ESC-Songcheck kompakt (28) – Dänemark: „Øve os på hinanden“ von Fyr & Flamme

Corona-bedingt fand der Dansk Melodi Grand Prix in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal ohne Publikum statt. Obwohl es immer wieder Diskussionen gab, ob und ggf. wie die Vorjahressieger Ben & Tan daran teilnehmen könnten, waren sie letztlich nicht am Start. Anfang November wurde bekanntgegeben, dass es in diesem Jahr keine regionalen Vorrunden, sondern nur eine Show am 6. März geben würde. Weitere Informationen folgten Ende Januar. Am 10. Februar wurden dann im dänischen Radio die intern ausgewählten acht Beiträge der Vorentscheidung vorgestellt. Im Superfinale der Vorentscheidung setzten sich Fyr & Flamme (Aufmacherbild) knapp gegen zwei weitere Acts durch.

Das Duo Fyr & Flamme besteht aus Jesper Groth und Laurits Emmanuel. Beide trafen sich in einer „Freitagsbar“ und machen seit 2017 zusammen Musik. Groth ist Schauspieler und aus vielen TV-Programmen in Dänemark bekannt; Emmanuel war über viele Jahre Sänger der Gruppe The Grenadines. Gleich mit der ersten Single „Menneskeforbruger“ (Menschenverbraucher) sangen sie sich 2020 bis weit nach vorn in den dänischen Charts. „Kamæleon“ schaffte es bis Platz 7 und „Øve os på hinanden“ dann sogar bis auf Platz 1.

Obwohl das Duo bisher vorrangig Musik im Stil der 80er-Jahre gemacht hat, ist das für sie nicht in Stein gemeißelt: „Unsere Musik sollte nicht als Zeitreise in die 80er-Jahre gesehen werden. Wir haben keine Angst vor Nostalgie, aber wir haben nie ein bestimmtes Dogma darüber formuliert, welche Art von Musik wir machen wollen. Es gibt nur einige spezielle Sounds, die uns gefallen und zufälligerweise aus den 80ern stammen“, sagte Jesper Groth im Sommer 2020 dem dänischen Fernsehen DR. An einer anderen Stelle heißt es im Text: „Fyr & Flamme hoffen, irgendwann am Dansk Melodi Grand Prix teilnehmen zu können – und natürlich den ganzen Weg bis zum Eurovision Song Contest zu schaffen. ‚Wir müssen die 12 Punkte aus Malta haben‘, sagte ein begeisterter Jesper Groth.“

Der Song

„Øve os på hinanden“ (Lass uns aneinander üben) wurde von Laurits Emanuel komponiert und getextet. Wie bereits die anderen beiden Hits von Fyr og flamme ist auch ihr ESC-Beitrag von Dancetracks aus den 80er-Jahren inspiriert. Das ganze macht gleichermaßen Spaß (für die Älteren) und kann auch verstörend wirken (für die Jüngeren). So gesehen passt die Selbstbeschreibung der Band auf Instagram ganz hervorragend: „Teenageidoler dine forældre kan forstå“ (Teenager-Idole, die deine Eltern verstehen können).

Das Lied beschreibt zwei Personen, die an der Tanzfläche stehen und sich noch nicht richtig trauen, gemeinsam zu tanzen, weil sie nicht wissen, wie es funktioniert. Dabei haben sie zu Hause geübt. Dann überwinden sie sich und tanzen. Der Rhythmus übernimmt, Worte werden überflüssig: „Vi bli’r aldrig mere levende end lige nu“ (Wir werden nie lebendiger sein als jetzt gleich). Während der Song ganz konkret Bezug auf eine Situation (auf der Tanzfläche) nimmt, kann er aber auch universell verstanden werden: dass wir, wenn wir uns gegenseitig helfen und gemeinsam Dinge ausprobieren sollen, das Beste erreichen und erleben können.

Der Check

Song: 3,5/5 Punkte
Stimme: 3/5 Punkte
Instant-Appeal: 4/5 Punkte
Optik: 3/5 Punkte

Benny: Unter den Blinden ist ja bekanntlich der Einäugige König und deshalb waren Fyr & Flamme in meinen Augen auch die verdienten Sieger beim DMGP. Ich bin lange nicht mit dem Lied warm geworden und mittlerweile weiß ich auch warum: Dieser gleichzeitig seltsam bräsige und trotzdem so gewollte Auftritt hat mir total den Zugang verbaut. In der Studioversion finde ich den Song aber sehr stark und eine tolle 80er-Jahre-Reminiszenz. Entgegen des stetigen Beteuerns einiger Puristen zählt beim ESC aber auch die Show und da müssen die beiden Herren noch eine ganze Schippe drauflegen. Mit zwei geschlossenen Augen vergebe ich 8 Punkte.

