ESC-Songcheck kompakt (15) – Ukraine: „SHUM“ von Go_A

Während sich die Gruppe Go_A 2020 noch in der ukrainischen Vorentscheidung Vidbir ihr Ticket für den später ausgefallenen Eurovision Song Contest ersingen musste, wurde sie bereits im März 2020 für den diesjährigen ESC direkt wieder nominiert. Nach einigem Hin und her wurde im Januar 2021 bekannt, dass eine fünfköpfige Jury entscheiden würde, mit welchem Lied Go_A nach Rotterdam fahren solle. Dieser Jury gehörte auch die ESC-Siegerin Jamala an.

Ein paar Tage später kam dann schon vom ukrainischen Fernsehen UA:PBC die Bestätigung, dass die Entscheidung über den Beitrag gefallen worden wäre. Und am 4. Februar wurde die erste Version von „SHUM“ veröffentlicht. Allerdings wurde ein Revamp notwendig, weil die ursprüngliche Version des Liedes eine Minute zu lang war und weil große Teile des Texts vom ukrainischen Folkloresong „A v nashoho shuma” (А в нашого шума)“ übernommen worden waren. Für die neue Fassung wurde dann auch die Melodie recht stark verändert, die Steigerung des Liedes von Anfang bis Ende bleibt allerdings erhalten.

Die Band Go_A besteht aus Kateryna Pavlenko, Ihor Didenchuk, Taras Shevchenko und Ivan Hryhoriak. Sie entstand ursprünglich aus der Idee heraus, moderne elektronische Musik mit ethnischen Einflüssen zu kombinieren.

Der Song

Die Musik zu „SHUM“ wurde von Taras Shevchenko und Kateryna Pavlenko geschrieben, der Text stammt nur von ihr. In dem Lied geht es um einen traditionellen Tanz (wörtlich übersetzt „Der Lärm“) aus Polesien, der zur Beschwörung bzw. Begrüßung des Frühlings diente. Im weiteren Sinne kann diese Bedeutung auch auf die aktuelle Corona-Situation übertragen werden, denn immerhin warten alle auf den Tag, an dem wieder alles normal ist und man jubeln kann.

Go_A geht es außerdem darum, ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu erzeugen. Musikalisch knüpft die Band an ihren Vidbir-Siegersong „Solovey“ an, denn wieder dominieren elektronische Klänge sowie der weiße Gesang von Kateryna.

Der Check

Song: 4/5 Punkte
Stimme: 3/5 Punkte
Instant-Appeal: 4/5 Punkte
Optik: 4/5 Punkte

Benny: So hatten wir das dann doch auch noch nicht, dass als Revamp einfach ein ganz neuer Song präsentiert wurde, der einfach nur denselben Titel trägt. Immerhin haben es Go_A aber sehr gut hinbekommen, auch in „SHUM 2“ eine faszinierende Steigerung einzubauen. Und nachdem meine Enttäuschung über den Verlust von „SHUM 1“ nun etwas abgeklungen ist, kann ich auch aus vollem Herzen 10 Punkte geben.

Berenike: Ich finde die Mischung aus Folklore, weißem Gesang und Elektro unheimlich faszinierend. „Shum“ ist ein wahres Feuerwerk an elektronischen Sounds, die Flötenmelodie und das monotone Piepen üben einen hypnotischen Sog aus und es ist fantastisch, wie das Tempo immer mehr anzieht und das Lied so energetischen Druck aufbaut. 12 Punkte. 

Douze Points: Interessant, exotisch, modern – und wahnsinnig anstrengend. Diese Mischung ist für den ESC gar nicht mal verkehrt. Mein Nervenkostüm sieht das aber ganz anders, zumindest wenn ich nur das Lied höre. Das ist kaum auszuhalten. Letztlich will ich aber wissen, wie das Lied ausgeht. Und diese Neugier reicht dann doch für 3 Punkte.

