
Der Kosovo macht Ernst: Nachdem die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Radio Televizioni i Kosovës (RTK) im vergangenen Monat bereits angekündigt hatte, 2025 erstmals am Eurovision Song Contest teilnehmen zu wollen, wurde dieser Wunsch nun auch ganz offiziell an die European Broadcasting Union (EBU) herangetragen. Allerdings auf eher unkonventionelle Art und Weise…und mit ungewissem Ausgang.
Kurzer Rückblick: Während der diesjährigen ESC-Woche hat RTK in einer Pressemitteilung öffentlich gemacht, dass der Kosovo am Eurovision Song Contest 2025 in der Schweiz teilnehmen möchte. Und nicht nur das: RTK habe für das Vorhaben auch die Unterstützung aus vielen Ländern gewonnen. Klar sei außerdem bereits, dass im Fall der Fälle der Sieger-Act der zweiten Ausgabe des nach albanischem Vorbild im vergangenen Jahr ins Leben gerufenen kosovarischen „Festivali i Këngës në RTK“ das Land beim ESC 2025 vertreten solle.
Das Problem dabei war vor einem Monat und ist weiterhin, dass RTK aufgrund des völkerrechtlich unklaren Status des Kosovo – aktuell erkennen lediglich 115 der 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen den Kosovo als unabhängigen Staat an – kein EBU-Mitglied ist. Ein Weg zum Beitritt zur European Broadcasting Union (EBU) und damit zur Teilnahme am Eurovision Song Contest wäre die Mitgliedschaft im Europarat. Ein zweiter möglicher Weg in die EBU führt über eine Mitgliedschaft in der Internationalen Fernmeldeunion, eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Beides ist bislang nicht geschehen.
Heute wurde ein Brief öffentlich (s. unten), den der Generaldirektor von RTK, Shkumbin Ahmetxhekaj, an den Executive Supervisor des Eurovision Song Contest, Martin Österdahl, geschrieben hat. Darin heißt es unter anderem (Übersetzung von uns):
„Obwohl der Kosovo derzeit über ein Sonderabkommen und einen Status bei der EBU verfügt, sind Länder wie Australien, die zur Teilnahme am Eurovision Song Contest eingeladen wurden, für uns ein Vorbild. […] Wir bitten Sie höflichst, RTK zur Teilnahme am nächsten Eurovision Song Contest einzuladen.“

Kurz gesagt: RTK möchte – nach australischem Vorbild – auch ohne EBU-Vollmitgliedschaft am Eurovision Song Contest teilnehmen und bittet dafür um eine spezielle Einladung. Zwischen den Zeilen lässt sich hier durchaus herauslesen, dass die Verantwortlichen selbst nicht davon ausgehen, dass eine ESC-Teilnahme über den regulären Weg im kommenden Jahr realistisch ist. Auch die Veröffentlichung des Briefes dürfte da zur Taktik gehören, um öffentlichen Druck auf die EBU aufzubauen, dem Kosovo eine Teilnahmemöglichkeit zu eröffnen.
Es dürfte allerdings eher unwahrscheinlich sein, dass die EBU in diesem Fall eine Ausnahmeregelung erteilt. Bei all den vielen Baustellen, die die ESC-Verantwortlichen und die Reference Group aktuell beschäftigen, dürfen wir wohl davon ausgehen, dass die EBU sich nicht weiter angreifbar machen wird, indem sie dem Kosovo eine Sonderbehandlungen zukommen lässt – und damit auch die Länder düpieren würde, die das Land nicht anerkennen, allen voran Serbien.
Können die ESC-Hoffnungen des Kosovo damit (vorerst) also schon wieder begraben werden? Wir werden die weiteren Entwicklungen natürlich hier auf ESC kompakt für Euch im Blick behalten.
Was denkt Ihr, kann die Strategie von RTK aufgehen? Und wie sollte die EBU auf den Brief reagieren? Schreibt uns Eure Meinung gerne in die Kommentare.
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Benny, ich habe dir eine E-Mail geschrieben und bin sehr traurig, dass ich darauf von dir keine Antwort bekomme. Habe ich irgendwas falsch gemacht?
Hallo Sam, nein, Du hast nichts falsch gemacht. Ich habe nur einen Vollzeitjob (neben ESC kompakt) und kann deshalb Mails nicht in Echtzeit beantworten. Berenike hat ja Deine Fragen schon beantwortet, damit war die Sache für mich erledigt und ich habe lieber diesen Artikel hier geschrieben.