Berenike: Mein Guilty Pleasure in diesem Jahr. Auch wenn es von vorne bis hinten nach 80er-Jahre-Stampfschlager klingt, ist es einfach megaeingängig, macht mir unheimlich Spaß und das Dänische klingt so wunderbar putzig. Es ist natürlich musikalisch chancenlos und durch die fehlende Bühnenausstrahlung von Fyr und Flamme noch chancenloser. Aber von mir als altem Diggiloo-Diggiley-Anhänger gibt es 8 Punkte.

Douze Points: Fyr & Flamme sind das totale Gegenteil des polnischen Beitrags. Hier werden die 80er nicht vorgetäuscht, hier gibt es die volle Ladung Schlager-Pop aus der Zeit. Das alles mit viel Spaß und reichlich camp. Und wenn sonst ja auch alle immer die Bedeutung des Textes hervorheben: der hat hier auch eine schöne Geschichte und klare Botschaft. 12 Punkte.

Florian: Das diesjährige Dansk Melodi Grand Prix war insgesamt schon sehr durchschnittlich. Leider traf es dann auch noch mit „Øve Os På Hinanden“ einen Song, der absolut verwirrend ist und nicht wirklich in diese Zeit passt. Das einzig gute daran ist, dass Dänemark mal wieder in Landessprache singt. Allein der Refrain ist für mich schon Grund genug, zum nächsten Song zu springen. Umso verwunderlicher, dass der Song besonders auf Spotify in Dänemark gut zu performen scheint – aber die junge Zielgruppe in Europa wird Dänemark damit niemals erreichen können, oder? 2 Punkte.

Manu: Auch wenn ich ein Herz für die musikalischen 80er habe – Schlager aus dieser Zeit sind so gar nicht meins. „Øve os på hinanden“ tönt als käme es direkt aus dieser Zeit. Passend dazu performen die beiden Fyr & Flamme recht ausstrahlungsfrei und schmierig durch den Song. Trotzdem erwische ich mich bei jedem Hören dabei, es zu feiern und sehne mir Tommy Seebach herbei. Mein absolutes Guilty Pleasure in diesem Jahr – ich würde es feiern, sollte das ins Finale kommen. Knappe 6 Punkte.

Max: Uhhh das ist wirklich sehr belanglos. Ja, der 80er-Vibe ist cool, aber das reicht nicht aus. Man versucht krampfhaft den Retro-Aspekt völlig auszuschlachten und bringt alles, was so in die Richtung klingt. Sogar Disco-Elemente. Heraus kam kein nostalgisches Meisterwerk, sondern ein Zombie, der nicht so wirklich weiß wohin. Und ja, Ben & Tan hätten unbedingt beim DMGP dabei sein müssen… dann hätte Dänemark auch mehr Punkte bekommen als den einen von mir.

Peter: Ein neues Melodi-Grand-Prix-Lieblingslied aus dem ESC-Lieblingsland Dänemark, Heimat der großen Birthe Kjær! Ein bunter Auf-die-12-Feelgood-Retro-Schlager in bester DMGP-Tradition – und das auch noch in Landessprache. Hier passt wirklich alles, außer möglicherweise der Klamottengeschmack von Fyr og Flamme Leadvocalist Jesper Groth. Auch in den 80er konnte man sich gut anziehen. Aber Jesper macht Fashion-Defizite mit Leidenschaft und lässiger Erfahrung wett. 12 Punkte.

Gesamtpunktzahl: 49/84 Punkten

Beim ESC-kompakt-Index landet „Øve os på hinanden“ auf Platz 28 von 39.

Wie schneidet der dänische Beitrag "Øve Os På Hinanden" von Fyr & Flamme ab?

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Bisher erschienene Songchecks:

Erste Hälfte des ersten Semis

(1) Australien: „Technicolour“ von Montaigne
(2) Irland: „Maps“ von Lesley Roy
(3) Litauen: „Discoteque“ von THE ROOP
(4) Nordmazedonien: „Here I Stand“ von Vasil
(5) Russland: „Russian Woman“ von Manizha
(6) Schweden: „Voices“ von Tusse
(7) Slowenien: „Amen“ von Ana Soklič

Zweite Hälfte des ersten Semis

(8) Aserbaidschan: „Mata Hari“ von Efendi
(9) Belgien: „The Wrong Place“ von Hooverphonic
(10) Israel: „Set Me Free“ von Eden Alene
(11) Kroatien: „Tick-Tock“ von Albina
(12) Malta: „Je Me Casse“ von Destiny
(13) Norwegen: „Fallen Angel“ von TIX
(14) Rumänien: „Amnesia“ von Roxen
(15) Ukraine: „SHUM“ von Go_A
(16) Zypern: „El Diablo“ von Elena Tsagrinou

Zwischenstand nach dem ersten Halbfinale

Erste Hälfte des zweiten Semis

(17) Estland: „The Lucky One“ von Uku Suviste
(18) Griechenland: „Last Dance“ von Stefania
(19) Island: „10 Years“ von Daði og Gagnamagnið
(20) Moldau: „Sugar“ von Natalia Gordienko
(21) Österreich: „Amen“ von Vincent Bueno
(22) Polen: „The Ride“ von RAFAŁ
(23) San Marino: „Adrenalina“ von Senhit
(24) Serbien: „Loco Loco“ von Hurricane
(25) Tschechien: „Omaga“ von Benny Cristo

