ESC-Songcheck kompakt (8) – Aserbaidschan: „Mata Hari“ von Efendi

Bild: ITV

2021 soll für Efendi das ganz große Jahr werden. Nachdem ihr Song „Cleopatra“ es aufgrund der ESC-Absage im vergangenen Jahr nicht nach Rotterdam geschafft hat, legt die aserbaidschanische Sängerin mit „Mata Hari“ nach. Damit will die junge Künstlerin sich für das Land des Feuers im ersten Halbfinale am 18. Mai gegen die Konkurrenz behaupten und an den erfolgreichen achten Platz von Chingiz im Jahr 2019 anknüpfen.

Die 29-jährige Samira Efendi nahm unter anderem an The Voice teil. Zudem war sie im Jahr 2017 beim internationalen Gesangswettbewerb „Silk Way Star“ erfolgreich, der unter anderem in der Türkei, Russland oder Kasachstan ausgestrahlt wurde. Ende Februar 2020 wurde Efendi als Vertreterin Aserbaidschans in Rotterdam vom Fernsehsender Ictimai bekanntgegeben worden. Sie setzte sich bei der internen Auswahl gegen vier weitere Künstler durch.

Der Song

Hinter „Mata Hari“ steht ein niederländisches Songwriter-Team: Amy van der Wel, Josh Earl, Luuk van Beers und Tony Cornelissen. Der Track wurde außerdem auch im ESC-Gastgeberland produziert. Luuk van Beers war auch schon an Efendis letztjährigem Beitrag „Cleopatra“ beteiligt.

Wie schon Efendis Wettbewerbsbeitrag aus dem vergangenen Jahr ist „Mata Hari“ ein Uptempo-Song, der sich auch starker Ethno-Elemente bedient. Sogar der Refrain besteht fast ausschließlich aus orientalischen Klängen und der ständigen Wiederholung der beiden Worte „Mata Hari“. Überhaupt gibt es vergleichsweise wenig Text und viele instrumentale Teile zu hören.

Der Check

Song: 4/5 Punkte
Stimme: 3/5 Punkte
Instant-Appeal: 4/5 Punkte
Optik: 4/5 Punkte

Benny: Für mich hätte es ruhig etwas mehr Text sein können, ein Refrain wäre schön gewesen und auch etwas mehr Distanz zum Vorjahresbeitrag hätte „Mata Hari“ gut getan. Die Frage ist ja aber: Wie kommt der Song an? Ein musikalisches Meisterwerk das sicher nicht, deshalb wird es letztendlich auf die Inszenierung in Rotterdam ankommen. 5 Punkte.

Berenike: Ich konnte schon mit Efendis letztjährigmn Beitrag nicht viel anfangen. Da „Mata Hari“ wie der Zwilling von „Cleopatra“ wirkt, bin ich für den Titel so auch nicht sonderlich empfänglich. Positiv sticht für mich die die orientalische Synthline und der treibende Rhythmus heraus. Insgesamt wirkt der Song auf mich jedoch sehr repetitiv, es fehlt mir an Text und das „Mata Hari“ wird mir viel zu oft wiederholt, zusätzlich finde ich den verzerrten „Männerchor“ im Background recht nervig. 3 Punkte.

Douze Points: Natürlich liegt musikalischer Geschmack immer im Ohr der/s Zuhörers/in (Genitiv und gendern ist noch mal eine ganz besondere Herausforderung). Und eigentlich müsste das Stück bei mir durch seinen Uptempo-Charakter recht weit oben liegen. Das tut es aber nicht. Denn letztlich ist es eine seelenlose Aneinanderreihung von kompositorischen ESC-Erfolgskomponenten. Auf mich wirkt das wie Kraut und Rüben und macht immer nur so lange Spaß, bis wieder völlig überraschend ein neuer musikalischer Weg eingeschlagen wird. Das Beste ist dann noch die Army-of-Lovers-Referenz, das Peinlichste der vermeintlich sexy-verführerische Augenaufschlag von Efendi am Ende des Videos. 4 Punkte.

