Live-Blog: PrePartyES 2021

Viele Pre-Events müssen auch in diesem Jahr leider wieder Corona-bedingt ausfallen, aber die Organisatoren der PrePartyES haben schon in der vergangenen Saison auf ein Online-Format umgestellt und ziehen ihre Party „at home“ deshalb auch in 2021 wieder durch. Insgesamt 31 Acts des aktuellen ESC-Jahrgangs haben wir mit einer speziellen Performance ab 22 Uhr im Livestream auf YouTube zu sehen bekommen. Namentlich sind das:

  • Albina aus Kroatien
  • Anxhela Peristeri aus Albanien
  • Barbara Pravi aus Frankreich
  • Benny Cristo aus Tschechien
  • Blas Cantó aus Spanien
  • Daði Freyr aus Island
  • Destiny aus Malta
  • Efendi aus Aserbaidschan
  • Elena Tsagrinou aus Zypern
  • Go_A aus der Ukraine
  • Hooverphonic aus Belgien
  • Hurricane aus Serbien
  • James Newman aus Großbritannien
  • Jendrik aus Deutschland
  • Lesley Roy aus Irland
  • Måneskin aus Italien
  • Manizha aus Russland
  • Montaigne aus Australien
  • Natalia Gordienko aus Moldau
  • RAFAŁ aus Polen
  • Roxen aus Rumänien
  • Samanta Tīna aus Lettland
  • Senhit aus San Marino
  • Stefania aus Griechenland
  • The Black Mamba aus Portugal
  • THE ROOP aus Litauen
  • Tusse aus Schweden
  • Uku Suviste aus Estland
  • Vasil aus Nordmazedonien
  • VICTORIA aus Bulgarien
  • Vincent Bueno aus Österreich

Darüber hinaus haben sich die folgenden sechs Special Guests in Gestalt ehemaliger ESC-Teilnehmer angesagt:

  • Dami Im aus Australien
  • KEiiNO aus Norwegen
  • Miki Núñez aus Spanien
  • Naviband aus Belarus
  • Sirusho aus Armenien
  • Soleá aus Spanien

Moderiert wird das Online-Event von Blas Cantó, Suzy, Víctor Escudero und Karina.

Die PrePartyES 2021 findet auf dem YouTube-Kanal von eurovision-spain.com statt. Wir bloggen die Show an dieser Stelle live und Ihr habt die Möglichkeit, die Geschehnisse vor, während und nach der Sendung unter diesem Beitrag zu kommentieren.

Es ist soweit, ein erstes wahrhaftiges Highlight des ersten (und hoffentlich einzigen) Pandemie-ESCs läutet den Countdown zur Hochsaison in Rotterdam ein.

2.500 Fans warten auf youtube, dass die „Übertragung“ beginnt und aus dem maritimen Hamburger Portugiesenviertel grüßt Euch herzlich Peter.

31 der 39 Songs, die in Rotterdam antreten werden, sind heute dabei. Es ist also leichter, die zu nennen, die fehlen, als die „Aktivisten“ aufzuzählen.

Ein besonderes Augenmerk richten wir heute auf Jendrik, der im PrePartyES-LineUp vertreten ist. Gibt uns sein Clip Aufschluß über Neues im Hinblick auf seinen Auftritt in Rotterdam?

Aus dem DACH-Trio ist außerdem Vincent Bueno dabei. Gjon aus der Schweiz fehlt allerdings, er gehört zu den acht Acts des Jahrgangs 2021, die bei der PrePartyES fehlen.

Besonders sympathisch und erwähenswert ist außerdem, dass die beiden „Ausfälle“ 2021 Armenien und Belarus in Madrid auch dabei sind, vertreten durch die Special Guests Sirusho und Naviband.

Es geht los. „Mi vida, un festival“ ist das Fazit einer Art „Comic Strip“, in der eine männliche Stimme namens Fran die große Bedeutung des ESC in seinem Leben von der Kindheit bis zum Erwachsenwerden erzählt.

