
Auch wenn das Drama vor und während des Benidorm Fest 2025 in diesem Jahr ausgeblieben ist, war die Stimmung nach dem spanischen Vorentscheid alles andere als gut. Die spanische Rundfunkanstalt RTVE hat bereits reagiert und (personelle) Änderungen für das Benidorm Fest 2026 angekündigt. Doch warum diese Neuerungen – und warum gerade jetzt?
Was bereits geändert wurde
Für das diesjährige Benidorm Fest wurden einige Anpassungen vorgenommen, die sich bereits bewährt haben: Da in den Halbfinals keine detaillierten Ergebnisse bekannt gegeben wurden, war das Finale offener als in den Vorjahren. Dadurch konnten sich nahezu alle Final-Acts gewisse Chancen ausrechnen – zumindest auf eine gute Platzierung. Auch die neue Abstimmungs-App, die die demoskopische Jury ersetzt hat, wurde gut angenommen. So weit, so gut.
Das eigentliche Problem: die Songauswahl
Ein zentrales Problem von Benidorm Fest bleibt die Auswahl der Beiträge. Presse, Expert*innen und Fans kritisieren die Lieder als nicht zeitgemäß oder qualitativ unzureichend. Viele Songs seien zu stark auf den ESC zugeschnitten, verfehlten den Zeitgeist und würden die spanische Musikszene nicht angemessen repräsentieren. Nach Melodys Sieg mit „Esa Diva“, die sich vor allem aufgrund ihrer großen Popularität das Ticket nach Basel sicherte, rückte die Songauswahl weiter in den Fokus der Kritik.
Bisher wurde die Auswahl von einem internen Komitee getroffen, in dem ESC-Songwriter Tony Sánchez-Ohlsson eine zentrale Rolle spielte. Er arbeitete gemeinsam mit dem renommierten schwedischen Songwriter Thomas G:son an spanischen ESC-Beiträgen wie „I Love You Mi Vida“ (2007) und „Quédate conmigo“ (2012). In den vergangenen Jahren war Tony Sánchez zusammen mit Ex-Benidorm-Teilnehmer Rayden (2022) für die Auswahl der Songs verantwortlich. Rayden ist bei spanischen Fans eberüchtigt dafür, jedes Jahr von der „besten Benidorm-Auswahl aller Zeiten“ zu sprechen.
Kontroverse um bevorzugte Songwriter
Aufgrund der Transparenzregelungen bei RTVE sind die Organisatoren des Benidorm Fest verpflichtet offenzulegen, wie die eingereichten Beiträge intern bewertet wurden. Zur Überraschung vieler ESC-Fans landeten „I’m a Queen“ von Mel Ömana und „Amor barato“ von David Alfonso jeweils auf Platz eins und zwei dieses internen Rankings. Auffällig: Beide Songs stammen aus dem Songwriting-Team, das regelmäßig auch die spanischen Beiträge für den Junior Eurovision Song Contest schreibt – darunter „Como la Lola“, Spaniens Song für den vergangenen JESC 2024 in Madrid. Viele spanische ESC-Fans sehen darin eine Bevorzugung dieses Teams, und auch die Medien griffen das Thema auf – es hagelte Kritik.
Interner Auswahlkommission geht es an den Kragen
Nun scheint das interne Auswahlkomitee vor einer grundlegenden Umstrukturierung zu stehen: RTVE-Präsident José Pablo López erklärte vor einer Parlamentskommission, dass in den kommenden Wochen – noch vor dem ESC in Basel – Änderungen bekannt gegeben werden. Ziel sei es, die Wettbewerbsregeln für 2026 zu überarbeiten, um das Festival für ein breiteres Publikum attraktiver zu machen. Zudem soll eine künstlerische Leitung ernannt und die Auswahlkommission erneuert werden. Rayden verkündete bereits auf X, dass er im kommenden Jahr keine Rolle mehr beim Benidorm Fest spielen werde. Viele Fans fordern zudem den Ausschluss von Tony Sánchez.
