ESC-Songcheck kompakt (35) – Frankreich: „Voilà“ von Barbara Pravi

Frankreich entschied sich nach der internen Auswahl von Tom Leeb im vergangenen Jahr dafür, wieder einen nationalen Vorentscheid auszutragen, nachdem zuvor zwei Jahre auf den Vorentscheid „Destination Eurovision“ gesetzt wurde. Das neue Format bekam den schönen Titel „Eurovision France, c’est vous qui décidez!“ und bestand aus nur einer Sendung.

Der Siegerbeitrag wurde in einem zweistufigen Verfahren gewählt. Zwölf Acts standen im Finale zur Wahl. Die Zuschauer wählten sieben Beiträge in die zweite Runde, die zehnköpfige Jury konnte einen weiteren Beitrag auswählen. Die acht verbliebenen Beiträge standen dann erneut zur Abstimmung. Das Ergebnis wurde je zur Hälfte von den Zuschauern und der professionellen Jury bestimmt. Am Ende gewann Barbara Pravi sowohl das Jury- als auch das Televoting.

Barbara Pravi ist eine französische Singer-Songwriterin mit serbischen und iranischen Wurzeln. Die 27-Jährige ist keine Unbekannte beim Eurovision Song Contest oder genauer gesagt beim Junior Eurovision Song Contest. Sie war Co-Autorin der beiden jüngsten französischen Beiträge für Junior Eurovision, „Bim Bam Toi“, das von Carla aufgeführt wurde, und von „J’imagine“, aufgeführt von Valentina, die den Wettbewerb im November 2020 gewann. Barbara hat auch für berühmte französische Sänger wie Yannick Noah und Chimène Badi geschrieben.

Der Song

Geschrieben wurde „Voilà“ von Barbara Pravi selbst zusammen mit Igitt, der mit seinem Song „Lisboa Jerusalem“ 2018 am französischen Vorentscheid „Destination Eurovision“ teilnahm. In „Voilà“ singt Barbara Pravi darüber, dass alles, was sie als Künstlerin besitzt, ihr Körper, ihre Stimme und ihr innerer Lebensgeist ist. Sie möchte nach teilweise schwierigen Zeiten und ihrem Leben gesehen und gehört werden und diese Botschaft in die Welt hinaus tragen. Musikalisch gehört das Lied zum Genre Chanson Française, so das Assoziationen zu Jacques Brel und Piaf auf der Hand liegen.

Der Check

Song: 3/5 Punkte
Stimme: 5/5 Punkte
Instant-Appeal: 4/5 Punkte
Optik: 3/5 Punkte

Benny: Zeitlos, klassisch, schön. Durch die Inszenierung im Vorentscheid hat der Song nochmal stark gewonnen und ich bin gespannt, ob die französische Delegation das ähnlich und ohne Eiffelturm in Rotterdam auf die Bühne bringt. Ich sehe den Song trotzdem nicht ganz oben auf der Punktetafel, aber lassen wir uns überraschen. 10 Punkte.

Berenike: Frankreich schickt in diesem Jahr ein ganz klassisches französisches Chanson. „Klassisch“ bedeutet in diesem Fall für mich „hochwertig“, nicht „altbacken ausgelutscht“. Die Melodie fließt wunderbar, das Klavier-Streicher-Arrangement ist eindringlich und das Lied zeichnet sich durch eine gelungene dramatisch-dunkle Steigerung aus. Barbara hat eine unheimliche Intensität in der Stimme und ich habe beim Anhören das Gefühl, dass sie etwas Wichtiges erzählt. 10 Punkte.

Douze Points: Ja, ich trinke Pepsi-Cola, wenn sie im Angebot ist, und Vita-Cola, wenn ich im Osten bin. Wenn’s aber zum Schwur kommt, gibt’s nur Coca-Cola. Und so läuft jetzt Édith Piaf, während ich das schreibe – und nicht Barbara Pravi. Ja, die diesjährige ESC-Vertreterin Frankreichs hat eine tolle Stimme und großartige Ausstrahlung. Der Titel selbst ist für mich oberes Mittelfeld – nur halt schon 1.000 Mal gehört. Die Inszenierung bei der Vorentscheidung hat für mich besser funktioniert als das Video. 5 Punkte.

