Head Of Delegation Germany Alexandra Wolfslast im ESC-kompakt-Portrait

Bild: NDR/Hendrik Lüders

Am Tag vor der Bekanntgabe der Interpreten, die am deutschen ESC-Finale 2022 „Germany 12 Points“ teilnehmen, möchten wir eine gute Tradition aufleben lassen, die schon auf dem PRINZ-Blog gepflegt wurde. In Anlehnung an den legendären Fragebogen des französischen Schriftstellers Marcel Proust, der in Deutschland vor allem vom FAZ-Magazin popularisiert wurde, bitten wir die ESC-Verantwortlichen in Deutschland um das Ausfüllen dieses beliebten Fragenkatalogs zu persönlichen Interessen und Erlebnissen.

Augenzwinkernd pimpen wir den Proustschen Fragebogen jeweils ESC-kompatibel mit individuellen Fragen und wie ihre Vorgängerinnen und Vorgänger war auch die jetzige Head Of Delegation Alexandra Wolfslast (in dieser Rolle seit dem Ausnahmejahr 2020 beim NDR verantwortlich) so freundlich, ihn für die ESC-kompakt- Leserinnen und -Lesern auszufüllen. Ihr könnt so die Leiterin der deutschen Delegation in Turin besser kennenlernen, die am morgigen 10. Februar ’22 auch federführend das Line-Up für das deutsche Finale der Öffentlichkeit vorstellen wird.

geboren: 22.05.1967 in Hamburg

Allererste Berührung mit dem ESC: Ich war sehr klein und durfte lange wach bleiben…. Ich kann mich noch an Dschinghis Khan erinnern. Die fand ich super!!!!

ESC-Lieblingslieder aus Deutschland: Also, da greife ich mal in die Historien-Kiste. „Wunder gibt es immer wieder“ von Katja Ebstein 🙂  Und ich bin ein Fan von „You Let Me Walk Alone“ von Michael Schulte.

ESC-Lieblingslieder international: Es fällt mir schwer, das zu beantworten. Jedes Lied hat zu jeder Zeit seine Berechtigung und es gibt so viele tolle Lieder. Ich liebe „Fairytale“ von Alexander Rybak, ich stand total auf Mahmood mit „Soldi“. Im letzten Jahr war ich ein Fan von Måneskin mit „Zitti e buoni“… und ich habe „Set Me Free“ abgefeiert.

Der beste Song aller Zeit (jenseits des ESC) ist für mich: Musik ist Gefühl und Erinnerung. Da gibt es nicht nur einen Song für mich. Klassiker sind nach wie vor die Beatles mit „Yesterday“, „The Long And Winding Road“, natürlich Queen mit „Bohemian Rhapsody“. Fleetwood Mac mit „Dreams“, „Ich liebe Das Leben“ von Vicky Leandros, „Liebe Ohne Leiden“ von Udo Jürgens, „Another Love“ von Tom Odell. Ich könnte stundenlang weitermachen.

weil: Ein Song muss mich berühren. Dann landet er sehr schnell in meinem Favoriten-Koffer 🙂

Unvergesslich: „Dreams“ von Stevie Nicks / Fleetwood Mac vom legendären „Rumours“ Album

Das beste Album aller Zeiten ist für mich: Da ich ein Kind der 80er bin, hat mich Depeche Mode geprägt. Ich mag ihre ersten Alben. Vor allem „A Broken Frame“. War nicht sehr erfolgreich, aber „See You“ gehört zu meinen Lieblingsliedern. Fleetwood Mac mit „Rumours“ ist ein Jahrhundertalbum. Das erste Whitney Houston Album ist großartig…. Ich liebe das Livealbum von Philipp Poisel: „Projekt Seereosenteich“. „Mensch“ von Grönemeyer war unfassbar. Wie ihr seht, kann ich mich auch bei der Frage nicht entscheiden…

Was hat Dich bewogen, den Job als HoD zu übernehmen? Ich liebe Musik und Teil des großartigsten Musikevents der Welt zu sein, ist eine Herausforderung, der ich mich nicht entziehen konnte. Was kann es Schöneres geben, als mit so vielen Nationen für so ein Event zusammen zu kommen. Ich bin dankbar, dass ich das erleben darf. Und ich bin Thomas Schreiber dankbar, dass er mich geholt hat.

