Nach der Wahl in Ungarn: Wie realistisch ist eine Rückkehr zum Eurovision Song Contest?

Joci Pápai – Foto: Eurovision.com

Die politische Lage in Ungarn ist nach der Parlamentswahl in Bewegung geraten – und damit rückt auch eine alte Frage wieder in den Fokus: Könnte Ungarn (schon bald) zum Eurovision Song Contest zurückkehren? Nach Jahren der Abwesenheit des Landes scheint das Thema plötzlich wieder mehr als nur Fan-Fantasie zu sein. Doch wie realistisch ist ein Comeback wirklich – und wie schnell könnte es gehen?

Seit 2020 fehlt Ungarn beim ESC; im Jahr davor stand Joci Pápai (Aufmacherbild) noch für das Land auf der Bühne in Tel Aviv. Offiziell hat sich der zuständige Sender MTVA nie klar gegen eine Teilnahme ausgesprochen; inoffiziell wurden jedoch immer wieder politische Gründe für das Fernbleiben genannt. Insbesondere die Nähe des ESC zur queeren Community passte nicht zum kulturpolitischen Kurs der Regierung unter Viktor Orbán.

Ein möglicher Gamechanger könnte die sich nun abzeichnende neue politische Konstellation in Budapest sein. Mit Péter Magyar ist eine Figur aufgetaucht, die für einen anderen Ton in der ungarischen Politik steht und zumindest in Teilen für eine stärkere europäische Anbindung wahrgenommen wird. Auch wenn noch lange keine offizielle Entscheidung gefallen ist, sorgt allein dieser Stimmungswechsel dafür, dass Beobachter und Fans wieder ernsthaft über eine ESC-Rückkehr Ungarns sprechen.

Allerdings lohnt sich ein genauer Blick auf die Strukturen: Der ESC liegt weiterhin in der Verantwortung des Senders MTVA. Genau hier könnte sich entscheiden, wie realistisch ein Comeback ist. Die Führung des Senders gilt als politisch eng mit dem bisherigen Regierungslager verbunden. Selbst bei einem politischen Wandel im Land ist keineswegs garantiert, dass sich kurzfristig auch die Ausrichtung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ändert. Personalentscheidungen, Gremienstrukturen und strategische Prioritäten sind Faktoren, die sich erfahrungsgemäß nur langsam verschieben.

Hinzu kommt: auch der neue Premier wird als eher rechts-konservativ eingeordnet. Das wirft die Frage auf, ob ein Event wie der ESC – mit seiner starken LGBTQ+-Sichtbarkeit und seinem klaren europäischen Selbstverständnis – tatsächlich aktiv gefördert würde. Andererseits könnte gerade eine Teilnahme ein bewusstes Signal sein: eine Art „kulturelle Öffnung“, ohne gleich in allen politischen Fragen Kurswechsel zu demonstrieren. Der ESC wäre dafür ein vergleichsweise niedrigschwelliger Hebel mit großer symbolischer Wirkung.

In der ESC-Community gibt es jedenfalls Hoffnung. Ungarn hat in der Vergangenheit regelmäßig solide bis sehr erfolgreiche Beiträge geliefert und mit A Dal einen respektierten und bei Fans beliebten Vorentscheid etabliert. Nicht unwichtig: A Dal wurde auch in den Jahren fortgeführt, in denen Ungarn gar nicht am ESC teilgenommen hat – der Wettbewerb existiert also weiterhin als nationale Musikplattform und könnte jederzeit wieder relativ unkompliziert als offizieller Vorentscheid reaktiviert werden. Dieses Jahr gewann übrigens Re Va Dame den Wettbewerb mit dem Titel „Veled Álmodtam“.

Bleibt die Frage nach dem Timing. Eine Rückkehr 2026 ist ausgeschlossen – der Wettbewerb findet bereits in einem Monat in Wien statt. Realistischer erscheint ein Szenario ab 2027, vorausgesetzt, es kommt tatsächlich zu spürbaren Veränderungen innerhalb des Senders MTVA und/oder zu einer bewussten Entscheidung der Regierung, internationale Formate wieder stärker zu nutzen. Ohne strukturelle Änderungen im Rundfunk bleibt eine Rückkehr aber eher unwahrscheinlich.

Unterm Strich gilt: Ein ungarisches ESC-Comeback ist so greifbar wie lange nicht mehr – aber noch längst kein Selbstläufer. Viel wird davon abhängen, ob der politische Wandel auch die Medienlandschaft erreicht und ob der ESC als das gesehen und genutzt wird, wofür er einst gegründet wurde: als Zeichen der europäischen Verbundenheit über die Musik.

Kannst Du Dir vorstellen, dass Ungarn bereits im nächsten Jahr wieder am ESC teilnimmt? Was spricht aus Deiner Sicht dafür und dagegen? Lass uns Deine Meinung in den Kommentaren da. 



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