Florian: Efendi liefert mit „Mata Hari“ eine gewollt anlehnende Fortsetzung zu „Cleopatra“, diesmal stehen jedoch andere Instrumente im Vordergrund und der Song wirkt noch etwas mystischer und orientalisch angehauchter. Die visuelle Umsetzung im Musikvideo ist ebenso gelungen und lässt auf eine gute Bühnenshow in Rotterdam hoffen. Der Refrain ist erneut recht eingängig, wirkt jedoch nicht ganz so eintönig (wahrscheinlich, weil die „lalalas“ wegfallen). Aserbaidschan liefert damit einen soliden Beitrag, der es sicher ins Finale schaffen sollte. 6 Punkte.

Manu: Ich war kein besonders großer Fan von „Cleopatra“ im letzten Jahr – das lief bei mir irgendwo so im Mittelfeld. Dass „Mata Hari“ nun von der Songstruktur und den Sounds eine 1:1-Kopie ist, nervt mich gewaltig. Würde ich „Cleopatra“ nicht kennen – und so wird es ja den meisten Zuschauern beim ESC gehen – würde „Mata Hari“ wieder im Mittelfeld rumdümpeln. So aber bleiben nur enttäuschte 2 Punkte.

Max: Ich wiederhole mich sehr gerne: Insgesamt ein unglaubliches Machwerk. Angefangen mit dem Text bis hin zur schamlosen Übernahme von „Cleopatra“-Fetzen. Der Drop ist nicht gut, das Gedudel nervt mich. Efendi sieht super aus und die Ästhetik ist auf jeden Fall da, aber musikalisch ist das wirklich absolut nicht meins. Und wie im Livestream schon erwähnt, Aserbaidschans Bezug zur Figur „Mata Hari“ ist nicht vorhanden, das ganze wirkt ziemlich befremdlich auf mich. Nein, damit werde ich nicht warm. Kommt aber dennoch ins Finale aus Gründen, die wir alle kennen. 1 Punkt.

Peter: Mona Lisa, Cleopatra, Mata Hari – ich bin unbedingt für Namen von historischen Frauengestalten in Songtiteln, Hauptsache Italien. Städtenamen sind auch toll (Verona!!). Im Falle von Efendi erleben ESC-Song-Schönhörer wie ich den zusätzlichen Bonus, dass sich von 2020 zu 2021 zwar der Frauenname ändert, der Song aber kaum. „Cleopatra“ war schon toll und „Mata Hari“ ist noch besser. Der Mix aus Synthesizer-Funk, überfrachteten Ethnozitaten, berechnenden Tempiwechseln mit harten Beats und übersichtlichem Text, vorgetragen mit starkem Akzent, ist genauso faszinierend wie mitreißend. Let’s go. 12 Punkte.

Gesamtpunktzahl: 33/84 Punkten

Beim ESC-kompakt-Index landet „Mata Hari“ auf Platz 13 von 39.

Wie schneidet der aserbaidschanische Beitrag "Mata Hari" von Efendi ab?

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis

(1) Australien: „Technicolour“ von Montaigne
(2) Irland: „Maps“ von Lesley Roy
(3) Litauen: „Discoteque“ von THE ROOP
(4) Nordmazedonien: „Here I Stand“ von Vasil
(5) Russland: „Russian Woman“ von Manizha
(6) Schweden: „Voices“ von Tusse
(7) Slowenien: „Amen“ von Ana Soklič


84 Kommentare

  1. Das ist schon echt clever gemacht. Es wussten alle, dass Cleopatrrrrrra (nicht Pantazi, aber die war es auch) genial war. Also was macht man? Recycling. Draußen interessiert das keinen, die Bubble findet es zwar nicht sooo prickelnd, aber „Mata Hari“ ist leider geil und wird gut abschneiden.

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