Stefan Raab will mit seiner neu gegründeten Produktionsfirma Raab Entertainment 2025 die deutsche ESC-Vorentscheidung retten. Das berichtet das Medienmagazin DWDL. Das „Rettungskonzept“ sieht vor, dass das ZDF, RTL Deutschland und ProSiebenSat.1 jeweils eine eigene Vorrunde veranstalten, über deren Gestaltung die Sender frei entscheiden können. Die so ausgewählten Acts würden dann in einem Finale im Ersten miteinander um das deutsche Ticket zum ESC konkurrieren. Gegebenenfalls könnte es auch eine vierte, von der ARD veranstaltete Vorrunde geben.
Ob es dazu aber wirklich kommt, ist aktuell noch unklar. Laut DWDL pitchen Stefan Raab und sein „Raab Entertainment“-Geschäftspartner Daniel Rosemann das ausgearbeitete Konzept aktuell bei den vier Rundfunkanstalten. Diese sollen sich interessiert gezeigt, aber noch keine Entscheidung getroffen haben. Auf Seiten von ZDF, RTL und ProSiebenSat.1 soll es Zweifel darüber geben, warum man die deutsche ESC-Unternehmung unterstützen soll, wenn am Ende der internationale Wettbewerb in der ARD zu sehen ist. Umgekehrt wollen die ARD-Verantwortlichen wohl abwarten, ob es nicht doch einen deutschen Überraschungserfolg beim Eurovision Song Contest 2024 in Malmö gibt und der Handlungsdruck dadurch etwas abnimmt.
Stefan Raab jedenfalls hat große Pläne: Sein Ziel ist vor allem Rückhalt und Identifikation mit dem deutschen Act im eigenen Land. Eine nationale Aufgabe 2.0, sozusagen. Dass er das schaffen kann, hat der frühere (und vielleicht bald wieder) Entertainer bereits mehrfach unter Beweis gestellt – unter anderem als Komponist und Autor von „Guildo hat euch lieb“, seiner eigenen ESC-Teilnahme 2000 mit „Wadde Hadde Dudde Da“ und als Mentor von Max Mutzke. Und dann waren da natürlich 2010 bis 2012 die beiden Lena-Jahre (samt ESC-Sieg und Heim-Grand-Prix in Düsseldorf) und das Roman-Lob-Jahr, in denen Stefan Raab auch schon unter Beweis gestellt hat, dass eine Kooperation zwischen öffentlich-rechtlichen und Privatsendern (damals ARD und ProSieben) funktionieren kann.
Die Nachricht, dass Stefan Raab an einem ESC-Comeback arbeitet, kommt nicht überraschend. Bereits im Herbst hatte DWDL entsprechende Spekulationen im Zusammenhang mit Raabs Gründung einer neuen Produktionsfirma veröffentlicht. Zudem ist relativ sicher, dass die deutsche Federführung in Sachen ESC zukünftig nicht mehr beim NDR liegen wird. Wie es allerdings stattdessen weitergeht, ist komplett offen. Wenn man sich die Entscheidungen rund um das deutsche ESC-Engagement in den vergangenen Jahren anschaut, dürfte aber auf der Hand liegen, dass die Lösung nicht (allein) innerhalb der ARD liegen und nur mit externer Unterstützung gelingen kann.
Wir werden das Thema natürlich im Blick behalten und Euch hier auf ESC kompakt auf dem Laufenden halten.
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Sag mal… lesen die bei Overthinking it den ESC-Kopakt-Blog??
Das musste ich direkt schauen. Ist momentan mein absoluter Lieblingskanal bei YT zum Thema ESC.
meiner auch Frank – dieser amerikanische Kanal macht das echt mit Liebe zum ESC und das merkt man.