Zweite Hälfte des zweiten Semis

(26) Albanien: „Karma“ von Anxhela Peristeri
(27) Bulgarien: „growing up is getting old“ von VICTORIA


88 Kommentare

  1. Einer der sympathischsten Beiträge in diesem Jahr. In meiner Rangliste hat Dänemark zwar die Top 10 knapp verpasst und ist somit auf dem 11. Platz gelandet, aber im Halbfinale wird das nicht passieren, da kommen Fyr & Flamme ins Finale, auch wenn der letzte Startplatz keine Garantie für den Finaleinzug gibt.
    Aber ich denke mal, dass sich die dänische Fröhlichkeit als ansteckend erweisen kann, zumindest haben sie ja schon im eigenen Land Erfolg damit.
    Ja, mir gefällt es wirklich, obwohl ich erst 25 Jahre alt bin und Dänisch nun wahrlich keine linguistische Schönheit ist. Aber gerade deswegen finde ich diesen Schlager so toll! Er hat im Gegensatz zu „Voilà“ von Barbara Pravi z.B. keinen Anspruch auf Eleganz und Großartigkeit, sondern kommt aus der Mitte des Volkes. Rummelplatz statt Boheme, Dorfdisco statt Festsaal. Da passt dann auch diese proletisch klingende Sprache perfekt dazu. Ich finde es immer wieder lustig, wie da gehørt, gerørt und gekørt wird, mit nicht weniger als einer Promille!
    Offensichtlich kommt „Øve os på Hinanden“ hier nicht so gut an, daher glaube ich, dass dieser nette Schlager unterschätzt wird.

  2. Ich habe die ganze zeit nach Worten gesucht die ich hierzu adäquat schreiben kann…. Mir fällt dazu aber nur Folgendes ein:
    Ich liebe alles an diesem Act!!!!!!! Und ich wäre unendlich traurig, wenn er im Semi hängen bleiben würde!

  3. Puh, das ist leider so gar nicht meins. Das wirkt so als ob die beiden in den 80ern ins Koma gefallen, heute wieder aufgewacht sind denken diese Musik sei immer noch topaktuell.

    Insgesamt wirkt die gesamte Performance sehr amateurhaft, manchmal hat das einen gewissen Charme, hier wirkt es aber eher peinlich, auch stimmlich ist das leider auch nicht mein Geschmack. Mein Problem liegt aber vor allem in der Sprache. Ich finde es zwar im Prinzip gut wenn Länder die sonst immer Englisch singen es mal in der Landessprache versuchen, aber leider mag ich den Kland von Dänisch ÜBHERHAUPT NICHT!! Ich finde Dänisch klingt so als ob man eine heiße Kartoffel im Mund hat und dabei versucht zu sprechen. Da mag ich Schwedisch und Norwegisch vom Klang deutlich lieber.

    Schafft es vielleicht ins Finale, dort wird es aber dann als Füllmaterial nach hinten durchgereicht.

  4. Kommt gleich hinter Spanien und noch vor Deutschland. Also ganz weit unten. Aus jedem Dorf ein Hund, Abba, G:Son, the Herreys und Only Teardrops durch den Fleischwolf gedreht. Grauenhaft, bleibt hoffentlich im Semi hängen!

  5. Die beiden sind übrigens ein Paar – falls das jemanden interessiert 😉 ; leider können wir von Deutschland aus die Dänen nicht unterstützen – aber die Österreicher und die Schweizer unter uns könnten es.

    Ich drück den beiden Jungs im Semi 2 fest die Daumen – evtl. hilft es ihnen ja ein wenig, dass es das schwächere Semi ist.

  6. Dänemark hat ja schon häufiger die rote Laterne bei mir. Bleibt Ihnen aber dieses Jahr wegen Estland erspart. Klingt für mich einfach nicht auf zeitgemäße Weise Retro (ich weiß, klingt wie ein Widerspruch), sondern nur veraltet.

  7. Ich liebe es … dazu hätten wir damals in der Tanzschule Berger auch gut einen flotten Discofox aufs Parkett legen können (anstatt zu Dusty Springfields „In Private“).

  8. dieses ähm retrowerk wäre auch in den 80igern jämmerlich gescheitert – für mich ist das bizarre trollmusic!
    ich bin ein alter knacker,der die 70iger als teenager und die 80iger als fideler twen in unzähligen disconächten oder privatparties erleben durfte und sowas prägt – da ist man verwöhnt worden mit allerfeinsten pop/rock stile querbeet – ich kann daher nicht wirklich nachvollziehen,daß gerade einige ältere hier das lied sehr gut finden,weil dieser song nicht mal im ansatz das popniveau der echten 80iger hat aber nun gut – man lernt nie aus..
    und ja,man kann da discofox drauf tanzen aber nur mit ohrenstöpsel drinne. 😀

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