Ah, OK. Vielen Dank. Und übrigens finde ich es unglaublich stark von euch und dir, wie ihr beides, also Job und ESC Kompakt unter einen Hut kriegt. Für diese Leidenschaft und dieses Engagement herzlichen Dank von mir, an euch alle.
Was für eine Regierung haben die eigentlich gerade? Mein Fußball Buddy ist aus dem Kosovo aber wir reden
und gucken 99% Fußball, nicht Politik.
Sozialdemokraten mit einer Mischung aus Nationalismus
Danke – klingt besser als die serbische Regierung.
Hast Du auch einen Hockey- Buddy, einen Federball- Buddy und Synchronschwimmer- Buddy? 😎
Turmspringer Buddy 😜
Handwerker Buddy. Schornsteinfeger Buddy.
Das heißt Badminton-Buddy 😉
@Qwert: Danke Dir: ESC bildet, das wusste ich auch nicht. Fliegt so ein bißchen unterm Radar derzeit bei meinem Nachrichten-Konsum.
Eine Teilnahme fände ich gut….und ein würdevoller Ersatz für die beleidigten Holländer!🤓
Allein, mir fehlt (noch) der Glaube.
Ich bräuchte dringend eine mitreißende, klassische Balkanballade.
Bei aller Liebe und auch wenn ich mehr Länder eigentlich immer gut heißen würde, aber nach diesen Jahr noch ein zusätzliches, polarisierendes Thema auf die Tagesordnung zu setzen – Ne, das muss echt nicht sein.
Ich glaube auch nicht das die EBU bei Kosovo eine Ausnahme macht.
Die Art des Vorgehens hat Charme. Helfen wird es wohl nicht.
Wann auch immer:
Willkommen, Kosovo!
Es ist ja ein Bewerbungsschreiben mit der Bitte um eine Einladung.
Die EBU könnte RTK ja zu einem Vorstellungsgespräch einladen, um
die Möglichkeiten einer Teilnahme auszuloten. Das Schreiben öffentlich zu machen, ist schon recht geschickt.
Vielleicht ist es eine Möglichkeit, in diesem Jahr den Sieger des kosovarischen Festivals als Pausenact beim ESC auftreten zu lassen.
Dann wäre das ein erster Schritt und es wäre abzuwarten, was in den nächsten Jahren noch möglich ist. Die Schweiz mit seinen guten Verbindungen zu Albanien könnte da schon so etwas wie ein Fürsprecher und Türöffner sein, allerdings ist die EBU der entscheidende Ausrichter.
Ich befürchte, selbst das wäre Serbien schon zu viel.
Warum ist es so wichtig, was Serbien macht oder denkt?
Kein Land steht über dem Wettbewerb. Verstehe nicht, wo das Problem liebt. Wenn Serbien ein Problem mit der Teilnahme des Kosovo hat, ist Serbien selbst das Problem. Also weg mit denen und nicht die Teilnahme Kosovos kategorisch ausschließen… Absolut falsche Schlussfolgerung von vielen hier auf der Plattform.
Gute verbindungen zum kosovo.
Okay, das natürlich auch.
Grundsätzlich finde ich es toll, dass ein weiteres Land beim Eurovision Song Contest teilnehmen möchte. Viel Erfolg!
Ich hoffe, dass eine friedliche Koexistenz zwischen Serbien und dem Kosovo funktionieren kann. Aserbaidschan und Armenien machen ja auch ohne großes Drama mit.
Das Beispiel hinkt aber.
ARM und AZE können sich zwar gegenseitig überhaupt nicht ab, es sind aber immer noch zwei international anerkannte souveräne Staaten, die sich auf der Ebene tolerieren müssen.
Was anderes wäre es, wenn die EBU Bergkarabach eingeladen hätte; da wäre Aserbaidschan bestimmt nicht so friedlich geblieben.
Lol, „so friedlich geblieben“ 🙄
Es gibt eine Sonderregelung für Australien, dann sollte man den Kosovo diese Regelung auch einräumen.
Die Sonderregelung wurde eingeführt nachdem der ESC schon jahrzehntelang in Australien übertragen wurde. Zudem ist Australien ein anerkannter souveräner Staat mit dem kein europäisches Land größere diplomatische Konflikte hat.
