„Die Entscheidung ist getroffen“ – ESC-Direktor Martin Green äußert sich zu Israels Teilnahme 2027 und gibt Einblicke in die Zukunft

Martin Green – Collage von ESC kompakt – Bilder: EBU; Instagram @ebu_hq

Das letzte Wort zur israelischen Teilnahme am Eurovision Song Contest ist gesprochen. So kann man die Worte von ESC-Direktor Martin Green gegenüber dem Magazin Variety verstehen. KAN, der israelische Sender, wird weiterhin einen Act zum Eurovision Song Contest und damit auch zum Wettbewerb 2027 in Bulgarien schicken.

Momentan ist viel los in der ESC-Welt: Gestern wurde bekannt, dass Kanada beim nächsten Contest starten wird. Damit stellen sich (und anscheinend auch Variety) verschiedene Fragen zu den teilnehmenden Ländern beim Eurovision Song Contest. Sogar die Tagesschau berichtete auf Instagram über den ESC-Neuzugang. Wichtige Zeiten also und damit auch wichtige Fragen und Antworten an und von Martin Green.

Zu Israel sagt Green gegenüber Variety: „Nein. Diese Entscheidung ist getroffen.“ Das sind seine klaren Worte auf die Frage, ob es noch einmal zu einer Abstimmung über die israelische ESC-Teilnahme kommen könnte. Weiter sagt er:

„Die Mitglieder haben sich eindeutig ausgesprochen. Fast 70 Prozent waren der Ansicht, dass öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten nicht für das Handeln ihrer jeweiligen Regierungen verantwortlich gemacht werden können. Deshalb darf der israelische Sender KAN weiterhin am Wettbewerb teilnehmen.“

Dabei bezieht sich das Interview auch auf die Veröffentlichungen der New York Times, nach denen Israel das Voting beeinflusst haben soll. Martin Green räumt diesbezüglich alle Bedenken aus dem Weg: „Unsere Abstimmung ist fair, korrekt und überprüft.“ Damit bleibt Israel beim ESC. Ob es deshalb zu neuen Boykotten kommt? Immerhin blieben Island, Spanien, die Niederlande, Irland und Slowenien dem ESC 2026 in Wien fern – aus ebendiesem Grund. Green weiß von keinen weiteren, geplanten Boykotten, möchte aber auch nicht über mögliche Rückkehrer sprechen:

„Selbst wenn wir das wüssten, würden wir es nicht öffentlich sagen. Das ist die Geschichte der jeweiligen Länder, und ich würde niemals in ihrem Namen sprechen.“

Die absolute Zuschauerzahl des ESC war in diesem Jahr geringer als in den Vorjahren. Hatte das finanzielle Auswirkungen? Und soll Kanada dieses Finanzloch stopfen? Das behaupten übrigens auch viele (pardon my French) „Laien“ in den Tagesschau-Kommentaren. Martin Green entwarnt und schwört auf den stabilen ESC-Mechanismus. Es ist also auch finanziell alles im Lot.

Kanada ist nicht das einzige Land, über das zuletzt vermehrt im Zusammenhang mit einer ESC-Teilnahme gesprochen wurde. Könnten auch Ungarn (immerhin gab es da einen politischen Umschwung) oder sogar die Türkei zurückkehren? Martin Green gibt sich optimistisch und lässt verlauten:

„Im vergangenen Jahr hatten wir 35 Teilnehmerländer, und ich rechne damit, dass es im kommenden Jahr sogar noch mehr sein werden. Wie jeder sehen kann, entsteht daraus eine fantastische Show. Unsere Türen bleiben offen.“

Bleiben die Türen auch für weitere Länder außerhalb des geografischen Europas offen? Immerhin heißt es Eurovision und nicht European (oder sogar European Union). Insofern spielen geografische Grenzen beim ESC keine Rolle. Martin Greens Antwort auf diese Frage ist (bewusst) vage und anscheinend nicht ganz in seine Zuständigkeit zu fallen. Das Thema sind nämlich die USA. Dazu Martin Green:

„Darüber kann ich im Detail nichts sagen, weil ich nicht für den Bereich Mitgliederangelegenheiten zuständig bin. Was ich aber sagen kann: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk befindet sich weltweit in einer schwierigen Lage. Deshalb erkennen immer mehr Rundfunkanstalten den Wert einer Zusammenarbeit und einer gemeinsamen, stärkeren Stimme.“

Eigentlich sagt der ESC-Direktor also ganz viel, während er gleichzeitig gar nichts sagt: Anscheinend haben weitere Länder Interesse, die ESC-Türen stehen offen und weitere Boykotte wurden Martin Green zumindest bislang nicht mitgeteilt. Wobei natürlich die Frage ist, ob der Direktor überhaupt der Gesprächspartner Nummer eins für solche Entscheidungen wäre. Im Herbst wissen wir (und Martin Green) mehr:

„Jedes Jahr im September endet die Anmeldefrist, bis zu der die Länder mitteilen müssen, ob sie teilnehmen möchten. Dafür gibt es ganz unterschiedliche Gründe. […] Erst im Oktober steht endgültig fest, welche Länder im folgenden Jahr tatsächlich dabei sein werden.“

Übrigens fällt insgesamt etwas im Wording des ESC-Direktors auf: Immer wieder verwendet er das Wort „Brand“, also Marke. Dabei ist natürlich auch von Untermarken wie dem Junior ESC oder Eurovision Asia die Rede, aber eben auch davon, dass die Marke Eurovision weltweit zu den bekanntesten überhaupt gehört („auf einer Stufe mit den Olympischen Spielen oder den Oscars“). Spannend. Das klingt strategisch. Wenn Martin Green von „Eurovision als Marke“ spricht, meint er also nicht nur den eigentlichen Liederwettbewerb, sondern das gesamte internationale Produkt und seine Identität, ähnlich wie man von den Olympischen Spielen oder der FIFA als Marken spricht. Das könnte den USA durchaus gefallen.

