
Nun steht es fest: Die Gruppe Bandidos do Cante wird mit ihrem Lied „Rosa“ Portugal beim kommenden Eurovision Song Contest vertreten. Soeben konnten die fünf Sänger das 59. Festival da Canção gewinnen und bringen damit ein Stück Kulturerbe der UNESCO mit nach Wien.
Auch in diesem Jahr sollte das Festival erneut dazu dienen, Portugals Beitrag für den ESC zu finden. Das wurde im Vorfeld allerdings stark diskutiert, denn nur zwei Teilnehmende des diesjährigen Festivals gaben im Vorfeld bekannt, im Falle eines Sieges beim Festival zum Song Contest nach Wien reisen zu wollen. Zu ihnen gehörte neben André Amaro auch die Gruppe Bandidos do Cante. Die Jurys sahen im Finale des Festival da Canção die Gruppe Bandidos do Cante zwar knapp auf den zweiten Platz, das Publikum jedoch vergab den ersten Platz und damit den Gewinn das Festivals an die sympathischen Sänger.
Turbulente Wochen und lang geführte Diskussionen in der portugiesischen Gesellschaft liegen hinter den Verantwortlichen des Festival da Canção. Beim Treffen der Europäischen Rundfunkunion (EBU) am 4. Dezember wurden umfangreiche Reformen beschlossen, die das Voting-System stärken und die Unabhängigkeit des Wettbewerbs sichern sollen. RTP stellte sich anschließend hinter die getroffenen Entscheidungen der EBU. Die Rundfunkanstalt betonte damals, die beschlossenen Änderungen schüfen die notwendigen Bedingungen für eine transparente ESC-Teilnahme. Schon im Vorfeld wurden aber bereits die Regeln des Festivals so verändert, dass die Teilnehmenden frei wählen konnten, ob sie im Falle des Gewinns am Eurovision Song Contest teilnehmen wollen.
Von den meisten Teilnehmenden des Festival da Canção 2026 regte sich schnell Widerstand und sie erteilten dem ESC eine Absage. Lediglich Bandidos do Cante und Teilnehmer André Amaro äußerten sich positiv zu einer ESC-Teilnahme. In ihrer offiziellen Stellungnahme erkannten die Bandidos do Cante an, dass das Festival da Canção in einer schwierigen und sensiblen Zeit stattfindet, die von Leid und Gewalt in verschiedenen Teilen der Welt geprägt ist. Sie betonten, dass sie alle bewussten künstlerischen Entscheidungen, einschließlich derer, die sich für einen ESC-Boykott entschieden haben, voll und ganz respektieren und sowohl die Legitimität als auch die Tragweite dieser Entscheidungen anerkennen.
Gleichzeitig erklärte die Gruppe aber auch, warum sie einen anderen Weg gewählt hat. Bandidos do Cante sind fünf Freunde aus dem Alentejo, die tief mit ihren Wurzeln, ihrer Familie, ihrer Freundschaft und einem starken Zugehörigkeitsgefühl verbunden sind. Für sie ist Musik nicht nur ein Mittel des Protests, sondern auch etwas, das Menschen zusammenbringt, Gemeinschaft schafft und an gemeinsame Werte erinnert. Die Gruppe stellte außerdem klar, dass sie keine einheitliche, offizielle politische Position zu komplexen internationalen Themen einnimmt. Ihre Mitglieder vertreten unterschiedliche Meinungen und Empfindungen, die in gegenseitigem Respekt koexistieren und einen integralen Bestandteil ihrer künstlerischen Identität bilden.
Sie betonen, dass sowohl das Festival da Canção als auch der Eurovision Song Contest in erster Linie dazu dienen, Lieder, Komponisten und Künstler zu feiern. Dies seien Bühnen, auf denen Musik eine Brücke zwischen Menschen schlagen kann, insbesondere in schwierigen Zeiten. Bandidos do Cante erklären sich bereit Portugal verantwortungsvoll, respektvoll und würdevoll zu vertreten und wollen alles, was sie ausmacht, auf die Eurovision-Bühne bringen: Gesang, ihre Wurzeln, Freundschaft und den Traum, den Cante Alentejano mit positiver Energie und einer Botschaft der Einheit „in alle Welt zu tragen“.
Die Bandidos do Cante begannen 2022 als Quintett ihre musikalische Reise. Die zeitgenössische Gruppe besteht aus fünf Kindheitsfreunden. Aufgewachsen mit Alentejo-Volksliedern, die sie selbst gesungen haben, spiegelt sich diese Inspiration in ihrer Musik wider. Zu Beginn ihrer Karriere nannte sich die Gruppe „Amigos do Alentejo“ und erlangte durch die Zusammenarbeit mit D.A.M.A. und Buba Espinho erste Bekanntheit.
2023 benannte sich die Gruppe offiziell in Bandidos do Cante um und veröffentlichte ab dem darauffolgenden Jahr eigene Songs. Ihre Debütsingle „Amigos Coloridos“ wurde ein großer Erfolg und war zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung der meistgespielte portugiesische Song im nationalen Radio. Im Januar 2026 veröffentlichte die Gruppe ihr Debütalbum „Bairro das Flores“, das sowohl zeitgenössische Einflüsse als auch traditionelle Wurzeln in ihrem Stil vereint.
Mit „Rosa“ bringen Bandidos do Cante ein Lied, welches im Cante Alentejano wurzelt, zum Song Contest nach Wien. Der Cante Alentejano („Alentejanischer Gesang“) ist ein traditioneller polyphoner Gesang aus dem südlichen Teil des Alentejo, einer Region im Süden Portugals. Dieser Gesang, der gemeinschaftlich und eng mit kultureller Identität und Gemeinschaft verbunden ist, dient dazu, Erinnerungen, Emotionen und eine gemeinsame Stimme zu bewahren. Neben dem bekannten Fado steht seit 2014 auch der Cante Alentejano auf der „Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit“ der UNESCO. Der klassische Cante Alentejano wird ausschließlich durch Stimmen dargeboten, bei „Rosa“ ist allerdings auch eine Gitarre und eine Geige zu hören.
Lyrisch lebt das Lied von Erinnerungen und Emotionen, wirkt fast schon wie ein Gedicht aus einer vergangen Zeit: „(…) Kaum etwas ist geblieben, nur die Rosen, die ich pflanzte, als wir noch zusammen waren. Kaum etwas ist übrig, ich habe sie nicht gegossen und der Garten wurde zu einem Ort der Sehnsucht. Meine Liebe, wenn die Nacht kommt – in meinen Garten am Abend. Dort werde ich Rosen finden. Sie erinnern mich an dich. (…). Du bist die schönste Rose, die im Alentejo blühte.“
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