ESC-Barometer 2021 (7): Alle 39 Beiträge in der Übersicht und nach Halbfinalen

Es hat eine Weile gedauert, aber jetzt steht das Starterfeld für den Eurovision Song Contest fest. Wirklich. Mit dem Rückzug Armeniens und der Disqualifikation von Belarus werden 39 Lieder (real oder virtuell) in Rotterdam an den Start gehen. Außerdem gab es mit dem Beitrag Israels noch einen (vermutlich) letzten Revamp. Grund genug für ein abschließendes ESC-Barometer dieser Saison – und einen Blick darauf, welche Acts sich für das Finale qualifizieren würden, wenn man den ESC-kompakt-Index (EKI) als Grundlage nähme.

Disclaimer: Diese Auswertung erhebt weder Anspruch auf Wissenschaftlichkeit noch auf eine belastbare Vorhersagekraft für den Eurovision Song Contest. Es ist die Zusammenfassung und Aufbereitung der spontanen Bewertungen der Lieder durch die Leser*innen von ESC kompakt. Der ESC-kompakt-Index (EKI) ist ebenfalls eine Spielerei, die nicht wissenschaftlich hergeleitet ist und keine Ansprüche in Bezug auf seine Aussagekraft erheben kann oder will. 

Um wirklich nur noch 39 Beiträge im Rennen zu haben, arbeiten wir im Folgenden nur noch mit den Bewertungen der Revamps. Für Deutschland hatten wir zunächst den Song und später das Video bewerten lassen. Hier haben wir aus Praktikabilitätsgründen die Wertungen aufaddiert (ohne sie weiter zu gewichten) und damit weitergearbeitet.

Wie immer beginnen wir mit dem Blick auf die durchschnittliche Bewertung. Hier bleibt in der Top 10 alles beim alten. The Roop aus Litauen (Aufmacherbild) führen das Feld an, gefolgt von Senhit aus San Marino und Gjon’s Tears aus der Schweiz. Irland und Großbritannien fallen bei den „ist ganz ausgezeichnet“-Wertungen ab, können aber von besonders vielen „gefällt mir gut“-Wertungen profitieren.

Im Mittelfeld fällt Jendrik mit dem deutschen Beitrag „I Don’t Feel Hate“ durch die Zusammenfassung der beiden Wertungen (Song und Video) deutlich zurück. Bei der Video-Bewertung lag er auf Rang 12, nun kommt er noch auf Rang 24. Die Revamps aus Albanien, Israel und der Ukraine können sich alle ebenfalls im Mittelfeld platzieren. Vincent Bueno aus Österreich kann sich über einen anständigen 17. Platz freuen.

Durch die Disqualifikation von Belarus gibt es einen neuen letzten Platz; die zweifelhafte Ehre gebührt nun Fyr & Flamme aus Dänemark. Aber auch Georgien und Russland haben nicht besonders viel zu lachen. Hier gibt es aber noch beim EKI Verschiebungen, der ja die Polarisierungsstärke der Beiträge mit berücksichtigt.

Bei der Betrachtung der Höchstwertungen gibt es durch die Neubewertung des deutschen Beitrags leichte Verschiebungen: Jendrik liegt nun auf Platz acht (nur bei der Auswertung des Videos war er auf Rang 4). Und da wir jetzt die Ukraine nur noch einmal in der Auswertung haben, kann Tusse aus Schweden in die Top 10 aufrücken.

Damit kann sich Natalia Gordienko aus Moldau nun auch über einen 11. Platz freuen, der Abstand zu Tusse ist mit 2,5 Prozentpunkten dann aber doch auch schon deutlich. Efendi aus Aserbaidschan und Måneskin aus Italien sind dem süßklebrigen Popsong aus der Kirkorov-Schmiede auf den Fersen.

Die geringste Begeisterung löst weiterhin RAFAŁ aus Polen aus; nicht einmal jede/r 22. Leser*in gab ihm seine/ihre Höchstwertung. Nur knapp davor halten sich Uku Suviste aus Estland und Blas Cantó aus Spanien. Und auch der Beitrag der ESC-Gastgeber löst keine Begeisterungsstürme aus.

