Norwegen: ESC-Songwritingcamp beendet – Auch „The Code”-Songwriter hat teilgenommen

Bild: Leeni Raukola

Dass Norwegen den ESC liebt, ist nichts Neues. Hier startet man für gewöhnlich kurz nach dem Wettbewerb schon mit den Vorbereitungen für das darauf folgende Jahr – und zwar nicht hinter verschlossenen Türen, wie es in vielen anderen Ländern üblich ist. DasSongwriting-Camp Rena Song Fest 2024 hat relativ medienwirksam stattgefunden und wir haben alle Hintergrundinfos.

An dieser Stelle direkt schon einmal vielen Dank an ESC-kompakt-Leser Marcel, der selbst mit vor Ort in Norwegen war und uns mit Informationen und Bildern versorgt hat.

Zum ersten Mal hat das neu etablierte Rena Song Fest im norwegischen Rena stattgefunden. Dieses wurde bereits im Vorfeld als „größtes Songwriting-Camp der Welt“ angekündigt und konnte dieses Versprechen auch halten. Die Veranstalter sprechen von einem Camp, das so groß ist, dass es einem Festival gleicht. Musikschaffende aus 32 Ländern sind mit dabei gewesen. Darunter auch bekannte Gesichter…

Eine Art „Headliner“ ist definitiv Lasse „NYLAN“ Nymann (siehe unten, 2. von rechts) gewesen. Er stammt aus Norwegen und gehört zum Songwriting-Team von „The Code“. Mit der Nummer schaffte es Nemo aus der Schweiz bekanntlich, den Eurovision Song Contest 2024 zu gewinnen. Entsprechend wertvoll sind Lasses Tipps für die Gäste gewesen. Diese kamen übrigens zum Teil aus weit entfernten Ländern wie den Philippinen und Neuseeland. Ein wahrlich internationales Camp also, das von mehreren norwegischen Musikunternehmen, wie dem Woods Studio, organisiert wurde.

Interview mit Carl-Henrik Wahl, Elsie Bay, Lasse Nymann und Stig Karlsen / Bild: Marcel Schicken

Über vier Tage hinweg haben die Camp-Teilnehmenden Musik produziert, Songtexte geschrieben und Vorträge von mehreren Profis aus der ESC- und Musikszene bekommen. Wir haben unter den Gästen übrigens auch weitere ESC-bekannte Gesichter entdeckt. So hat beispielsweise auch Elsie Bay (siehe oben, 3. von rechts) am Camp teilgenommen, die bereits mehrere Songs in Vorentscheidungen am Start hatte und als Künstlerin selbst zwei Mal am Melodi Grand Prix teilnahm.

Auch Emmy, die mit „Witch Woods“ 2021 am norwegischen Vorentscheid teilnahm (siehe unten), war unter den Songwriter:innen, die in Rena zu sehen waren. Zudem sind Citi Zēni, die Lettland 2022 vertraten und Carl-Henrik Wahl, Songwriter von Subwoolfer, Teil des Camps gewesen. Am Ende wurden sage und schreibe 106 neue Songs produziert, die allesamt mit dem Hintergedanken entstanden sind, es zum ESC 2025 in die Schweiz zu schaffen.

Detailliertere Infos zu den Songs an sich sind nicht durchgedrungen, denn natürlich müssen die Songs vorerst komplett geheim gehalten werden. Sollte etwas vor dem 1. September nach außen dringen, wären die Beiträge nicht für den ESC zulässig. Dafür ist aber etwas anderes bekannt: Norwegens Delegationsleiter Stig Karlsen ist auch in Rena dabei gewesen und hat offiziell bestätigt, dass das Land beim ESC in der Schweiz wieder dabei sein wird. Bislang hatte sich der norwegische Sender NRK noch skeptisch dazu geäußert, da man mit den Geschehnissen in Malmö sehr unzufrieden war.

Musikschaffende und Gäste des Rena Song Fests 2024 / Bild: Sara Törnqvist

Wie findest Du die Idee von ESC-Songwriting-Camps? Und wen möchtest Du für Norwegen beim ESC 2025 sehen? Lass Deine Ideen gerne in den Kommentaren da.



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Matty
Matty
1 Jahr zuvor

Brauchen wir in Deutschland auch.

