ESC-Songcheck kompakt (3) – Litauen: „Discoteque“ von THE ROOP

Spätestens mit der Veröffentlichung von „Discoteque“ war es ein Sieg mit Ansage: THE ROOP holten sich beim Finale von „Pabandom iš naujo!“, dem litauischen Vorentscheid für den ESC, mit den Höchstwertungen von Jury und Publikum (hier sogar 86,5% aller abgegebenen Stimmen) das Ticket für Rotterdam. Nach der ESC-Absage 2020 waren sie vom Fernsehsender LRT automatisch für das Finale der Vorentscheidung gesetzt. Dafür hatten sich zuvor fünf weitere Beiträge in zwei Vorrunden und einem Halbfinale ebenfalls qualifiziert. Diese hatten aber gegen THE ROOP keine Chance.

Die Band THE ROOP gibt es seit 2014, Frontsänger ist der charismatische Vaidotas Valiukevicius. 2018 versuchten die drei Männer schon einmal, für Litauen zum ESC zu fahren, konnten sich in der Vorentscheidung aber nicht durchsetzen. 2020 gewannen sie das neu aufgelegte „Pabandom iš naujo!“ mit „On Fire“. Mit dem Song galten sie als Mitfavoriten auf den Sieg in Rotterdam und holten sich beim deutschen Finale in der Elbphilharmonie den Sieg.

THE ROOP haben bislang zwei Alben und eine EP veröffentlicht und sind außerdem schon in halb Europa und den USA aufgetreten. Mit großen Bühnen kennen sich die drei Herren also durchaus aus. Nun nehmen sie zum zweiten Mal Kurs auf Rotterdam.

Der Song

Geschrieben wurde „Discoteque“ von Ilkka Wirtanen, Kalle Lindroth, Laisvunas Cernovas sowie den drei Bandmitgliedern von THE ROOP: Mantas Banisauskas, Robertas Barnauskas und Vaidotas Valiukevicius. „Discoteque“ greift die befreienden Gefühle des Tanzens auf. Bereits mit „On Fire“ habe die Gruppe gemerkt, so schreiben sie unter ihrem Musikvideo auf YouTube, dass Tanzen wie ein Mittel ist, um Wunden zu heilen. Sowohl der Song als auch die Choreographie sollen genau diese Gefühle aus den Zwängen befreien, in denen wir uns so oft befinden. Bewusst wurde dabei auf den Buchstaben „h“ in „Discoteque“ verzichtet, um zu verdeutlichen, dass es nicht darum geht, seine eigene Persönlichkeit in den Vordergrund zu stellen, sondern sich selbst zu akzeptieren, wie man ist.

Der Check

Song: 4/5 Punkte
Stimme: 4/5 Punkte
Instant-Appeal: 5/5 Punkte
Optik: 4/5 Punkte

Benny: Was für ein Brett! Musikalisch ist „Disoteque“ durch die dunklere Grundstimmung fast noch interessanter als „On Fire“, wenn auch weniger gefällig. Dazu wird das überstrapazierte Thema „Corona“ auf bestmögliche Art und Weise verarbeitet, so dass es dem Zuhörer tatsächlichen Mehrwert bietet. Das alleine wären schon 12 Punkte und da habe ich die geniale Performance noch gar nicht berücksichtigt. THE ROOP sind weiterhin Favoriten auf den Sieg in Rotterdam.

Berenike: Von Anfang bis Ende eine absolut coole Nummer! Die creepy Grundstimmung, Vaidotas‘ Spiel mit seiner Stimme, die Soundeffekte und die geniale Performance machen den Beitrag zu etwas ganz Besonderem. Das Lied ist anders, etwas verrückt, und trotzdem zugänglich. Einziger Kritikpunkt: gegen Ende hin werden die staccatoartigen Refrainzeilen etwas zu oft wiederholt. „Discoteque“ kommt für mich so nicht an „On Fire“ heran, welches ich als kreativer und abwechslungsreicher empfunden habe, ist für mich aber trotzdem eindeutig der interessanteste Beitrag in diesem Jahr. 12 Punkte.