Im Anschluß werden alle teilnehmenden Acts in einer MAZ vorgestellt, danach eröffnen Spaniens ESC-Vertreter 2021 Blas Cantó  und Víctor Escudero vom spanischen OGAE den Abend.

Fan-, Bubble- und Community-Favorit Suzy aus Portugal darf dann eine Art „Let the games begin“ ausrufen. Aber wer darf beginnen?

Wie passend! Es ist Natalia Gordienko! Sie steht in einem farbenfrohen Studio mit pink gestrichenen Wänden mit zwei Musikern (Guitarre und Schlagzeug) und stellt „Sugar“ in einem 70er Jahre Outfit vor (weiß-blauer Blazer in Schottenrock-Optik, dazu blaue Jeans mit ganz viel Schlag, die die Schule verschwinden lassen). Hat was, ein guter Start.

Im letzten Jahr war die spanische Digitalparty ein Pionier der Home Concerts. Es gab wenig Berührungen  mit dem Format und vieles wirkte sehr improvisiert. Mal sehen, wie das mit einem Jahr Distanz-Erfahrungen aussehen wird.

Vincent Bueno darf weitermachen. Er hat in seinem Studio ein Video speziell für die spanischen Fans produziert, das erfahren wir in der Anmoderation. Er sieht fantastisch aus in einem weißen Hemd und mit Sonnenbrille und Baseball-Cap. Sunglasses im Tonstudio ist eigentlich tacky, aber Vincent darf das und es steht ihm. Stimmlich ganz stark, das liest man auch in den youtube-Livekommentaren.

Der Clip von Roxen aus Rumänien, die folgt, ist auch in einem Studio aufgenommen worden. Übrigens werden bei allen Clips Ausschnitte von den Original-Videos (zweifarbig verfremdet) hineingeschnitten. Das ist kreativ gut gelöst, denn es gibt dem dramaturgischen Ablauf Kontinuität und schafft auch Abwechselung zu den konzeptimmanent eher statischen Clips.

Soleá, Spaniens Vertreterin beim letzten JESC, darf sich selbst ansagen. Ihr Clip kommt aus ihrem Kinderzimmer mit pinkfarbenen Vorhängen vor einem großen Fenster neben dem weißen Kleiderschrank, auf dem sich Spielzeug stapelt. Der Auftritt wirkt ein bissel weit weg von der konsistenten Dramaturgie, mit der die PrePartyES begonnen hat.

Oh, sie darf zweimal singen. Den ersten Song kannte ich bislang gar nicht, es war ihr JESC-Beitrag „Palante“. Beim ersten Hören ziemlich gruselig, würde ich spontan so sagen. Der zweite Titel heißt „Con arte“ ist nicht ganz so schrecklich, wenn auch „Palante“ nicht einmal unähnlich. Ich kann mit beiden Titeln wenig anfangen, so niedlich Soleá auch ist, sorry.

Es geht nach dem JESC-Ausflug musikalisch nicht gerade herausragend weiter, denn RAFAŁ ist an der Reihe. Auch er singt eine Acoustik-Version seines ESC-Beitrags aus einem Studio – und trägt Sunglasses. Was im letzten Jahr die Hydrokultur als präferiertes Accessoire war, scheinen in diesem Jahr dunkle Sonnenbrillen zu sein. Die von RAFAŁ ist von Porsche. Das ist zwar sehr 80ies, sieht aber sehr aus der Zeit gefallen aus. Da war Vincent schicker.

Anxhela Peristeri ist anschließend mal nicht in einem Tonstudio, sondern in eine großen Allzweckhalle, das merkt man an der blechern klingenden Ansage.  Man sieht wenig von der Halle, es stehen nur einige Neonröhren rum und alles ist in rotes Licht getaucht. Die Inszenierung ist stark, Anxhela (selbst in schwarz) hat eine Tänzerin in weiß dabei. Die Turnhallenperformance soll wohl auch die Dialektik des Songstextes transportieren.