Schlippschlapp71
Schlippschlapp71
1 Jahr zuvor
Reply to  Matty

Eher nicht

christliches
christliches
1 Jahr zuvor

Man kann ja froh sein, dass es noch Länder gibt mit Musikern, die ihre Musik ohne ESC-Songwriter-Camp komponieren.

Festivalknüller
Festivalknüller
1 Jahr zuvor

Hurra, neues Futter für die Bubble !😃👍

Andi
Andi
1 Jahr zuvor

Im Grunde finde ich solche „wir schreiben jetzt auf Knopfdruck Lieder für den ESC“ Camps furchtbar. Weil einfach seelenlos Lieder am Fließband gemacht werden.

Last edited 1 Jahr zuvor by Andi
Jofan
Jofan
1 Jahr zuvor
Reply to  Andi

Nemo hat das Gegenteil bewiesen…

Alex John
Alex John
1 Jahr zuvor
Reply to  Jofan

The Code ist so schnell vergessen wie er gekommen ist…
Ohne das Staging null Erinnerung an den Song…🤔

Jofan
Jofan
1 Jahr zuvor
Reply to  Alex John

Dann bedauere ich dich um dein schlechtes Gedächtnis.

Gerrit
Gerrit
1 Jahr zuvor
Reply to  Jofan

The Code war schon hier nach 1 Woche raus aus den Charts. In vielen Ländern gar nicht auf getaucht-außer in der Schweiz-. Beim ESC konnte man sich den Song durch das Staging antun. Einmal im Radio gehört,das reichte.Hier beschweren sich immer viele über die zu hohe „Radiotauglichkeit“ einiger Vertreter für Deutschland, aber auch anderer Länder. The Code ist für mich so ziemlich das Gegenteil von dem. Und das ist auch nicht gut !!!
Wenn du aber anderer Ansicht bist, ist das natürlich absolut ok. G.s.D. sind ja Geschmäcker sehr verschieden.
Und ich bin eben der gleichen Ansicht wie A. John.

Nils
Nils
1 Jahr zuvor
Reply to  Alex John

Mag ja sein, aber „seelenlos“ war das nun wirklich nicht.

floppy1992
Mitglied
1 Jahr zuvor
Reply to  Andi

Fast alle Songs entstehen heute bei solchen Sessions, auch wenn es nicht immer Riesen-Camps mit hundert Teilnehmern sind.
Dass da einer alleine im stillen Kämmerlein einen Song schreibt, ist die absolute Ausnahme.

Andi
Andi
1 Jahr zuvor
Reply to  floppy1992

Aber das macht die Sache nicht besser. Wie ist das bei erfolgreichen Künstlern, die nicht ihre Lieder selbst schreiben? Greifen die auch auf Camps zurück?

Nils
Nils
1 Jahr zuvor
Reply to  Andi

Klare Antwort: ja, oft. Da gab es von Arte Tracks auch mal eine sehr aufschlussreiche, aber leider auch ziemlich deprimierende Dokumentation drüber.

AlexESC
AlexESC
1 Jahr zuvor
Reply to  floppy1992

Ist dies jetzt nur auf den ESC bezogen? Es gibt nämlich sehr erfolgreiche Songwriter die ihre Songs noch alleine (Lin-Manuel Miranda) oder zumindest klassisch im Duo (Benj Pasek & Justin Paul sowie Taylor Swift hauptsächlich entweder mit Jack Antonoff oder Aaron Dessner) schreiben.

floppy1992
Mitglied
1 Jahr zuvor
Reply to  AlexESC

Diane Warren schreibt die meisten Songs auch alleine und Malik Harris zusammen mit seinem Manager und dessen Partnerin(?); ich sage ja auch nicht, dass es das gar nicht mehr gibt, aber der überwiegende Teil des heutigen professionellen Song-Outputs etnsteht halt in wechselnden Teams sowohl dezentral als auch geballt in solchen Camps.
Mir ging es v. a. darum, dass mir der Vorwurf, dort entstünden nur seelenlose Songs am Fließband, einfach zu kurz gedacht ist; ganz im Gegenteil, ich bin fest davon überzeugt, dass eine solche Veranstaltung in Deutschland (gerne auch zwei Nummern kleiner) nicht nur dem Standing des ESC in der Branche, sondern auch dem Niveau des deutschen Vorentscheids helfen würde.

