Öffentlich-rechtlicher Rundfunk in Ungarn wird neu aufgestellt – Kann das Land trotzdem zum ESC zurückkehren?

Bild: Péter Magyar – @magyar_peter_official_the_man (Instagram)

Alles (medial) anders in Ungarn: Die neue Regierung unter Premierminister Péter Magyar hat im nationalen Parlament eine Mediengesetz-Reform durchgesetzt, die das öffentlich-rechtliche Mediensystem des Landes grundlegend umbaut. Das beinhaltet unter anderem die Auflösung der bisherigen öffentlich-rechtlichen Medienorganisationen MTVA und Duna Médiaszolgáltató. MTVA war der Sender, der in Ungarn für die ungarische Teilnahme am Eurovision Song Contest verantwortlich war. Hat der Umbau also Auswirkungen auf eine mögliche ESC-Teilnahme des Lanees?

Machen wir es konkret: Das ungarische Parlament hat im Juni 2026 eine Änderung des Mediengesetzes mit großer Mehrheit verabschiedet und zwar unterstützt von der regierenden Tisza-Partei und Mi Hazánk, abgelehnt von Fidesz-KDNP (Fidesz, das ist die Partei rund um den ehemaligen ungarischen Regierungschef Viktor Orbán). Durch die Reform werden die bisherigen öffentlich-rechtlichen Medienorganisationen MTVA und Duna Médiaszolgáltató aufgelöst, aber nicht einfach ersatzlos gestrichen. Stattdessen kommt es zur Neugründung der Magyar Rádió és Televízió Nonprofit Zrt. und der Magyar Távirati Iroda Nonprofit Zrt. Auch personell bedeutet das etwas: Die Alten gehen, und es gibt neue, offene Auswahlverfahren zur Neubesetzung sämtlicher Führungspositionen. Kahlschlag. Tabula rasa.

Zusätzlich wird ein unabhängiger Rat für öffentlich-rechtliche Medien eingerichtet, paritätisch besetzt mit Mitgliedern der Regierung, der Opposition und von Fachverbänden. Außerdem wird ein neuer Pressefonds zur Unterstützung unabhängiger Medien gegründet.

Das Ziel wirkt als Politik-Kenner*in erst einmal klar: Alles anders als bei Orbán. Unter dessen Regierung wurden die öffentlich-rechtlichen Sender (MTVA, Duna, Kossuth Rádió, M1 etc.) ab 2010 schrittweise zu reinen Propagandakanälen der Regierung umgebaut. Leitende Positionen wurden mit Fidesz-Loyalisten besetzt. Reporter ohne Grenzen kritisierte diesen Umbau scharf.

Die jetzige Reform ist ein direkter Ausdruck des politischen Machtwechsels in Ungarn. Aber hat sie auch Auswirkungen auf Ungarns Möglichkeiten zur Teilnahme am ESC? Immerhin ist seit dem Machtwechsel immer wieder ins Spiel gebracht worden, dass Ungarn wieder auf die ESC-Bühne zurückkehren könnte. Péter Magyar äußerte bereits im Mai, dass er zumindest anstoßen werde, eine Teilnahme zu prüfen, und damit die Wünsche gerade junger Ungarinnen und Ungarn wahrnehmen zu wollen. Ist das nun in Gefahr?

Kurz: Nein. Um beim ESC mitzumachen, muss man EBU-Vollmitglied sein. Das wissen wir (Kanada weiß das auch). Für Ungarn sind aktuell Duna Média und MTVA EBU-Mitglieder. Der neue Sender dürfte der Rechtsnachfolger des alten Gebildes werden und entsprechend die EBU-Vollmitgliedschaft erben. Die Teilnahme Ungarns am ESC wäre also nicht gefährdet, solange der neue Sender als Rechtsnachfolger auch seitens der EBU anerkannt wird. Und warum sollte die EBU das nicht tun? Immerhin hat ESC-Direktor Martin Green das Ziel, einige Teilnehmerländer mehr zum ESC 2027 in Bulgarien zusammenzutrommeln. Es gibt kein Argument dagegen, und in Polen war das zum Beispiel mit dem Post-PiS-Umbau auch kein Problem.

Wie nimmst Du den Umbau des Mediensystems in Ungarn wahr? Werden dort gerade alle Weichen für eine ESC-Rückkehr gestellt? Lass uns Deine Einschätzung gerne in den Kommentaren wissen!