Douze Points: Mich erinnert „Discoteque“ irgendwie immer an die Rocky Horror Picture Show. Also eher musikalisch und stimmlich als visuell. But that’s just me. Mit dem Song bin ich nicht so ganz auf Wellenlänge; die Performance als Gesamtpaket holt da aber eine Menge raus. Das ist Kunst. 7 Punkte.

Florian: The Roop haben mich bereits mit „On Fire“ begeistert und dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an „Discoteque“, die die Gruppe absolut erfüllt hat. Der Auftritt ist klug choreographiert und animiert selbst Kleinkinder in Litauen zum Mittanzen, der Refrain bleibt hängen und ist auch noch vom Songtext extrem passend in Pandemiezeiten, denn wer würde nicht gerne wieder in einem Club oder einer Diskothek tanzen gehen. Damit haben The Roop ihrer Konkurrenz schon einiges voraus, ihr Siegerauftritt in der Vorentscheidung kann praktisch so auf der ESC-Bühne performt werden. Und auch wenn sie aktuell nicht zum unmittelbaren Favoritenkreis zählen, so bin ich fest davon überzeugt, dass Litauen vorne mitspielen wird und hoffentlich das beste Ergebnis der eigenen ESC-Geschichte einfahren wird. 12 Punkte.

Manu: Die Gewinner des letztjährigen ESC kompakt ESC laden dieses Jahr also zum alleinigen Tanzen. Die etwas düstereren Sounds als noch im letzten Jahr gefallen mir gut, der Auftritt beim Vorentscheid gefällt ebenso (besonders die Bewegungen der Frau sind Zucker!). Der große Siegesfunken springt für mich aber auch in diesem Jahr nicht über – 8 Punkte.

Max: Ich habe schon den Hype mit „On Fire“ nicht wirklich verstanden, auch nicht den „ulkigen“ Tanz. „Discoteque“ ist nicht schlecht, vielleicht sogar besser als der letztjährige Beitrag – mich lässt das dennoch kalt. Eine gute Platzierung für Litauen ist allemal drin, vielleicht sogar die beste bisher. 4 Punkte.

Peter: „Discoteque“ ist schlicht klasse, noch besser als „On Fire“. Das Video und die Songstimmung erinnern mich an „Groove is in the heart“ von Deee-Lite und das ist inzwischen ein Dancefloor-Klassiker. Und der Beat hat was von „Another one bites the dust“. Mega-catchy! Dazu die Trendfarbe Gelb und eine Choreo, die jetzt schon optimal ausgereift für die Bühne in Rotterdam wirkt. Und es ist maximal erfrischend, in Lockdown-Zeiten (irgendwo auf der Welt ist noch viele Monate immer Lockdown) die gute alte Diskothek zu zelebrieren mit einer Saturday-Night-Fever-Style-Tanzfläche, die man – dem Credo „Dance Alone“ folgend – auch alleine betreten kann. 12 Punkte.

Gesamtpunktzahl: 67/84 Punkten.

Beim ESC-kompakt-Index landet „Discoteque“ auf Platz 1 von 39.

Wie schneidet der litauische Beitrag "Discoteque" von THE ROOP ab?

  • Top 5 (63%, 487 Votes)
  • Platz 6-10 (28%, 214 Votes)
  • Platz 11-15 (6%, 44 Votes)
  • bleibt im Halbfinale hängen (2%, 15 Votes)
  • Platz 16-20 (1%, 8 Votes)
  • Platz 21-26 (1%, 8 Votes)

Total Voters: 776

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis

(1) Australien: „Technicolour“ von Montaigne
(2) Irland: „Maps“ von Lesley Roy


111 Kommentare

  1. 2020 konnte mich das Lied hauptsächlich durch das Video überzeugen. 2021 zündet das nicht mehr, und das obwohl ich sogar Audiofiles mit meinem Gesang beigesteuert habe. Beim ESC mag es genügend ‚Erstseher‘ geben, die ihn im Ranking nach vorne spülen. Ich skippe den Song mittlerweile, wenn er bei mir läuft, gönne ihm aber einen vorderen Platz im Finale.

