
Der amtierende ESC-Siegersong ist bekanntlich in einem sogenannten Songwriting Camp entstanden. „The Code“ von Nemo ist nach seiner Entstehung in mehreren Stufen verändert und zu Ende produziert worden. Da die Nummer vergangenen Mai dann den Eurovision Song Contest 2024 für die Schweiz gewinnen konnte, wollen nun auch andere Länder auf den Erfolgs-Zug aufspringen und scheinen Songwriting-Camps als eine Art erfolgsversprechendes Geheimrezept zu sehen…
Luxemburg will’s wissen
Nicht nur in der Schweiz selbst, sondern auch in Norwegen hat in diesem Sommer bereits ein ESC-Songwriting-Camp stattgefunden. Wir berichteten über das Rena Song Fest an dieser Stelle ausführlich. Doch das war es noch lange nicht: Auch der jüngste ESC-Rückkehrer Luxemburg organisiert für die kommende Ausgabe des Luxembourg Song Contest ein solches Camp. In der Rockhal-Arena, in der bereits der Vorentscheid des Großherzugtums Anfang des Jahres stattfand, wird es Ende September ein Songwriting-Camp geben, an dem sowohl nationale als auch internationale Musikschaffende mitwirken.
Demnach sollen mehrere ESC-erfahrene Songwriter:innen und Produzent:innen am Camp teilnehmen. Unter ihnen auch Linda Dale, die an Nemos „The Code“ beteiligt war. Auch der Brite Greig Watts wird in Luxemburg dabei sein. Er organisierte schon mehrere solcher Camps und war beispielsweise am maltesischen Beitrag 2021, „Je me casse“ von Destiny, beteiligt. Auch Simon Davis wird Teil des luxemburgischen Songwriting-Camps sein. Er hat den Vorentscheid-Song „Undream You“ von Leona für „Das deutsche Finale 2024“ produziert.
Interessierte Musikschaffende und Acts, die Songs schreiben wollen (mit dem Ziel, diese im luxemburgischen Vorentscheid einzureichen), können sich ab sofort hier anmelden. Für die Teilnahme am dreitägigen Camp im luxemburgischen Esch an der Alzette wird eine Gebühr in Höhe von €300 verlangt. Theoretisch können hier übrigens auch Nummern entstehen, die es über Umwege in die Vorauswahlen anderer Länder schaffen – oder sogar Songs, die nicht für den ESC eingereicht werden. Mehrere kulturelle Organisationen unterstützen das Songwriting Camp in Luxemburg.
Lettland startet Songwriting-Camp im Tonstudio
Auch im Baltikum wird auf diese Art und Weise nach Songs für die Vorentscheidung gesucht. Zumindest in Lettland sollen bereits Ende August, also rund einen Monat vor Luxemburg, im Tonstudio Auss in Riga Songs für den dortigen ESC-Vorentscheid „Supernova 2025“ entstehen. Auch hier gibt es internationale Beteiligung, da nicht nur nationale Musikschaffende bei dem Camp in Riga anwesend sein werden. Der Veranstalter spricht bereits von schwedischen Musikexperten, die dabei mitmischen sollen. Lettland ist bislang das einzige Land aus dem Baltikum, das seine Teilnahme in der Schweiz offiziell bestätigt hat.
Diese Camps haben schon stattgefunden
Wie eurovisionfun berichtet, hat bereits Anfang Juli ein ähnliches Songwriting Camp in Griechenland stattgefunden. Hier sollen vier ESC-erfahrene Produzent:innen und Songwriter:innen dabei gewesen sein. Anders als in anderen Ländern dauerte das griechische Songwriting-Camp auf Kreta ganze fünf Tage. Dafür hat es jedoch ohne große Medienaufmerksamkeit und ohne externe Teilnehmende stattgefunden. Zudem sollen die dort entstandenen Songs nicht auf ein spezifisches Land zugeschnitten worden sein, sondern wohl mehreren Rundfunkanstalten zugesendet werden.
