„C’est la vie“ war gestern: Wer vertritt die Niederlande beim ESC 2027?

Claude – Foto: Alma Bengtsson / EBU

Laut der niederländischen Zeitung AD (Algemeen Dagblad) sind noch drei Acts im Rennen um das niederländische Ticket für den Eurovision Song Contest 2027. Davina Michelle, Tangarine und Marnix Emanuel sollen demnach für den Wettbewerb 2026 in Wien in die engere Auswahl gekommen sein. Nachdem sich der zuständige Sender AVROTROS zunächst gegen eine ESC-Teilnahme entschieden hatte, könnte nun einer von ihnen die Rückkehr der Niederlande auf die ESC-Bühne begleiten.

Die Niederlande waren 2026 beim Eurovision Song Contest in Wien nicht vertreten. Bereits im Dezember 2025 hatte AVROTROS den Rückzug des Landes bekannt gegeben. Ausschlaggebend war insbesondere die Teilnahme Israels vor dem Hintergrund des Krieges in Gaza. Der niederländische Sender äußerte zudem Bedenken hinsichtlich der politischen Einflussnahme auf den Wettbewerb und der Situation der Pressefreiheit. Neben den Niederlanden verzichteten 2026 auch Irland, Island, Slowenien und Spanien auf eine Teilnahme am ESC.

Am 24. August 2026 erklärte AVROTROS, auch 2027 nicht für die niederländische ESC-Teilnahme verantwortlich sein zu wollen. Die Zuständigkeit wurde daraufhin an die niederländische Rundfunkorganisation NPO (Nederlandse Publieke Omroep) zurückgegeben. Im September bestätigte die NPO schließlich, dass die Niederlande 2027 wieder am Eurovision Song Contest teilnehmen werden.

Damit liegt die Verantwortung für die Teilnahme nicht mehr bei AVROTROS, sondern bei der NPO. Vorgesehen war, ein unabhängiges Expert*innenteam mit der Auswahl und Betreuung des niederländischen Acts zu betrauen.

Die Übertragung des Wettbewerbs soll die NOS (Nederlandse Omroep Stichting) übernehmen. Geplant sind die Ausstrahlung beider Halbfinals und des Finales sowie begleitende Berichterstattung und Vorschauprogramme auf NPO 1 und über die Mediathek NPO Start. Durch die Trennung von Auswahl und Übertragung soll eine unabhängige journalistische Berichterstattung über den Wettbewerb gewährleistet werden.

Die NPO begründet die Rückkehr unter anderem mit den Änderungen am Regelwerk der Europäischen Rundfunkunion (EBU). Zugleich soll der verbindende Charakter des Eurovision Song Contest wieder stärker in den Mittelpunkt rücken.

Als eine der aussichtsreichsten Kandidatinnen gilt laut AD Davina Michelle. Insbesondere ihre eigenständige musikalische Identität und eine Midtempo-Ballade, die mit ihrer Bewerbung in Verbindung gebracht wird, sollen für sie sprechen.

Bekannt wurde die niederländische Sängerin 2017 durch ihre Coverversion von P!nks „What About Us“, die sie auf YouTube veröffentlichte. Ihre Interpretation erregte auch die Aufmerksamkeit der US-amerikanischen Sängerin selbst, die Davina Michelle öffentlich lobte. Ein Jahr später gelang ihr mit „Duurt te lang“, ihrer Version eines Songs von Glen Faria, der Durchbruch in den Niederlanden. Der Titel erreichte die Spitze der Charts und machte sie einem breiten Publikum bekannt.

Mit ihrer kraftvollen Stimme, ihrer Bühnenerfahrung und einem Repertoire zwischen englisch- und niederländisch-sprachigem Pop bringt Davina Michelle einige Voraussetzungen für einen ESC-Auftritt mit.

Hinter dem Namen Tangarine stehen die eineiigen Zwillingsbrüder Sander und Arnout Brinks. Das aus Lelystad stammende Duo bewegt sich musikalisch zwischen Folk und Softrock und setzt dabei auf harmonischen zweistimmigen Gesang sowie persönliche Texte.