Jetzt kommt Bennys Favoritentitel „Embers“. James singt ihn akustisch begleitet von fünf Studiomusikern in einer zum Studio umfunktionierten Bibliothek (oder umgekehrt). Er sieht umwerfend aus in schwarzem T-Shirt, darüber ein offenes Hemd in beige. Ich hatte bislang gar nicht wahrgenommen, dass James ein richtig gutaussehender Mann ist, aber auf sowas achte ich ja auch nie. Stimmlich sehr ausdrucksstark, dieser Auftritt hat mir bislang am besten gefallen.

Suzy singt das erste Mal und wir sollen den Titel erraten. Ich passe – die Auflösung ist Ivis LaLaLove aus Baku. Ivi Adamou gehört btw zu meinen All-Time-Favorites, just sayin´

Montaigne folgt aus ihrem „Bedroom“ und trägt ein Batik-T-Shirt in Regenbogenfarben, dazu passend im Hintergrund ein Gemälde von Freddie Mercury als Ludwig XIV in einem barocken Protzrahmen, sehr speziell. Montaigne hat ihre Haare in einem schmutzigen Gelb gefärbt, sehr gewöhnungsbedürftig. Nicht jeder Ton sitzt, aber sie legt viel Leidenschaft in den Vortrag.

Etwa 10.000 Zuschauer verfolgen die PrePartyES live, das sind 4.000 mehr als der Schnitt in 2020. Die Pandemie hat uns das Online-Gucken „üben“ gelernt.

Vasil gibt Gas. Nach einer Vasil-typischen epischen und pathetischen Anmoderation singt er seinen diesjährigen ESC-Song in spanisch, begleitet sich selbst am Klavier und integriert bits-and-pieces von „Bandido“. Nice, I like. „We will silence the hate with love and positive energy“ ist seine Botschaft, als er zum Ende kommt. Er sieht dabei so aus, er würde ihm ob seiner eigenen Worte fast die Tränen kommen.

Lesley Roy danach hat viel von der positiven Energie, die Vasil versprochen hat. Sie bringt „Maps“ aus einer Art Kirche/Konzerthaus und wird von zwei Musikern begleitet. Lesley selbst (ganz in schwarzem Leder übrigens) übernimmt den Guitarrenparty. Stimmlich stärker als hier jetzt habe ich „Maps“ noch nicht gehört, der Vortrag ist nach James das zweite Highlight des Jahres.

Sirusho tritt auf. Sie hat eine eine übergroße kantige Sonnenbrille auf, ich tippe mal auf „Chanel“. Allerdings kommen von ihr nur Grußworte, kein Songclip. Es klingt so, als sei sie als Live Act für Madrid geplant und das Ganze ist auf 2022 verschoben.

Dafür singen Hurricane im Anschluß – aus einer Art Sperrmüll-Kellerraum mit (mindestens) Halbplayback. Aber die Mädels rocken dynamisch. Wiewohl sie auf drei Barhockern sitzen, sind Oberkörper, Arme, Hände immer aufreizend in Bewegung – das lässt die ausrangierte Couchgarnitur im Hintergrund vergessen.

Auf Serbien folgt Tschechien. Benny singt „Omaga“ ebenfalls akustisch. Ich weiß ja nicht so recht, aber akustisch werden sich die Songs alle irgendwie ähnlich und „Omaga“ ist in der Acoustic Version definitiv nicht besser als das clever produzierte Original.

Samanta Tina entäuscht nach Benny nicht. Sie tritt in einem atmosphärisch wunderbar indreikt beleuchtetem Teppich- und Tapetenhandelshaus auf und singt zunächst mit drei Backgroundmädels „Still breathing“ und erinnert uns automatisch daran, wie stark sie 2020 war – und wie sparsam dem gegenüber ihr diesjähriger Beitrag „The moon is rising“ ausfällt.