Die Intention hinter den Änderungen ist klar: Das Benidorm Fest soll sich stärker an der spanischen Musikszene und aktuellen Trends orientieren und sich etwas vom ESC-Fokus lösen. Zwar diente das italienische Sanremo-Festival von Anfang an als Vorbild für die Wiederbelebung von Benidorm, doch in puncto Image und Qualität blieb man – trotz einiger Hits und dem „SloMo“-Erfolg beim ESC – hinter den Erwartungen zurück.
Dennoch zieht RTVE eine positive Bilanz: Die Finalshow der vierten Ausgabe erzielte mit 17,1% Marktanteil und durchschnittlich 1,94 Millionen Zuschauern den zweitbesten Wert der Festivalgeschichte. Insgesamt schalteten fast fünf Millionen Menschen ein. Auch digital wurde ein Rekord aufgestellt: 133.521 Nutzer*innen verfolgten die Finalshow live auf RTVE Play – ein Anstieg um 21,8% im Vergleich zum Vorjahr.
Kannst Du die Kritik an der Songauswahl nachvollziehen? Wie könnte man das Benidorm Fest verbessern? Lass‘ es uns in den Kommentaren wissen!
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Endlich mal ein Land, das die Änderungen VORHER ankündigt. 😉
Das muss hier gar nicht angekündigt werden, das sind wir doch schon gewöhnt. 😉
Juchu 2026.
So macht man das Cheffe. 😉
Seit das Benidorm Fest neu aufgelegt wurde, ging es jedes Jahr einen Schritt oder mehrere Schritte in die falsche Richtung, und dieses Jahr ist man dann ganz unten angekommen. MMn gab es nur einen einzigen Beitrag, der zeitgemäß klang und auch Charakter hatte. Der Rest, und das schließt leider auch den tantenhaften Siegertitel ein, war musikalische Ausschussware, die bei internationalem Publikum zum Scheitern verurteilt ist.
Ein erster vernünftiger Schritt wäre, dass sich die Verantwortlichen nicht mehr von der sehr leidenschaftlichen und auf alternde Diven fixierten spanischen Fan Community vor sich hertreiben lässt, sondern Komponisten und Künstler einlädt, die tatsächlich die zeitgenössische spanische Musikszene repräsentieren. Acts wie Sonya y Selena haben für mein Dafürhalten nichts bei einem Musikfestival verloren. Die gehören in einen Admodóvar-Film von ca. 1990.
Zeitgemäße Musik , die beim ESC erfolgversprechend ist….tja in Deutschland wird stoisch seit Jahren dieser Punkt ignoriert… und mir kann keiner erzählen das es dieses Jahr anders war…ich möchte garnicht wissen was in der Vorauswahl bei uns alles auf der Strecke geblieben ist….
Ich sag es oft und gerne wieder. Jedes Land hat einfach Genres die sie gut können und welche die sie nicht gut können. Wir hätten in Deutschland so viele gute Bands Richtung Metal und Rock (electric callboy und Ffts sind keine Ausnahme). Trotzdem versuchen wir einen auf Ballade oder Pop zu machen, was wir einfach nicht gut können. Ein gutes Beispiel ist auch Kroatien, die einfach nicht gut in Balladen sind und letztes Jahr mit einem rockigem Song beinahe gewonnen haben. Man sollte einfach schauen ob der Song gut ist und das Genre nicht erzwingen!
Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass man zwar von Deutschland erwartet, dass wir Metal und Rock schicken, es denen aber größtenteils nicht gefällt. Wie viele solcher Acts waren schon beim ESC vorne? Mir fallen gerade mal zwei ein. Und die kamen nicht aus Deutschland.
Wenn man also mit einem, ich nenn es mal Nischenprodukt, Metalsong erfolgreich sein will, muss der Song wirklich brillant sein. Die Songs von Feuerschwanz und FFTS sind gut und kommen in Deutschland an, aber sie sind eben nicht brillant.
Das gilt aber für jedes andere Genre. Deutschpop auf deutsch ist nur selten europäisch, sondern beeinflusst von der amerikanischen Popkultur. Die ist zwar auch erfolgreich, aber haben wir eine Beyoncé, eine Taylor Swift oder Rihanna hier?