Neben den beiden „The Code“-Songwritern Linda Dale und Lasse Nymann sind auch Komponist Dimitris Kontopoulos und Elsie Bay im Camp in Griechenland dabei gewesen. Letztere war auch schon in ihrer Heimat Norwegen beim Songwriting Camp in diesem Sommer am Start. Zudem nahm Elsie bereits zwei Mal selbst als Sängerin am Melodi Grand Prix teil. Laut eurovisionfun haben die vier einen sehr starken Beitrag produziert, der an einen noch unbekannten Act gesendet werden soll.
Zu guter Letzt gibt es auch noch einen kurzen Rückblick auf das ESC-Songwriting-Camp 2024 auf Malta. Bereits im Juni haben sich hier lokale Acts und internationale Produzenten-/Songwriting-Teams zusammengetan (siehe oben). Auf Social Media hat das maltesische ESC-Team mehrere Einblicke gegeben. Neben Vorträgen und dem Kreieren der Songs gab es auch ein offizielles Listening, bei dem die Nummern vorgetragen wurden, die im Malta-Camp entstanden sind. Dabei haben wir viele bekannte Gesichter entdeckt…
Neben den maltesischen Künstler:innen Matt Blxck, Ryan Hilli, The Busker und Mariana Conte waren auch Tom Hugo von KEiiNO (siehe unten) und Teya aus Österreich mit vor Ort. Laut einer Umfrage unter den Teilnehmenden soll es an den Camp-Tagen auf Malta besonders aufregend und kreativ zugegangen sein. Beim diesjährigen Vorentscheid auf Malta waren bereits einige Songs am Start, die im vergangenen Jahr im Songwriting-Camp entstanden sind.

Was hältst Du von Songwriting Camps? Sind die Chancen auf einen ESC-Erfolg damit tatsächlich höher? Lass uns Deine Meinung gerne in den Kommentaren da.
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Da die Songwriting Camps anscheinend die Bandbreite von Barker bis Nemo abdecken, scheinen die mir relativ egal. Wichtig wäre mir nur, den Einfluss schwedischer Teams und von Kirkorov-
Marionette Konto einzuschränken.
Ich sehe das im Grunde genommen genauso wie du.
Aber um der Wahrheit mal die Ehren zu geben: Im Grunde genommen sind doch viele Songs des Festival di Sanremo – insbesondere wenn sie von Davide Petrella, Davide Simonetta und Dardust komponiert und produziert wurden – auch nichts anderes als ein Songwriting-Camp.
Denn hier haben sich die erfolgreichsten Musikproduzenten (m/w/d) Italiens zu einem Team zusammen geschlossen und – so vermute ich jetzt mal – über mehrere Wochen so geniale Canzoni wie „Due Vite“, „Soldi“ oder „Sinceramente“ komponiert und produziert. 😀
Andererseits: Italienische Songwriting-Camps sind eben keine Songwriting-Camps, sondern vielmehr ein genialer Gedankenaustausch kreativer italienischer Musikideen. 😀
Genau, die Italiener gehen da nun mal anders ran als die Reissbrettproduzenten aus dem Norden. Ich nehme auch mal an, die kennen die Künstler meistens ganz gut, ist ja mehr eine Verlosung bei den meisten dieser Camps.
Natürlich kann sich Kreativität in solchen Camps gegenseitig beflügeln, allerdings hat es auch immer ein Geschmäckle von industriell, maßgeschneiderter ESC-Konfektionierung, die im Übermaß bestimmt auch irgendwann zu Übersättigung führt. Ich bin jedenfalls schon ziemlich satt.
Kann mich dem Kommentar nur anschließen.
„The Code“ zeigt ganz gut, dass sich solche Reißbrettnummern nicht automatisch nach Plastik und Gebrauchsmusik anhören müssen. Dennoch wäre mir ein höherer Anteil in Eigenregie entstandener Songs beim ESC lieber, da man ihnen nicht selten dann doch mehr Seele anhört – siehe z. B. Dadi Freyr vs. Matt Blxck.
Mir auch. Ehrlich gesagt respektiere bzw. honoriere ich solche Beiträge auch mehr, obwohl das ungerecht erscheinen mag.
Dito. Es ist halt auch einfach weniger Produkt und noch mehr intrinsisch motivierte Kunst.
