Love Got To Do With It?“.

Was viele nicht wissen: Bevor das Lied von Tina Turner veröffentlicht wurde, hatte „What’s Love Got To Do With It“ schon eine durchaus bewegte Vergangenheit hinter sich – und das auch mit ESC-Bezug. Darüber hat in der vergangenen Woche die Frankfurter Rundschau berichtet. Geschrieben wurde der Song von Terry Britten und Graham Lyle. Die beiden boten das Lied zunächst dem zweimaligen ESC-Teilnehmer Cliff Richard an, der es aber nicht singen wollte. Auch die geplanten Versionen von Phyllis Hyman und Donna Summer kamen aus unterschiedlichen Gründen nicht zustande.

Doch selbst danach landete „What’s Love Got To Do With It“ noch nicht bei Tina Turner, sondern bei den ESC-Siegern aus dem Jahr 1981, Bucks Fizz. Die britische Band nahm das Lied zwar auf, veröffentlichte es allerdings zunächst nicht. Erst 2000 erschien diese Version auf der neuen Version des Albums „Are You Ready“.

Mit der Veröffentlichung der Tina-Turner-Version von „What’s Love Got To Do With It“ war die Geschichte des Liedes aber noch lange nicht auserzählt. Dass der Klassiker auch heute noch funktioniert, bewies der norwegische DJ Kygo mit seinem Remix aus dem Jahr 2020, für den er die Original-Stimme von Tina Turner verwendete. Diese Version wurde in Deutschland und der Schweiz mit Gold ausgezeichnet, in Österreich sogar mit Platin und schaffte es in Norwegen bis auf Platz 4 der Charts.

Heute erfreut sich das Musical „Tina – Das Tina Turner Musical“, in dem „What’s Love Got To Do With It“ ebenfalls zu hören ist und das nach Hamburg mittlerweile in Stuttgart läuft, nach wie vor großer Beliebtheit in Deutschland. Nach dem Tod von Tina Turner haben auch viele Menschen den Musikkatalog der Sängerin (wieder) neu entdeckt; die Compilation „All the Best!“ steht aktuell – knapp vor Lord of the Lost auf der 77 – auf Platz 73 der deutschen Albumcharts. Gut möglich und sehr wahrscheinlich also, dass die Geschichte von „What’s Love Got To Do With It“ noch lange nicht auserzählt ist.


22 Kommentare

  1. ihr comeback in den 80ern verbinde ich eher hiermit.
    kinobesuch hat sicher geholfen.
    erstkontakt war natürlich „nutbush city limits“ auf einer jugendfete anno 1974.

  2. Dem kann ich mich nur anschließen. Übrigens hat auch die Frankfurter Rundschau darüber berichtet, das wußte ich nämlich noch nicht.

  3. Auch „The Best“ von Mike Chapman und Holly Knight hat einen indirekten ESC-Bezug. Bevor es 1989 zu einem riesigen Hit für Tina Turner wurde, versuchte es 1988 die spätere ESC-Teilnehmerin Bonnie Tyler damit. Weder die Single noch das dazugehörige Album „Hide Your Heart“ erfüllten aber die Erwartungen. Also wurde auch noch eine Version mit Tina veröffentlicht.

  4. Danke für den schönen Beitrag. Auch wenn ihr Tod abzusehen war, hat mich die Nachricht doch umgehauen und ich habe heiße Tränen vergossen. Eine so tolle Frau und Sängerin!

  5. OT on

    Heute ist 13. Jahrestag von Lenas Oslo Triumph. Eurovision.de erinnere auf Instagram daran. Und Lena selbst hat was in ihrer Story retweet.

    OT of

  6. Wunderbarer Beitrag über diesen wunderbaren Song einer wunderbaren Künstlerin und dann noch die Seitensprünge zum ESC.

    Soso Bucks Fizz… 🙂

    Mit „whats love got to Do it“ verbinde ich eine tolle Zeit als Fahranfänger in meinem eigenen Kadett B mit Cassettendeck. Ich habe das Lied von Tina sehr oft gehört, wenn ich Umweltsau damals mit meinem Wagen so durch die Gegend fuhr, Lied hören, Kassette drehen bisschen vorspulen, Kassette drehen und wieder hören. Herrliche Zeit und schöne Erinnerung.

  7. Rockröhre mit großer Leidenschaft, charmant aus tiefstem Herzen und eine Weltbürgerin aus purer Überzeugung.

    Tina Turner, you’re simply the very best.

