ESC-Songcheck kompakt (9) – Belgien: „The Wrong Place“ von Hooverphonic

Hooverphonic stehen mit am längsten in den Startlöchern für den Eurovision Song Contest 2021: Bereits am 1. Oktober 2019 hatte die flämische Rundfunkanstalt bekannt gegeben, dass die Gruppe intern ausgewählt worden sei, um das Land beim ESC 2020 in Rotterdam zu vertreten. Nur zwei Tage nach der Absage der letztjährigen Veranstaltung entschied man sich, dass Hooverphonic auch beim ESC 2021 für Belgien antreten sollten.

Alles blieb aber nicht beim Alten, denn zunächst einmal wurde die Frontsängerin ausgetauscht. Während 2020 Luka Cruysberghs hätte singen sollen, bekommt nun Geike Arnaert dafür im Mai die Chance. Geike war bereits von 1997 bis 2008 die Stimme von Hooverphonic. Mit ihr konnte die Band ihre größten Erfolge feiern. Zur Gruppe gehören neben Geike noch die Gründungsmitglieder Alex Callier (Bass) und Raymond Geerts (Gitarre). Alex ist beim ESC übrigens kein Unbekannter: Er hat 2018 Senneks Song „A Matter Of Time“ mitgeschrieben. Der Beitrag für dieses Jahr wurde erst am 4. März veröffentlicht.

Der Song

„The Wrong Place“ wurde von Alex Callier und Charlotte Foret geschrieben. Das Lied handelt von einem One-Night-Stand, der schief gelaufen ist, so dass sich die Protagonistin nun am falschen Ort fühlt. Das Video setzt das auch quasi eins zu eins um. Der Mid-Tempo-Song hat mystische Züge und wird vor allem von Geikes Stimme getragen. Die Instrumentierung ist zurückhaltend, aber modern, und würde auch optimal als Filmmusik funktionieren. Damit stellt sich die Frage, die offenbar auch schon das Nieuwsblad aufgebracht hat: nämlich ob der ESC nicht The Wrong Place für das Lied sei.

Der Check

Song: 2,5/5 Punkte
Stimme: 4/5 Punkte
Instant-Appeal: 2/5 Punkte
Optik: 3/5 Punkte

Benny: Die Strophen gefallen mir ziemlich gut, vor allem den Beginn des Songs finde ich sehr stark. Der Refrain ist dann aber leider eine Enttäuschung und ich glaube, dass das Lied insgesamt viel zu unauffällig ist, um in Rotterdam aufzufallen. Schade, denn „Release Me“ empfand ich als viel stärker. Ganz schlimm finde ich den abgehakten Schluss. 6 Punkte.

Berenike: Der belgische Beitrag verspricht zu Anfang sehr viel, kann dies aber leider nicht bis zum Ende hin halten: „The Wrong Place” beginnt mit einer schönen dunkelgrauen, düsteren, spannungsreichen Grundstimmung und klingt nach den 90ern im besten Sinne. Dann verliert sich der Song aber im Nirgendwo. So habe ich zu Songbeginn immer das Gefühl, den Track unterzubewerten, am Songende dann jedoch das Gefühl den Song überzubewerten. 6 Punkte. 

Douze Points: Beim Auftakt von „The Wrong Place“ denke ich immer, dass das ein Lied ist, was mir richtig gut gefällt: etwas elektronisch, eine gewisse Dynamik und Mystik. Aber schon beim Pre-Chorus wird’s langweiliger und der Refrain wirkt weitgehend irrelevant. Das ständige Wiederholen des Titels macht’s nicht besser und das abrupte Ende erst recht nicht. 4 Punkte.

Florian: Bereits im vergangenen Jahr konnte ich Hooverphonic viel abgewinnen und war gespannt, welche Richtung sie für den ESC mit der neuen/alten Frontsängerin Geike einschlagen werden. Das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen: „The Wrong Place“ wirkt weniger getragen und ist auch deshalb wohl für eine größere Zielgruppe zugeschnitten. Gleichzeitig klingt der Song ganz im Sinne der Musik, die die Band bereits in den vergangenen Jahrzehnten geprägt hat. Ob das im ersten Halbfinale letztlich reicht, um aus der Menge herauszustechen und ins Finale einzuziehen, wage ich noch nicht zu beantworten. Doch verdient wäre es für Belgien in diesem Jahr rein aus musikalischer Sicht definitiv. 8 Punkte. 

