Melodifestivalen: Der schwedische Vorentscheid setzt wieder Show-Maßstäbe

Am Freitagabend konnte in der Göteborger BeeBar an zwei Gästen (und natürlich auch der dort gespielten Musik) festgemacht werden, warum das Melodifestivalen auch in seinem 18. Jahr als generationsübergreifende Show funktioniert: Sowohl Edvard af Sillén als auch Haustänzer Edin Jusuframic (Foto) gönnten sich einen entspannten Abend, bevor am Folgetag der Startschuss für das erste Halbfinale des Melodifestivalen 2019 ging. 

Zur selben Zeit gingen auch bereits Bilder von der Generalprobe durch die ESC-Bubble (natürlich auch auf unserem Instagram-Account): Eric Saade in einem Dress der Tänzerinnern von Netta und mit dem Federschmuck von Dana International (Aufmacherfoto mit Sarah Dawn Finer). Ein Israel-Medley sollte damit bespielt werden.

Dieses Israel-Medley, ein Mash-Up aus den vier ESC-Siegersongs des Landes, ist es nun auch, das weit über die nationale schwedische TV-Zuschauerschaft hinaus die Menschen begeistert. Nicht nur die heimischen und israelischen Medien feiern es, auch Dana Internatinal selbst hat es mit ihren Followern geteilt. 

Ein vierminütiger Auftritt der vier Moderatoren der Show – und alle wissen Bescheid: Das Mello ist zurück. Die Sendung ist (wieder) für Überraschungen gut, über die am nächsten Tag das ganze Land spricht und die man deshalb lieber nicht verpassen sollte. Kann es für einen Fernsehmacher einen besseren Auftakt und ein besseres Image für sein Produkt geben?! 

Zu verdanken hat das schwedische Fernsehen SVT das ganz offensichtlich dem kreativen Kopf und Manuskript-Schreiber der Show sowie dessen Team: Edvard af Sillén. Seit dem Eurovision Song Contest 2016 war er nicht mehr an der Show beteiligt. Ob nur deshalb oder aufgrund anderer personeller Schwachstellen: Der Humor war seitdem uninspiriert und die Kritik riesig. Von wegen: niemand ist unersetzlich. 

Während sich in Bezug auf das Show-Programm aus Eröffnungsnummer, scharfzüngigen Kommentaren und dem Israel-Medley Zuschauer, Fans und Medien einig zu seien scheinen, gehen die Meinungen über die sieben Songs vom Samstagabend in Göteborg (wie immer) weit auseinandergehen. Festzuhalten ist aber, dass verschiedene Musikstile zu hören, Stars am Start und immerhin zwei Songs auf Schwedisch dabei waren (auch wenn die sich nicht weiter qualifizieren konnten).

Natürlich war auch jeder Auftritt wieder durchinszeniert. Und dazu gehören dann – so es zum Act passt – auch die Haustänzer des Melodifestivalen, u.a. mit dem bereits erwähnten Edin Jusuframic (Foto unten). Seit Jahren machen sie aus den Songs eigenständige und dynamische Kunstwerke. Peinlich werden so getanzte Choreographien nur, wenn sie von den Sängern selbst vorgetragen werden, wie bei High 15.

Das Ergebnis: Die Zuschauerzahl des ersten Halbfinales lag mit 3.038.000 Personen zwar über der 3-Mio.-Grenze, dennoch schalteten insgesamt 200.000 Zuschauer weniger ein als im Vorjahr. Dabei sind die Zuschauer im Netz aktuell noch nicht mitgezählt. Der Marktanteil lag bei allen Zuschauern bei unglaublichen 73,9% bzw. bei 82,8% bei den 20- bis 50-Jährigen. Entsprechend zufrieden zeigte sich das schwedische Fernsehen. Der Rückgang zum Vorjahr sei mit dem allgemeinen negativen Fernsehtrend zu erklären.

In der Tat bleibt abzuwarten, wie sich die Zuschauerzahlen im nächsten Halbfinale entwickeln. Sollten sie dann absolut oder zumindest relativ über dem Vorjahr liegen, hat sich das Engagement und der Einsatz mehr als bezahlt gemacht – und das schwedische Fernsehen größeren europäischen Anstalten wie dem französischen Fernsehen deutlich gemacht, wo der Show-Hammer im Jahr 2019 hängt und wie man aus einem ESC-Vorentscheid ein massenattraktives Produkt macht.

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49 Kommentare

  1. Wo ist denn noch die Performance von Wiktoria auf der offiziellen Melodifestivalen Seite ?
    Irgenwie finde ich nur die anderen 6 Performances und der Livestream ist bei mir auch weg..
    Vielleicht hat ja jemand noch einen Link von Wiktorias Perfomance auf der Melodifestivlen Seite.

