ESC-Songcheck kompakt (19) – Island: „10 Years“ von Daði og Gagnamagnið

Bild: Mummi Lú

Lange war nicht klar, ob die Vorjahresteilnehmer Daði Freyr & Gagnamagnið für den ESC 2021 wieder gesetzt sein würden. Bedingung für Daði war es, vom isländischen Rundfunk RÚV direktnominiert zu werden. Am 23. Oktober letzten Jahres dann die gute Nachricht für alle Daði-Fans – er und seine Band wurde für Rotterdam 2021 bestätigt.

Im vergangenen Jahr musste sich die Kombo noch im isländischen Vorentscheid „Söngvakeppnin“ beweisen, in dessen Verlauf sich ihr Beitrag „Think About Things“ schnell zum viralen Hit entwickelte, so dass Daði und Gagnamagnið das Finale problemlos für sich entscheiden konnten. Das Song konnte auch den letztjährigen ESC-Songcheck kompakt eindeutig für sich entscheiden.

Daði Freyr Pétursson ist 1992 in Rykjavik geboren und zunächst in Dänemark und dann wieder in Island aufgewachsen. Seit 2014 lebt er in Berlin, wo er ein Musikproduktions-Studium absolviert hat. Sein erstes Indie-Electro-Album hat er 2012 veröffentlicht. 2017 hat Daði erstmals an der isländischen Vorentscheidung teilgenommen und belegte im Söngvakeppnin-Finale mit seinem selbstkomponierten Electro-Hit „Is This Love?“ den 2. Platz. Drei Jahre später konnte er den Wettbewerb gemeinsam mit seiner Band Gagnamagnið dann also endlich gewinnen und kann nach der ESC-Absage im vergangenen Jahr jetzt doch noch zum Eurovision Song Contest fahren.

Der Song

Der diesjährige Beitrag heißt „10 Years“ und wurde von Daði Freyr selbst geschrieben und produziert. Er bleibt sich im Vergleich zum letzten Jahr nicht nur weitestgehend musikalisch treu, sondern auch textlich. Während „Think About Things“ von seiner kleinen Tochter Áróra handelte, ist „10 Years“ seiner Ehefrau Árný gewidmet, die auch Teil von Gagnamagnið ist.

Im Vergleich zum Vorjharesbeitrag ist „10 Years“ etwas weniger zugänglich, kann aber dafür mit ein paar guten musikalischen Ideen Punkten. So beginnt das Lied zunächst mit einem Streicher-Intro, bevor es überhaupt richtig losgeht. Außerdem ist eine Besonderheit, dass die Stimmen vieler ESC-Fans im Backgroundchor zu hören sind. Auch das offizielle Video ist wieder ziemlich witzig gemacht, konnte bislang aber noch nicht an den durchschlagenden Erfolg von „Think About Things“ anknüpfen.

Der Check

Song: 4/5 Punkte
Stimme: 3,5/5 Punkte
Instant-Appeal: 5/5 Punkte
Optik: 5/5 Punkte

Benny: Keeps getting better – zumindest geht es mir so. Wenn man sich mal von dem Vorjahresvergleich frei macht, ist „10 Years“ mindestens fast in derselben Liga wie „Think About Things“. Und die minimale Differenz können Daði & Co. in Rotterdam locker mit einer guten Performance wettmachen. Den 08/15-Zuschauer wird der Vorjahresvergleich sowieso nicht interessieren. Von mit gibt es ohrwurmige 10 Punkte.

Berenike: Ich mag den einfachen, aber ehrlich-warmen Text von „10 Years“ sehr. Das Arrangement spricht mich jedoch nicht so an, den Daði-typischen Discostil empfinde ich hier eher als nervig. Es fehlt musikalisch die Coolness und Kreativität von „Think About Things“, die diesen Synergieeffekt mit dem Discostyle entwickelt hat und den letztjährigen Beitrag dadurch so herausragend machte. Der Videoclip hingegen glänzt mit der von mir musikalisch etwas vermissten nerdig-coolen Kreativität, ich vergebe deshalb einen Extrapunkt für den Clip, somit erhält der isländische Beitrag 7 Punkte von mir.

Douze Points: Daði hat scheinbar stärker den Druck des Vorjahreserfolgs gespürt als andere Wiederholungstäter, als es darum ging, einen ähnlich starken Track für dieses Jahr zu schreiben. „10 Years“ ist musikalisch eigenständig, aber auch nicht so mitreißend und originell wie „Think About Things“. Das mag auch so wirken, weil er und seine Truppe im Video mehr oder weniger dieselben Outfits tragen wie im Vorjahr. Gute 7 Punkte.