Es folgt Eye Candy Miki als nächster Special Guest. Anders als Sirusho singt er seinen ESC „Klassiker“ aber und „La Venda“ weckt wunderbare Erinnerungen. Ich muß daran denken, wo leidenschaftlich eine spanische Clique auf den Hit auf der ESC kompakt Party anläßlich des Hamburger ESC abgefeiert hat. Aus einer anderen Zeit… Miki sieht übrigens sexy, hier nimmt die Acoustic Version nix von dem Drive des Songs (Miki wird von einem Guitaristen begleitet).

Miki (Núñez Pozo) seinem „La Venda“ Vortrag seinen neuen Song hinzufügen und dieser groovt richtig klasse. Ich hab´ auch auf Twitter gelesen, wie der Titel heisst, leider wird das jetzt nicht eingeblendet. Miki ist mein drittes Highlight nach James und Lesley.

Benny erinnert mich gerade daran, dass ich häufiger zwischenspeichern muss, damit nicht Mutmaßungen auftreten, ich sei zwischenzeitlich eingeschlafen. Sorry Guyz, ich gelobe Besserung.

Und nun also „Tick Tock“ – großes Kino für uns zwei. Der Clip kommt wie ein ausgewachsenes aufwändig produziertes Video rüber – im Vollplayback. Albina sitzt in einem pink illuminierten Spiegelkabinett in einer grünen Oversize-Glitzerjacke. Wie immer catcht mich der Part des Songs in Landessprache. Dieses Zweitvideo ist jetzt nicht unbedingt der Spirit der PrePartyES, die von der Authentizität der Vorträge lebt, aber der Song ist und bleibt grandios.

Auf Tick Tick folgt Uku und der sitzt wieder einmal am Klavier – allerdings ohne Sonnenbrille. Er kündigt eine „semi-acoustic version“ seines Hausmannskost-Beitrags an. Hoppla, dies ist ein Vortrag, wo der Song (und der Interpret!) gewinnen. Mir gefällt „The Lucky One“ in dieser Semi-Adaption besser als das „Original“ und stimmlich macht Uku das super (mal ganz abgesehen davon, dass ein offenes Karohemd über einem weißen T gut kommt).

Die Hälfte dürfte etwa stattgefunden haben – und noch kein Jendrik? Anscheinend schätzen die OGAE Spanier den Titel deutlich stärker ein als die Wettquoten.

Go_A folgen auf Uku und es gibt wieder ein „Zweitvideo“ im Vollplayback, allerdings superlustig und funky – aus einer bunt dekorierten und illuminierten Zweizimmerwohnung in einem Hochhausblock. Der Flötenspieler auf dem Bett ist der Burner. Das ist inszeniert wie ein ArtPiece im Moma, großartig. Das Beste bislang. Innovativ, kreativ, ironisch, lässig.

Es gibt eine Zwischenansage von Blas und Viktor und sie huldigen Karina, die 1971 beim ESC den zweiten Platz für Spanien erreichte. Gefeiert wird also das 50. Jubiläum von „En un mundo nuevo“. Es gibt eine Best-Of-Compilation von Karinas Karriere zu sehen und sie selbst sieht sich das in einem kleinen Fenster auf dem iPhone an und sieht dabei gut und glücklich aus. Wir stellen fest, das in ihrem Wohnzimmer ohne Ende Bilder hängen, auf denen sie selbst in unterschiedlichen Envivrements zu sehen ist. Sie ist sehr bewegt und singt ihren fantastischen ESC-Schlager auch noch einmal persönlich an. „What an emotional moment!“ sagt Viktor. In der Tat.

Nun Zypern! Nach der Erinnerung an Ivi Adamou durch Suzy kann Elena eigentlich nur verlieren. Aber sie macht das sehr gut – auch in der Acoustic Adaption mit Guitarrist. Stimmlich im ersten Drittel heute Abend und tatsächlich „live on tape“. Auch sie hat wieder ein Neonröhren-Ambiente um sich herum (die Neonröhren sind noch häufiger als die Sonnenbrille), dazu ein kurzes aber opulent ausgestattetes Goldkleid. Das ist jetzt eine große Überraschung, Elena hat richtig glaubwürdige Power, ein guter Gig.

