
Der Eurovision Song Contest erlebt einen seiner turbulentesten Wendepunkte der jüngeren Geschichte. Während mehrere Länder – namentlich Slowenien, die Niederlande, Irland und Spanien – aus Protest gegen die erneute Teilnahme Israels ihren Rückzug angekündigt haben, setzen andere ESC-Teilnehmerländer auf Stabilität: Finnland und Portugal bestätigen ihre Teilnahme, Island prüft derzeit, wie es sich positioniert, und Belgien wartet ab.
Der finnische öffentlich-rechtliche Rundfunk Yle bereitet sich auf den Wettbewerb vor, gestützt auf eine Reihe von Regeländerungen, die bei der Generalversammlung der EBU in Genf vorgestellt und mehrheitlich angenommen wurden. Ziel der Reformen ist es, die Unabhängigkeit des Wettbewerbs zu sichern und Manipulationen beim Voting auszuschließen.
Laut Yle erhielten die neuen Regeln breite Unterstützung in Nordeuropa: Yle sowie die schwedischen, norwegischen und dänischen Sender stimmten geschlossen für die Reformvorschläge. Schweden hat seine Teilnahme ebenfalls definitiv bestätigt, stand allerdings auch nie wirklich auf der Kippe.
Yle hatte zuvor interne Bedingungen formuliert, nach denen eine Teilnahme nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich sei. Nach Einschätzung des Senders wurden diese Bedingungen durch die beschlossenen Reformen erfüllt.
Yle-Generaldirektorin Marit af Björkesten, die den Sender bei der Versammlung vertrat, erklärte:
„Wir unterstützen die Entscheidung der EBU, Schwachstellen im Abstimmungssystem anzugehen, sowie andere Maßnahmen zur Weiterentwicklung des ESC. Diese Änderungen sind entscheidend, um die Glaubwürdigkeit und Unabhängigkeit des Wettbewerbs zu gewährleisten.“
Trotz intensiver Diskussionen wurde nicht über die Teilnahmeberechtigung des israelischen Rundfunks KAN abgestimmt. Laut EBU gilt weiterhin: Alle Mitglieder, die die EBU-Kriterien erfüllen und die ESC-Regeln einhalten, bleiben teilnahmeberechtigt.
Af Björkesten betonte außerdem:
„Unter den nordischen Rundfunkanstalten herrscht Einigkeit: Wer die Mitgliedskriterien der EBU erfüllt und deren Regeln befolgt, kann am Eurovision Song Contest teilnehmen. Sollte dies nicht der Fall sein, erwarten wir entsprechende Maßnahmen der EBU.“
Auch die Rundfunkanstalt RTP bestätigte, dass Portugal am Wettbewerb teilnehmen wird. Der Sender hebt hervor, dass die neuen Regeln die Transparenz und Neutralität des Wettbewerbs stärken und so eine vertrauensvolle Teilnahme ermöglichen.
„Mit der Entscheidung der EBU wird die RTP an der Ausgabe 2026 des Eurovision Song Contest teilnehmen“, heißt es in einer offiziellen Mitteilung.
In Belgien reagieren die beiden öffentlich-rechtlichen Sender unterschiedlich: Der französischsprachige RTBF hat die Entscheidung der EBU zur Teilnahme Israels zur Kenntnis genommen und will ihre endgültige Position in den nächsten Tagen bekanntgeben. Der flämische VRT bedauert die Entscheidung, Israel teilnehmen zu lassen, kündigt jedoch an, den ESC 2026 zu übertragen, ohne offiziell eine Teilnahme Belgiens zu bestätigen. Informationen werden folgen.
Die isländische Rundfunkanstalt RÚV diskutiert derzeit intern, ob das Land trotz der Teilnahme Israels am ESC 2026 antreten wird. Letzte Woche beschloss der RÚV-Vorstand, den EBU-Gremien die Empfehlung zu geben, Israel von der Teilnahme auszuschließen, was bislang jedoch nicht umgesetzt wurde. Auch hier werden offizielle Informationen zu einer Entscheidung noch folgen und zwar aller Voraussicht nach am kommenden Mittwoch.
Während Portugal und Finnland sowie auch Deutschland ihre Teilnahme bestätigt haben, begründeten andere Länder ihren Boykott mit ethischen Bedenken, der politischen Situation in Gaza und der Pressefreiheit. Die niederländische AVROTROS, die spanische RTVE, die irische RTE und Slowenien ziehen sich daher aus Protest zurück.
Freust Du Dich über die Teilnahmen aus Finnland und Portugal? Wie schätzt Du das Zögern aus Belgien und Island ein? Lass es uns in den Kommentaren wissen!
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