Christer Björkman zu „Das deutsche Finale 2026“: wavvyboi war der Favorit der internationalen Jury

wavvyboi – Foto: Instagram @iamwavvyboi

Während der SWR als einziger am Eurovision Song Contest 2026 teilnehmender Sender das Juryergebnis seines Vorentscheids nicht veröffentlichen will, hat der Schwede Christer Björkman nun Klartext gesprochen. Im SVT-Video-Podcast Eurovision-Klubben sagte er zum Juryvoting von Das deutsche Finale 2026: „Wir stimmten einzeln ab. Aber alle hatten denselben Favoriten.“ Später im Podcast wird klar, dass es sich dabei um wavvyboi gehandelt haben muss. Björkman weiter: „Er stach heraus. Mit ihm hätte das beim ESC hervorragend funktioniert.“

Beim Vorentscheid Das deutsche Finale 2026 hatte der erstmals für den ESC zuständige Sender SWR ein Votingverfahren etabliert, das in nationalen Vorentscheiden äußerst selten zum Einsatz kommt: Eine – wie auch immer zusammengesetzte – Jury wählt zunächst aus den zur Auswahl stehenden Beiträgen die ihrer Meinung nach besten drei aus. Erst danach greift das Publikum in den Entscheidungsprozess ein. Hier entschied sich der SWR dafür, dass in dieser zweiten Abstimmungsrunde ausschließlich die Zuschauer*innen bestimmen.

Für den Vorentscheid hatte der SWR 20 ESC-Expert*innen aus 20 unterschiedlichen Ländern eingeflogen, die allesamt über umfangreiche Erfahrung mit dem internationalen Wettbewerb verfügen. Unter ihnen waren unter anderem Luca Hänni, Ruslana und eben Christer Björkman. Er revolutionierte das schwedische Melodifestivalen und prägte es über 20 Jahre. In diese Zeit fielen auch die beiden schwedischen ESC-Siege von Loreen und Måns Zelmerlöw.

Auf die Frage, ob sich Deutschland beim ESC nicht genügend anstrenge, sagte er (ab 11:10 min):

„In diesem Jahr hatte Deutschland ein sehr ambitioniertes Konzept, bei dem sie eine Jury aus 20 Personen zusammengestellt haben, fast eine aus jedem Land, das beim ESC dabei war … Ich war auch in der Jury. Und wir waren uns bei dieser Person total einig. Und das sagte auch derjenige, der für die Abstimmung verantwortlich war, hinterher. Er hat selten eine so einheitliche Runde erlebt. Wir haben ja individuell abgestimmt. Aber alle hatten denselben Favoriten. Der hat nicht gewonnen. Und das, weil sie den Fehler gemacht haben, dass wir die Top 3 auswählen durften. Danach verschwand unser Einfluss. Und dann hat das Publikum gewählt.“

Die Moderatorin Tina Mehrafzoon stellt direkt danach fest, dass „diese Person“ ein Mann sei. Damit war klar, dass es sich nur um wavvyboi handeln konnte. Tatsächlich bestätigte Christer Björkman das später (ab 22:35 min):

„Man kann nicht alle Macht dem Volk geben (lächelt dabei). Das geht nicht. Jetzt haben sie ja für diese Frau (Sarah Engels, Anm. d. Red.) gestimmt, und das lag daran, dass sie bekannt war. Der Typ, von dem wir fanden, dass er hätte gewinnen sollen, war unbekannt, aber sehr originell. Also wirklich: Er stach heraus. Mit ihm hätte das beim ESC hervorragend funktioniert. Aber dann haben sie für die gestimmt, die bekannt war. Es wäre besser gewesen, wenn die Zuschauer tatsächlich die Top 3 gewählt hätten und wir dann mit 50 % beteiligt gewesen wären.

Und deshalb haben wir ja damals die internationale Jury in Schweden eingeführt. Das war ja, weil wir Probleme hatten, das richtige Lied auszuwählen. Wir hatten fantastische Hits im Melodifestivalen. Aber wir haben konsequent den falschen Gewinner gewählt. Deshalb hatten wir auch miserable Ergebnisse in den 2000er-Jahren. Und danach, nach Oslo, bekam ich dann das Mandat, das tatsächlich zu ändern. Und seitdem haben wir fantastische Ergebnisse.“

Aus den Ausführungen von Christer Björkman geht nicht hervor, ob Sarah Engels beim Voting der internationalen Jury den zweiten oder dritten Platz belegt hat. Sollte sie dort Zweite gewesen sein, hätte sie den deutschen Vorentscheid auch bei einer 50/50-Abstimmung über die Top 3 gewonnen und das Ticket nach Wien gelöst. Wäre sie dort nur Dritte gewesen, würde in einer Woche wavvyboi für Deutschland nach Österreich fahren.

Klar wird aus Christer Björkmans Aussagen in jedem Fall, dass Clemens Bratzler seine eigentlichen Ziele mit dem Abstimmungsverfahren nicht erreicht hat. Dieser hatte im Vorfeld gesagt: „Gleichzeitig sorgen wir dafür, dass Prominenz oder Social-Media-Reichweite weniger Einfluss haben, sondern wirklich der stärkste Song und der stärkste Auftritt entscheidend sind.“

Bist Du überrascht von der eindeutigen Aussage Christer Björkmans? Siehst Du im Voting-System von Das deutsche Finale 2026 einen Fehler – oder ist die alleinige Publikumsentscheidung richtig? Und sollte Deutschland künftig weiter auf eine internationale Jurys setzen? Lasst uns Eure Meinung in den Kommentaren da!



Entdecke mehr von ESC kompakt

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

117 Comments
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
-lobo-
-lobo-
1 Stunde zuvor

„Der/die/das hätte viel besser abgeschnitten“, bevor der ESC überhaupt stattgefunden hat, ist aber auch irgendwie ziemlich senil…

Es gibt nur 2 Szenarien:

Sarah schneidet schlecht ab. Alle sagen: Hab ich doch gewusst
Sarah schneidet gut ab. Alles sagen: Hab ich doch gewusst

Also was solls…

Teufelchen
Teufelchen
25 Minuten zuvor

Besser wäre zukünftig 50:50 internationaleJury:Publikum. Ohne ein Superfinale. Und wenn möglich Kandidaten mit ähnlichen Bekanntheitsgrad.

ag9
ag9
16 Minuten zuvor

Hätte, hätte, Feuerlöscheimerkette…

Über das blöde System, wo man auch gleich eine dreißigminütige Sendung mit drei Teilnehmern hätte machen können, wurde bereits alles gesagt.

Ob sich nächstes Jahr daran was ändert, wird vielleicht davon abhängen, wie Sarah Engels abschneidet.
Ich mag sie und ihr Lied nicht, wünsche ihr aber alles Gute.
Und wie stattdessen der erste Beitrag Liechtensteins abgeschnitten hätte, werden wir nie erfahren…

ESCFan2009
ESCFan2009
10 Minuten zuvor

Ich bin „awaiting for approval“ 👀 welches Wort hat den Filter da wohl gestört, ich war doch brav? 😅

rainer1
rainer1
5 Minuten zuvor

Herr björkman soll sich auch zu der finanziellen situation der ebu geäussert haben? Offenbar hat er gesagt das die ebu aufgrund der boykotte nächstes jahr die pro-land kosten erhöhen muss.
Weiss jemand ob das so stimmt?