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7 Comments
JoelESC
JoelESC
3 Stunden zuvor

Ein richtiger Schritt, hoffentlich nehmen sie wieder am ESC teil

Anmey
Anmey
1 Stunde zuvor

Nicht trotzdem, sondern genau deswegen kann Ungarn zum ESC zurückkehren. Wobei es noch ein paar Monate dauern wird, bis diese Reform in Kraft tritt (wenn ich das richtig verstanden habe). Unmittelbar für eine Teilnahme relevanter ist die Einsetzung eines Interims-Senderchefs noch unter der alten Struktur. Letztlich braucht es für eine Rückkehr zum ESC keine große Reform, sondern einfach nur jemanden, der von oben den Schalter umlegt. Ich bin sehr zuversichtlich, dass das jetzt passiert.

MTVA ist übrigens kein öffentlich-rechtlicher Sender, sondern so ein nebulöser Fond, der von der Orbán-Regierung geschaffen wurde, um die Kontrolle über den Rundfunk zu erschweren. Den aufzulösen, ist für eine echte Reform unabdingbar.

togravus ceterum
Mitglied
togravus ceterum
1 Stunde zuvor

Ich würde mich über eine Rückkehr Ungarns sehr freuen. Mit Ausnahme von 2015 mochte ich alle ungarischen Beiträge seit 2012 sehr gerne.

Und 2013, 2016, 2017, 2018 😍😍😍

ESC1994
ESC1994
1 Stunde zuvor

Für mich klar 2017. ☺️

Gaby L
Gaby L
43 Minuten zuvor

2005 und 2017 sind meine absoluten Lieblingsbeiträge aus Ungarn. Hoffe, dass das Land bald zum ESC zurückkehrt. 🙏

Franny
Franny
37 Minuten zuvor

2018

🙂 !!!

sam1
sam1
8 Sekunden zuvor

OT:

Spoiler

Ich bin gerade richtig Happy. Ich bin ja schon seit 5 Jahren Teil eines Kicker-Duos mit einem Arbeitskollegen. Und heute Vormittag hatten wir ein Kickerturnier bei uns in der Arbeit. Das haben wir jedes Jahr. Es sind 28 Duos im KO-System gegeneinander angetreten. Und in den ersten 2 Jahren sind wir bereits in der 1. Runde gescheitert. Allerdings jeweils gegen die späteren Gewinner. Und vor 2 Jahren sind wir überraschend Dritter geworden. Und im letzten Jahr haben wir völlig überraschend gewonnen. Und heute haben wir tatsächlich die Titelverteidigung geschafft. Und dabei hatten unsere Gegner nicht Mal den Hauch einer Chance. Wir waren richtig im Flow. Und da sind schon ein paar Brocken mit dabei gewesen. Vom Viertelfinale bis zum Finale hatten wir nur richtig gute Gegner gehabt. Und im Finale haben wir tatsächlich die Unbesiegbaren (heißen wirklich so) besiegt. Und da war der Name wirklich Programm. Sie haben das vorletzte und vorvorletzte Jahr gewonnen und sind da regelrecht durchgerauscht. Sie haben bis heute im Halbfinale alle, auch uns damals mit 10:0 oder 10:1 platt gemacht. Aber heute im Finale haben wir tatsächlich die Riesen Sensation geschafft und sie mit 10:5 geschlagen. Als aller erste haben wir sie besiegt. Im letzten Jahr haben sie übrigens, bei unserem ersten Titelgewinn, fairerweise ausgesetzt gehabt, um uns anderen auch Mal eine Chance zu geben. Und im ersten Jahr waren sie noch nicht Teil unserer Firma gewesen. Wir haben jetzt also 2 Goldmedaillen und 1 Bronzemedaille gewonnen. Und in genau 2 Wochen spielen dann die besten 4 Duos von uns gegen die besten 4 Duos von Marktoberdorf in einem großen Finale gegeneinander. Unsere große Firma hat nämlich auch in Marktoberdorf einen Standort. Marktoberdorf hatte gestern das allererste Kickerturnier. Und da werden wir natürlich auch mit dabei sein. Und der Gewinner bekommt dann einen Pokal. Dieses Finalturnier ist übrigens neu in diesem Jahr.