Das bisher schönste Erlebnis als HoD: Nach einem Jahr Corona im Green Room in Rotterdam zu sitzen. Die 5000 Zuschauer*innen haben sich wie 20.000 angehört. Ich hatte eine Stunde Gänsehaut!

Die bislang anspruchsvollste Erfahrung als HoD: Tja, auch Rotterdam. Die Enttäuschung der Künstler*innen hat mich schwer getroffen. Das ist ein harter Moment.

Zuletzt im Kino gesehen: Den letzten James Bond.

Bester Film aller Zeiten ist für mich: Da kann ich mich wieder nicht entscheiden. „Titanic“, „Vom Winde verweht“, „Frühstück bei Tiffany“, „Avatar“

Beste TV-Serie aller Zeiten ist für mich? Also „Breaking Bad“ hat mich schwer beeindruckt. „Game of Thrones“ natürlich. Ich habe „Sex in The City“ verschlungen und „Melrose Place“. Groß geworden bin ich mit „Dallas“ und „Denver Clan“.

Wie gefiel Dir „Fire Saga“? Nicht mein Humor. Aber ich liebe Rachel McAdams…. Und ich finde es super, dass der ESC in Hollywood Einzug hält!

Erste persönliche ESC Erinnerung? Ich durfte damals das Brainpool Casting in Hamburg mit organisieren. Da war ich schon angefixt. Das war das Lena-Jahr (aber sie war leider nicht in Hamburg).

Schönste berufliche Erinnerung? Ed Sheeran in der Stadthalle in Göttingen beim ersten Soundcheck Festival war definitiv ein Highlight. Wir haben dieses Festival aus dem Boden gestampft, es war unglaublich anstrengend. Aber in diesem Moment wusste ich, dass wir hier was ganz Besonderes geschaffen hatten. Später habe ich Ed Sheeran vor 80.0000 Menschen in Hannover erlebt. Aber das kleine intime Konzert in der Stadthalle ist und bleibt mein Highlight.

Wie war es, Shawn Mendes kennenzulernen? Das erste Mal habe ich ihn bei einem Showcase in Berlin gesehen und durfte ihn danach kennenlernen. Er ist unglaublich nett und er war irgendwie so proper und anständig. Gar nicht der „abgerissene“ Musiker.

So gar nicht abgerissen: Shawn Mendes für Calvin Klein (photographiert von Mario Sorrenti)

Eindrucksvollste Erinnerung an eine Musiker-Begegnung? John Miles kennenzulernen. Ich bin so traurig, dass er gestorben ist. Die Begegnung mit Roger Hodgson von Supertramp war großartig und ich durfte Phil Collins treffen. Aber beeindruckt hat mich zum Beispiel auch Adel Tawil. Wir hatten ein Meet and Greet für Hörer*innen organisiert und in der Gruppe war ein schwerstbehindertes Kind. Die Art und Weise, wie Adel dieses Kind behandelt hat und wie er es zum Strahlen gebracht hat, werde ich nie vergessen. Das war sehr beeindruckend.

Stehst Du noch in Kontakt zu Jendrik? Natürlich. Und ich hoffe, das bleibt so. Jendrik ist ein wundervoller Mensch. Ich bin dankbar, dass ich ihn kennenlernen durfte und hoffe, dass wir lange freundschaftlich verbunden bleiben.

Jendrik im Hotel „The Madison“ in Hamburg (photographiert von Volker Renner)

Beste internationale Erfahrung als HoD? So viele habe ich ja noch nicht erleben dürfen. Aber ich habe in Rotterdam wirklich alle Teilnehmer*innen gefeiert.

Wie wichtig ist für einen HoD das Feedback der Bubble? Das ist sehr wichtig! Die Bubble lebt den ESC und verfügt über ein unglaubliches Experten-Wissen. Das muss man ernst nehmen. Viele Vorschläge und Wünsche kann ich zwar nicht  umsetzen, aber ich bin dankbar für die Inspiration und trage das auch häufig weiter.