Portugal / The Black Mamba folgt auf Elena un die Zuschauerzahl liegt inzwischen bei 11.500 – das ist eindrucksvoll. Weil ich nonstop tippe, komme ich kaum dazu, an meinem Weinglas zu nippen, dennoch (also komplett ohne Drinks) gefällt mir die PrePartyES von Mal zu Mal besser, auch „Love Is On My Side“ im Joe Cocker Softrock-Style kommt richtig gut rüber und ich entdecke den Song neu. Das ist auch wieder „semi-acoustic“ wie Uku sagen würde und das groovt richtig schön. Wenn Portugal das in dieser Form auf die Bühne in Rotterdam bringt, dann könnte das locker im Finale sein.

Manizha macht den Thomas Anders (hat beim dt. VE im Schauspielhaus im HH seinen Song mal dreimal anfangen müssen) und muss bei den ersten beiden Versuchen, ihren Song zu singen, lachen und deshalb dreimal starten. Maniha präsentiert „Russian Woman“ mit zwei Backgroundsängerinnen und vierköpfiger Band eng beieinandern vor exotischer Kirmendeko und man merkt dem Ensemble eine große Spielfreude an. „Be ready for change, because you are the change“ sagt Manizha abschließend. Chapeau.

Bei aller Begeisterung über Russland habe ich die nächste Ansage verpasst. Miki ist nämlich wieder da und hat einen jungen auch singenden Guitarrenspieler an seiner Seite – keine Ahnung, wer das ist. Miki hat ein T-Shirt an, auf dem „gorgeous“ steht und das trifft auf beide zu.

Nach Miki taucht Suzy wieder auf – mit ihrem Song-„Quiz“ Teil 2. Sie macht aus einer Ballade ein Reggaestück, es soll wohl Pastoras „Quedaque conmigo“ sein. Furchtbar. Das Original hingegen ist Champions League, der beste spanische ESC Song ever ever ever. Ok, Eres tu ist auch breathtaking beautiful.

The Roop eröffnen Stunde 3 der PrePartyES – mit einer Acoustic Adaption eines Dancefloortitels, der alles braucht, aber keine Acoustic Version. Dazu kommt, dass das Video noch eher trashig-verwaschen wirkt und in einer Art Garage aufgenommen wurde. Not so sexy.

Demgegenüber ist dann Hooverphonic ein qualitativer Quantensprung. Mit dem Song kann ich nichts anfangen, aber der Livecllip ist klasse produziert, magisch beleuchtet und die zurückgenommene Bar-Atmo lässt den Zuschauer tatsächlich die herausragende Stimme von Geike Arnaert konzentriert wahrnehmen.

Efendi grüßt aus Baku und liefert ebenfalls eine erstklassige Vorstellung – vor orangefarbener Neonröhre im ansonsten schlichten Studio mit braunen Vorhängen. Aber Efendi singt live und das stolz, klar und top-akzentuiert und das beige-halbtransparente hochgeschlossene Spitzenoberteil lässt sie zusätzlich souverän, natürlich, elegant und lasziv-emotional wirken. Perfekt, der Clip gehört zu den fünf besten heute.

Was für ein Kontrast ist Naviband hintendran. Die treten zwar auch vor braunem Background auf, aber das Ganze wirkt, als würden Sie ihren Abiball nachholen in der in die Jahre gekommenen Schulaula, wo jeder was zu besten geben darf. Ein angenehmer Kontrast ist da, dass zwischendurch der sympathische ESC-Auftritt des Duos eingeblendet wird.

Aber Naviband singen jedenfalls was (sogar zwei Titel) – anders als Sirusho, deren Cameo-Appearance im Nachgang doch etwas merkwürdig wirkt.

