
TEYA nimmt gerade richtig Fahrt auf: ESC-Fans hatten sie spätestens seit „Who the Hell Is Edgar?“ auf dem Zettel, aber 2025 ist sie endgültig zu einer der spannendsten Stimmen der Gegenwart geworden. Nach Songwriting-Erfolgen, Major-Debüt und großen Auftritten liefert sie mit ihrer ersten EP nun einen kompakten, mutigen Viertracker, der die vielen Facetten ihrer Kunst offenlegt. Corporate Composer zeigt eine Künstlerin, die sich nicht versteckt – und genau deshalb lohnt es sich, jetzt genauer hinzuhören.
Die 25-jährige Sängerin ist längst keine Unbekannte mehr. Spätestens seit sie als Hälfte von Teya & Salena mit „Who the Hell Is Edgar?“ beim Eurovision Song Contest 2023 auf der Bühne stand, hat sie einen Platz in den Herzen der ESC-Fans und der europäischen Pop-Landschaft. Dazu kommt ihr starkes Jahr 2025: Beteiligung als Co-Songwriterin an „Wasted Love“ von JJ (ESC-Gewinn!), der Beteiligung an „Heaven Sent“ von Kristy Spiteri im maltesischen Vorentscheid (erfolgreich beim Second Chance Contest), ihr Majorlabel-Debüt, ihr Beitrag für die neue League of Legends-Serie „Bite Marks“ und zuletzt ihre Performance bei den World Championships in China.
Und auf all das folgte dann Ende November mit Corporate Composer Teyas erste eigene EP. Diese fühlt sich an wie eine logische, aber auch sehr mutige Weiterentwicklung. Vier Songs, die sich wie vier unterschiedliche Innenseiten derselben Künstlerin, die derzeit in Berlin lebt, anhören: selbstironisch, genervt, politisch, verletzlich. Und genau das macht die EP so spannend.
Corporate Composer eignet sich hervorragend für ein kurzes, intensives Hörerlebnis, denn bei vier Songs muss man nun wirklich nicht nebenbei Wäsche legen oder Geschenke einpacken, sondern kann sich ganz in der Musik verlieren.
Talk That Talk
„Talk That Talk“ ist die Version von TEYA, die man sofort erkennt. Der Track erinnert an „Hunger“ (mit Aiko), hat aber die sassy Energie von „Who the Hell Is Edgar“ – und ja, auch von „Ho Ho Ho“ (meine persönliche Empfehlung zur Weihnachtszeit).
Wenn dieser Song ein GIF wäre: Haare wegflippen, Augen verdrehen, weiterlaufen. Musikalisch eingängig, mit klarer Pop-Attitüde, aber textlich voll selbstbestimmt: TEYA macht hier klar, dass sie sich nicht kleinmachen lässt. Sehr brat, sehr „ich höre euch reden, aber es juckt mich null.“
Bourgeoisie
„Bourgeoisie“ ist mein Favorit der EP. Die erste Zeile – “I wanna make art and not just make content” – trifft direkt, besonders wenn man TEYAs Erfolg als Songwriterin kennt.
Der Track ist politisch, sozialkritisch und trotzdem menschlich. TEYA thematisiert den Druck, in einem System zu funktionieren, das Kreativität gern als Produktionsfaktor sieht, und verbindet das mit einer persönlichen Note: Sie will nicht einfach reich sein, sondern ihr Umfeld daran teilhaben lassen.
Die Zeile “If I come to wealth now, I’ve got people around me that it will be spent on” erinnert ein bisschen an den Social-Media-Trend “I won’t tell you when I’m rich, but there will be signs” (bei Interesse gerne einmal in der App der Wahl eingeben) – nur hier ernsthaft, witzig und sympathisch zugleich.
Musikalisch eingängig, melodisch clever, inhaltlich pointiert: „Bourgeoisie“ ist catchy, politisch und vor allem menschlich.
3. Girls Like Girls
„Girls Like Girls“ ist eine Hymne auf Girlhood. Der Song erinnert in Stimmung und Eingängigkeit an „Talk That Talk“, wirkt aber wärmer, verbindender.
TEYA fängt die alltägliche Solidarität zwischen Frauen ein – besonders die Momente, die man von Club-Toiletten kennt: Jemanden trösten, Outfit-Komplimente austauschen, sich gegenseitig hypen und feiern.
Der Track zeigt, dass Empowerment nicht immer groß inszeniert sein muss; manchmal ist es diese kleine, echte Verbindung zwischen Frauen, die den Moment besonders macht.
4. Waxing Salon
„Waxing Salon“ ist der Track, der einen einmal tief durchatmen lässt.
Beim ersten Hören dachte ich: uff.
Die Ehrlichkeit trifft sofort, ohne Drama, ohne Pathos.