Vergleichbar wäre da vom Erfolg her nur die Helene. Und selbst die müsste wieder einen Megahit haben, weil Bekanntheit alleine beim ESC nicht hilft.
Die wirklich Großen in der deutschen Musiklandschaft sind Grönemeyer, Westernhagen und ??? Beim ESC? Nein.
Natürlich gibt es auch andere, die für den ESC geeignet wären, aber die wollen ja nicht.
Also muss man Newcomer nehmen. Ob das Konzept mit den eigenen Songs gut ist, wage ich auch zu bezweifeln. Die jetzigen Teilnehmer sind stimmlich (fast) alle Top, aber die Lieder für den ESC leider (fast) alle untauglich.
Naja, einen Versuch war es wert. Und vielleicht wird es ja trotzdem was, die Glaskugel hat keiner.
Bei der Auswahl der Acts sollte auf jeden Fall der Fokus mehr auf dem Lied als auf den Interpret*innen liegen.
Also nehme man drei oder vier gute Sänger*innen, die jeder drei verschiedene Lieder bekommen, aus denen dann ausgewählt werden kann.
Da kann man dann auch eine Vorentscheidung basteln, die spannend sein könnte.
Und vielleicht findet man ja so auch einen brillanten Metalact, der in ganz Europa gut ankommt.
Ich hätte für RTVE noch einen Änderungsvorschlag:
Bei den Halbfinals die Finalisten nennen ohne Top Platzierungen zu nennen. Das hat mich verwirrt und nimmt, glaube ich, ein bisschen die Spannung raus.
Ich kann diese Änderungen definitiv nachvollziehen und sehe, aufgrund des Themas „Songauswahl“, hier auch ein wenig einen Vergleich mit Deutschland, weswegen mein Wunsch für einen deutschen Vorentscheid eigentlich ist, dass heir nur der Act ausgewählt wird und mit diesem dann gemeinsam ein Song erarbeitet wird.
Zurück zum Thema Spanien: Ich finde, dass es ein Fehler ist, dass „Benidorm Fest“ mit Sanremo zu vergleichen. Auch schon wegen der Geschichte. Sanremo gab es quasi durchgehend parallel zum ESC und wer Sanremo gewinnt hat das Recht auch zum ESC zu fahren. Das alte „Benidorm Fest“ bzw. das „Benidorm International Song Festival“ gab es bis 2006 und wurde dann 16 Jahre später für den ESC(-Vorentscheid) als „Benidorm Fest“ wiederbelebt. Das kann man jetzt nicht wirklich mit Sanremo vergleichen, auch wenn die Quoten gut zu sein scheinen, weil die Acts und Songwriter, im Gegensatz zu Sanremo, hier wahrscheinlich den ESC vordergründig im Kopf haben. Da ist es klar, dass dann hier ESC-taugliche Songs zu hören sind, weil es ja im Grunde nicht mehr das alte Festival ist. RTVE sollte sich mal umhören, was denn die Leute in Spanien sich vom „Benidorm Fest“ erwarten. Einen eigenständigen Musikwettbewerb oder eben einen ESC-Vorentscheid. Und wenn es ein eigenständige Musikwettbewerb sein sollte, soll dann der Gewinner hier das Ticket zum ESC bekommen oder es dafür einen neuen Vorentscheid geben?
Was die Bevorzugung der Songwriter angeht, dazu kann man jetzt nicht viel sagen, da man in die Köpfe des Auswahlkomitees nicht hineinschauen kann. Die Songwriter haben beim JESC die spanischen Songs für 2023 und 2024 beigesteuert und 2023 hiermit die erfolgreichste Platzierung für Spanien, seit deren Comeback im Jahr 2019, gehabt.
Sehr gut, die Texte waren gefühlt alle aus Textbausteinen wie Reina de la noche, Amor und Bailamos zusammengesetzt.
Also ich fand die Songauswahl für das diesjährige Benidorm Fest gut.
Ich könnte locker fünf Songs aufzählen, die beim ESC in Basel locker die Top 10 erreichen würden / werden. Melody mit ihrem Song „Eas diva“ inbegriffen.