Blind Channel treten an – und wie – 10 Sekunden, die es in sich haben, sie hardrocken kurz die Eurovisionshymne und das war´s. Es geht noch kürzer als Sirusho.

Und dann kommt Jendrik – mit einem eigens für die PrePartyES produzierten Clip – ähnlich klamaukig wie sein Video aber ohne Waschmaschinen. Der Clip ist bunt bunt bunt – Jendrik tritt mit seiner Entourage auf, die auch bei den Liveauftritten auf der Bühne ist – und am Ende haben alle ganz viel Farbe/Schminke/farbiges Pulver im Gesicht. Jendrik singt live, er springt so heftig durch den Clip, dass ihm zwischendurch die Puste ausgeht. Das ganze scheint outdoor gefilmt zu sein, es sieht aus wie ein S-Bahn-Tunnel mit Graffitis.

Es folgt noch eine emotionale Zugabe. Jendrik sitzt auf einem Sofa und singt „Viva cantando“ auf deutsch. „Seit Du endlich da bist, bin ich nicht mehr am Heulen.“

Welch´ein Kontrast ist danach Tusse. Tusse singt „Voices“ sehr zurückgenommen mit dezenter Begleitung. Unaufdringlich, sensibel aber auch ein bissel unaufregend, ohne Akzente. Das coolste ist der lässige türkisfarbener Anzug, den Tusse trägt.

Dann wieder der maximale Kontrast, Måneskin rocken ihren San Remo Hit in allerbester Intensität – kantig, schmutzig, elegant, aufregend, leidenschaftlich. Das ist modern, innovativ, mitreissend – auch der Clip ist großartig in seinem reduzierten Industrie-Chic. Italien liefert ab – auch und gerade mit dieser PrePartyES-Teilnahme.

Es folgen KEIINO – outdoor und bei Sonnenschein bringen Sie „Monument“ in einem Art Sparkassen-Style-Stonehege-Ambiente an der norwegischen Küste. Sympathisch, wie immer inspirierend aber nicht wirklich herausragend.

Wieso darf VICTORIA nach so viel Feuerwerk so spät ran? Man weiß es nicht, am Song dürfte es nicht liegen. Sie sitzt auf beleuchteten Treppenstufen, wird von einer Frau mit Cello begleitet und „Growing up“ ödet in Vollplayback am Zuschauer vor.

Aber dann hängt VICTORIA „Lo vas a olvidar“ (im Original von Billie Eilish im Duett mit Rosalía) dran, das ist schon ein anderer Schnack, hier kann VICTORIA zeigen, was sie stimmlich drauf hat und das ist exzellent, ergreifend und eindrucksvoll. So endet ihr spanischer Gig sehr versöhnlich.

Daði hat seinen späten Startplatz ebenfalls seinem Favoritenstatus aus dem Vorjahr zu verdanken – wie vor ihm schon VICTORIA – würde ich vermuten. Er trägt seinen Song allerdings selbst selbstironisch vor und hat sich auf eine schmale Leiste in seiner Berliner Wohnung gesetzt und singt „10 Years“ – entspannt, augenzwinkernd und sehr persönlich ganz allein. Das passt zu ihm und zu dem Titel.

Diese spanische Nacht ist noch lange nicht zuende, es fehlen noch einige der angekündigten Teilnehmerinnen/Teilnehmer.

Destiny hat sich auf einen Outdoor-Auftritt entschieden – akustisch nur mit Gitarrenbegleitung aber in bombastischer Kulisse – auf dem Dach eines leuchtend rot gestrichenen Burgbunkers. Die Optik ist gigantisch – aber als Quasi-Acappella-Version verliert „Je Me Casse“ einiges an seinem Dynamik-Drive.

Nach Destiny gibt es ein Wiedersehen mit Dami Im, von der es anscheinend eine eigene Barbiepuppe gibt, die auf dem Klavier dekoriert ist, auf dem Dami „Sound of Silence“ spielt. (Von Kylie gibt es eine Barbie, die ich unbedingt mal haben wollte, aber nie bekommen konnte, warum also nicht auch von Dami?). Was soll ich sagen/schreiben? Dami ist wie immer striking good, „Sound of Silence“ ist ein Klassiker.