„Sometimes it’s hard to be a woman, hard to be a human“ ist eine dieser Zeilen, die sofort sitzen, weil sie einfach stimmt.
Hier zeigt TEYA die verletzliche Seite hinter all der Sassy-Energie.
Am Ende geht es nicht nur um Körper, Schönheitsnormen oder Erwartungen, sondern um das generelle Menschsein – und um die Generationen von Frauen, die all das durchmachen mussten.
Emotional erinnert das eher an „Labour“ von Paris Paloma, auch wenn der Sound ein anderer ist.
Corporate Composer zeigt, wie viel TEYA inzwischen zu sagen hat – und dass sie dafür keinen überproduzierten Pop braucht. Die EP ist kurz, aber präzise: selbstbewusst, politisch, nahbar und extrem ehrlich. Vier Songs, die zeigen, warum TEYA 2025 so präsent war – und dass die Richtung, in die sie weitergeht, noch spannender werden könnte.
Tipp für Fans: Wer TEYA noch näher kennenlernen möchte, sollte unbedingt in die Podcast-Folge von ESC BITE mit ihr reinhören. Dort spricht sie über die Entstehung von “Wasted Love”, den ESC-Sieg 2025 und ihre Pläne für die Zukunft – ein spannender Einblick in das, was hinter den Kulissen passiert und wie TEYA ihre Musik denkt.
Außerdem: TEYA spielte auch als Supporting Act von Nemo und brachte dabei u.a. auch „Who the Hell Is Edgar?“ auf die Bühne:
Hast Du bereits in die EP Corporate Composer hereingehört? Was waren Deine Höreindrücke? Lass es uns in den Kommentaren wissen!
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Danke für die Rezension, liebe Laureen! Wünsche Teodora Špirić viel Erfolg bei ihrer Laufbahn als Sängerin und Komponistin!
Interessante Künstlerin mit zahlreichen Facetten. Erfasst den Zeitgeist und unterhält.
Da kommen bestimmt noch weitere Highligts.👍
TEYA ist eine ganz große des ESC.
Sie ist mit Johnny Logan, Thomas G:Son oder Damiano David von Måneskin auf eine Ebene zu stellen und definitiv mit dem Sieg von JJ’s „Wasted Love“ zur dauerhaften ESC-Legende geworden.
Mich persönlich freut das sehr für TEYA !!! 😀
Als ich mir gerade eben diesen Thread hier durchgelesen habe war so ziemlich mein erster Gedanke, dass TEYA einen selbst komponierten und produzierten Song für einen Teilnehmer (m/w/d) beim deutschen Vorentscheid beisteuern könnte.
Immerhin wohnt und lebt TEYA seit mehreren Jahren nicht mehr in Wien, sondern in Berlin.
Davon gehe ich seit der heutien Pressemitteilung auch aus.
Und ich würde sagen, dieser Song wäre dann auch direkt ein Favorit auf den Sieg.
Dann lebe ich mal meine Vision / Prognose weiter aus:
TEYA komponiert und produziert einen Sog für Vanessa Mai.
TEYA als Österreicherin mit serbischem Migrationshintergrund und Vanessa Mai als deutsche / Schwäbin mit kroatischem Migrationshintergrund – das könnte auch menschlich passen. 😀
OTBN
Das ist die Startreihenfolge beim Festivali I Këngës:
https://eurovoix.com/2025/12/10/albania-festivali-i-kenges-64-semi-finals-running-order-released/
Wie letztes Jahr scheint das Semi 1 deutlich stärker aufgestellt zu sein als sein Gegenpart am Donnerstag.
Alis hat genau denselben Startplatz wie letztes Jahr im Semi (Nr. 12). Das ist auch ungefähr dort, wo letztes Jahr Shkodra aufgetreten sind. Albanian Heart als Opening-Act hätte man sich aber auch denken können…
Im zweiten Semi scheint der Teppich ja wirklich wortwörtlich für ThreeX und Fifi & Tiri Gjoci ausgerollt zu sein, da ist kaum noch namenswerte Konkurrenz. Was natürlich nicht automatisch heißt, dass da nicht die ein oder andere Perle im Line-Up versteckt ist
Unser 1. VE rückt damit nun auch schon Tag für Tag näher. In einer Woche haben wir schon die ersten Auftritte gesehen und Montenegro lässt auch nicht mehr lange auf sich warten.
Nein.
Wird auch nicht passieren.
Wennst das nicht postest ists dasselbe.
Also für nix.
Höre ich mir auf alle Fälle noch an!
OTBN
Island verzichtet auf die Teilnahme am ESC in Wien im nächsten Jahr:
https://www.ruv.is/english/2025-12-10-will-iceland-be-in-eurovision-2026-live-blog-461215
Zuletzt fehlte Island vor 23 Jahren beim ESC.