So richtig vergleichbar sind die Situationen also wohl nicht.
Die Zustimmung aus „vielen Ländern“ ist mir ziemlich egal, solange nicht gesagt ist, dass auch Spanien und vor allem Serbien einverstanden wären. Ich hätte den Kosovo zwar ausgesprochen gerne dabei, aber nicht zu dem Preis, dass es auch nächstes Jahr wieder so ein Drama wie dieses Jahr gäbe.
Der Kosovo wäre willkommen, aber da ist ja noch das mit Serbien.
Die Teilnahme wäre ein erster Schritt die Streitigkeiten der Regionen etwas zu schlichten. Da ich mich politisch in der Region dort nicht auskenne, bin ich erstmal neutral gestimmt auf die Streitigkeiten.
Da ist der Ärger doch schon vorprogrammiert.
Mir gefällt die Idee einer Teilnahme des Kosovo eigentlich sehr gut. Wenn das Land aber kein Mitglied der EBU ist, sollte man sich auch an die Spielregeln halten oder die Regeln offiziell ändern. Dann können China, Brasilien und die USA auch teilnehmen.
Da das aber eher ausarten würde, bin ich erstmal gegen eine Teilnahme des Kosovo.
Der Gerechtigkeit halber sollte dann aber auch das Gastland Australien nicht mehr teilnehmen dürfen.
Als einmalige Teilnahme wegen des Jubiläums fand ich die Idee noch super, jetzt scheint es ja still und leise zu einer Dauerteilnahme gekommen zu sein.
Aber die Idee, jedes Jahr einen Pausenact aus einem anderen Nicht-EBU-Land zu haben, würde mir gefallen. Sozusagen „Die Welt zu Gast bei Freunden“.
Dann dürfen wir auch Madonna wiedersehen. Taylor Swift würde mir auch gefallen.
Nee, Quatsch. Eher keine Singerei mehr in den Pausen.
Kann deine Meinung bzgl. Australien verstehen, sehe es aber komplett umgekehrt:
Australien ist ESC-begeistert genug, um die Reise- und Organisationsstrapazen auf sich zu nehmen. Und die Teilnahme ist auch der wirklichen Begeisterung für den Wettbewerb geschuldet, nicht irgendwelchen PR-Gründen wie jetzt z.B. bei anderen kleinen Ländern (wenn man gemein sein will, wie z.B. bei Luxemburg).
Aufgrund der territorialen Lage ist die Einladung natürlich eine Umgehung der Standard-Regeln, klar. Aber wenn eine TV-Anstalt sich den Werten des ESC verpflichtet fühlt und sogar noch den großen Einschnitt in Kauf nimmt (keine Austragung in Australien), warum sollte man ihn dann abhalten?
Genauso kann ich es verstehen, dass der Kosovo darum fragt, weil der offizielle Weg (politische Anerkennung des Staates) verwehrt bleibt. Da es aber nun einmal keine so eindeutige Situation ist wie bei Australien darf man da auch nicht die gleiche Antwort erwarten.
Würde man einfach jeden TV-Sender durchwinken, der teilnehmen will, hätten wir irgendwann v.a. Länder dabei die aus politischen Gründen mitmachen wollen und noch sehr viel weiteres Konfliktpotenzial mitbringen könnten (Nordzypern? Transnistrien? etc.). Das würde den ESC komplett zur Politikveranstaltung machen.
Mit Australien hat man keines der Probleme – also was spricht gegen die (offenbar dauerhafte) Ausnahmegenehmigung?
Ich hätte auch nichts dagegen, wenn andere Sender mit ähnlicher ESC-Ausstrahlungs-Historie mitmachen dürften, wenn sie die eben genannten Kriterien erfüllen (z.B. Neuseeland oder Kanada). Das entscheidende ist, dass der Fokus auf Europa bleibt. Das ändert sich auch nicht bei 2-3 weiteren Nichteuropäern (wovon wir ja auch neben Australien einige haben).
Bitten kann man viel. Die Fakten sprechen aber eine eindeutige Sprache. Wir kommen gerade aus einer mehr als katastrophalen Saison, bei der Drama auf der Tagesordnung stand. Völlig wertungsfrei: Vor Hintergrund der Rundfunkanstalten, die bereits die nächste Teilnahme zugesagt haben, muss man davon ausgehen, dass es nächstes Jahr nicht besser werden wird.