  2. Mir geht derweilen die schwedische Arroganz ziemlich auf den Sack. Die Schweden haben letztes Jahr vom Publikum richtig einen auf den Sack bekommen, was ich richtig toll fand. Nur weil der Chef vom ganzen Schwede ist, sind sie auch von den Juries so gut bewertet worden. Habe nie verstanden, was sie nur an diesem gräßlichen Grinse und Poseroboter nur hatten. Ich fand den einfach nur total schrecklich. So künstlich wie der, sind nur noch einige Teile von Cher. Ich hoffe sie schicken mal wieder ne Frau oder ne Band und nicht diese Gesangsklone aus dem schwedischen Musiklabor.

  3. Ich fand den Auftritt von High 15 ganz gut und da es auch ihre erste Teilnahme am Melodifestivalen ist, war auch eine Spur Lampenfieber mit dabei.

    Trotzdem gab es bei den sieben Teilnehmern auch Inszenierungen, die gar nicht zum Titel paßten. Das war vor allem bei Wiktoria und Anna Bergendahl der Fall und hier sollten bis zum Finale (Wiktoria) bzw. bis zum Nachsitzen (Anna) Änderungen vorgenommen werden.

    Den Intervallact fand ich total daneben! Das Melodifestivalen feiert 60. Geburtstag und da hätte ich mir mal ein Medley aus ehemaligen Wettbewerbsbeiträgen (vor allem vom ersten Melodifestivalen 1959 im Cirkus in Stockholm) gewünscht.

    • Nun … es gibt ja noch fünf weitere Sendungen. Gut möglich, dass es noch mal ein Medley oder sonst eine Reverenz an frühere Mello-Zeiten gibt. Ich würde auf das Finale tippen. Außerdem fehlt auch noch die Darstellung des Vorjahres-Siegersongs in einer neuen Fassung (bestimmt im Finale). Da lassen sich die SVT-Leute ja gerne mal was Originelles einfallen. Das Bengtsson-Werk in der Version von Caroline af Ugglas letztes Jahr fand ich zum Beispiel richtig spannend.

      Das Israel-Medley war schon cool.

      • 1970 und 1976 gab es keines, da hat Schweden ja ausgesetzt. Ansonsten wäre es dieses Jahr auch schon das 61. gewesen.

  4. „Peinlich werden so getanzte Choreographien nur, wenn sie von den Sängern selbst vorgetragen werden..“. Stimmt und ich finde, dass das ganz besonders für Balladen gilt. Bei Wiktoria und Arja war ja keine einzige Handbewegung echt und das killt dann auch jedes Gefühl. Muss man wirklich schon innerhalb der ersten Strophe dreimal lasziv den Mikrofonständer streicheln?

  5. Ich fand die show so extrem gut gemacht, das die songs dagegen abgefallen sind. Bei perfekter show fällt halt jeder falsche ton doppelt auf.
    Arja empfand ich nicht als gekünstelt, sondern eher als ne spät-hippie-lady auf farbigen kügelchen. Ich war jedenfalls entzückt.

  6. Ich wünsche mir ja eine ähnliche VE für Deutschland. Warum das nicht genauso möglich ist, ist mir ein Rätsel. Aber da müsste man ja einiges tun, was PR betrifft, man müsste ja Interesse und Leidenschaft zeigen. Aber das ist bei der Beamtenmentalität der ARD und NDR nun mal nicht möglich.

    • So eine richtig gute Musikshow würde ich mir auch für Deutschland wünschen, jetzt mal unabhängig davon, ob sie als VE fungiert oder nicht. Mal ehrlich: Es gibt doch gar keine (guten) Musiksendungen mehr im deutschen Fernsehen, nur diese unsäglichen Castingshows. Sehr schade. Ich beneide die Schweden um diese Show. Allerdings hatten sie in den letzten Jahren ein Händchen dafür, sich ausgerechnet für die langweiligeren Acts zu entscheiden, meiner Meinung nach. Hier würde ich mir mehr Kreativität wünschen.

    • Ach, ich glaube das Du da dem NDR ein bisschen unrecht tust, da das nicht so ganz vergleichbar ist. So ein Standing wie das Mello und der ESC in Schweden hat, hat der ESC in Deutschland nicht. Dementsprechend gibt es weder die Musiker noch den generellen Rückhalt der Medien und des Publikums. Und daran ist nicht der NDR schuld, ein stückweit ist es auch die Mentalität von uns.

    • Kann noch nicht lange her sein, weil es auf Ihrer Facebook Seite noch beides gibt. Einen Post am 30.12. hat sich noch mit Ann Sophie unterschrieben, die neue Domain am gestrigen Tag verlinkt. Aber warum das Ganze? Ist das „Vergangenheitsbewältigung“?

  7. Ich glaube nicht, dass Matty sich bewusst ist, dass das Melodifestivalen seit der Erstausgabe mehrmals nicht stattgefunden hat und die 2019er Edition somit auch nicht die 60. ist…

    • Schweden debütierte 1958 in Hilversum und Alice Babs wurde von SVT intern ausgewählt. Ein Jahr später – 1959 – fand das erste Melodifestivalen statt. Heute schreiben wir das Jahr 2019 und darum wird es 60 Jahre alt. Da es dreimal ausgefallen ist (1964. 1970 und 1976), müßte es in diesem Jahr die 58. Ausgabe und nicht die 59. Ausgabe sein.