Florian: Auf den ersten Blick mag „Voilà“ an die Zeit des ESC erinnern, als dieser noch Grand Prix Eurovision de la Chanson hieß. Und ja, „Voilà“ könnte durchaus als Chanson durchgehen. Doch es ist Barbara Pravi, die – mit ihrer Stimme, der Ausdruckskraft und dem Songtext, den sie aus tiefster Seele herausträgt – „Voilà“ zu einem besonderen Erlebnis macht. Genau das ist es doch, was eine Musikerin ausmacht und Barbara Pravi hat es absolut verdient, nun als Songkomponisten und gleichzeitig Sängerin im Rampenlicht zu stehen und 200 Millionen Menschen zu erreichen. 10 Punkte.

Manu: Hier kann man es im Grunde kurz machen: „Voilà“ bringt musikalisch zwar nichts, was man nicht schon aus Frankreich gehört hat, macht das aber perfekt. Auch wenn sie vor dem Vorentscheid schon die Favoritin war, hat sie sich durch ihren Liveauftritt schlussendlich zurecht klar durchgesetzt. Auch wenn ich viele andere Lieder der diesjährigen französischen Auswahl selbst öfter höre – Barbara wird in Rotterdam einen tollen Auftritt hinlegen und einen Moment kreieren. „Voilà“ ist ein Lied, das die Jurys nicht übergehen können, gut inszeniert kommen auch noch etliche Zuschauerpunkte hinzu. Auch von mir gibt’s dafür gute 7 Punkte.

Max:  Und voilà – mit Frankreich ist wieder zu rechnen. Das Lied ist unglaublich atmosphärisch, dramatisch, geht unter die Haut und ist vom Klang her so französisch wie ein frischaufgebackenes Croissant unterm Eiffelturm. Barbara Pravi ist eine sehr talentierte Künstlerin, die ihr Lied perfekt in Szene setzen kann und wird. Gerade das Outro von „Voilà“ ist sehr gelungen, im französischen Vorentscheid wurde das perfekt umgesetzt. Vielleicht ist der Song aber auch ein Fan-Favorit wie es die französischen Beiträge so oft sind. Es bleibt abzuwarten: 10 Punkte.

Peter: Ein bissel weniger Edith Piaf und ein bissel mehr Biarritz-Retro-Strandparty (Les Images, Gold, Mylene Farmer, Corynne Charby, Debut de Soiree, Jean-Jacques Goldman etc.) hätte es für mich auch getan. Ich bin überzeugt davon, dass Frankreich gut abschneiden wird (eine gute Inszenierung ist für mich garantiert), aber mir ist die Aneinanderreihung von Klischees zu überfrachtet und das soll was heißen, denn ich liebe Gefühle bis zum Anschlag. Die Ausstrahlung von Barbara und die Leistungsbreite ihrer Stimme sind die größten Assets und ich bin sehr gespannt, ob Frankreich bester Big-Five-Beitrag sein wird. 7 Punkte.

Gesamtpunktzahl: 59/84 Punkten

Beim ESC-kompakt-Index landet „Voilà“ auf Platz 6 von 39.

Wie schneidet der französische Beitrag "Voilà" von Barbara Pravi ab?

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis

(1) Australien: „Technicolour“ von Montaigne
(2) Irland: „Maps“ von Lesley Roy
(3) Litauen: „Discoteque“ von THE ROOP
(4) Nordmazedonien: „Here I Stand“ von Vasil
(5) Russland: „Russian Woman“ von Manizha
(6) Schweden: „Voices“ von Tusse
(7) Slowenien: „Amen“ von Ana Soklič

Zweite Hälfte des ersten Semis

(8) Aserbaidschan: „Mata Hari“ von Efendi
(9) Belgien: „The Wrong Place“ von Hooverphonic
(10) Israel: „Set Me Free“ von Eden Alene
(11) Kroatien: „Tick-Tock“ von Albina
(12) Malta: „Je Me Casse“ von Destiny
(13) Norwegen: „Fallen Angel“ von TIX
(14) Rumänien: „Amnesia“ von Roxen
(15) Ukraine: „SHUM“ von Go_A
(16) Zypern: „El Diablo“ von Elena Tsagrinou

