Erste Probe beim ESC 2022: Rosa Linn mit „Snap“ für Armenien

Bild @ rosalinnmusic

Bevor Rosa Linn gestern den Weg nach Turin antrat, ließ sie es sich nicht nehmen, bei bestem Wetter eine kleine Kostprobe ihres Beitrags „Snap“ auf den Straßen des schönen Wien zu performen. Die Stimme sitzt perfekt, am Haar und Outfit wird sicher noch gearbeitet werden. Und so stand der sympathisch zurückhaltenden Sängerin der Einreise in Turin nichts im Wege.

Wie wir bereits geschrieben haben, läuft in diesem Jahr einiges anders, als wir das gewohnt sind. Die ersten Proben können auch wir als Presse nicht sehen und sind deshalb auf die Informationen, Bilder und Videos angewiesen, die über die offiziellen Kanäle von eurovision.tv zur Verfügung gestellt werden – und natürlich auf die Meet & Greets, die jeweils zwei Stunden nach Beginn der jeweiligen Probe stattfinden. Entsprechend werden auch unsere Probenblogs keinen abgeschlossenen Artikel sein, sondern ungefähr im Zeitraum dieser zwei Stunden immer weiter wachsen. Die offiziellen Kanäle des ESC haben wir selbstverständlich im Blick und sobald dort Material veröffentlicht wird, stellen wir Euch das auch hier aufbereitet zur Verfügung. Der gestrige Tag hat aber schon gezeigt, dass es besonders bei den TikTok-Videos zu zeitlichen Verzögerungen kommen kann.

Über die erste Probe von Rosa Linn aus Armenien sprechen wir natürlich ausführlich in unserem ESC Kompakt LIVE auf YouTube, das in der ersten Probenwoche täglich um 20 Uhr stattfindet:

Doch zurück zu Rosa Linn, deren interne Nominierung am 11. März von der armenischen Rundfunkanstalt ARMTV bekanntgegeben wurde. Rosa Linn ist eine der Künstlerinnen des Musikprojekts Nvak, das sich selbst auf Instagram als „global talent incubator & record label here to uplift womxn, non-binary, & LGBTQ+ voices“ bezeichnet. Hinter diesem Projekt stehen unter anderem die amerikanisch-armenische Sängerin Tamar Kaprelyan, die Armenien mit der Gruppe Genealogy beim ESC 2015 in Wien vertreten hat, sowie der Produzent Alex Salibian. Diese beiden produzierten und schrieben auch an dem leicht beschwingten, aber lyrisch traurigen Beitrag „Snap“ mit, der von einer charakteristischen Gitarrenbegleitung, Schlagzeug, Tamburin und Klatschgeräuschen geprägt ist. Im Text versucht Rosa Linn sich emotional von einem/einer Ex-Partner*in zu lösen. Andere sagen ihr, dass sei ganz einfach, sie müsse nur mit den Fingern schnipsen, um die Trennung zu überwinden. So schnipst sie, aber es gelingt ihr trotzdem nicht.

Der Auftritt:
Die armenische Delegation hat sich für das Staging auch ordentlich etwas einfallen lassen: Wir kommen hier ein komplett anderes Bühnenbild als bei sämtlichen Auftritten zuvor.

Bild: EBU / NATHAN REINDS

Auf der Bühne wird ein weißes Schlafzimmer mit (Papier-)Wänden gezeigt in denen Möbelstücke mit Haftnotizen stehen. Rosa reißt während ihres Auftrittes Haftnotizen ab, um Botschaften und Texte zu enthüllen, die an die Wände geschrieben wurden.

Bild: EBU / NATHAN REINDS
Bild: EBU / NATHAN REINDS

Auch das Datum des 22. Juni wird dabei aufgedeckt – laut der armenischen Delegation das Datum, an dem Rosa inspiriert wurde ihr Lied „Snap“ zu schreiben.

Bild: EBU / NATHAN REINDS
Bild: EBU / NATHAN REINDS

… unbestätigten Gerüchten zufolge fliegt das Papierschlafzimmer während der Performance von Rosa nicht weg – es wird auch kein Pyro geben… 😉

Während ich aktuell noch in der Schleife zum Meet & Greet mit Rosa hänge – habt ihr noch Fragen, die ich versuchen kann Rosa zu stellen?

Und los gehts. Rosa ist gut drauf und kommt in den riesigen und leeren Pressroom reimgetänzelt. Die erste Frage des Moderators dreht sich dann auch direkt um ihr Staging, über das Sie selbst sehr glücklich ist, da es ihre eigene Geschichte aufgreifen würde. Auf den Post-Its wird es allerdings keine versteckten Botschaften zu finden geben – alles wichtige, was darauf oder darunter zu finden ist, wird während der Performance von der Kamera eingefangen.

