Advent der besten DACH-ESC-Beiträge (6): Mit Beanie und Dackelblick nach Baku

Wir haben Euch im letzten Monat nach Euren liebsten ESC- und Vorentscheidungs-Beiträgen aus Österreich, der Schweiz und Deutschland gefragt – einen lieben Dank an dieser Stelle an alle, die dabei so fleißig mitgemacht und so insgesamt 154 unterschiedliche Beiträge in die Auswahl gebracht haben. Diese haben wir ausgewertet und präsentieren Euch nun Eure liebsten 24 Beiträge der sogenannten DACH-Länder – jeden Tag einen neuen. Bis Heiligabend!

 

Platz 19: Roman Lob „Standing Still“ (Deutschland 2012)

Was als revolutionäre und sehr erfolgreiche Zusammenarbeit 2010 zwischen dem NDR und ProSieben begann, musste sich zwei Jahre später zum ersten Mal bewähren. Im Jahr zuvor setzte die eigentliche Castingshow aus, da Lena 2011 erneut beim ESC antrat und somit kein neuer Interpret gesucht wurde. Idee und Produktion der Castingshow Unser Star für Baku stammte erneut von Stefan Raab, dieser gab allerdings früh bekannt, sich ein wenig im Hintergrund zu halten. Er saß zwar mit Thomas D. von den Fantastischen Vier und Alina Süggeler von Frida Gold in der diesmal festen Jury, der Vorsitzende der Jury war aber Thomas D., der auch mit nach Baku reisen sollte. Zudem installierte Stefan Raab eine sogenannte Blitztabelle, die den Zuschauern ständig den aktuellen Votingzwischenstand zeigte. Die Tabelle dürfte zwar mehr Geld in die Kassen gespielt haben, da der Zuschauer so immer wieder neu motiviert wurde, für den eigenen Liebling anzurufen, sobald dieser in der Blitztabelle fiel – kontaminierte aber ein bisschen das Ergebnis. Schließlich sollte ja der Interpret gefunden werden, den die Zuschauer mehrheitlich wählen und nicht der, der bei Ablauf der Votingzeit zufällig in der Blitztabelle oben stand.

Trotzdem gab es – ähnlich wie zwei Jahre zuvor mit Lena bei der ersten Castingshow Unser Star für Oslo – den einen Interpreten, der sofort herausstach: Roman Lob, der junge Vorzeige-Hipster mit dem süßen Dackelblick und der samtweichen Stimme, den anscheinend nichts aus der Ruhe bringen konnte.

Schon bei seiner Vorstellung stürmte er auf Platz 1 der Blitztabelle, was zur Folge hatte, dass er als letzter der zehn Teilnehmer sein Lied singen konnte. Der klare Favoritenstatus tat der über insgesamt 8 Folgen gestreckten Castingshow nicht gut und so halbierten sich nach und nach die Zuschauerzahlen auf ProSieben von anfangs 2,44 Millionen auf zwischenzeitlich nur noch 1,13 Millionen. Nur die beiden im Ersten gezeigten Folgen erreichten wieder Zuschauerzahlen von 1,99 bzw. 2,14 Millionen Zuschauer – was für ESC-Verhältnisse allerdings trotzdem keine guten Zahlen sind. Am Ende stand Roman als Sieger fest – im Grunde stand ihm lediglich die Blitztabelle im Weg. So gewann er doch nur verhältnismäßig knapp mit 50,7 % der Zuschauerstimmen gegen Ornella de Santis, die allerdings gerade mit dem Lied „Quietly“ die Zuschauer begeisterte.

Romans Gewinnersong „Standing Still“, geschrieben vom bekannten britischen Musiker Jamie Cullum, konnte sich auf Platz 3 der deutschen Charts platzieren. Auch sein erstes Album, das am 13. April noch vor dem Finale des Eurovision Song Contests in Baku veröffentlicht wurde, konnte sich mit Platz 9 in den deutschen Top 10 platzieren.