Florian: Zugegebenermaßen brauchte ich ein paar Anläufe, bis der Revamp bei mir gefruchtet hat. Dennoch muss an dieser Stelle gesagt werden, dass Go_A im diesjährigen Teilnehmerfeld wohl unumstritten hervorstehen und ich freue mich, dass sie dabei sind. Die Komposition hat mir direkt beim ersten Hören gefallen, gerade die Verschmelzung aus Folklore und Dance finde ich besser gelungen als noch bei „Solovey“. Auch die förmliche Explosion der Instrumentation zum Ende bringt noch einmal neuen Wind in den Song, der damit hoffentlich gute Aussichten in Rotterdam haben wird. 8 Punkte.

Manu: Ähnlich wie bei The Roop aus Litauen, nutzt auch GO_A den hauseigenen Sound, entwickelt diesen aber in eine etwas dunklere Richtung weiter als noch beim Vorgänger „Solovey“. Ich liebe den Sog, in den „Shum“ den gewillten Zuhörer zieht. Was bei anderen Liedern die altbekannte Rückung ist, ist bei „Shum“ nun der immer schneller werdende Bass. Hinzu kommt die schöne Aussage, die ich gerade in der jetzigen Zeit sehr clever eingesetzt finde. Über allem thront aber der hypnotische Gesang – im nötigen Revamp ist dieser an eingen Stellen allerdings etwas kreischiger geworden. In meinem Empfinden wirkte die Originalversion samt Video stimmiger. Der Revamp fällt bei mir auf 8 Punkte.

Max: Nee, auch dieses Jahr ist die Ukraine nichts für mich. Der Schrei-Gesang ist einfach nichts meins. Electro-Folk hört sich prinzipiell immer interessant an, aber häufig geht das jedoch an mir vorbei. Kann das Lied auch nicht wirklich zu Ende hören, schade! 2 Punkte gibt es von mir.

Peter: Maruv ist „a tough act to follow“, aber Go_A rocken das. Zwei Jahre in Folge liefert die Band spektakulär herausragende Beiträge. Und ich mag, wie tief verankert die Bandmitglieder in der Ukraine und in/mit den heimischen musikalischen Wurzeln sind. Der weiße Gesang von Kateryna Pawlenko ist so beschwörend eindringlich, dass man sich dem nicht entziehen kann, dazu der einzigartige Folklore und Elektro-Mix mit treibenden Beats. Die Flötenpassage ist genial. Einziges Manko: Easy listening ist das nicht, zu gewissen Tageszeiten kann das Zuhören anstrengend sein. 12 Punkte

Gesamtpunktzahl: 55/84 Punkten

Beim ESC-kompakt-Index landet „SHUM“ auf Platz 8 von 39.

Wie schneidet der ukrainische Beitrag "SHUM" von Go_A ab?

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis

(1) Australien: „Technicolour“ von Montaigne
(2) Irland: „Maps“ von Lesley Roy
(3) Litauen: „Discoteque“ von THE ROOP
(4) Nordmazedonien: „Here I Stand“ von Vasil
(5) Russland: „Russian Woman“ von Manizha
(6) Schweden: „Voices“ von Tusse
(7) Slowenien: „Amen“ von Ana Soklič

Zweite Hälfte des ersten Semis

(8) Aserbaidschan: „Mata Hari“ von Efendi
(9) Belgien: „The Wrong Place“ von Hooverphonic
(10) Israel: „Set Me Free“ von Eden Alene
(11) Kroatien: „Tick-Tock“ von Albina
(12) Malta: „Je Me Casse“ von Destiny
(13) Norwegen: „Fallen Angel“ von TIX
(14) Rumänien: „Amnesia“ von Roxen


94 Kommentare

  1. Gefällt mir besser als der letztjährige Beitrag, vor allem klingt ihre Stimme hier nicht so „durchdringend“. So ganz kann ich mich aber leider dennoch nicht mit anfreunden.

    Finale ja, aber um den Sieg wird die Ukraine dieses Jahr nicht mitsingen.

  2. *singt* You are the one … you’re my number one … anything for you ‚cause you’re the one I love!“

    Ich fand sie letztes Jahr schon am besten, aber dieses Jahr sind sie noch besser. Meine klare Nummer 1 in diesem Jahr!

  3. Oh … interessantes Lied.

    Song: Gut zusammengebastelt.
    Stimme: endlich eine Sängerin
    Instant-Appeal: Song 3, den wir uns merken.
    Optik: Ohne Nasenschmuck bitte.

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