Ist ja eine ganz natürliche Entwicklung, dass nach dem Erfolg eines Beitrages im Folgejahr immer ein Nachahmertrend einsetzt, deshalb ist es nur natürlich, dass jetzt viele auf Songs aus Songwritungcamps setzen.
Ich persönlich kann damit nicht soviel anfangen, meine All-Time Favoriten unter den ESC-Songs sind fast alle von den Künstlern selbst geschrieben worden. Und da beim ESC im Folgejahr ja gerne mal ganz was anderes gewinnt, sind meine Chancen ja nicht schlecht, dass im nächsten Jahr wieder was Selbstgeschriebenes vorne landet.
Ist bei mir auch so. Muss meine All-Time-Favorites mal durchgehen, aber ich hab in Erinnerung, dass die meisten in Eigenregie geschrieben/komponiert wurden.
Bis auf s!stärz, nehme ich an.
Nein, ich werde auf Deine Provokation nicht eingehen! Ich werde hier nicht posten, dass es selbstverständlich ESC-Kompakt-Leser gibt, zu deren „All-time-Favourites“ (zumindest der deutschen Beiträge der letzten 30 Jahre) dieser Song gehört! Dazu lasse ich mich nun wirklich nicht herab!
Und überhaupt!
War auch extra für Dich, wie Du weißt 😜
Ehm, allein dass du diesen Kommentar geschrieben hast zeigt dass du darauf eingegangen bist. 😉
Ich steh aufm Schlauch.
Ich hatte mal mit ihm geschimpft, dass er sich immer über die S!sters lustig macht. Jetzt macht er’s erst recht. Bestimmt wollte er testen, ob ich mitlese, zum Glück habe ich nicht reagiert 😉
Ich denke, das war jetzt weniger an dich gerichtet. Er feiert seine „Lieblingsbeiträge“ ja generell ganz gern, insbesondere, wenn sie von schlechten Kameramännern all ihrer Siegchancen beraubt wurden. 😛
Das ist durchaus wahrscheinlich, aber so konnte ich Franny seinen Kommentar von 20:30 Uhr gleich noch miterklären 🙂
Bosartig sabotierenden Kameramännern, meinst Du.
Natürlich, natürlich … my bad.
Das beste Beispiel für einen ESC-Siegersong in geschriebener Eigenregie ist „Zitti E Buoni“ von Måneskin.
Damiano David, Thomas Raggi, Victoria de Angelis und Ethan Torchio haben zusammenauf einem Gymnasium ihr Abitur gemacht und nachmittags auf den Straßen von Rom Musik gemacht (so im ISAAK-Style).
„Zitti“ E Buoni“ ist eine gemeinsame Komposition aller vier Bandmitglieder (m/w/d), bei welcher Thomas Raggi jedoch – wie bei den meisten Canzoni von Måneskin – federführend und der kreative Kopf war.
Korrekt. Und ihr Erfolg nach dem ESC spricht für sich.
Ich weiß nicht, ob Du Romanzo criminals gesehen hattest, aber ich dachte immer, M passen perfekt in die Serie.
Auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen. Da könnte aber was dran sein.
Liegt wahrscheinlich da dran, dass die gespielten Charaktere in „Romanzo Criminale“ alle einen total sympathischen und auch irgendwie humorvollen Wesenszug an sich haben.
Oder? Auch die ganze Atmosphäre: “Ich hab diese Typen getroffen, wäre echt cool, wenn die auf der Party spielen würden.“
Fun fact 1: Kontopoulus hat 1 Hotel auf Kreta.
Fun fact 2: Konto‘s Bro Kirkorov steigt gerne in dessen Hotels ab. U.a. auch letzten Sommer, er hat ja Praktischerweise auch nen bulgarischen Pass.
Ich bin fuers Dschungelcamp
„Laut eurovisionfun haben die vier einen sehr starken Beitrag produziert, der an einen noch unbekannten Act gesendet werden soll.“
Da sollten Deutschland und Österreich zugreifen! Vielleicht wird das ja eine gute Platzierung im nächsten Jahr.
Wir werden sicher keinen Kirkorov-assoziierten Beitrag schicken. Österreich hat ja den von Jorge, Kaleen und mir geschriebenen Song. Bleibt also nur Azerbaijan.
Sehr traurig, wie hier keiner auf das Thema eingeht.