Wie nimmst Du die Äußerungen von Martin Green wahr? Ist bezüglich Israel wirklich das letzte Wort gesprochen? Was ändert sich vielleicht noch im Teilnehmerfeld für Bulgarien 2027? Lass uns Deine Vermutungen gerne in den Kommentaren wissen!



Entdecke mehr von ESC kompakt

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

13 Comments
Matty
Matty
2 Stunden zuvor

Damit ist alles gesagt! Israel ist ein fester Bestandteil der Eurovisionsfamilie! Mit Kanada gibt es einen Debütanten und mit Nordmazedonien einen Rückkehrer, bei dem es bereits sicher ist.

Zum ESC dürfen auch gerne Slowakei, Ungarn, Niederlande, Slowenien sowie Island zurückkehren. Auf der anderen Seite ist es für Spanien und Irland an der Zeit, eine längere Pause vom ESC zu machen und eine Rückkehr der Türkei ist nach den derzeit gegebenen Umständen utopisch.

Last edited 2 Stunden zuvor by Matty
Sash
Sash
2 Stunden zuvor

🇳🇱 AVROTROS hat NU.nl mitgeteilt, dass es seine Entscheidung über die Teilnahme der Niederlande am ESC 2027 spätestens Anfang September bekannt geben wird.

„Die Teilnahme Kanadas hat daran nichts geändert“.

https://myprivacy.dpgmedia.nl/consent?siteKey=ucf98legs1caotgh&callbackUrl=https%3A%2F%2Fwww.nu.nl%2Fprivacy-gate%2Faccept%3FredirectUri%3D%252Fsongfestival%252F6401658%252Favrotros-beslist-uiterlijk-begin-september-over-deelname-songfestival.html&isLoggedIn=false

Marko +++
Marko +++
1 Stunde zuvor
Reply to  Sash
Geri
Geri
1 Stunde zuvor

Ich glaube nicht, dass Spanien und Slowenien zurückkehren werden.

Timo1986
Timo1986
51 Minuten zuvor
Reply to  Geri

Spanien wird (hoffentlich) nächstes Jahr beim ESC in Bulgarien teilnehmen. 😀

Ich glaube hingegen vielmehr, dass Spanien nicht beim Fußball-WM-Achtelfinale teilnimmt, sondern Österreich. 😀

Viel Glück der ÖFB-Elf nachher ! 😀

Geri
Geri
39 Minuten zuvor
Reply to  Timo1986

Owe realistisch ist es nicht.
Zuerst den amtierenden Weltmeister und jetzt den Europameister!
Meine Hoffnung ist zuerst unentschieden
und dann auf die Stärke unseres Tormanns vertrauen.

Timo1986
Timo1986
32 Minuten zuvor
Reply to  Geri

Ich glaube genauso wie du, dass die ÖFB-Elf über das Elfmeterschießen ins Achtelfinale einzieht. 😀

Aber das ist am Ende doch egal. 😀

Achtelfinale ist Achtelfinale. 😀

Bosch
Bosch
1 Stunde zuvor

Schade, dass es Israel einfach nicht kapiert und sich freiwillig zurückzieht.
Man kann den ESC einfach nicht mehr gespannt genießen, weil man immer Angst hat, sie könnten gewinnen und damit den Wettbewerb zerstören.

ESC1994
ESC1994
38 Minuten zuvor
Reply to  Bosch

Kann man, die Frage ist ob man es will. 🤷🏻‍♂️

ag9
ag9
54 Minuten zuvor

Ich finde es weiterhin falsch, dass Israel teilnimmt. Die Gründe muss ich nicht alle wiederholen.
Und vielen Kritikern meiner Worte zum Trotz: niemand hätte gesagt, dass Sarah Engels die ARD vertreten hat!

ag9
ag9
44 Minuten zuvor
Reply to  ag9

Und sie ist auch nicht mit einer ARD-Flagge angetreten.

Marko +++
Marko +++
50 Minuten zuvor

Wie nimmst Du die Äußerungen von Martin Green wahr?

Guter Verkäufer.

Ist bezüglich Israel wirklich das letzte Wort gesprochen?

So lange das Land sich im Krieg bzw kollektive Psychose befindet, wird diese Diskussion andauern.

Anmey
Anmey
11 Minuten zuvor

Zu dem Thema ist ja schon alles gesagt. Daher ein kleines OT (insbesondere für den Blogchef 😉 ):

Molly Sue ist heute im Rahmen der ARD-Präsentation beim Screenforce Festival aufgetreten – mit Sandmalerin(!)

https://www.dwdl.de/screenforce/107034/das_screenforce_festival_2026_im_dwdlticker/#tickerid-1244