AlexESC
AlexESC
1 Jahr zuvor
Reply to  floppy1992

Okay, da bin ich dann bei dir! Ja Songwriting-Camps würde ich mir für Deutschland auch wieder mal wünschen.

dirtsa
dirtsa
1 Jahr zuvor
Reply to  AlexESC

2018 als Michael Schulte uns vertreten hat, fand ich diese Song-Writing Camps recht gut und effektiv.
Aber wichtig dabei ist, dass der jeweilige Künstler Teil des Teams ist und seine Ideen eine große Rolle spielen.
Bands schreiben in der Regel immer ihre Songs selber oder schreiben zusammen mit anderen, aber ich habe fast noch nie gehört, dass sie Songs im Repertoire haben, die sie nicht mindestens mitgeschrieben haben, es sei denn es sind Cover-Songs.
Der Input des Künstlers macht den Song erst richtig autentisch. Daher bitte keine Songwriting-Camps ohne die Künstler!

Jofan
Jofan
1 Jahr zuvor

106 neue Songs für den ESC oder SCC! 🥳

Chris
1 Jahr zuvor

Obwohl es für uns in der Schweiz zu sehr tollen Ergebnissen geführt hat, sehe ich die Camps doch auch kritisch. Wenn z.B. die SUISA (Urheber-eintreiber-gesellschaft) hier ein Camp in der Schweiz organisiert um ihr Image aufzupolieren, und dafür Profis aus der ganzen Welt einfliegt, frag ich mich schon wie da weniger reiche Länder noch mithalten sollen. Und als Industrie-insider (Nemo hatte z.b. schon 3 Swiss Music Awards gewonnen) hat man auch einfacheren Zugang zu diesen Camps.

Andererseits hat auch Baby Lasagna gerade wieder gezeigt dass es auch ohne geht…

Last edited 1 Jahr zuvor by Chris
togravus ceterum
Mitglied
togravus ceterum
1 Jahr zuvor

Liebe Grüße aus Boljevići bei Virpazar. 😎

Franny
Franny
1 Jahr zuvor

Danke, dass du uns auf dem Laufenden hältst. 😉 Wie lange geht deine Tour noch?
LG zurück aus dem kalten, nassen Mittelfranken.

togravus ceterum
Mitglied
togravus ceterum
1 Jahr zuvor
Reply to  Franny

Leider nur noch bis Samstag nächster Woche; dann sind die 4 Wochen schon wieder vorbei.

Matty
Matty
1 Jahr zuvor
Reply to  Franny

So sie denn stattfindet

bellamarcella
bellamarcella
1 Jahr zuvor

Zuerst einmal vielen Dank an Rick und den Artikel über das Songwriting Camp!

Ich war in Rena gewesen und es lief anders ab, als hier einige kommentieren. Ja, es waren natürlich Profis dabei, aber auch Semi und komplette Newcomer, die die Möglichkeit bekommen haben, an Songs zu arbeiten. Egal ob Künstler, Songwriter und Produzenten. Die Teams waren zwischen 3 und 5 Personen groß und wurden täglich gewechselt, so dass neue Teams entstanden sind.

In den Seminaren waren sowohl Jowst, als auch Lasse, die beide ihren Weg zum Eurovision erzählt haben. Auch Stig Karlsen hat von seinen Erfahrungen in der ESC-Welt erzählt. Die Songs müssen ESC-tauglich sein. Songs für eine TV Show. Für eine Inszenierung etc. Darauf wurde viel Wert gelegt, so dass alle Musikschaffenden vor Ort das im Hinterkopf haben.

Es bringt zum Beispiel nicht viel, wenn man an der Tür von Musiklabels klopft, und man bekommt ein Radiosong 08/15. Die ESC-Welt ist anders, als die Radio oder 08/15 Musik, die aber auch beim ESC funktionieren könnte. Meist aber nicht, siehe Rosa Linn. Schlechte Platzierung aber einen riesen Hit!

Außerdem war es allen sehr wichtig beim jeden Start einer Session darüber zu reden, was man machen möchte. Musikalische Richtung, Songtext (also worum soll es in den Song gehen) etc, so dass alle auf der selben Wellenlänge arbeiten.
Es gibt hierbei keinen Unterschied, ob ich eine normale Session habe a la „ich treffe jetzt einen Produzenten und eine Songwriterin und arbeite an einem Song“ oder a la „ich gehe in ein Camp, treffe einen Produzenten und eine Songwritern und arbeite an einem Song“. Der Unterschied ist nur eine Variable. Bei einem Camp arbeitest du an mehreren Tagen an einigen Songs.
Im Prinzip ist es egal. In beiden Situationen kann dieser eine Song für den ESC entstehen. Denkt einfach mal an Michael Schulte im Camp.