Welches Thema meinst du denn ?
Den schmucken Italiener, die Longdrinkauswahl von der exklusiven Bar in Rom oder die Siegchancen von Annalisa – meinetwegen auch Tananai – beim ESC 2025 ?
Tananai wieder… Du hast ne größere Toleranz für Haarlänge als ich. Wobei Slimane oder Käpernick mit ‘fro natürlich auch cool sind.
Aber länger als die Haare von Tananai dürfen sie nicht mehr sein. Sonst ist mir das auch too much.
So cool dass man einfriert
Auch in Österreich gibt es im August ein Song Writing Camp
In meinem Alter stelle ich mir ein Songwriting-Camp ja so vor:
Da sitzen 6 Komponisten und Texter um ein Lagerfeuer, ihre Klampfen auf dem Schoß und jeder schrammelt da so vor sich hin, bis einer sagt: das ist es!
Vermutlich ist es anders.
Ich finde in all den vielen Jahren haben viele Komponisten und Texter immer für recht abwechslungsreiche Musik beim ESC gesorgt. Sicherlich kann ich nach ein paar Jahren die Beiträge von z.B. G:son oder Herrn Siegel erkennen, das ist aber nicht schlimm. Ich freue mich über jeden neuen.
Wäre es so, würde ich es feiern. 😉
Und am nächsten Morgen ärgern sich alle, weil ihnen auffällt, dass sie den ganzen Abend nur „Wonderwall“ gesungen haben.
Haha, womöglich.
Letztendlich kommt auf die Künsttler hinter dem Mikro an.
Deswegen glaube ich nicht an einen expliziten Vorteil durch SWC.
Da braucht man sich den diesjährigen Sieger auch nicht als Vorbild nehmen.
Ist das mit The Code überhaupt ein Erfolg auch NACH dem Esc (gewesen)?
Habe das Lied, soweit ich mich erinnern kann, nie wieder gehört.
Ich wäre für mehr Individualität, Landessprachen usw.
Das wird immer austauschbarer und einheitlicher. Da freut man sich dann über jeden „Ausreißer“
Der Song ist für den ESC geschrieben worden. Er muss nicht außerhalb des ESC erfolgreich sein, weder national noch international. Wenn es dies doch ist, dann freut es mich für den Act und die Songwriter, aber eigentlich schreibt man die Songs für einen Musikwettbewerb und nicht für die Charts. Umgekehrt gilt ja das gleiche. Ein erfolgreicher Song in den Charts ist nicht automatisch auch beim ESC erfolgreich. Siehe Rockstars von Malik Harris oder SNAP! von Rosa Linn.
Also ich finde Songwriting-Camps sind gut für Newcomer Acts und damit meine ich aber nicht nur die ganz neuen, welche erst seit ein paar Monaten im Musikgeschäft Fuß gefasst haben, sondern auch welche die zwar schon länger bekannt sind, z.B. durch eine Castingshow wie „The Voice“, aber halt trotzdem noch nicht wirklich so richtig Fuß fassen konnten im Musikgeschäft, weil ihnen vielleicht eben auch die passenden Songwriter fehlen. Das es beim ESC eben viele Newcomer gibt, finde ich Songwriting-Camps ein nette Idee. Am liebsten wäre es mir natürlich auch, dass man von der anderen Seite (also der Songwriter-Seite) ebenfalls Newcomer mit dazu holt (eventuell durch einen öffentlichen Bewerbungsaufruf) anstatt hier nur auf etablierte oder bereits ESC-erfahrene Songwriter zu setzen.
Lena selbst, möchte ja erstmal nicht mehr beim ESC antreten. Wäre aber cool, wenn sie einen Song beisteuert, mit Hilfe der ihr bekannten Produzenten und anderen Songschreiber.
Wann und wo finden denn in Deutschland Songwriter Camps statt, wenn das so erfolgversprechend ist? Im Internet findet man dazu nichts. Zumindest keine aktuellen Songwriter Camps. Oder sind das irgendwelche „Geheimorganisationen“ und „Geheimtreffen“ aus den „elitären Kreisen“ der Musikindustrie, wo man als Normalsterblicher Songwriter gar nicht rein kommt?