Da schaut man mal ein paar Tage nicht rein und dann sowas …
Wenn man mal die Fakten der letzten Monate zusammenträgt:
bei ARD denkt über eine Umstrukturierung des VE nach …Böhmermann äussert deutliches Interesse …Castingshows auf RTL und Pro7/Sat1 dümpeln gefühlt vor sich hinSchöneberger möchte kürzer treten… da scheint mir der Vorschlag seitens Raab wirklich gar nicht so unrealistisch. Aber mal nüchtern betrachtet: Da die Sender über die Vorrunden-Gestaltung „frei entscheiden können“, liegt es schon sehr nahe, dass zumindest Pro-7 auf diesem Wege versuchen wird, neue Impulse/Anreize für The Voice zu schaffen. Für RTL und DSDS sieht das m.E. eher fraglich aus, da der Sieger hier normalerweise im Mai gekürt wird und einen möglichen ESC-Beitrag dann frühestens nach mehr als drei Monaten präsentieren dürfte.
Meine Haupt-Hoffnung liegt aber tatsächlich bei Böhmermanns Magazin-Royale, das sich als mögliches ZDF-Format ja buchstäblich aufdrängt. Die große Frage wäre dann natürlich, ob man mit einem alternativ-feuilletonistischen Act im deutschen Finale tatsächlich eine Chance gegen die üblichen Casting-Kandidaten hätte.
Und wenn ich ein wenig träumen dürfte, hätte ich gerne noch Inas Nacht (fünf Abende in Folge je ein Kandidat mit Live-Auftritt und abschließendem Voting über Bierdeckel!) sowie TVnoir.de (wurde anscheinend gerade erst neu aufgelegt) als ARD- und Streaming-Vorrunden!
Ich bin mir nicht sicher, ob Franchise- Shows wie DSDS oder TVOG überhaupt eine derartige Zentrierung vornehmen dürften.
Das Künstler*innen aus den Formaten fahren, ja aber nicht dass es den ESC – Anstrich bekommt.
Ich glaube auch, dass Raab sich auf eine Fusion einlassen würde, da er dort sicherlich finanziell anders aufgestellt wäre als wenn er selbst ein neues Format etabliert. Mit Böhmermann könnte ich mir eine Fusion vorstellen, da es sich hier um ein eher freistehendes Format handelt.
Zugegeben: die Teilnahme von Jamie-Lee mit ihrem The-Voice-Song ist natürlich ein nicht gerade motvierendes Beispiel und eine dauerhafte Anbindung zum momentan nicht gerade rennommierten deutschen Finale dürfte nur äusserst bedingt als reizvoll erachtet werden.
Gleichwohl habe ich zumindest den Eindruck, dass sich den jeweiligen Gewinnern sonst auch nicht gerade die besten Aussichten bieten. Finden die in Charts & Radio überhaupt noch statt?
Ja, ich glaube das hat tatsächlich oft mit Marketing und internationaler Vermarktung zu tun. Viele deutsche Musikformate haben beispielsweise lange oder bis heute keine Videos auf YT online.
Es gibt ja tatsächlich das ein oder andere TVOG – Gewächs gibt, welches es dann doch schafft. Max Giesinger und natürlich unser ESC – Held Michael Schulte.
So weit weg ist das mit Inas Nacht nicht, immerhin ist Alex Wolfslast da die zuständige NDR-Redakteurin 😉
Raab hat viel Zeit und hat gute Kontakte in die Musikszene. Ihm wird vertraut. Mit fast 60 ist er natürlich aber auch nicht mehr der Jüngste. Verjüngung sähe anders aus.
Mehrere Vorrunden wäre sicher eine attraktive Sache. Hängt aber alles natürlich am Content.
‚über die Gestaltung ihrer jeweiligen Vorrrunden-Sendung können die Sender frei entscheiden‘. Das impliziert nicht (meine ich), dass sie auch den Musik-Inhalt, nämlich die dort auftretenden Artist/Song-Kombis frei bestimmen können.
Könnte sein, dass über den Musikcontent die Raab-Firma bzw vielleicht sogar oft Raab selbst entscheiden wird.