Sehr gut und gerade gelesen dass 11 von 16 vom Festival da Cancao öffentlich verkündet haben nicht zum ESC zu fahren sollten sie gewinnen
https://expresso.pt/blitz/2025-12-10-festival-da-cancao-maioria-dos-concorrentes-recusa-ir-a-eurovisao-em-caso-de-vitoria-e-lamenta-posicao-da-rtp-e2bfa05a
Dann sollte man am besten das Festival da Cançao absagen
Wäre ich auch dafür abzusagen und nicht teilzunehmen
Sowas hatte ich bereits letzte Woche hier befürchtet, weil die meisten portugiesischen Acts politisch eher stark radikal links wie zum Beispiel Iolanda sind, bin hier aber dafür ausgelacht worden. Dies war also schon vorher klar. Am Ende könnte also vielleicht der 12. Platzierte nach Wien fahren oder wie macht der Sender RTP es sonst? Sucht er den Act dann selbst aus, wenn der Gewinner sich weigert, zum ESC 2026 zu fahren? Warum man sich dann aber vorher trotzdem anmeldet, um an einem Wettbewerb mit jahrelanger Israel-Teilnahme teilzunehmen, obwohl man Israel absolut nicht leiden kann, verstehe ich bis heute nicht.
Schön. Und noch ein Land, das einen funktionierenden Moralkompass hat.
Moralisch verkommen trifft es besser!
Okay danke Matty .Habe damit gerechnet,
Hi,
Ich finde die nette Formulierung „wie viel Teya INZWISCHEN zu sagen hat“ ehrlich gesagt ziemlich daneben. Auch, wenn es mit Sicherheit nicht so gemeint war, klingt es so, als hätte Teya vorher nicht viel zu sagen gehabt?! Also quasi genau das, was viele Frauen (und bestimmt auch du, Laureen) kennen – das Gefühl, dass man einfach nicht gehört wird von der Gesellschaft.
Nein, Teya hat nicht INZWISCHEN viel zu sagen, das hatte sie auch schon ziemlich öffentlich vor knapp drei Jahren beim ESC und vermutlich schon Jahre davor…
Ach, die TEYA, das ist ja eine ganz besondere Künstlerpersönlichkeit.
Unglaublich, was dieses musikalische Genie leistet.
Ihre Musik ist ein wahrer Energieschub für Liebe und für das Wegstoßen von Hass und Misstrauen, was ja gar nicht unwichtig ist für die Befindlichkeit des ESC , gerade in diesen Tagen, in denen sich der ESC auf der Intensivstation befindet.
Danke für die Rezension, liebe Laureen! Diese EP und TEYA als selbstständige Künstlerin verdienen viel mehr Aufmerksamkeit. Bei mir war TEYA dieses Jahr in meinen Top 3 Artists auf Spotify – und das auch zurecht. Die Lyrics ihrer Songs sind wirklich immer wieder ein Genuss: extrem kreativ, pointiert, kritisch, kantig (Doppeldeutigkeit intendiert) und oft mit Haltung. Eine sehr willkommene Abwechslung zu dem vielen Mainstream.
Auch für mich ist „Bourgeoisie“ der beste Track auf der EP, das fetzt schon direkt nach der ersten Zeile. Ganz knapp dahinter liegt bei mir dann „Waxing Salon“. Hatte bei dem Songtitel ja etwas ganz anderes erwartet, aber war dann beim ersten Hören sehr überrascht und emotional berührt. Der Song berührt mich immer noch sehr und ab und zu kommen da auch mal ein paar Tränen.
Zwei absolute Hörempfehlungen noch von mir zum Abschluss, die auch beide nochmal perfekt zeigen, wie vielfältig TEYA ist:
1. Für einen Song mit Haltung, Gesellschaftskritik und bissigen, aber so ehrlichen Lyrics, der zudem noch super eingängig ist, empfehle ich wärmstens „Immigrant Child“. Läuft bei mir zurzeit sehr, sehr oft.
2. Wer es crazy und kanty mag, muss gerade jetzt zur Weihnachtszeit unbedingt „Ho Ho Ho“ (noch im Duo mit Salena) hören, wie Laureen es schon erwähnte. Der einzige Weihnachtssong, den ich das ganze Jahr über höre. Da kann man einfach mal abschalten und innerlich ein bisschen durchdrehen. Es lohnt sich auch sehr, das Video dazu zu schauen 😉
TEYA hat sich für mich zu einer meiner Lieblings-Artists entwickelt. Eine großartige Person mit unglaublich vielschichtigen Songs! 🤗
Kleine Korrektur im Artikel: Ihr Song Bite Marks ist nicht von einer neuen Serie von League of Legends, sondern der Eröffnungssong der Saison 2025. 🙂
Ich finde dass der Corporate Composer so schön klink halt alle Songs von ihr der song waxing salon ist der besste