Dami darf dann noch Promo in eigener Sache machen und ihren neuen Song „Lonely Cactus“ vorstellen. Sie hockt sich dafür auf den Boden in ihrem Appartment und um sie herum ganz viel Hydrokultur (endlich!) und – natüüüürlich – ein Kaktus. Sagen wir es so, der Song kann ganz viel Deko-Elemente zur Belebung gebrauchen. Anders als bei „SofS“ singt Dami den Kaktussong nicht live und verpasst mehrfach den Einsatz. Naja, sie bleibt toll.

Ich will nicht mußmaßen, woran es liegt, aber wir sind beim Start von Barbara Pravi runter auf 7.800 Zuschauer.  Barbara präsentiert „Voila“ in einem sonnenlicht durchflutenden Studio mit weichem Holzbeschlag und großem Spiegel mit vier Begleitmusikern incl. zweier Streicher, aber dennoch riecht der Clip auf mich nach Vollplayback. Die Abmoderation von Barbara ist supersympathisch und spielerisch, das macht den Auftritt rund und mitreissend.

Nun folgt Senhit, Senhit-typisch over the top in einem Dachgarten mit ganz viel Hydro und überfrachtetem Dekoprotz wie man ihn in Edelbordellen vermutet. Senhit liefert „Adrenalina“ auch in Guitarrenbegleitung akustisch TOP ab, ihr Outfit (bekannt aus dem Video) bleibt gewöhnungsbedürfig. Wie Vasil versucht sie sich dann noch an „Bandido“ und zeigt dabei unübersehbar und unausweichbar viel Brust unter dem Tüll-Ungeheuer, was ein Kleid darstellen soll.

Kann es sein, dass ich Stefania übersehen habe? Angekündigt war sie. Ich will nicht ausschließen, dass sie bei mir untergegangen ist, Ihr Song lässt das durchaus zu, darüber zu spekulieren.

Jedenfalls ist jetzt Blas Cantó dran – und der dürfte der Rausschmeißer sein. Er singt seine diesjährige Ballade über den Dächern von Madrid in tiefer Nacht mit weiblicher Klavierbegleitung. Dann folgt sein Titel „El No Soy Yo“ vor gleichfalls dunkler Nachtkulisse.

Oh, Senhit kommt nochmal und sitzt in freier Wildbahn wieder abenteuerlich aufgehübscht mit schwarz-rotem Tüll und präsentiert „Universo“, Blas CantósBeitrag aus 2020. Blas revanchiert sich mit seiner Version von „Freaky“, ebenfalls in parkähnlicher Outdoor-Umgebung. Das ist eine sehr hübsche Idee, die davon gekrönt werden, dass die beiden gemeinsam „Fiesta“ präsentieren. Senhit bekommt dazu auf einer Outdoor-Holzbühne Unterstützung von einem Shirtless-Flamencotänzer.

Suzy darf zum Schuß als Quizaufgabe 3 ihren eigenen Hit „Quero se tua“  verfremden. Suzy gehört alle meine Liebe, aber es hätte ihrer heute nicht bedurft. Das sehen die Spanier aber anders, denn noch den Schlußworten von Blas und Viktor singt Suzy ihren Eurovisions-Euroclub-Knaller auch noch einmal von zuhause aus vor dem hässlichen abstrakten Gemälde, vor dem sie schon den ganzen Abend ihre Party-Beiträge beisteuert.

Während die Credits laufen, gibt es wieder ein Fenster mit der singenden Karina vor dem Karina-Bilderwald, dann ist die PrePartyES endgültig vorbei – nach exakt 200 Minuten.

Was mir bleibt, ist es, Euch für einen Zuspruch und Eure engagierte Begleitung dieses Liveblogs zu danken. An OGAE Spain geht ein dickes Kompliment, die PrePartyES in dieser einzigartigen Form auf die Beine gestellt zu haben, sind doch alle anderen PrePartys ohne Online-Ersatz abgeblasen worden.

