ESC-kompakt-Jahresrückblick 2020 (5): In der Sanremo-Blase

Als die Idee aufkam, unsere schönsten ESC-Erinnerungen noch einmal hervorzuheben, und ich mir die Frage stellte, welcher mein persönlicher ESC-Höhepunkt 2020 war, kam mir als erstes das Sanremo-Festival in den Sinn. Mein Highlight in diesem Jahr war es das italienisches Festival zum ersten Mal von Anfang bis zum Ende anschauen zu können. An die italienische Musik und Sanremo habe ich mein Herz schon länger verloren; bisher konnte ich arbeitsbedingt allerdings nur Ausschnitte und das Finale schauen. In diesem Jahr schaffte ich es dank eines netten Kollegen aber endlich mir zum ersten Mal „die volle Dröhnung“ geben und konnte eine Woche lang in die italienische Blase eintauchen.

Was schon anstrengend ist… Irgendwann ist man fast wie in Trance. Aber auf gewisse Weise ist genau das auch der Reiz des Festivals. Man lernt die Beiträge im Laufe der Woche immer tiefer kennen und schließt sie ins Herz.

Da waren Piero Pelù, dessen „Gigante“ ich auch jetzt immer noch oft als Ohrwurm habe. Das rotzige „Niente“ von Rita Pavone. Francesco Gabbani, der mit „Viceversa“ dem breiten Publikum seine emotional-ehrliche Seite zeigen konnten. Das eingängig-fröhliche und gleichzeitig intelligente „Ringo Starr“ der Pinguini Tattici Nucleari. Und nicht zu vergessen Rancores sowohl textlich als auch musikalisch eindringlicher Beitrag „Eden“.

Auch das Endergebnis in diesem Jahr war ganz nach meinem Gusto. Zwei der Teilnehmer, die ich im Superfinale sehen wollte, haben dieses auch erreicht: Francesco Gabbani, von dem ich ganz großer Fan bin, und die Pinguini Tattici Nucleari mit meinem Lieblingsbeitrag in diesem Jahr. Und auch wenn am Ende keiner der zwei gewonnen hat, hat das Festival mit Diodato einen absolut verdienten Sieger gefunden.

Und nicht zuletzt war das Finale des diesjährigen Festivals mein allererster Liveblog für ESC kompakt und ist dadurch mit vielen emotionalen Erinnerungen verknüpft. Von der Aufregung am Anfang bis hin zur Erschöpfung als es nach Stunden in tiefster Nacht vorbei war.

Ich freue mich schon sehr auf die nächste Ausgabe des Festivals. In diesem Jahr sind meiner Meinung nach einige tolle Namen dabei: Måneskin, die sicherlich auch optisch eine interessante Show hinlegen werden, Noemi mit ihrer phantastischen tiefen und Malika Ayane mit ihrer wunderschönen sanften Stimme, Lo Stato Sociale, die hoffentlich wieder so einen Knaller wie „Una vita in vacanza“ eingereicht haben und natürlich Ermal Meta, einer der besten italienischen Künstler im Augenblick meiner Meinung nach.

Meine persönlichen ESC-Highlights 2020

Lieblings-ESC-Song 2020: „On Fire“ von The Roop. Der Beitrag hat etwas Faszinierendes an sich. Er ist mal etwas anderes und doch nicht zu seltsam, genau die richtige Mischung aus Eingängigkeit und Verrücktheit. Außerdem finde ich den Elektrobeat und die Synthline absolut klasse.

Schönste ESC-News 2020: Dass Deutschland in diesem Jahr zum ersten Mal beim Junior Eurovision Song Contest teilgenommen hat. Ich fand es immer sehr schade, dass „wir“ nicht dabei sind und 2020 hat sich das endlich geändert. Ich hoffe sehr, dass sich die Verantwortlichen vom diesjährigen Ergebnis nicht entmutigen lassen und Deutschland weiterhin dabei sein wird.

Größte ESC-Überraschung 2020: Der Sieg von Ana Soklič beim slowenischen Vorentscheid. Diese Show durfte ich auch live bloggen, Ana war vor allem durch ihre phantastische Liveausstrahlung meine Favoriten, ich hätte aber nie mit einem Sieg gerechnet. Und dann gewinnt sie EMA doch!

Größter ESC-Aufreger 2020: Auch der fand bei Sanremo statt: als Morgan anfing seinen Duettpartner Bugo mit einem umgedichteten Text zu beleidigen und dieser von der Bühne stürmte.

Und vielleicht kein Aufreger, aber eine Enttäuschung: wie wenig mich Ben Dolic live überzeugen konnte.

Größte ESC-Vorfreude auf 2021: Am meisten freue ich mich auf die neuen Beiträge der Teilnehmer, die mich 2020 nicht nur mit ihrem Titel, sondern auch als Künstler:innern überzeugt haben. Allen voran natürlich The Roop, die hoffentlich einen ähnlich starken Beitrag wie „On Fire“ beim litauischen Vorentscheid eingereicht haben. Außerdem bin ich gespannt auf die Lieder von Ana Soklič, Go_A, Jeangu Macrooy und Gjon’s Tears – und selbstverständlich wer der neue italienische Act sein wird.

Und natürlich freue ich mich darauf, dass der ESC an sich überhaupt stattfinden wird! In welcher Form auch immer, wir werden 2021 einen ESC erleben.