  8. Sie sind einfach die Besten, die Schweden. Ok, das letzjährige Mello war echt ein Tiefpunkt. Trotzdem freue ich mich jedes Jahr aufs Neue wenn es los geht.

  9. Ich fand die Choreo von High 15 völlig okay, und zwar deshalb weil es eine Gruppe ist. Wenn da nämlich nur eine ihren Teil der Strophe singt, dürfen sich die anderen drei schon bewegen, anstatt angewurzelt rumzustehen. Ich will sagen: ein Einzelkünstler muss tatsächlich nicht parallel zum Singen noch den mega Ausdruckstanz machen, bei einer Gruppe ist das für mich persönlich aber vertretbar.
    Viel schlimmer war hier der Refrain, der für mich die an sich absolut soliden Strophen ruiniert hat. Hätte man doch nur nen besseren Refrain drangehängt 😂

  10. Wie arrogant die Schweden geworden sind, zeigt doch das sie sich auch noch über das Siegerlied vom letzten Jahr lustig machen. Das ist respekt und absolut stillos.

  11. Man hat schon gemerkt, dass da wieder ein anderer Witz vorhanden war. Auch gab es bei den Liedern in dieser ersten Runde keinen richtigen Totalausfall (auch wenn ich persönlich diesen Hype um Wiktoria, aber vor allem um Mohombi nicht nachvollziehen kann).

    Von daher alles gut gemacht, Schweden – mal sehen ob Sie dieses hohe Level weiter durchhalten!

  12. Mir gehen die Schweden auf die Nerven, glauben sind die Besten
    kochen aber auch nur mit Wasser. Werden immer mehr
    zur Persiflage, völlig überkandidelt und Tel Weise peinlich

  13. Christer Björman hat ja mal vor 2 Jahren gesagt, dass er erst aufhören wird für Schweden beim ESC mitzumischen, wenn der irländische Alltime-Record von 7 Siegen eingeholt wurde. Bin ja gespannt, wie viele Jahre er dazu jetzt noch verdammt ist. Bin echt gespannt, wie es nun mit Schweden weitergeht beim ESC. Missen möchte ich sie aber nicht, die lieben süßen! Und ein bisschen Neid untereinander ist mit Sicherheit nicht schlecht für die Qualität die am Ende rauskommt.

  14. Ich möchte uns Deutsche mal erleben wenn wir wie Schweden in einem Jahrzehnt 2 Siege und 6 mal Top 5 (7 von 8 Jahren sogar Top 10) erreicht hätten. Wir könnten wahrscheinlich vor lauter Arroganz nur noch breitbeinig laufen können.

  15. Mag ja sein, aber auch für Schweden beginnt beim ESC irgendwann mal eine Durststrecke. Vielleicht wird es in diesem Jahr mal keine Top-Ten-Platzierung geben, was zuletzt 2013 in Malmö passierte! Möglich ist aber auch, daß Schweden nach neun Jahren das Finale knapp verpaßt; Anna Bergendahl fehlten damals sechs Punkte!

  16. Ja Matty, möglich ist alles…aber ein Halbfinalaus ist doch bei Schweden schon mehr als unwahrscheinlich.
    Eric Saade ging ja in seiner Rolle als Dana richtig auf…steckt wahrscheinlich doch manchmal eine kleine Dramaqueen in ihn!?
    Über die gesangliche Leistung von Wiktoria war ich positiv überrascht, dennoch kann ich mich weiterhin nicht so richtig für sie erwärmen.
    Der Refrain von „Mina Brander“ hätte meiner Meinung nach übrigens sehr gut zu Samir&Viktor gepasst.

  17. Keinen Neuanfang gab es bei den Komponisten und Textern, durchgängig die gleichen Nasen lediglich in anderen Kombinationen, dementsprechend waren die Lieder der übliche Junk Food und sehr austauschbar. Da macht SVT den gleichen Fehler wie der Bayerische Rundfunk in den 80ern mit seinen Siegelfestspielen unter Beteiligung von anderen in München ansässigen Komponisten.

  18. @mariposa: Mich hat an diesem Typen einfach alles gestört. Sein Lächeln, seine Posen, sein Gesang. Selten war ein Künstler so schrecklich falsch wie der. Was die Juroren nur an diesem Poser hatten, mag deren Geheimnis sein. Sein Video geht ja noch, aber sein Auftritt war einfach nur zum fremdschämen. Und von dieser komischen Lichtinstallation ging die Gefahr aus, das man einen epileptischen Anfall kriegen könnte. Für mich war das kein Auftritt für einen zweiten Platz. Aber die Schweden haben halt Macht. Sonst hätten sie nicht mal eben die Punktevergabe „revolutionieren“ können. Der Sand mag kein Schwede sein, aber eine Marionette der Schweden ist er auf jeden Fall.

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