Eine Teilnahme Kosovos würde zweifelsohne nicht nur auf Begeisterung stoßen, sei es nun bei anderen Teilnehmern oder Zuschauern. Die dramengeplagte EBU hat mit Sicherheit keine Lust, zusätzlich Öl ins Feuer zu gießen. Von daher denke ich, dass es keine Einladung geben wird.
Wie kommen Sie zu dieser Schlussfolgerung?
Schon die massenhaften Proteste, Petitionen und ähnliches vergessen? Warum sollte das nächstes Jahr anders sein?
Sie haben aber in der vorigen Nachricht nicht von massenhaften Protesten oder Petitionen gesprochen, sondern von „Rundfunkanstalten“.
Ja… Weil betroffene Rundfunkanstalten bereits zugesagt haben, gehe ich davon aus, dass es nächstes Jahr mit dem Protest munter weitergehen wird. Nirgends habe ich geschrieben, dass der Protest von ihnen ausgeht. Sorry, falls das undeutlich war
Off Topic: Heute beginnt offiziell die Fußball-EM in Deutschland. Allen, die es interessiert, und sich das Spiel Deutschland gegen Schottland anschauen möchten, wünsche ich schon jetzt viel Spaß.🙂
Es wäre wohl nicht allzu spekulativ, davon auszugehen, dass Serbien eine Einladung nicht mittragen wird. Keine Ahnung, was genau Spanien gegen den Kossovo hat, aber deren Zustimmung als Big5-Land wäre vermutlich noch entscheidender.
Selbst bei einem Schweizer-Pausenact mit Kossovo-Hintergrund wäre vermutlich schon das nächste Drama am Start.
Tja, hat schon was von einem jährlichen Familientreffen …
Spanien fürchtet einen Präzedenzfall bezüglich der Abspaltung von Landesteilen, die nach Unabhängigkeit streben (Baskenland, Katalonien).
12 Punkte aus Katalonien an Spanien, könnten aber viele Wunden heilen!
Spanien wird nichts dagegen haben, da seit Anfang dieses Jähr Kosovarische Pässe Anerkannt haben.
Ich kann es nachvollziehen, dass die EBU sich nicht zu einem Schritt hinreißen lässt, der evtl. andere reguläre Teilnehmer vor den Kopf stoßen würde.
Sicherlich wäre eine Teilnahme des Kosovos klasse und sicherlich auch eine kulturelle Bereicherung.
Am Besten (wenn auch völlig unwahrscheinlich) wäre es, wenn gerade Serbien Großmut zeigt und die EBU um eine einmalige Sondergenehmigung für den Kosovo bitten würde. Dann würde ich meinen Hut vor Serbien ziehen – das würde von Größe zeugen.
Leider ist das alles völlig ausgeschlossen, weil die Serben so verbohrt in ihrem Stolz sind.
Ich denke, bevor wir den Kosovo beim ESC teilnehmen sehen, ist es eher wahrscheinlicher, dass wir dort Neuseeland sehen werden.
Der Kosovo hat ja bereits an dem Eurovision young dancers teilgenommen.
Ha ha serbien komandiert europa
Ich weiß nicht in es gut ist für die musikalische Qualität beim ESC, wenn man wieder so ein Mikroland beim ESC zulässt.
Ich Befürworte die Teilnahme Kosovos! Und das wird sich niemals ändern.
Serbien wird Kosovo niemals anerkennen. Wen interessiert es?
Kosovo nimmt auch an den Fussball Wettbewerben Teil und Serbien hört nicht auf Fussball zu spielen. Diese ängstliche Haltung von vielen hier ist absolut unverständlich.
Kein teilnehmendes Land ist größer als das Festival/der Wettbewerb. Wenn Serbien aufgrund der Teilnahme des Kosovos nicht mehr teilnehmen möchte, sagt es mehr über das Land und deren Sendeanstalt aus, sodass ich die garnicht mehr dabei haben möchte.
Kosovo nimmt an der aktuelle EM Endrunde auch nicht Teil. Schaut euch die Banner an, die grade auf Schalke am Spielfeldrand hängen … Kosovo Umrisse in Serbien Flaggen eingebettet. Sinnlose Provokationen. Wen juckt es? Niemanden. Gestern war Kosovo Teil auf Flaggen von Großalbanien. Sah ganz nett aus 😉
Peace Out!
Willkommen Kosovo