Bisher erschienene Folgen unseres ESC-kompakt-Jahresrückblicks 2020:


20 Kommentare

  1. Ich wünsche allen Blogger*innen, Leser*innen und Kommentator*innen ein gesundes, schönes und glückliches neues Jahr.

    2020 waren haben mir sehr viele italienische Songs gut gefallen, war längst nicht jedes Jahr so. Musikalisch war es ein gutes Jahr, finde ich.🙂

  2. Für mich ist Diodato schon der verdiente Sieger, aber Anastasio, Rita Pavone und Rancore waren auch klasse.
    Das wirkliche Highlight in 2020 war und ist für mich allerdings der Pausenact von Zucchero, schau ich mir jetzt noch ab und zu an.
    Ansonsten kann ich das San Remo Festival mangels Italienisch-Kenntnissen nur nachträglich in gekürzter Form anschauen, zu viel Gerede und so.

  3. Ich wünsche allen ein frohes und friedliches neues Jahr! Bleibt alle gesund und paßt gut auf Euch auf!

    Sanremo ist eines der jährlichen TV-Highlights der RAI und für die Länge der Shows aber auch gefürchtet. Wenn man diese genießen will, ist Vorschlafen eine gute Option, denn dann übersteht man meistens auch die Sendungen, die sich wie Gummi ziehen und mitunter sechs bis sieben Stunden dauern können (und das für gerade einmal 26 Wettbewerbstitel, da ist Albanien in diesem Jahr zügiger durch die drei Shows galoppiert und da war es ein Beitrag weniger).

  4. Auch von mir alles Gute fürs neue Jahr! 🙂

    Ich stimme zu: Dass Deutschland endlich auch am JESC teilgenommen hat, das war auch für mich einer der schönsten Momente der vergangenen Jahres. Das hat mich so richtig über die Absage des „großen“ ESC hinwegtrösten können!

    Es war auch sehr schön, dank des Lesergames die Beiträge des JESC (wieder) zu entdecken. Viele von denen sind bei mir zu Ohrwürmern geworden und damit eine super Ergänzung zu den Songs vom „großen“ ESC.

    Und ja, auch ich hoffe, dass man sich vom letzten Platz nicht entmutigen lässt und dem JESC die Treue hält. Auch wenn ich das Gefühl habe, dass sich der NDR in nächster Zeit gar nicht dazu äußern wird. Es war schon irgendwie bezeichnend, dass die Berichte auf eurovision.de das deutsche Abschneiden gar nicht in der Überschrift erwähnten, sondern erst im Bericht selbst, und auf Facebook erst gegen Mitternacht etwas geteilt wurde. Und da sprach man auch lieber davon, dass Deutschland „Zwölfter“ wurde – und nicht „Letzter“. Ja, passt vielleicht auch besser zum Junior-ESC: „Alle sind Gewinner, auch wenn es nur einen Sieger geben kann.“

  5. In die San Remo-Blase zu rutschen, gehört für mich definitiv zu den Höhepunkten der Saison, vor allem weil der Aufenthalt in der Blase von den vielen musikalischen Plastikprodukten reinigt, die vor allem skandinavische Vorentscheide prägen.

    Ich wünsche allen hier ein gutes Jahr 2021.

  6. Sehr angenehm fand ich letztes Jahr, dass ich mir 5-6 mögliche Gewinnertitel dank Berenikes Hochrechnung vorm Finale angeschaut habe, so habe ich es wieder vor, Ringo Starr hat mich schließlich gleich überzeugt 🙂

    • Cooles Video.😊

      Der Song gefällt mir besser als „Think about Thinks“. Aber mit der Stimme der Sängerin komme ich nicht wirklich klar.

  7. Ich habe San Remo live letztes Jahr ganz versäumt und erst so richtig im Zuge des SCC wiederentdeckt. Daher noch einmal danke für das Lesergame hier!

    Und natürlich: Rancore – Eden <3<3<3

  8. Auch ich möchte allen hier ein frohes und gesundes neues Jahr wünschen.
    Ich freue mich auf alles was ESC mäßig in diesem Jahr auf uns wartet. San Remo liebe ich,auch wenn ich es noch nie geschafft habe,es komplett zu schauen.
    Laßt uns das neue Jahr also mit Vorfreude beginnen.

  9. Leider wird Italien auch dieses Jahr nicht gewinnen, da man es mal wieder versäumt Top-Star mit Top-Italienisch Giovanni Zarella zu nominieren.
    Frohes neues zusammen!

    • Nun, ich habe ja die große Hoffnung, dass der Herr Zottarella vielleicht für uns 🇩🇪 antritt. Am liebsten in einem Duett zusammen mit Ross Anthony… 🤪

      • Ich muss meinen BestBlogBro hier, äh, erklären: Sein liebster Song aller Zeit ist Verona; da passt dieses Konzept natürlich in sein Beuteraster.

  10. Hallo alle zusammen, hoffentlich lesen das hier noch ein paar 🙂 Danke für die vielen guten Wünsche und auch die lieben Worte über den Blog. Ich wünsche Euch auch allen ein gutes neues Jahr – hoffen wir, dass sowohl im Hinblick auf den ESC als auch auf die Gesamtsituation (vor allem: gesundheitlich) so viel besser wird als im vergangenen Jahr!

  11. Sanremo ist ein Unikat im ganzen VE-Zirkus. Manchmal m.E. überbewertet, vor allem seitdem versucht wird, ein breiteres Publikum anzusprechen und es allen recht zu machen, was natürlich nie gelingt. Trotzdem tue ich mir fast jedes Jahr Sanremo an, weil es auch eine Art Spiegel der italienischen Gesellschaft ist. Skandale und Kontroversen sind gerne erwünscht. Aber allen voran wegen der Canzoni.
    Danke Berenike für deine Eindrücke zu Sanremo und allen Lesern und Bloggern ein frohes neues Jahr!

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