Das klingt nach einem entspannten Erfolg und genauso fühlte es sich auch an, als der äußerst sympathische Roman in Baku ankam. Die Aufmerksamkeit zogen besonders die Favoriten auf sich: Die schwedische Loreen sowie die russischen Buranowskije Babuschki auf sich. In den Medien wurde auch mehr über die Menschenrechtslage in Aserbaidschan berichtet. Wenn von Roman die Rede war, dann ging es eher um seine Vorliebe für Mützen, Caps und Beanies als um das Lied und seinen Auftritt. So verwundert es auch nicht, dass sein Auftritt ähnlich zurückgenommen mit ein paar gold-schimmernden Lichtern und Band inszeniert wurde. Ein süßlicher Ruhepol mit emotionalen Lyrics zwischen den Schrei-Bombast-Balladen und lauten Stampf-Rhythmen.

Dementsprechend zaghaft kamen auch die ersten Punkte für den deutschen Beitrag, aber immerhin kamen vereinzelt Punkte. Hier mal 4 aus Österreich und der Schweiz, da mal 2 aus Albanien. Hier mal 6 aus Großbritannien (danke Jamie Cullum!) und auch mal 7 aus Frankreich. Nach der Hälfte der insgesamt 42 Ländern stand Roman mit 31 Punkten recht weit oben, allerdings auf der rechten Seite der Punktetafel. Die zweite Hälfte des Voting ging dann aber besser weiter: Mit unter anderem fünf 10-Punkte-Wertungen aus Portugal, Estland, Dänemark, Ungarn und Irland konnte Roman doch noch insgesamt 110 Punkte sammeln und erreichte so am Ende einen guten 8. Platz. Und spätestens als die dänische Punktesprecherin Roman als „handsome fella (hübscher Kerl)“ bezeichnete, wurde klar, dass wohl nicht alle Punkte nur dem schönen Lied „Standing Still“ zu verdanken waren.

Das vor kurzem erschienene neue Lied „Heimweh noch dir“ von StadtRand

Auch nach dem Contest scheint Roman nichts aus der Ruhe zu bringen. 2013 saß er mit Mary Roos in der Expertenjury des deutschen Vorentscheids, 2016 heiratete er ohne großen Medienrummel seine langjährige Lebensgefährtin. Anschließend sang er als Solist bis vor 2 Jahren in der Produktion „The One Grand Show“ im Friedrichstadt-Palast in Berlin und nach wie vor als Frontsänger in der Kölschrockband StadtRand. Roman scheint seinen Weg gefunden zu haben und auch nicht unglücklich damit, nur bedingt im Rampenlicht zu stehen.

Ein wohlverdientes Türchen in unserem Adventskalender!

Hätte Anke nicht ein subtiles Statement gesetzt, man hätte vor lauter Entspannung fast vergessen, 
unter welcher politischen Brisanz der Contest 2012 stattfand. „Europe is watching you!“
Danke, Anke!

 

Die bisherigen Adventstürchen findet Ihr hier:
Platz 24: Timebelle „Apollo“ + Cesár Sampson „Nobody But You“
Platz 23: Ben Dolic „Violent Thing“
Platz 22: Mary Roos „Nur die Liebe lässt uns leben“
Platz 21: Max Mutzke „Can’t wait until tonight“
Platz 20: Katja Ebstein „Diese Welt“


27 Kommentare

  1. Was ein schönes Türchen zu Nikolaus. Ich mochte Roman Lob sehr und sein Standing Still. Danke für das aktuelle Video von Ihm mit seiner Band. Ich find das richtig schön besonders weil es in Kölsch gesungen ist.