Außerdem interessiert sich so gut wie keiner im Finale, wie der Song am Ende entstanden ist.

Was ich persönlich auch hervorheben kann, ist, dass man in solchen Camps viele Musiker kennenlernt. Das Networking ist schon mega krass, und jeder bringt eine andere Expertise aufm Tisch. Man lernt nie aus und man tauscht sehr viel aus. Auch das bringt jeden Einzelnen musikalisch auf jeden Fall weiter!

byJannik
byJannik
1 Jahr zuvor
Reply to  bellamarcella

Ich verstehe auch nicht, wie solche Aussagen wie „da wird nur Musik am Fließband produziert“ zustande kommen, die Künstler werden doch ihre eigenen Erfahrungen, Emotionen und Geschichten in die Songs einfließen lassen, dein Seitenhieb an Michael Schulte ist da absolut angebracht, ich meine, klingt You Let Me Walk Alone wirklich nach generischer Stangenware? Klar, am Ende macht auch der Künstler etwas mit dem Song und muss, wie jetzt im Fall Schulte die Emotionen übermitteln, aber ich glaube manche denken wohl, da kommt nur Schweden-Plastikpop bei rum, ansonsten verstehe ich ihr Problem ehrlich gesagt nicht, kreative Songs wie Who The Hell Is Edgar oder ich glaube selbst der ESC Kompakt Second Chance Contest Sieger 2019, Surprise von Lilly Among Clouds sind schließlich auch in einem Songcamp entstanden.

Caro
Caro
1 Jahr zuvor

Carl-Henrik Wahl ist übrigens weit mehr als nur Subwoolfer-Songwriter (und Subwoolfer-Translator und Aushilfsastronaut). Er ist der CEO von The Woods, das jedes Jahr MGP-Songwriting-Camps in Rena veranstaltet, und damit seit einiger Zeit einer der zentralsten Personen im gesamten MGP-Songwriting-Universum.

Wen ich für Norwegen beim MGP sehe? Gerne was von außerhalb der Songwriting-Camps: Metteson, Bjørn Tomren, Delara… Wobei ich wirklich glaube, dass sie sich für 2025 schwer tun, Leute von außerhalb der MGP-Bubble reinzuholen. Die norwegische Künstler*innen-Szene ist nicht gerade begeistert von dem Vorgehen der EBU.

Nils
Nils
1 Jahr zuvor

Ich bin ja immer geneigt, Songwriting-Camps zu verteufeln. Aber „The Code“ hat dieses Jahr doch ganz gut gezeigt, dass Songwriting-Camp-Songs inzwischen nicht mehr per se „seelenlosen Einheitsbrei“ bedeuten müssen. Dass Teya schon Monate im Voraus, als kaum Beiträge bekannt waren und noch keiner „The Code“ kannte, korrekt den Sieg prophezeit hat, ist auch nicht das schlechteste Argument pro Songwriting-Camps.

Jorge
Jorge
1 Jahr zuvor

Manchmal bekommt man Eindruck, der größte Output der Songwritingcamps sind Debattierrunden und Gruppenfotos. 😉

Last edited 1 Jahr zuvor by Jorge
dirtsa
dirtsa
1 Jahr zuvor

Wahrscheinlich bin ich nach dem „Miserfolg“ von Gåte beim ESC ziemlich alleine mit dem Wunsch, wieder so einen besonderen Beitrag beim WSC zu haben.
Gerne wieder in Norwegisch und Genre-übergreifend. Diese Mischung aus Folk und Rock/Metal und Electronik Music fand ich einfach faszinierend.
Also gerne auch wieder rockig oder folkig oder mit anderen coolen Einflüssen!
Wardruna wäre so eine Band, aber es gibt bestimmt noch andere, die ich nicht kenne, aber auch großartig sind.

Nils
Nils
1 Jahr zuvor
Reply to  dirtsa

Nee, überhaupt nicht. Gåte war jetzt zwar nur bedingt mein Fall, aber gerade solche Beiträge sind doch erst das Salz in der ESC-Suppe.