Was hat Dich in Rotterdam am meisten beeindruckt? Die Produktion. Das ist der helle Wahnsinn. Und mich hat beeindruckt, wie sich alle Delegationen gegenseitig unterstützt und gefeiert haben.

Liebster Ort in Hamburg? Die Elbe… Ich mag Wasser.

Lieblingsbeschäftigung: Ich lese für mein Leben gerne. Am Wasser sitzen und ein Buch lesen ist für mich pure Entspannung.

Lieblingsfarbe: Habe ich eigentlich nicht. Bei Klamotten mag ich Schwarz, Grau und Rottöne. (Pink und Orange)

Lieblingsblume: Hängt von der Jahreszeit ab. Im Moment freue ich mich, dass Tulpen wieder Saison haben.

Liebingsschriftsteller/-schriftstellerinnen: Ich stehe auf Horror und bin ein Stephen King Fan.

Motto: Vielleicht kein Motto aber definitiv eine Weisheit: Man sieht sich immer zweimal im Leben.

Großes ESC-Ziel für ’22? Ich wäre sehr gerne mit unserem Act auf der linken Seite der Tabelle. Aber vor allem wünsche ich mir einen normalen ESC ohne Masken und mit Euroclub 🙂

Hier Krista Siegfrids im Euroclub in Stockholm, viele coole Euroclub-Bilder aus einer anderen Vor-Corona-Zeit gibt es hier.
Endlich mal wieder im Euroclub feiern – ein Nach-Corona-Wunsch von HoD Alex Wolfslast.

Wir danken Alexandra Wolfslast herzlich für’s Mitmachen bei unserer „Marcel Proust goes ESC“-Initiative.


24 Kommentare

  1. Sorry, aber ich kann der Head Of Delegation Alexandra Wolfslast wenig bis nichts abgewinnen. Da sie sich ja ständig und immer schockverliebt, weiß ich gar nicht was wirklich ernst gemeint ist.

    • Ich bin immer wieder überrascht, dass Andere eine so große Menschenkenntnis haben, dass sie aus ein paar Interviews und kurzen Szenen in Videos, Menschen so gut beurteilen können. Ich würde mir sowas nie anmaßen. Daher Gratulation..

  2. Ebstein heißt die Dame. Von wem auch immer der Fehler kommt – Peter oder die Wolfslast: peinlich isses auf jeden Fall. Als Fan bzw. Verantwortliche sollte man das drauf haben.

    Im Grunde hätte zu der Dame ein Satz genügt, nämlich:
    Fehl am Platz. Zwei Fehlentscheidungen und eine insgesamt vollkommen missglückte PR- und Kommunikationsstrategie gehen auf ihre Kappe. Die Frau versteht den ESC nicht, das ist durch die Jendrik-Wahl mehr als deutlich geworden.
    Ich weiß nicht, warum diese Frau hier noch hofiert wird. Das heißt, ich weiß es natürlich doch. Vollkommen NDR-unkritischer Blog halt.

  3. Danke für das Frage / Antwort-Spiel. Finde ich persönlich immer interessant. Man lernt den Menschen hinter einer Funktion ein bisschen besser kennen.
    Mal schauen was morgen so geboten wird an potentiellen deutschen ESC-Teilnehmern.

  4. Wenn wir solche Songs im Vorentscheid haben wie Frau Wolfslast bei der Frage nach den liebsten ESC-Songs angibt, wären wir schon einen großen Schritt weiter.

  5. Für das Soundcheck-Festival bin ich als Göttinger natürlich dankbar (wusste gar nicht, dass sie da mitgewirkt hat). Ihr Musik-Geschmack ist schonmal recht vielseitig, wenn auch mit leichter Superstar-Tendenz.

    Ist allerdings auch ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt, bei der aufgeheizten Stimmung mal eben einen Wolfslast-Artikel rauszuhauen, egal wie unverfänglich der Inhalt auch ist. Da wäre morgen Nachmittag vielleicht (hoffentlich) schon wieder besser gewesen.