  2. Rein akustisch fand ich „Standing Still“ eher durchschittliche Radiomucke, nicht wirklich schlecht, hat mich aber auch nicht gerade vom Hocker gehauen.
    Aber der Roman hat den Song zu seinem Song gemacht, er hat ihn so toll rübergebracht mit seinem sympathischen Auftritt, und seinem putzigen Mützchen, mittlerweile höre ich „Standing Still“ richtig gerne.😊

  3. Oh, meine 12 Punkte bereits zum Nikolaus, so sei es 🙂

    Ein paar Jahre zuvor verhinderte eine Kehlkopfentzündung, dass er bei DSDS in die Liveshows kam. Dieter Bohlen bat ihm an, im nächsten Jahr wieder mitzumachen, dies hat Roman allerdings abgelehnt.
    Ich glaube die Entscheidung abzuwarten und als (mein) Favorit bei USFB zu starten war besser 🙂

    • Er verzichtete (zum Glück) zu Gunsten seiner zwischenzeitlich begonnenen Ausbildung zum Industriemechaniker. Ach, wie schön bodenständig der Roman doch war und ist! 🙂

  4. Ach ja, an USfB kann ich mich noch erinnern, auch wenn es bei weitem nicht so schön war wie USfO. Mir tut Vera Reissmüller immer noch Leid, die in ihrer Vorrunde an der Blitztabelle scheiterte. Sie lag zwar am Anfang noch vorne, rutschte am Ende aber auf Platz 6 ab – direkt hinter Ornella da Santis. Und zu Yana Gercke habe ich auch Sympathien entwickelt – nicht bloß, weil sie die Halbschwester von Lena Gercke ist und, das darf ich verraten, nur einen Tag jünger als ich.

    Yana hat mittlerweile ihr Medizin-Studium abgeschlossen, wohnt in München und ist Mutter eines kleinen Sohnes, aber immer noch musikalisch unterwegs. Ich weiß noch, als sie in einer Facebook-/Insta-Story in einem Spielchen „We found love“ von Rihanna singen musste: Nach dreifachem „We found love in a hopeless place“ hieß es von ihr, gesungen zur Melodie: „Und mehr Text kann ich leider nicht“ (jetzt gesprochen) „obwohl ich das doch damals in der Show hatte“. War ja damals auch nicht ihr bester Auftritt. Für sie hätte es wohl eher „Roxanne“ sein müssen.

    Vera indes lebt jetzt in Stuttgart und arbeitet als selbstständige Sängerin sowie Gesangslehrerin – sie hat bekanntlich Lehramt studiert.

    Und auch von Ornella hört man nicht so viel, sie tritt aber noch als Musicaldarstellerin und Sängerin auf. Ihr dürfte es also in etwa so ergangen sein wie Jennifer Braun: Drei Charterfolge und danach nichts mehr.

    Aber zumindest ist keiner von denen – Roman, Vera, Yana, Ornella – ins Bergfreie gefallen…

    • Danke für die Ausführungen zu den damaligen USFB-Teilnehmerinnen. Ich kann mich eigentlich nur noch an Ornella de Santis erinnern. Mir hat damals ihr Song im Finale noch etwas besser gefallen als „Standing Still“ (leider weiss ich nicht mehr, wie er hieß).
      Jedenfalls habe ich damals für sie angerufen. Aber Roman war letztendlich schon die bessere Wahl,
      da Ornella optisch der Lena schon sehr ähnlich war. Wäre evtl. eher ein Nachteil gewesen, so nach dem Motto: „Schon wieder Lena“😉 Aber den Song fand ich wunderschön.😊

  5. Ich mag dieses unaufdringliche Lied sehr und genieße auch heute noch den normalen Auftritt, den Roman uns zwischen all den Trickkleidern, Beleuchtungsorgien, Konfetti etc. schenkte. Meine Nummer 3 auf der Deutschland beim ESC-Liste. 🙂 Meine Nummer 2 ist „Wartesaal“ (sorry @ Alki Bernd). Meine Nummer 1 verrate ich noch nicht, weil diese bestimmt noch hinter einem Türchen lauert.

    Und noch mal einen großen Dank an Manu für seine schön und mit viel Zuwendung geschriebenen Beipackzettel zu den Adventskalenderliedern.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.