Meine Highlights heute ganz spontan:

  1. Go_A
  2. Måneskin
  3. James
  4. Manizha
  5. Effendi und The Black Mamba

Alle diese Auftritte lohnt es sich, einmal anzusehen – für alle die, die nicht live dabei waren und dieses Summary zu einem späteren Zeitpunkt lesen

 

 


489 Kommentare

  1. Auf Twitter hat ERT bekannt gegeben, dass Stefanias Auftritt für die PrePartyES erst am 04.05. veröffentlicht wird.
    Warum auch immer, aber, wenn die griechischen Götter es so wünschen…

  2. Wieso Stefania nicht aufgetreten ist. Begründung vom Veranstalter: „ Um Verwirrungen zu vermeiden – und wie bereits berichtet wurde -, handeln 30 der 31 Vertreter heute Abend. Stefanias Auftritt (Griechenland) wird aufgrund von Planungsproblemen am 4. Mai ausgestrahlt“

  3. Danke für die PreParty, dank an Eurovision Spain, war eine tolle Nacht gestern. Meine Highlights waren Russland und Deutschland. Ukraine wäre auch in meinen Top aber ich bin kein Fan von Playback.

    • Entweder man mag Jendrik oder nicht. Der Auftritt war sympathisch. Es war nicht professionell, sondern Kindergeburtstag. Lieb gemeint. Was mir zu denken gibt sind seine stimmlichen Qualitäten. Schon bei der Silbereisen-Show ist aufgefallen wie schnell er aus der Puste war.

      • Das kommt davon, wenn man beim Singen die Atemtechnik ausblendet. Als ausgebildeter Sänger und Schauspieler sollte er das aber gelernt haben!

      • Wäre schade wenn er in Rotterdam durch fehlende Luft auffällt, hoffe aber wir können die Holiparty gestern nicht mit Rotterdam vergleichen. Gestern wurde sein Pfund welches er in die Waagschale werfen kann, nämlich seine charismatische Energie, eindrücklich demonstriert. Ich glaube eine stimmlich einwandfreie Akustikversion wäre verschwendete Sendezeit gewesen.

  4. Überraschung bei der isländischen Soundcheckshow „Alla leið“! Erneut standen acht Wettbewerbsbeiträge zur Beurteilung und der Sieger heißt Rumänien:

    https://eurovoix.com/2021/04/24/roxen-alla-leid/

    Roxen und Destiny bekamen je 40 Punkte, was mich allerdings stutzig macht: Destiny hat zweimal und Roxen nur einmal 12 Punkte von den Juroren erhalten und dennoch hat das südosteuropäische Land gewonnen? Die Siegerin müßte demzufolge Destiny heißen oder es wurden bei der Übermittlung die Ergebnisse vertauscht (Roxen bekam zweimal und Destiny einmal die 12 Punkte).

  5. Meine Highlights waren auch Ukraine, Russland und Deutschland.
    Ich fürchte dieses Jahr muss ich erstmals für Russland anrufen.

  6. Jendrik hat im INFE POLL 2021 gerade 7 Punkte aus Tschechien bekommen 🙂 . Das zum Thema er bekommt keine Punkte dieses Jahr , das hat sich damit erledigt ;).

  7. Hab mir die Show im Nachhinein angesehen und mach mir was Jendrik angeht keinen großen Kopf. Das war zwar gesanglich überhaupt nichts aber man hat auch gemerkt, dass er den Auftritt für die Pre-Party nicht wirklich ernst genommen und ziemlich übertrieben hat. In Rotterdam in vier Wochen sollte alles wesentlich besser klingen.
    Übrigens: Solea aus Spanien war nicht die einzige JESC Teilnehmerin. Die Tänzerin aus dem Video aus Albanien war Efi Gjika (JESC 2018)

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.