Im Polarimeter ist nun auch wieder Ruhe eingekehrt, nachdem das ja durch heftigste Negativwertungen von Belarus zuletzt start in Mitleidenschaft gezogen worden war. Litauen, Schweiz und San Marino liegen an der Spitze. Finnland und auch Deutschland folgen dahinter; diese beiden Beiträge profitieren stärker als die zuvorgenannten von der deutlicheren Ablehnung. Interessant: Russland und Dänemark sind hier beide in der Top 10 vertreten und verdrängen damit den ukrainischen Revamp auf Platz 12. Haben sich die Leser*innen bereits an den Sound gewöhnt oder ist die neue Fassung tatsächlich weniger sperrig?

Samanta Tīna aus Lettland bleibt auch in diesem Jahr ihrem kantigen Stil treu und wird im Polarimeter mit Rang 11 belohnt. Auch der Norweger TIX hält sich hier wacker. Erstaunlich mainstreaming (oder langweilig?) ist dagegen der isländische Beitrag von Dadi, der weder große Begeisterung noch Ablehnung hervorruft.

Israel kann sich dank des Revamps vom letzten Platz lösen, bleibt aber dennoch ziemlich weit im Keller. Ganz am Ende steht nun der Spanier Blas Cantó, der sich aber offenbar auch schon auf ein übles Ergebnis in Rotterdam eingestellt hat. Auch Hooverphonic aus Belgien fallen eindeutig in die „couldn’t care less“-Kategorie.

Die verschiedenen Auswertungsansätze führen wir nun in unserem ESC-kompakt-Index zusammen. Der EKI (ESC-kompakt-Index) ist die durchschnittliche Platzierung eines Beitrags nach fünf Kriterien, die jeweils für sich gerankt werden: Einzelbetrachtung „ist ganz ausgezeichnet“, Top2-Betrachtung „ist ganz ausgezeichnet“ und „gefällt mir gut“ zusammen, Durchschnittsbewertung, Polarimeter-Index und umgedrehter Couldn’t-Care-Less-Index (Rangreihung von der niedrigsten „so la la“-Wertung (Platz 1) bis zur höchsten (letzter Platz).

Auch beim EKI ist die Welt wieder in Ordnung: Litauen erreicht in allen fünf Teilwertungen des EKI die Bestnote und schließt das ESC-Barometer mit einem EKI von 1,0 ab. Besser geht’s nicht. San Marino und die Schweiz sind aber auch hier in Sichtweite. Destiny aus Malta und Blind Channel aus Finnland liegen auf Augenhöhe direkt dahinter.

Das Mittelfeld wird wieder von Natalia Gordienko aus Moldau angeführt. Eden Alene aus Israel schafft es beim EKI auf einen anständigen 21. Platz. Die Irin Lesley Roy und der Brite James Newman, die beide bei der Durchschnittswertung in der Top lagen, fallen auf die Plätze 14 resp. 18 zurück. Manizha aus Russland ist ein großes Fragezeichen.

Die gute Nachricht kommt zum Schluss: Kein Beitrag ist auf dem 39. Platz gelandet. Dank Punktgleichheit liegen Estland und Spanien auf Rang 38. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Viel kaufen können sie sich davon aber auch nicht.

Zum Abschluss wollen wir nun auch noch einen Blick auf die beiden Halbfinale werfen. Dafür haben wir die Beiträge wieder nach dem EKI sortiert. Der erste Befund: Auf dieser Basis würden sich tatsächlich je zehn ähnlich starke Beiträge aus beiden Halbfinalen fürs Finale qualifizieren. Im ersten Halbfinale liegt die Grenze zwischen 22,8 und 23,6 Punkten, im zweiten 22,6 und 23,2 EKI-Punkten.

Damit könnte es auch einen sehr engen Kampf um die letzten Tickets fürs Finale geben. In ersten Halbfinale liegen etwa Australien, Russland, Norwegen und Kroatien sehr dicht beieinander. Im zweiten käme es zum Showdown zwischen Serbien, Bulgarien und Österreich. Aber hier – wie auch bei den anderen Beiträgen – entscheidet natürlich die Inszenierung und die Darbietung in der TV-Show.

Deckt sich unsere Auswertung mit Deiner Meinung über die Beiträge? Diskutiere gern unter diesem Artikel.