Jetzt folgt meine Analyse der Möglichkeiten
2013 – 2023 Zuschauermarktanteils-Entwicklung (2013-2023)
Pro7: -47%, RTL: -31%, Sat1 -43%, ARD -2%, ZDF +19%,
Bei den 14-29jährigen, sank der Konsum von linearem TV von 124 Minuten (2014) sehr radikal auf nur noch 45 Minuten (2023).
Bei 30 bis 49 jährigen sank der TV Konsum in den letzten Jahren (2014 bis 2023) von 218min täglich auf 126min täglich.
Heutzutage sind knapp 75% aller Linear-TV Zuschauer über 50, nur rund 25% 14- 49, 1% sind unter 14.
Beim ESC Finale 2023 sah das ganz anders aus. Sagenhafte 57% der Zuschauer der Sendung waren 14-49 Jahre alt (fast 250% über dem ARD Schnitt) nur 43% waren 50+, oder unter 14 Jahre alt.
Beim deutschen Vorentscheid 2024 lag der Anteil der 14-49jährigen bei 21% 79% waren 50+…Ziel muss daher sein ‚junge Leute‘ zu locken!
Durchschnitt wäre 25%. ARD Durchschnitt ist 17%. RTL Durchschnitt ist 32%. Bei Pro 7 sinds gar 64% Anteil der 14-49jährigen. Beim ZDF im Schnitt nur 12% (12% ist auch der Wert aller dritten Programme der ARD).
3 Vorrunden bei Sendern mit extremst unterschiedlicher Zuschauerstruktur wird natürlich perse allein auf Grund der Zuschauerstrukturen ein interessantes Bild geben können. Immerhin würde das 1:2 Verhältnis zwischen ‚Sender mit älterem Publikum zu Sendern mit eher jungen Publikum) in etwa sogar der Zuschauerstruktur des ESC Finales entsprechen.
Frage ist, ob dann ein Vorentscheidfinale in der ARD deutlich mehr als 21% Anteil der 14-49 Zuschauer wird einfahren können (2019 waren es noch 32%, 2014 37,5%). Wäre klar Pflicht, dass es wenigstens um die 30%, eher sogar 40% werden. Würd sagen ab 50% wäre es ein Bombast-Erfolg…
Dafür müssten einige der Qualifikanten-Song/Artis-Kombis der Vorrunden für ‚jüngeres Publikum‘ in welcher Weise auch immer sehr ansprechend sein. Mal sehen, ob wenigstens ein paar solcher Attraktions-Kombis hergezaubert werden können. Glaube dann wär auch 4Mio+ Gesamtzuschauer im Bereich des Möglichen. Bei regelrechter Starpflasterung (die ich aber nicht erwarte) könnte sich ‚the sky is the limit‘ für die Zuschauerzahl/Quote ereignen.
Ein Wettbewerb lediglich aus Nobodies wird es nicht bringen. Das ist schonmal klar.
Sehr interessante Analyse!
Achso
hier nach mal zur Erinnerung die grössten Raab Erfolge als mehr oder weniger Solo Artist
Mit über 1 Mio verkauften CD Singles ganz weit vorne ist ‚Maschn-Draht-Zaun‘ (1999).
gefolgt mit an die 300.000 ‚Wir Kiffen‘ (2001)
ebenfalls an die 300.000 der zurecht in Vergessenheit geratene Song ‚Ho mir ma ne Flasche Bier (Schluck, Schluck, Schluck)‘ aus dem Jahr 2000.
Von seinen wenigen Alben hat nur eins kommerziellen Erfolg gehabt.
Sein Stellenwert in der ESC Szene rührt her von seinen immer Top 10 ESC Final-Platzierungen. An 4 von 6 dieser Erfolge war er federführend künstlerisch beteiligt (als Autor, oder/und Ausführender).
Kommerziell grösster ESC Erfolg war ‚Can’t Wait Until Tonight‘ (ein aussschliesslich von Raab geschriebener Song), den man im Hause Raab schon so halb als ESC Sieger sah, dann aber ’nur‘ 8. wurde.
Alle anderen waren mittlere Hits.
Can’t Wait Until Tonight kommt bis heute auf knapp 6 Mio Spoti Streams (immerhin der zweiterfolgreichste Song des 2004er ESC Finales).