Einem größeren niederländischen Publikum wurden die Brüder 2013 bekannt, als sie zur Hausband der Fernsehsendung De Wereld Draait Door wurden. Zu ihren musikalischen Einflüssen zählen unter anderem Simon & Garfunkel und Bob Dylan.

Mit ihrem akustisch geprägten Sound könnten Tangarine beim ESC einen Kontrast zu klassischem Mainstream-Pop setzen. Insbesondere der charakteristische gemeinsame Gesang würde dem Duo die Möglichkeit bieten, sich musikalisch von anderen Beiträgen abzuheben.

Als dritter Name wird Marnix Emanuel gehandelt. Der niederländische Sänger, Songwriter und Produzent aus Amsterdam beschreibt seinen Stil selbst als „timeless pop music“. Zu seinen musikalischen Vorbildern zählt er unter anderem Adele und Bruno Mars.

Mit seiner 2019 veröffentlichten Debütsingle „Right Through Me“ konnte Emanuel erste größere Erfolge erzielen. Der Titel entwickelte sich zu einem Streaming-Erfolg und erreichte in den Niederlanden Goldstatus. Darüber hinaus schreibt und produziert er seine Songs selbst. Seine Musik fand auch in Filmen und Werbespots Verwendung.

Emanuel würde damit einen stärker songwriter-orientierten Pop-Ansatz in das mögliche niederländische Kandidat*innenfeld einbringen. Ob er sich gegen die beiden anderen Acts durchsetzen kann, bleibt abzuwarten.

Eine offizielle Bestätigung der drei Acts für den ESC 2027 gibt es bislang nicht. Zunächst müssen die organisatorischen Voraussetzungen für die niederländische Delegation geschaffen werden. Erst danach soll geklärt werden, ob Davina Michelle, Tangarine und Marnix Emanuel weiterhin Interesse an einer Teilnahme haben.

Auch hinsichtlich der Songs bleiben Fragen offen. Ob die ursprünglich für den Wettbewerb 2026 vorgesehenen Beiträge erneut infrage kommen oder neue Lieder eingereicht werden, ist bisher nicht bekannt.

Die Rückkehr der Niederlande erfolgt zudem in einem politisch angespannten Umfeld. Die Diskussion um Israels Teilnahme am ESC und die Regeln der EBU zu politischen Aussagen während des Wettbewerbs dürften auch 2027 eine Rolle spielen.

Unabhängig davon sind die Niederlande in diesem Jahr beim Junior Eurovision Song Contest vertreten. Die neunjährige Maria gewann am 19. September das niederländische Junior Songfestival und vertrat das Land beim Wettbewerb am 24. Oktober in Malta. Die Teilnahme am JESC wird weiterhin von AVROTROS organisiert und ist von der Entscheidung über den Erwachsenen-ESC getrennt.

Welcher Act hat Deiner Meinung die besten Chancen für die Niederlande in Burgas? Wie beurteilst Du die Rückkehr des Landes, nachdem AVROTROS seine Zuständigkeit abgegeben hat? Schreib uns Deine Meinung in die Kommentare!



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25 Comments
Matty
Matty
1 Stunde zuvor

Ja

bellamarcella
bellamarcella
1 Stunde zuvor
Reply to  Matty

Nein

Momo 🐢
Momo 🐢
1 Stunde zuvor
Reply to  bellamarcella

Jein

(Ohrwurm? Gern geschehen! 🙂‍↕️)

Søren
Søren
1 Stunde zuvor
Reply to  Momo 🐢

Soll ich’s wirklich machen oder lass‘ ich’s lieber sein?

Matty
Matty
1 Stunde zuvor
Reply to  bellamarcella

Bitte nicht auf meine Kommentare antworten!

bellamarcella
bellamarcella
1 Stunde zuvor
Reply to  Matty

Dafür gibt es doch die Kommentarspalte. 🙂

bellamarcella
bellamarcella
1 Stunde zuvor
Reply to  Matty

Fand deinen Kommentar „ja“ sehr spannend und wollte direkt drauf kommentieren.