Auch wenn der Moderator anschließend große Schwierigkeiten hat meine gestellte Frage vorzulesen, beantwortet Rosa diese ehrlich. Ich fragte, ob Sie uns etwas über das Datum des 22. Juni erzählen mag und in welcher Situation sie ihr Lied „Snap“ geschrieben hat. Tatsächlich hat sich laut ihrer Erzählung mit diesem Datum ihr ganzes Leben schlagartig und wie mit einem Fingerschnipp gewendet. Sie durchlebte eine emotional sehr schwere Zeit, die sie dazu gebracht hat „Snap“ zu schreiben. Mit „Snap“ konnte Sie sich diese Schwere von der Seele schreiben. Nach dieser Erfahrung wurde ihr bewusst, dass Sie besser mit solchen Momenten umgehen kann, wenn Sie sich grundsätzlich selbst liebt und auf sich aufpasst. Diese Message, des auf sich aufpassen und spüren, was im Inneren von uns selbst passiert und los ist, liegt ihr besonders am Herzen. Heute ist sie stolz auf sich – auch wenn sie natürlich nicht jeden Tag glücklich mit sich selbst ist, kann Sie nur jedem wünschen, dass wenn man etwas findet, dass komplett zu einem selbst passt, man das sich dann auch darauf einlässt und man es festhält.

Weiter erzählt Sie, dass Duncan Laurence „Arcade“ und Conchita Wursts „Rise like a Phoenix“ ihr liebsten ESC-Lieder sind. Aus diesem Jahrgang mag Sie besonders Schweden, Italien und Portugal, die Sie auch in ihrer Playlist hat.

Nachdem Sie noch kurz vom Musikprojekt Nvak berichtet und zu verstehen gibt, dass Sie alles versucht um den ESC nach Armenien zu bekommen, dies aber nicht in ihrer Hand liegt, darf sie abschließend natürlich auch noch accapella den Refrain von „Snap“ anstimmen.

@eurovision

A performance that is full of surprises from @Rosa Linn for Armenia 👀 #Eurovision2022 #EurovisionTikTok #Eurovision

♬ original sound – Eurovision

Sehr sympathisch und ungekünstelt, da kann man nur viel Spaß und Glück in Turin wünschen!


30 Kommentare

  1. Puh, mein Fall ist der Song nicht, aber die Armenier verstehen es durchaus, ihre Songs durch die Inszenierung zu „pimpen“.😉

  2. Papier. PAPIER? Und ne weiße Gitarre? Mal sehen … Ich mag den Song ja bei jedem Hören mehr, aber es könnte trotz Papier und Gitarre eng werden …

  3. Ich mag solch „überkreative“ Inszenierungen eigentlich nicht, aber ich glaube, wir werden Armenien im Finale sehen.

  4. Der Vibe, den Rosa mit ihrem Outfit ausstrahlt, gefällt mir sehr und passt super zum Song. Die Papierkonstruktion finde ich (wieder einmal) schwer einzuschätzen.

  5. Staging ist interessant, der Song bleibt leider nicht bei mir hängen. Super, dass Ihr eine Frage stellen konntet, Manu. Ansonsten sind die Meet & Greets ohne Fan-Journalisten leider nicht besonders geglückt.

    • Immer, wenn ich jemanden „Fado“ sagen höre in Bezug auf portugiesische Beiträge, höre ich ganz hinten in meinem Gehirn einen kleinen toggie vor Verzweiflung schreien und weinen. 😀

      • Der kleine Toggie würde auch schreien und weinen, wenn jemand „SloMo“ als Flamenco, „GTWAB“ als Vise oder „Die Together“ als Rebetiko bezeichnen würde. Warum passiert das immer nur bei portugiesischen Beiträgen? 🤔

  6. Da man als einziges Land in Semi 1 einen komplett eigenen Hintergrund hat, wird allein das schon zum Weiterkommen reichen – Michael Schulte lässt grüßen 😉
    Obwohl so ein künstlerisch-modernes Staging ja eigentlich zu dem sehr konventionellen Schlager-Schunkelsong gar nicht so recht passt. Und weißes Outfit vor weißer Wand ist vielleicht eigentlich auch nicht unbedingt die beste Wahl.

  7. Ich dachte zuerst Svala tritt nochmal an. Mit dem Staging hätte sie es vielleicht ins Finale geschafft 😀

  8. Natürlich ein sicherer Qualifikant und ein einstelliges Ergebnis im Finale rückt greifbar nahe.
    Neben Portugal und Griechenland die beste Bühnenshow in Semi 1.
    Satte 12 Punkte an Armenien.

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