Taken By A Stranger ist mit 5,4 Mio hinter Popular (31 Mio) und der erstaunlicherweise im ESC vorletzten Platzierten Getter Jaani (Rockefeller Street, 10 Mio, sehr gigantisch das!) im Streaming vierterfolgreichster Song des 2011er ESC Finales.
Standing Still ist übrigens immerhin im Streaming fünfterfolgreichster Song des 2012 ESC Finales (1. Loreen, 2. Ivi Amadou 34 Mio, Megahit in Schweden!, 3. Can Bonomo, 4.Mandinga)
Für Mutzke und besonders Roman Lob war nach dem ESC kaum noch bzw gar nichts mehr los.
Der ununterbrochene Top 10 Streak ist Raabs Nimbus. Beim Streaming belegen Songs der ‚Raab Acts‘ sogar quasi durchgehend Platz 5, oder besser der jeweiligen Finalsongs (if available)
Guildo Hat Euch Lieb 5. (über die Hälfte der Songs des 98er Finales sind unavailable) (1 Mio)
Wadde Hadde Dudde Da – fehlt bei Spotify.
Mutzke 2. (6 Mio)
Lena 1. (85 Mio)
Lena 4.(5,4 Mio)
Roman Lob 5.(7,2 Mio)
Quasi alles Top 5 muss man erstmal schaffen.
Festzuhalten ist
Der deutsche Musikmarkt hat sich seit 2012 drastisch verändert( nicht nur musikalisch, sondern auch in Vertriebs-Hinsicht und auch im Bereich der Promo Taktiken).
Humoristische Songs haben mit Ausnahme vllt des Ballermann-Bereichs keine Bedeutung mehr.
Was man einwenden könnte ist, dass sich der ESC seit 2011 zwar auch verändert hat, aber nicht so drastisch, wie der allgemeine Musikmarkt.
Bleibt abzuwarten, wie Raabs Zugang zu den aktuellen Entwicklungen ist und wie sich das dann materialisiert, oder nicht.
„und der erstaunlicherweise im ESC vorletzten Platzierten Getter Jaani“
Naja. Das hatte ja erst den Erfolg mit der Nightcorevariante und den dazugehörigen TikTokvideos:
RTVE hat übrigens heute die Jurypunkte für das Finale des Benidorm Fest 2024 veröffentlicht:
https://eurovoix.com/2024/04/11/spain-benidorm-fest-2024-jury-points-revealed/
Bei je vier Mitgliedern lagen St. Pedro und Nebulossa auf dem ersten Platz.
St. Pedro trauere ich sehr hinterher 🥲
Deutschland bei den Odds aktuell auf dem 34. Platz
Toll jetzt muss ich hoffen, dass Isaac letzter wird, einfach nur, weil ich mir das aktuelle rumgegurkt vom NDR bzw. dann nächstes Mal MDR nicht geben kann. Die Sendungen für den Vorentscheid waren nicht nur von der Abwechslung, sondern auch Unterhaltungstechnisch eine absolute Katastrophe. Was hat dort Florian Silbereisen verloren oder der andere mit den Langen Haaren, die haben keinerlei Bezug zum ESC bis auf „Ich mag den“ und der Gedanke, dass Florian Silbereisen für diesen Auftritt vermutlich mehr Geld erhalten hat, als ich in einem Jahr verdiene, geht mir dahingehend auch nicht mehr aus dem Kopf. Also ja, Isaac ist sympathisch und nur liebe für ihn, aber für eine strukturelle Veränderung muss er einfach lower 5 werden, sonst sehen die Macher dieser wirklich schlechten Sendungen sich noch bestätigt. Ich mag den ESC und will endlich auch mal wieder (LOTL mal ausgenommen) für einen Act mitfiebern können.
[…] und musikalischen Hintergrund mit, was den Bewertungsprozess vielfältiger macht. Besonders Stefan Raab ist für seine ESC-Expertise bekannt und hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er ein Gespür […]