Zwischenstand nach dem ersten Halbfinale

Erste Hälfte des zweiten Semis

(17) Estland: „The Lucky One“ von Uku Suviste
(18) Griechenland: „Last Dance“ von Stefania
(19) Island: „10 Years“ von Daði og Gagnamagnið
(20) Moldau: „Sugar“ von Natalia Gordienko
(21) Österreich: „Amen“ von Vincent Bueno
(22) Polen: „The Ride“ von RAFAŁ
(23) San Marino: „Adrenalina“ von Senhit
(24) Serbien: „Loco Loco“ von Hurricane
(25) Tschechien: „Omaga“ von Benny Cristo

Zweite Hälfte des zweiten Semis

(26) Albanien: „Karma“ von Anxhela Peristeri
(27) Bulgarien: „growing up is getting old“ von VICTORIA
(28) Dänemark: „Øve os på hinanden“ von Fyr & Flamme
(29) Finnland: „Dark Side“ von Blind Channel
(30) Georgien: „You“ von Tornike Kipiani
(31) Lettland: „The Moon Is Rising“ von Samanta Tīna
(32) Portugal: „Love Is On My Side“ von The Black Mamba
(33) Schweiz: „Tout l’univers“ von Gjon’s Tears

Zwischenstand nach dem zweiten Halbfinale

Finale

(34) Deutschland: Jendrik – I Don’t Feel Hate


154 Kommentare

  1. Hilfe!!! Ich ertrinke hier in Bell Notifications von sehr geschätzten Nicht-WPlern, die aufeinander antworten und dafür Antwortknöpfe unter meinen Kommentaren nützen. Das leuchtet dann jedes Mal bei mir auf, auch wenn ich gar nicht gemeint bin.
    Wenn da so weitergeht, bin ich in einer Woche in der Klapse. Andererseits entgeht mir so überhaupt nichts. LOL

    • *ding ding* 😀
      Ja, ich finde es soo furchtbar, dass man nur zwei Mal auf etwas antworten kann und dann quasi immer unter der gleichen Antwort antwortet. Immerhin ist es schön, dass man mittlerweile auf einen Kommentar antworten kann, das war ja früher nicht so.

      • Ich bin erst mal damit beschäftigt, einen Reiseblog aufzusetzen (Kastilien, Andalusien, Extremadura, Pyrenäen, Portugal, Aragón, Katalonien, Südfrankreich, Loire, Kroatien, Montenegro, BiH, Nordmazedonien, Albanien, Griechische Inseln, Belgien). Ich bin seit 2006 (bis auf 2020 und 2021) immer mindestens 5 Monate im Jahr gereist und habe jeden Abend ausgiebig geschrieben. Letztes und dieses Jahr wären Bulgarien, Rumänien, Moldawien und Serbien dran gewesen. 🙁

      • Ein Vorteil, keinen WP-Account zu haben ist z.B., dass man nicht in Bell Notifications ertrinkt 🙂
        Außerdem entgeht einem durch dieses Selbst-Suchen-Müssen vielleicht weniger.

        Andererseits kriege ich es ohne WP-Account in der Regel nicht mehr mit, wenn jemand ein paar Tage später auf einen Kommentar von mir anwortet.

      • @togravus ceterum

        oh, das klingt wirklich interessant.🙂

        Irgendwann wird man auch wieder unbeschwert reisen können. Hoffen wir mal, dass wir alle einigermaßen unbeschadet durch die dritte Welle kommen.

      • Noch eine kurze Anmerkung zu meinem obigen Kommentar, da er etwas empathielos klingt,
        War nicht so gemeint, sorry. Sollte eher als Aufmunterung gelten. Tut mir leid, wenn es anders rüber kommt. In diesem Sinne: Bleibt (oder werdet) schön gesund.🙂

  2. Da bin ich da bei Litauen oder Finnland, als Kompromiß ginge auch San Marino. Malta möchte ich nicht als Sieger. Ich finde „Je me casse“ leider ziemlich nervig.

  3. Ja Frankreich versprüht dieses Jahr wirklich einen besonderen Charme – Der mich leider nicht wirklich erreicht.
    Barbara hat zweifellos Talent und eine großartige Stimme, aber der Song ist mir zu anstrengend und zu altbacken. Aber viele „ältere“ Fans, die noch die französischen Chansons beim ESC miterlebt haben, fühlen sich sicherlich abgeholt.

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