Don__Philipo
Don__Philipo
1 Stunde zuvor
Reply to  Matty

Wieso nicht?

Matty
Matty
56 Minuten zuvor
Reply to  Don__Philipo

Weil man dann bereits Geschriebenes nicht mehr ergänzen oder korrigieren kann.

Timo1986
Timo1986
36 Minuten zuvor
Reply to  Matty

Als ob du noch nie ein bereits abgesandtes Statement nachträglich nicht nochmal korrigiert oder erweitert hättest.

Porsteinn
Mitglied
Porsteinn
28 Minuten zuvor
Reply to  Matty

Lösung: Sofort etwas Sinnvolles schreiben.

4porcelli - 🦦🏊➡️
4porcelli - 🦦🏊➡️
18 Minuten zuvor
Reply to  Porsteinn

Dann ist man aber nicht erster.

Nils
Nils
29 Minuten zuvor
Reply to  Matty

Ok.

Matty
Matty
1 Stunde zuvor

Bei Davina Michelle könnte es in Bezug auf die Teilnahme am ESC kompliziert werden, da sie für das Frühjahr 2027 eine Tournee durch die Niederlande plant:

https://en.euromix.co.il/2026/10/24/netherlands-will-the-frontrunner-skip-eurovision-2027/

„Wir planen bereits eine weitere Tour für das nächste Frühjahr. Ich weiß einfach nicht, ob Eurovision in all das passt“, erklärte sie.

Holgivision
Mitglied
Holgivision
1 Stunde zuvor

Tangarine hatten wir schonmal aus Aserbaidschan 😅

JoBi
JoBi
1 Stunde zuvor

Bin gespannt wer es wird.

4porcelli
4porcelli
1 Stunde zuvor

verpasste Chance für eine Joost Klein Bildergallerie.

doredo
doredo
31 Minuten zuvor
Reply to  4porcelli

🙄 Bitte keine schlafenden Hunde wecken.

Timo1986
Timo1986
1 Stunde zuvor

Um mal eine Vorstellung zu bekommen wie der spanische ESC-Sieger 2027 Fran Tuduri musikalisch so tickt bzw. welches Musik-Genre für einen

ESC 2028 in Valencia – dank Fran Tuduri

sorgt, ist hier mal ein Link mit seinem im Jahr 2023 veröffentlichten Song „Qué Más Da“. 😀

https://youtu.be/2EwyQ5pL2tI?si=qU3k3az2HwgG-6P7

Matty
Matty
53 Minuten zuvor
Reply to  Timo1986

Es geht hier aber um die Niederlande und daher ist der Kommentar hier völlig fehl am Platz.

Timo1986
Timo1986
48 Minuten zuvor
Reply to  Matty

Die Niederlande und Spanien sind beides in der stillschweigenden Mehrheit langersehnte ESC-Rückkehrer und deswegen passt mein Statement sehr wohl in diesen Artikel. 😀

…………………………………..

PS: „Bitte nicht auf meine Kommentare antworten.“

4porcelli - 🦦🏊➡️
4porcelli - 🦦🏊➡️
15 Minuten zuvor
Reply to  Timo1986

Beides ABTRÜNNIGE Teufel meinst Du.

Timo1986
Timo1986
12 Minuten zuvor

Nein, genau das meine ich nicht, fratello. 😀

Festivalknüller
Festivalknüller
54 Minuten zuvor

Abgesehen von den Gerüchten um die potenziellen NL-Vertreter, rumort es wohl hinter den Kulissen weiter:
https://eurovoix.com/2026/10/22/netherlands-discussions-ongoing-between-npo-member-broadcasters-regarding-eurovision/

Keine gute Ausgangslage für Künstler, wenn eine Teilnahme durch leidige Diskussionen im Sender und Mitarbeiterprotesten begleitet wird. 😐

Last edited 54 Minuten zuvor by Festivalknüller
ESC1994
ESC1994
21 Minuten zuvor

Wie schon von mir erwähnt wäre sowas ähnliches wie „De diepte“ wirklich schön aus den Niederlanden. 🙂