  6. Danke für das interessante Interview, zeigt schon mehr über die Person Frau Wolfslast als das sonst so übliche Blabla, allerdings nur zwei deutsche ESC Lieblingssongs ? Da sollte man wohl dringend was dran ändern ! 🙂

  7. Morgen wird sie mit lob überschüttet oder muss einen shitstorm über sich ergehen lassen. Ich bin gespannt.
    Jedenfalls hab ich festgestellt, dass zweierlei menschen mir immer symphatisch sind, hundehalter und buchleser.

  8. „Musik ist Gefühl und Erinnerung.“

    Warum kriegen wir dann die volle Breitseite vergessenswürdiger, generischer Radio-Pop-Songs? Weil nichts mehr nach „Gefühl und Erinnerung“ schreit, als die Hintergrundbeschallung beim Autofahren? Ist doch ein schlechter Witz.

  9. Danke Peter für das interessante Interview!

    Für alle hier die meinen von dem Musikgeschmack, welchen Alex Wolfslast hat, darauf zu schließen welche Songs für Deutschland .-so lange sie HoD ist- beim ESC antreten sei gesagt, dass noch mehr Leute dort mitentscheiden und dies keine alleinige Entscheidung der „Head of Delegation“ ist!

  10. Heute verkündete RTP die Startreihenfolge der beiden Halbfinals des nationalen Vorentscheides Festival da Canção, das leider durch zwei englischsprachige Beiträge verschandelt wird:

    https://eurovoix.com/2022/02/09/festival-da-cancao-2022-orders/

    Das erste Halbfinale wird von Sónia Araújo und Jorge Gabriel und das zweite von Tânia Ribas de Oliveira und José Carlos Malato und das große Finale von Filomena Cautela und Vasco Palmeirim moderiert.Inês Lopes Gonçalves berichtet aus dem Green Room.

  11. Schönes Interview. Finde ich eine der vielen tollen Sachen bei Euch, dass ihr so was immer mal wieder macht. Hilft auch ein bisschen, den Mensch hinter der Funktion zu sehen. Danke!

  12. Schon seit Jahren beweist uns der NDR, dass man offensichtlich kein großes Interesse hat. Da wird nicht einmal halbherzig versucht, für Deutschland einen tollen Vertreter zu suchen. Mit der Wolfslast wurde eine „würdige“ Nachfolgerin für Schreiber und Co gefunden. Sorry, aber man muß es so hart sagen: leider hat Frau W. absolut keine Ahnung von ESC tauglicher Musik. Besonders letztes Jahr hat sie es mit Jendrik unter Beweis gestellt. Auch 2022 war sie bei 9 Titeln „schockverliebt“ . Ich bin es auch bei vier der Vorentscheidungsteilnehmer. Allerdings wuede bei mir das Gegenteil ausgelöst: ich konnte mich beim Anhören nur mit Grauen abwenden.

  13. Wenn Ihr mal Frau Wolfslast bei der Pressekonferenz anschaut – besonders bei der Interviewrunde, wo sie im Hintergrund steht – werdet Ihr vielleicht wie ich zum Schluss kommen, dass sie ganz genau weiß, was man den ESC-Fans mit dieser Auswahl zumutet. Vielleicht geht es dem NDR in diesem Jahr hauptsächlich darum, die ganze ARD mit ins Boot zu nehmen. Und dann dachten sich die Zuständigen in den Sendern wohl: Na gut, unsere Musik-Kompetenz sitzt ja geballt bei den Dudelwellen, sollen die eben die Jury stellen – dann kommt auch was radiotaugliches raus. Es scheint ja eine diplomatische Großtat gewesen zu sein, alle Sender zusammen zu bekommen. Aber der Ansatz, einen Radiosong für den ESC zu suchen, ist halt unsinnig. Größer könnten die Gegensätze bei den Anforderungen gar nicht sein: Ein Radiosong darf beim Autofahren und Bügeln nicht stören, ein ESC-Song muss auffallen und polarisieren.

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