  8. Auch ich verbinde mit Tina Turner hochemotionale Erinnerungen, die ins Jahr 1985 zurück gehen und ich bin Benny für diese Hommage sehr dankbar.
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    Tina gab in der Westfalenhalle in meiner Heimatstadt Münster ein Konzert und das war eines der schönsten Livekonzerte meines Lebens – nicht nur wegen Tina. Denn in Tinas Vorprogramm spielte Bryan Adams, der wenige Monate zuvor sein allerbestes Album „Reckless“ veröffentlicht hat. Auf dem Album war ein Duett mit Tina („It´s Only Love“) und die Spielfreude und die Chemie der beiden waren sensationell. Für „It´s Only Love“ kehrte Bryan nochmal auf die Bühne zurück, das weiß ich noch. Feel Your Heart Beat.
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    Es war eines der wenigen Konzerte, wo ich mich in die erste Reihe nach vorne gekämpft habe und ich habe beide gefeiert, aber Bryan im Vorprogramm als Anheizer sogar noch ein wenig mehr. „Reckless“ war der maßgebende Grund, warum ich meine Soul- und Discopfade für eine Zeitlang verlassen habe und mich mit dem US Rock von Bands wie ZZ Top, Twisted Sister, Cinderella, Foreigner, Mötley Crüe und Van Halen leidenschaftlich befasst habe. Wir sind sogar zum Bruce Springsteen „Born in the USA“ Stadionkonzert nach Frankfurt gefahren. Wir durften den roten Golf meiner Mama dafür nutzen und schon der Stau auf der Autobahn auf dem Weg zu den zu einem riesigen Parkplatz umfunktionierten Wiesen in der Nähe des Stadions war ein Festival. Mit dabei war auch der jüngere Bruder meines besten Jugendfreundes und der hieß/heißt auch Benny. Damals habe ich Camel geraucht, es gibt noch ein Foto, wo ich die Packung oben rechts unter dem Springsteen-Tourshirt „aufbewahrt“ habe.
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    „Reckless“ ist das einzig wirklich gute Album von Bryan geblieben, finde ich, aber es ist dafür überragend, speziell „Run to you“ (der Song hat mich auf Bryan aufmerksam werden lassen), „One Night Love Affair“, „Kids Wanna Rock“ und „She´s Only Happy When She´s Dancin´“. In einer meines Lieblingskneipen in Münster in der Frauenstraße (!) lief das Album rauf und runter. „Summer of 69“ ist auch drauf, aber das war damals noch nicht als der heutige emotionale Blockbuster erkennbar. Überhaupt war Bryan zu der Zeit in Deutschland noch gar nicht bekannt, erst recht nicht in der westfälischen Provinz und ich war megahappy, dass er überraschend „Beifang“ war beim Tina Turner Konzert. Sicher keine Überraschung, dass ich einen Twen-Crush entwickelte.
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    Tina war eine großartige Künstlerin, so echt und so wahrhaftig, das war in Münster auf der Bühne so gut spürbar. Instant Appeal at it´s best, ihre Ausstrahlung war beeindruckend. Damals in Münster war ja noch nicht klar, was sie Jahre später auch noch alles für schlaue Dinge sagen würde. Zehn Jahre nach Tinas Gig in Münster Mitte der 90er im Job haben wir eine Werbekampagne für eines unserer Magazine mit „Simply The Best“ überschrieben, weil ich den Song so mochte. Das wurde uns dann irgendwann von einem Konkurrenten untersagt, weil das wettbewerbswidrig sei, aber für einige Monate hat Tinas Song als unser Slogan gestrahlt. Sie ist für immer Musikgeschichte.

    • Tina habe ich leider nie live gesehen. Bryan Adams war einer der Gründe, warum ich in meiner ersten Wohnung eine kanadische Flagge (nein, keine deutsche!) aufgehängt habe. Ich habe ihn im November 1987 in der Frankfurter Festhalle live gesehen. Das war zwar die „Into The Fire“-Tour, aber er hat trotzdem fast das komplette „Reckless“-Album gespielt (8 von 10 Songs). Es war ja auch kein Zufall, dass sechs Singles daraus ausgekoppelt wurden. Es ist tatsächlich mit Abstand das beste Album von ihm. Mein erstes Bryan Adams-Album war aber schon „Cuts Like A Knife“ von 1983, weil Bonnie Tyler auf ihrem Killer-Album „Faster Than The Speed Of Night“ daraus „Straight From The Heart“ gecovert hat. Das hat mir sehr gefallen, da wollte ich auch das Original haben.

      Im Sommer 1969 war Bryan Adam übrigens erst 9. Soviel zur Interpretation.

  9. Ich habe immer etwas Distanz zu Tina Turner gehalten, weil meine Mutter ein riesiger Fan ist. Tina war für meine Mutter auch über die Musik hinaus eine Ikone. Trotzdem weiß ich natürlich, dass sie eine klasse Künstlerin war und für eine sehr lange Zeit eine Legende bleiben wird. Danke für alles und RIP.

  10. Danke für die Hommage. Ihr Tod war nicht nur für mich sehr schwer. Sie hatte ein nicht immer einfaches aber erfülltes Leben und ist unsterblich.

  11. @ porcelli: Was und wie du’s zu TT kurz und knapp auf den Punkt bringst: Haargenau.
    Timo hat es zuvor auch schon entsprechend getan (> Ihr beiden Ex?-Kontrahenten?).
    @ Matty: Gleich mit zweierlei „Perlen“-Offerten beglückend gewirkt!
    @ Benny: Gleich zwei Artikel am 2. Pfingstfeiertag – ungeachtet der gewiss beglückenden, aber zeitintensiv umspannenden Nachwuchsfreuden. > Darf ich das noch erwähnen, Monsieur „P.“? Wenn ich’s fortan lassen soll, bitte Klartextanweisung an mich.
    MERCI jeweils.

  12. Danke für den tollen Beitrag!! Meine Mutter hat immer erzählt, dass ich wohl schon im Babybauch randaliert habe, wenn mein großer Bruder Musik von Tina angemacht hat 😅. Mochte sie sehr sehr gerne und bin sehr dankbar für die schönen Lieder und damit verbundenen Erinnerungen, die sie uns geschenkt hat.

    Und jetzt Offtopic: „nachmittäglichen Anime- und Zeichentrickserien auf RTL ZWEI“ -> OMG Benny!! Den Satz hab ich gerade so gefeiert 🙈. Dragonball oder was anderes? Die 90s Kids 😅…

  13. Was mir bei der Tina so besonders gefällt und auffällt ist, dass, ganz egal von welcher Musikrichtung man sich ihr annähert, ob Pop, Schlager, Jazz, Rock oder sonst was, bei Tina Turner treffen sich alle Musikfreunde, jeder mag sie, nicht unbedingt nur die Musik, sondern ihre Persönlichkeit. Das schaffen nur die Allergrößten. Möge sie glücklich sein, wo immer sie sich jetzt befindet.

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