J Kbello hätte sogar ein Top 5 Potenzial in Basel gehabt.
Nicht zu vergessen Sonya und Selena.
Celine van Heel wäre bei mir Top 5 auch J K🐕
„J Kbello hätte sogar ein Top 5 Potenzial in Basel gehabt.“
der song macht die musik und ist definitiv kein heißer feger.
bei spanien lag es dieses jahr m.e. mehr an der vorauswahl und dann sind wir auch schon wieder bei chefsache.
kroatien hat solche probleme nicht,im gegenteil die qual der wahl welchen der guten songs sie denn nun erwählen sollen.
Genau, das Lied von J Kbello war ein Rohrkrepierer, um mal bei der Goldenes-Handwerk-Bildlichkeit zu bleiben.
Und wie sagt man so schön: Ein Feger macht noch keinen Sommer … 😎
Nö, mir gefiel der Song schon im Audio bei Vorstellung – auch ohne Sexappeal des Sängers! Weil der viele Sachen hatte, die einen guten, modern abgemixten Dance-Track ausmachen.
Interessant, dass man schon vor dem ESC ein Scheitern antizipiert und die Teilnehmerin auseinandernimmt. Gedanken gehen in die richtige Richtung. Man hat auch das Gefühl, die Klischees in den Songs sind inzwischen einfach aufgebraucht. Aber zusätzlich müsste auf jeden Fall das Saalpublikum noch mit Elektroschockarmbändern versehen werden, falls die Stimmung im Saal kippt!
Hat Deutschland mit seiner plötzlichen Änderung etwa einen Stein ins Rollen gebracht 😜
Eigentlich halte ich Änderungen im Verfahren immer für eine gute Sache, wenn etwas nicht gut läuft. Und selbst, wenn es ein Selbstläufer ist wie im Mello oder San Remo, könnte sich das auch irgendwann abnutzen.
Ich finde es irgendwie seltsam, dass in Spanien noch vor dem ESC über eine Änderung des Vorentscheids nachgedacht wird… allzu begeistert scheint der Sender ja vom eigenen Act dieses Jahr auch nicht zu sein… zumindest macht es den Anschein. Schade für die Sängerin, die ist von der Nachricht bestimmt super motiviert.
Bei manchen Ländern hab ich das Gefühl, dass sie gar nicht gewinnen wollen und Spanien gehört für mich dazu. UK übrigens auch. Und Deutschland genauso… trotz aller „Bemühungen“. Der Siegeswillen ist auch in Italien kaum zu spüren, sonst wäre Olly ja heiß drauf gewesen, am ESC teilzunehmen. Aber den Italienern geht es mehr um das Festival als den ESC… erfolgreich waren sie bisher nur, weil sie echt gute Musik machen, die nicht extra für den ESC produziert wird.
So richtig richtig begeistert vom ESC sind eigentlich nur die Nord- und Osteuropäer. Hier bietet sich für sie eine Gelegenheit, mal etwas von ihrer Kultur zu zeigen, denn wann hört man in West- und Südeuropa schonmal einen Song aus Serbien oder Finnland?
Alles in allem zum Thema Benidorm: Es kann nur besser werden.
Da I’m a Queen auch das offensichtlich mit Abstand beste Lied war, she ich jetzt da das Problem nicht.
Das Problem ist eher, dass der Rest wirklich zum Vergessen war.
Es gibt einen neuen Song von Rigoberta Bandini, die vor drei Jahren am Benidorm Fest teilnahm. Zusammen mit Carmen Lancho hat sie „Aprenderás“ veröffentlicht:
https://open.spotify.com/intl-de/track/5HekHTXSRCua1TmoJs55N6
Hier nun das Video:
https://youtu.be/Z9pczxNwdLo?si=XpcAGegaqyBR7uPX
Maria Isabel gewann vor 21 Jahren für Spanien den JESC. Nun hat die Künstlerin den Song „Highlight“ veröffentlicht:
Alfred García vertrat zusammen mit Amaia Spanien beim ESC 2018 in Lissabon und hat nun seinen neuen Song „T’estiu“ veröffentlicht: