Frankreich setzt auch 2022 auf die Vorentscheidung „Eurovision France“

Bild: AFP / Joêl Saget

Der diesjährige französische ESC-Beitrag „Voilà“ von Barbara Pravi (Aufmacherfoto) steht aktuell auf Platz 2 in den Wettquoten und hat damit durchaus gute Chancen auf einen Sieg beim Eurovision Song Contest 2021 in Rotterdam. Die französische Delegation und namentlich die Delegationschefin Alexandra Redde-Amiel nehmen allerdings schon jetzt den Wettbewerb im kommenden Jahr in den Blick: Auch dann soll Frankreichs ESC-Beitrag wieder in einer öffentlichen Vorentscheidung gesucht und gefunden werden.

Dabei soll am Format des diesjährigen Vorentscheids „Eurovision France, c’est vous qui décidez!“ im Großen und Ganzen festgehalten werden. Das hat die Head of Delegation in einem Interview verraten. Dabei soll es aber zu kleineren Änderungen kommen, die Alexandra Redde-Amiel bislang noch nicht genauer benennen wollte. Sie verwies nur darauf, dass die Show in dieser Form zum ersten Mal stattgefunden habe und dabei selbstverständlich Dinge aufgefallen wären, die man beim nächsten Mal besser machen könnte.

In diesem Jahr wurde der Siegerbeitrag in einem zweistufigen Verfahren gewählt. Zwölf Acts standen im Finale zur Wahl. Die Zuschauer wählten sieben Beiträge in die zweite Runde, die zehnköpfige Jury konnte einen weiteren Beitrag auswählen. Die acht verbliebenen Beiträge standen dann erneut zur Abstimmung. Das Ergebnis wurde je zur Hälfte von den Zuschauern und einer professionellen Jury bestimmt.

Bevor die nächste ESC-Vorentscheidung ansteht, hat Frankreich nach dem ESC 2021 allerdings zunächst ein anderes eurovisionäres Großereignis zu stemmen: Nachdem Valentina mit dem von Barbara Pravi mitgeschriebenen „J’imagine“ im vergangenen Jahr den Junior Eurovision Song Contest 2020 gewonnen hat, wird Frankreich den Wettbewerb im Spätjahr dieses Jahres ausrichten. Und wer weiß, vielleicht steht ja im Mai 2022 dann gleich der nächste Wettbewerb in Paris auf dem Plan. In drei Wochen wissen wir mehr.


47 Kommentare

  1. Toll, dass Frankreich an seiner Vorentscheidung festhält! Die diesjährige Auswahl hat mir schon gut gefallen, kam für meinen Geschmack aber nicht ganz an Destination Eurovision heran. Vielleicht können sie das Niveau von 2018 und 2019 ja im nächsten Jahr wieder erreichen.

  2. Schön, dass das franz. TV an der öffentlichen nationalen Vorentscheidung festhält.
    Ein Sieg mit dem altbackenden Chanson „Voilà“ von Barbara Pravi ist garantiert nicht zu rechnen. Das wäre ein Rückrückrückschritt für den ESC.

    • Sorry@ Nilsilaus aber war Salvador Sobral auch ein Rückschritt? Mir gefällt Voila auch nicht besonders aber als altbacken und rückschrittlich würde ich es trotzdem nicht bezeichnen. Das ist durchaus zeitlose Musik. Mir fehlt aber bei Barbara Pravi das gewisse etwas was Salvador hatte vllt kommt es aber auch bei mir nicht an wenn es da ist

      • Bitte steinigt mich nicht gleich, aber mir gefällt Frankreich 2021 viel, viel besser als Portugal 2017.

      • Ich stimme euch zu, hätte Luisa den Song selbst gesungen, hätte Portugal wahrscheinlich auch gewonnen, aber mir hätte das Gesamtpaket dann besser gefallen.
        Für mich war aber viel eher Toy ein Rückschritt, ich komm mit diesem Song einfach nicht klar 😀

    • Was ist denn an einem „Rückschritt“ so schlimm, wenn die vorhergehenden Schritte „nach vorne“ nicht selten eine Qualitätsverschlechterung darstellten? 2007 haben damals bestimmt auch einige als „Rückschritt“ im Vergleich zu 2006 gesehen, für mich war’s ein Quantensprung in der Qualitätsskala nach oben. Ich wünsche mir für die nächsten Jahre viele „Rückschritte“ dieser Art 😉

      • Ich habe die jeweiligen Gewinner der Jahrgänge gemeint, nicht die Jahrgänge als Ganzes.

    • Ist doch auch das Schöne am ESC, dass eben nicht alleinig der momentane Musikgeschmack abgebildet wird. Man müsste es sich mal vorstellen, es gäbe 24 Titel, die alle ins „Hitradio“ passen würden.
      Wäre es wirklich altbacken, dann würde es wie in den 50ern klingen, tut es aber nicht, das sollte man schön hören. Ob die emotionale Wucht wie bei Salvador vorhanden ist, wird man sehen.
      Sehe auch nicht, dass der ESC ein Rückschritt machen kann, er ist grundsätzlich musikalisch mehr in der Vergangenheit, das liegt aber auch daran, dass man sich irgendwann vom altuellen Popgeschehen abkoppelt und die nächsten Moden die Jugend alleine machen lässt.

      • Da versuche ich momentan einen Mittelweg zu finden: für die diversity sind mir alle Genres willkommen, aber als Siegertitel hätte ich auch gerne etwas, das „2021“ reflektiert und ein (internationaler Radio-) Hit werden kann. „Voila“ kann stattfinden, müsste in Relation zu „2021“ aber dann 21-26 machen 🙈

      • Ich bin ja fest davon überzeugt, dass der ESC nur so lange überlebt hat, weil er sich eben nicht den jeweiligen Chart- und Radiomoden anpasst. Wäre der ESC nicht in seiner ganz speziellen Nische geblieben, könnten die Leute ja auch einfach das Radio einschalten. Und ein schöner Kollateraleffekt ist, dass die wenigen tatsächlich zeitgenössischen Titel wie „Rhythm Inside“ oder „City Lights“ im Kontext des ESC umso mehr glänzen. 🙂

      • Hätte der ESC sich nicht Ende der Neunziger aus seiner Nische herausgewagt, würde es ihn heute wahrscheinlich nicht mehr geben^^

      • Wann bitte hat denn der ESC sich aus der Nische gewagt??? Er hat die Nische nur verändert. Bitte erzähle mir nicht, dass die Beiträge nach den 90ern irgendetwas mit dem musikalischen Geschehen in der normalen Welt zu tun hatten. 🙂

      • Abschaffung des Orchesters, Einführung von Televoting, Abschaffung der Sprachenregel. Das hat den Wettbewerb deutlich geöffnet und das meine ich mit aus der Nische wagen. Daneben ist die Quote zeitgemäßer Musik von nahezu null aus deutlich angestiegen.

      • Auf was? 0,025? Was war den in 00ern zeitgemäß? Russland hat einige Male Anlauf genommen, aber sonst fällt mir da nicht viel ein. Ich denke, dass der sogenannte große Umbruch Ende der 1990er vornehmlich Legende, Mythos und vor allem ideologisch gefärbte Marketingstrategie ist: neu = gut. Was für ein großer Unsinn. Unser sogenannter Fortschritt (*keuch*) macht ja gerade den Planeten kaputt; da kann man sehr schön sehen, wie gut (*vorwutzitter*) das funtioniert.
        Ohne Industrialisierung wäre die Erde noch intakt, und ohne Abschaffung des Orchesters wäre die musikalische Qualität beim ESC besser. So einfach geht die Gleichung für mich. 😉 🙂

      • Ich habe ja die Stille Hoffnung, dass ich den ESC als Forschungsthema in meinem Studium unterbringen kann, um das ganze mal wissenschaftlich zu beleuchten. Ich bin ja normalerweise gegen die Neu ist immer besser formel (was man an meinem Musikgeschmack sieht), aber die Veränderung des Wettbewerbs ist unübersehbar. Wie man die bewertet, ist jedem selbst überlassen und deinem Statement zum Orchester widerspreche ich deutlich und führe als Beispiel den dänischen Song an.

      • Ich finde ja auch nicht, dass das Orchester Pflicht sein sollte. Zu manchen Beiträgen wie ‚Grab the Moment‘ würde das Orchester gar nicht passen, aber andere würde es in eine andere Sphäre beamen. Vergleich nur mal ESP95 Studio und live.
        Als ich noch an der Uni unterrichtet habe, habe ich mal einen kulturwissenschaftlichen Kurs zum ESC angeboten, zusammen mit einer befreundeten Musikwissenschaftlerin. Das Ganze lief unter dem Titel „Performing and Subverting National Identities“. Das hat viel Spaß gemacht.

      • @Toggie:
        „…könnten die Leute auch einfach das Radio einschalten“. Aber da kann ich die Musik ja „nur“ hören. Beim ESC habe ich ein Live-Event mit Performances und Show. Und zumindest für mich macht es das schon aus, aber ich weiß, dass wir da unterschiedlich sind 😀 Als Veranstaltung zum bloßen Hören von Audio sehe ich den ESC nicht ^^

      • @EscFan2009: Barbara Pravis Auftritt war für mich ganz große Show, durch die hat ihr Chanson bei mir unheimlich gewonnen; in der Studioversion, die ich schon vorher kannte, war ich gar kein so großer Fan von „Voilà“, da hatte mir „Pour que tu m’aimes“ viel besser gefallen.

      • Sorry, ich meinte: „Pourvu qu’on m’aime“ (Juliette Moraine)

      • @ ESCFan2009, ich schließe während der Beiträge meist die Augen, damit ich mich besser auf Musik und Stimme konzentrieren kann, und schaue mir die Auftritte erst danach an. Ist also für mich fast wie Radio hören. 🙂

      • Bei togravus stimmt der Rueckblick (und die Momentaufnahme). Bei eccehomo stimmt die Tendenz. Ich finde, ihr habt beide recht.

      • eccehomo42:
        Zum Thema wissenschaftliche Betrachtung der Musik beim ESC gibt es auf academia.edu nen ganzen Haufen an Papers.

      • @togravus @eccehomo

        Beim Festival di Sanremo hat das Orchester bekanntlich keinen Einfluss auf die musikalische Richtung. Es kann genauso gut Maneskin wie Gabbani wie Mahmood wie Meta begleiten.
        in diesem Sinne, ist das Orchester einfach eine (tolle!) Bereicherung.

      • @ItaloJeck:
        Beim Orchester bist Du aber abhängig vom Orchester das am jeweiligen Austragungsort zur Verfügung steht. Da gab es in den Zeiten beim ESC mit Orchester teilweise recht starke Schwankungen, sodass einige Künstler sich damals recht stark über das jeweilige Orchester aufgeregt haben.

  3. Einer der beiden Damen, die das JESC-ESC-Double erzielen können neben Destiny. Man darf gespannt sein. 🙂

  4. Hach, wie wäre ein deutscher Vorentscheid à la MGP (Norwegen) oder Melodifestivalen (Schweden) schön – aber leider ist das der ARD zu teuer, die Deutschen sind dafür nicht bereit (Meckergesellschaft) und unsere Künstler haben Angst das Gesicht zu verlieren, falls sie nicht dort gut abschneiden. Somit wird das ein Traum für mich bleiben.

    • ein Traum

      Ich weiss es nicht…. Das ist doch die einzige Möglkichkeit, aus der Sackgasse herauszukommen. Wie lange noch will die deutsche Musikindustrie diesen Markt ignorieren…? Sooo klein und unbedeutend ist dieser Markt nicht. Unser Mahmood könnte ein Lied davon singen (im wahrsten Sinne des Wortes 🙂

  5. Soll heißen …..ich habe genug von dieser „Geheimniskrämerei des NDR“ mit den beiden Juries ….wo dann ein Jendrik dabei als „Heilsbringer“ herauskommt. Sorry Jendrik – nichts gegen Dich aber ich komme immer noch nicht mit Deinem Liedchen klar.

  6. Es gibt wieder neue Ergebnisse aus dem Wettbewerb „The Euro Jury“ und da haben heute Island sowie Aserbaidschan ihre Top Ten bekanntgegeben:

    https://eurovoix.com/2021/05/04/the-euro-jury-2021-iceland-azerbaijan/

    Bei Island schaffte es Deutschland in die Top Ten, aber in Aserbaidschan nicht. Danach veröffentlichten Österreich, Luxemburg und ESC-Ausrichter Niederlande ihre Top Ten:

    https://eurovoix.com/2021/05/04/the-euro-jury-2021-austria-netherlands-luxembourg/

    Deutschland schaffte es aber nur in Österreich, in den beiden anderen aber nicht. Zu guter Letzt gib es noch Ergebnisse aus Armenien und Slowenien zur INFE-Umfrage:

    https://eurovoix.com/2021/05/04/infe-poll-2021-armenia-slovenia/

    Bei beiden Ländern blieb Deutschland punktlos.

  7. Musikalisch fand ich die letzten französischen VEs immer sehr überzeugend, weswegen ich 2020 von der Absage dieser etwas enttäuscht war. Von daher kann ich die Entscheidung nur begrüßen.

  8. @ ItaloJeck,

    ach, wäre der ESC aus musikalischer Sicht nur ein bisschen mehr wie San Remo … dann wäre ich im Paradies. Auf das ganze SR-Rahemngedöns kann ich allerdings gut verzichten.

    Und außerdem habe ich noch nie verstanden, was an Livemusik altmodisch sein soll …

  9. Also ich habe mir mal den Song vom JESC angesehen. Das ist ein Song den ich bei einem Juniorwettbewerb erwarte. Und nicht wie der Deutsche Song damals, das war einfach nur ein 08/15-Song. Das konnte nur schief gehen.

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