Manu: Et voilà – Belgien bringt uns das „Dark Horse“ in diesem Jahr! „The Wrong Place“ ist in seiner Songstruktur zwar recht gleichförmig, kreiert dabei aber eine soghafte, fast mystische Atmosphäre. Geikes Stimme trägt diese Atmosphäre vielsagend durch das Lied, man nimmt ihr jede Textzeile ab. „The Wrong Place“ kann mit dem richtigen Staging zur ganz großen Überraschung, ähnlich den Common Linnets im Jahr 2014, werden. Ich kann mich dem Sog nicht entziehen und zücke 12 Punkte.

Max: Da hat mir „Release me“ viel besser gefallen. „The Wrong Place“ lässt mich völlig kalt und ist ein absoluter „Skipper“ auf der Spotify-Playlist. Es ist nicht schlecht, aber so unaufgeregt, dass es an mir vorbeigeht. Finale? Eher unwahrscheinlich aus meiner Sicht. Kurz und knackig: 2 Punkte.

Peter: Boring, boring, boring. Ich fand es 2020 unsympathisch, dass Alex Callier von Hooverphonic die Teilnahme am All-Artists-Song „Love Shine A Light“ ablehnt, weil er den Song für den Anlass (coronabedingte europäische ESC-Ersatzshow) „zu klebrig“ fand. Die eigene Meinung, die ich gerne akzeptiere, so stark über die europäische Idee zu stellen (egal, wie geglückt die Umsetzung des Katrina-Songs nur war), wirkt egozentrisch. Mein Schulterzucken beim Hören von „The Wrong Place“ hat damit aber nichts zu tun. Der Song ist uninteressant, monoton und mir fehlt ein Spannungsbogen. Es gibt nix zu entdecken, mal abgesehen davon, dass Geike Arnaert eine gute Stimme hat. 2 Punkte

Gesamtpunktzahl: 40/84 Punkten

Beim ESC-kompakt-Index landet „The Wrong Place“ auf Platz 35 von 39.

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis

(1) Australien: „Technicolour“ von Montaigne
(2) Irland: „Maps“ von Lesley Roy
(3) Litauen: „Discoteque“ von THE ROOP
(4) Nordmazedonien: „Here I Stand“ von Vasil
(5) Russland: „Russian Woman“ von Manizha
(6) Schweden: „Voices“ von Tusse
(7) Slowenien: „Amen“ von Ana Soklič

Zweite Hälfte des ersten Semis

(8) Aserbaidschan: „Mata Hari“ von Efendi


80 Kommentare

  1. Soundtrack von Twin Peaks meldet sich.

    Song: hat etwas Beängstigends im Hintergrund
    Stimme: freundlich
    Instant-Appeal: Choreagraphie braucht Nachbesserung
    Optik: ganz in Ordnung

  2. Warum haben Hooverphonic ihre Leadsängerin gewechselt?? Für mich zerstört ihre Stimme den eigentlich soliden Song, dessen Refrain allerdings kaum zu hören ist. Schade Belgien, reicht wohl nicht fürs Finale. Wieder 5 Punkte von mir.

  3. Ärgerlich, wie weit sich Hooverphonic unter Wert verkauft.

    Weder textlich noch musikalisch bemüht, irgendwas zu erreichen oder gar auszusagen. Dreht sich um die eigene Achse der Belanglosigkeit und geht nirgends hin.

    Mein letzter Platz dieses Jahr und 1/10 wegen der Stimme, die eigentlich was kann (die 0 wäre für Belarus reserviert gewesen).

    Habe übrigens auch die Abstinenz am 16.05.2020 nicht vergessen, und möchte seit dem die Band auch nicht mehr unterstützen. Wenigstens wurden die Bitten der zwischenzeitlichen Sängerin von der unsympatischen Band erhört und sie hat sich „releasen“ können.

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