ESC-Barometer 2021 (6): Galasy ZMesta aus Belarus sprengen das Polarimeter
ESC-Barometer 2021 (5): Etwas Laserlicht und reichlich Schatten
ESC-Barometer 2021 (4): Verstärkung fürs Mittelfeld
ESC-Barometer 2021 (3): Deutscher Vertreter Jendrik punktet mit Polarisierung
ESC-Barometer 2021 (2): Blind Channel aus Finnland starten durch
ESC-Barometer 2021 (1): THE ROOP sind wieder das Maß aller Dinge
Rückblick: So sah das komplette ESC-Barometer 2020 aus
Rückblick: So sah das komplette ESC-Barometer 2019 aus


14 Kommentare

  1. Och, Dänemark, Georgien und Russland sind aber unter Wert geschlagen. Dänemark und Georgien habe ich mittlerweile richtig liebgewonnen (Russland fand ich schon immer gut🙂

  2. Mit 18 Freunden (verteilt in Deutschland (5), Belgien (4), Dänemark (4), Slowenien (2) und in den Niederlanden (3) bewerten wir die beiden Semis. Morgen Nachmittag dann das Finale.

    Im letzten Jahr waren wir zu 21. Die Top 5 waren: 1. LIT, 2. BUL, 3. ISL, 4. MAL u. 5. GER.

  3. Ich fände im 1.Semi Norwegen besser als Russland im Finale. Im 2. Semi wäre mir Tschechien lieber als Lettland. Mit den anderen Finalisten wäre ich zufrieden.

  4. Heute gab es eine Musikvideo-Veröffentlichung mit (mehr oder) weniger ESC-Bezug.
    ESC: The Story of Fire Saga-Darstellerin Demi Lovato (Vorentscheid-Song „In the mirror“) hat das Musikvideo zu ihrem neuen Song „Dancing with the devil“ hochgeladen, in dem es um ihre Vergangenheit mit Drogen- und Alkoholabhängigkeit geht. Ein sehr emotionales Video, das am heutigen Karfteitag definitiv ein Anschauen wert ist.
    https://youtu.be/EAg69LaLlS0

    Zudem hat sie heute einige neue Songs hochgeladen. Ein Reinhören lohnt sich auch hier!

  5. Ich finde es toll das ihr euch soviel Arbeit mit diesen Zahlen WirWar macht aber es hat höchstwahrscheinlich mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Belgien und Rumänien im ersten Halbfinale an den letzten 2 Plätzen Niemals!! Aber in erster Linie ist das ja der Geschmack der ESC- kompakt Leser und das ist auch ok. Aber das alles anders kommen wird ist ja fast jedem klar.Ich bin mir sowieso sicher das einige der hier gehypten Favortiten straucheln werden.

  6. Wenn die Ukraine ins Finale kommt, mache ich einen Wetteinsatz a la @Andi neulich und spende iwas an eine wohltätige Organisation. Wobei das fast schon zynisch ist, weil ich mir sehr sicher bin, dass die nichts von mir bekommen wird ^^ Nicht, wenn da noch Norwegen, Kroatien und Rumänien unter der Linie stehen. Niemals…

    • Ich persönlich werde mit meiner Mafia-Gruppe in allen Ländern die notwendigen Punkte zusammentelefonieren. Ukraine mag zwar dem ein oder anderen wegen dem Weißen Gesang nicht gefallen, musikalisch ist es aber ein absolutes Meisterwerk welches einen Auftritt im Finale verdient hat (Platzierung ist mir egal)

  7. Gehen wir davon aus, dass die Masse kaum die Möglichkeit hat, sich Beiträge schönzuhören oder von Favoriten genervt zu werden. Heuer jedenfalls ein starker Jahrgang. Wie es dann LIVE rübergebracht wird ist das allzeit bekannte Thema. Zu Gjon´s Tears, der kann es LIVE rüberbringen, siehe Auftritt in Spanien, darum besser als vorher. In Sachen Stimme tut es mir um Ana Soklic leid, da ich mit Kirchenliedern einfach nicht kann. Auf der linken Seite des Scoreboards wären bei mir auf alle Fälle die unterschätzten Beiträge von Deutschland ( Jendrik tut einfach gut), Tschechien ( ich habe das einfache Bedürfnis nach Nähe wie Benny Cristo), Serbien ( Pfeffer!) und Irland (erfrischend). Die restlichen 8 für die Top 13 sind Litauen, Ukraine, Frankreich, Finnland, Malta, San Marino, Rumänien und Belgien. Vielfalt! Italien ist in Studioversion besser, auf UK bin ich gespannt wie auch Island, Russland und Australien. Albanien und Kroatien nicht zu vergessen.

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