  2. schon erstaunlich wie gut das voting immer noch ausfällt,obwohl the roop bei den buchmachern und nicht nur da scheinbar in ungnade gefallen sind.

  3. Titel lässt auch bei mir nach. Ist aber halt schon mit am längsten draussen. Könnte mir aber vorstellen, dass ich den Song wieder besser finden würde wenn ich den tatsächlich in einer Discothek hören und dazu tanzen würde. So gut fände ich den schon noch, dass ich dazu tanzen würde. Aber is ja nich. Song wirkt eher mit Video als als Ton-Stream. Halte aber eine gute Platzierung für möglich da das Feld ja insgesamt nur schwach besetzt ist. Alle halbwegs aussichtsreichen Songs sind an sich noch recht nah beieinander. Ganz oben halte ich aber für The Roop schwer vorstellbar. Nen guter Club Remix von dem Song könnte aber meine ich noch was reissen im Sommer, wenn dann, so der Impfgott will, tanzen gehen wieder drinne ist.

  4. The Roop haben in diesem Jahr vier Trophäen bei der zehnten Ausgabe der Verleihung der M.A.M.A.-Awards (M.A.M.A. steht für „Muzikos Asociacijos Metų Apdovanojimai“) für das Jahr 2020 gewonnen:

    https://eurovoix.com/2021/03/28/lithuania-the-roop-win-four-m-a-m-a-awards/

    Die Auszeichnungen gab es in den Kategorien „Popgruppe des Jahres 2020“, „Gruppe des Jahres 2020“, „Song des Jahres 2020“ und „Durchbruch des Jahres 2020“. Herzlichen Glückwunsch!

    Es gab aber für die The Roop einen Wermutstropfen: die Gruppe war auch in der Kategorie „Bestes Video“ nominiert, mußte aber der Gruppe Solo Ansamblis mit ihrem Titel „Olos“ den Vortritt lassen.

  5. Im Kontext des (Studio-)Videos einer der besten Beiträge des Jahrgangs 2021.
    In der Live-Performance (des Vorentscheids) nicht ganz so zündend, aber dennoch: a cut above the rest.
    Mit den Beiträgen aus Schweden, Großbritannien, Island und Dänemark für mich bis jetzt einer der wenigen ‚interessanten‘ Beiträge. Vielleicht zünden ja in den nächsten Wochen noch andere Beiträge…?!

  6. Da fragt man sich, was man sieht. Sind wir im Gefängnis, sind diese Leute doch vom Carnavalsverein oder frisch entlassen aus einem Anstalt? Kein Plan.

    Song: zurück in den Zukunft
    Stimme: sticht nicht heraus und das ist gut so
    Instant-Appeal: zu viel zu gleicher Zeit
    Optik: Bio-Industrie, die Kücken sind so eben geschlüpft.

  7. Ih finde den Song deutlich schlechter als im letzten Jahr, obwohl ich den auch schon niht so gut fand. Zu wenig Gesang, Stimme gefällt mir nicht. Der Tanz ist ebenfalls echt schlimm anzuschauen. Ich hoffe dieser Beitrag gewinnt NICHT! 3 Punkte von mir

    • Also, ich finde The Roop, letztes wie dieses Jahr, herrlich erfrischend in dem größtenteils musikalisch gruseligen Potpourri des (besonders diesjährigen) ESCs.
      The Roop wissen auf wunderbar süffisante Art ‚was sie tun‘ – von vielen, der in diesem Teilnehmenden, besonders einer Montaigne – kann man das nicht mit gutem Gewissen behaupten.

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