Florian: Die Erwartungen an den isländischen Beitrag stiegen nach dem Hype ins Unermessliche und so war es wenig verwunderlich, dass beim ersten Hören für viele Enttäuschung überwog. Auch wenn „10 Years“ nicht so schnell ins Ohr geht wie „Think About Things“ muss an dieser Stelle die Originalität des Songs hervorgehoben werden. Daði versucht eben gerade nicht, den Song aus dem Vorjahr zu kopieren und hat sich auch textlich eine neue Geschichte einfallen lassen. Der Song verbreitet erneut gute Laune und wird aus dem Teilnehmerfeld herausstechen können – mal sehen, wohin die Reise für Island damit gehen wird. 8 Punkte.

Manu: Ich war recht überrascht, dass Daðis „Think About Things“ im letzten Jahr bei so vielen ESC-Fans gut ankam. Interessanterweise schien es so, als hätten viele erst ihre Liebe zu ihm entdeckt, nachdem das Video gerade außerhalb der Bubble viral ging. Dieses Jahr scheint vieles anders, „10 Years“ löste bisher keinen neuen Hype aus. Mich überzeugen aber Lied wie auch das Musikvideo, ich stelle es gut gelaunt lauter wenn ich es höre: „everything about it – I like!“. Ich kann hier nur 12 Punkte geben.

Max:  Ich bin bekanntlich ja ein Daði-Fan, falls ihr das im ESC kompakt LIVE nicht mitbekommen habt… Island war tatsächlich auch meine Nummer eins im vergangenen Jahr. Leider finde ich „10 Years“ lange nicht so catchy wie „Think about things“. Gerade der Refrain will bei mir einfach nicht hängen bleiben. Der Tanz ist auch nicht so iconic wie im vergangenen Jahr. Vielleicht waren meine Erwartungen einfach zu hoch – sie wurden auf jeden Fall nicht erfüllt. Finale ist auf alle Fälle drin, vielleicht auch eine gute Platzierung. Der Sieger ist es nicht. 6 Punkte von mir.

Peter: Bei größter Sympathie und Hochachtung für „Think About Things“ (in der Originalversion) und auch für die lässig-kreative Eigenwilligkeit von Daði, ist „10 Years“ leider nur eine Hausmannskost-Adaption des originellen und mitreißenden Vorjahresfavoriten. Sehr ok, aber eben nicht so spektakulär und catchy wie erhofft. Daði zitiert sich selbst und lässt seine allerbesten Ideen weg. Dennoch 8 Punkte für das Gesamtpaket.

Gesamtpunktzahl: 58/84 Punkten

Beim ESC-kompakt-Index landet „10 Years“ auf Platz 17 von 39.

Wie schneidet der isländische Beitrag "10 Years" von Daði Freyr ab?

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis

(1) Australien: „Technicolour“ von Montaigne
(2) Irland: „Maps“ von Lesley Roy
(3) Litauen: „Discoteque“ von THE ROOP
(4) Nordmazedonien: „Here I Stand“ von Vasil
(5) Russland: „Russian Woman“ von Manizha
(6) Schweden: „Voices“ von Tusse
(7) Slowenien: „Amen“ von Ana Soklič

Zweite Hälfte des ersten Semis

(8) Aserbaidschan: „Mata Hari“ von Efendi
(9) Belgien: „The Wrong Place“ von Hooverphonic
(10) Israel: „Set Me Free“ von Eden Alene
(11) Kroatien: „Tick-Tock“ von Albina
(12) Malta: „Je Me Casse“ von Destiny
(13) Norwegen: „Fallen Angel“ von TIX
(14) Rumänien: „Amnesia“ von Roxen
(15) Ukraine: „SHUM“ von Go_A
(16) Zypern: „El Diablo“ von Elena Tsagrinou

Zwischenstand nach dem ersten Halbfinale

Erste Hälfte des zweiten Semis

(17) Estland: „The Lucky One“ von Uku Suviste
(18) Griechenland: „Last Dance“ von Stefania


72 Kommentare

  1. Song: fängt gut an … bleibt sogar ein wenig hängen
    Stimme: mit einem Lach in den Stimmbändern
    Instant-Appeal: könnte noch attraktiver sein. Oder hat er bei ‚Zeeman‘ einen Großeinkauf erledigt?
    Optik: Mindestens zwei Meter.

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