Edis und Ant Nurhan: Zwei türkeistämmige Sänger wollen zum Eurovision Song Contest 2025 nach Basel

Bild: Instagram @edis / @antnurhan

Ein Comeback der Türkei beim Eurovision Song Contest bleibt weiterhin höchst unwahrscheinlich. Seit zwölf Jahren nimmt der zuständige Rundfunk TRT nun nicht mehr am ESC teil und das wird sich unter dem konservativen Präsidenten Erdoğan wohl auch so schnell nicht ändern. Dass viele Türk*innen damit nicht einverstanden sind und weiterhin am Wettbewerb hängen, wird wohl auch 2025 wieder deutlich…

Während Präsident Erdoğan den ESC regelmäßig verspottet und ihn nach Nemos Sieg als „Gefahr für traditionelle Familienwerte“ bezeichnete, gibt es weiterhin zahlreiche türkische Musikschaffende, die eine Rückkehr der Türkei unterstützen. Die bislang einzige türkische ESC-Siegerin Sertab Erener setzte dieses Jahr in Malmö als Pausenact ein Zeichen pro ESC. Zwei türkeistämmige Acts könnten wir 2025 sogar als Teilnehmer auf der Bühne in Basel sehen – allerdings für andere Länder.

Edis

In der türkischsprachigen Medienlandschaft hat Superstar Edis am vergangenen Wochenende für Schlagzeilen gesorgt, als er nach einem Konzert in Baku auf den ESC angesprochen wurde. Zuvor hatte er die Rapperin Alizade, die sich im ESC-Auswahlprozess ihrer Heimat Aserbaidschan befinden soll, auf die Bühne geholt. Schnell wurden Gerüchte laut, Edis würde Alizade im Fall der Fälle in Basel unterstützen. Von der aserbaidschanischen Presse dazu befragt, sagt der Musiker:

„Natürlich würde ich Aserbaidschan gerne beim ESC vertreten, aber natürlich weiß ich auch, dass es im Endeffekt Eure Entscheidung ist. Vielleicht wollt ihr ja lieber, dass ein Aserbaidschaner euer Land vertritt. Aber da die Türkei nicht teilnehmen kann und wir den Wettbewerb so sehr vermissen und weil Aserbaidschan ein sehr besonderes Land für mich ist, würde ich Euch gerne mit einer aserbaidschanischen Person gemeinsam vertreten.“

Zwar ist nicht bekannt, ob Edis tatsächlich einen Song beim zuständigen Sender ictimai eingereicht hat, jedoch lassen das seine Aussagen vermuten. Dass es sich um eine gemeinsame Bewerbung mit Alizade handelt, ist dabei nicht auszuschließen. Nicht nur Edis‘ Konzert in Baku lässt das wahrscheinlich erscheinen, sondern auch der Fakt, dass Alizade wiederum eine starke Verbindung zur Türkei hat. Die Musikerin lebt mittlerweile in Istanbul und ihre meisten Songtexte sind Türkisch.

Instagram-Story von Alizade, backstage beim Baku-Konzert von Edis

Edis gehört in der Türkei zu den populärsten Sängern der letzten Jahre. Er gewann zahlreiche Awards in seiner Heimat, arbeitete schon mit Musikgrößen wie beispielsweise Gülsen zusammen und seine Songs haben bis zu 250 Miillionen YouTube-Aufrufe. Nebenbei ist er auch als Schauspieler tätig. Sollte Edis am aserbaidschanischen Beitrag für den ESC 2025 beteiligt sein, könnte die türkische Diaspora in Europa also für einen großen Erfolg Aserbaidschans in Basel sorgen. Die Bewerbungsphase des Senders ictimai ist bereits vorbei und aktuell werden die Einsendungen bewertet.

Ant Nurhan

Eine Lebensgeschichte wie aus einem ESC-Märchenbuch umgibt Ant Nurhan. Er ist in der Türkei zwar noch kein all zu bekannter Name, dafür aber in Estland. Wie es ihn dorthin verschlagen hat, ist kaum zu glauben: Ant wurde in Istanbul geboren und hatte einen recht konservativen Vater, der genaue Vorstellungen für seinen Sohn hatte – Musiker zu werden gehörte definitiv nicht dazu.

Ant studierte daher auch erst einmal Marketing, da er den Eindruck hatte, seine Familie sonst nicht stolz machen zu können. Seine wahre Leidenschaft war jedoch schon immer die Musik und so kommt es auch, dass er den ESC jedes Jahr verfolgt. 2012 sah Ant Ott Lepland auf der Bühne in Baku. Dieser sang damals für Estland „Kuula“ und Ant war schwer beeindruckt. Sowohl die stimmlichen Fähigkeiten von Ott, als auch die Sprache faszinierten ihn.

Er begann also, online mehr über Estland zu recherchieren. Seine Begeisterung war so groß, dass er zahlreiche Songs von Ott Lepland auswendig lernte – und genau das sollte ihm bei einem der wichtigsten Momente in seinem Lebens auch helfen. Bei einer Austausch-Veranstaltung an seiner Universität lernte er nämlich durch Zufall Linna, eine Studentin aus Estland, kennen.

Um sie zu beeindrucken, sang Ant ihr einen Song von Ott Lepland vor. So kam es, dass die beiden schnell zusammenkamen und Liina schwanger wurde. Die beiden beschlossen, nach Estland zu ziehen und Ant bemerkte direkt, dass er sich noch nie irgendwo so wohlfühlte, wie in seiner neuen Heimat. Heute sagt er: „Ich bin ein Este im Körper eines Türken.“

Durch das neue Lebensgefühl traute er sich endlich, Gesangsstunden zu nehmen und bewarb sich bei Eesti otsib superstaari, der estnischen Version von Deutschland sucht den Superstar. Obwohl er kurz vor den Top Ten aus der Show ausschied, konnte er dank eines Second-Chance-Votings wieder zurückkehren. Er schaffte es später bis ins Finale und konnte die Show tatsächlich gewinnen.

Da er ohne den ESC womöglich nie nach Estland gezogen wäre, träumt Ant schon lange davon, Estland zu repräsentieren. Genau das will er im kommenden Jahr schaffen und hat sich laut eigener Aussage mit Hilfe eines „Gewinner“-Teams für Eesti Laul 2025 angemeldet. Die ausgewählten Acts des estnischen Vorentscheids werden Anfang November verkündet. Vielleicht wird dann auch Ants Name bekanntgegeben.

Was hältst Du von Edis und Ant? Kannst Du Dir einen der beiden türkeistämmigen Musiker beim ESC in Basel vorstellen? Lass es uns gerne in den Kommentaren wissen.



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