Ralph Siegel wird 75: Autobiographie, Best-of-Album und Stereoact-Remix von „Die Glocken von Rom“

„Mehr als ein bisschen Frieden“ – unter diesem Titel sind in den vergangenen Tagen sowohl eine neue Autobiographie als auch ein neues Best-of-Album von Ralph Siegel erschienen. Anlass für diese Veröffentlichungen ist ein ganz besonderes Datum: In der kommenden Woche, am 30. September, wird Ralph Siegel 75 Jahre alt.

Der Großmeister des Grand Prix/ESC hat das Gesicht des Wettbewerbs vor allem in Deutschland jahrzehntelang geprägt. 1974 schrieb er „Bye, Bye I Love You“ für Ireen Sheer und landete damit für Luxemburg gleich bei seiner ersten Teilnahme auf dem 4. Platz. Beinahe jährlich komponierte Ralph Siegel in den folgenden Jahren Beiträge für den ESC etwa für Dschinghis Khan, Katja Ebstein und Lena Valaitis.

Ralph Siegel mit Ireen Sheer (links) und seiner Frau Laura beim OGAE-Clubtreffen 2019.

1982 dann der erste und bislang einzige ESC-Sieg für Ralph Siegel und der erste ESC-Sieg für Deutschland: Nicoles „Ein bisschen Frieden“. Auch danach schickte der Komponist wieder und wieder Lieder zum ESC, bis 2003 etwa Wind, Mekado, Sürpriz, Corinna May und Lou. Später war er dann für Malta (Julie & Ludwig), die Schweiz (six4one), Montenegro (Andrea Demirović) und San Marino (Valentina Monetta, Jimmie Wilson, Michele Perniola & Anita Simoncini) im Einsatz. 2016 trat Laura Pinski mit dem von Ralph Siegel geschrieben Song „Under The Sun We Are One“ bei der deutschen Vorentscheidung „Unser Lied für Stockholm“ an.

Diese Zeilen geben nur einen wirklich sehr kleinen Überblick über das Schaffen von Ralph Siegel, wobei wir dessen Vorentscheidungs-Historie fast gänzlich ausgespart haben, ebenso wie seine Veröffentlichungen abseits des ESC. Wer mehr wissen möchte hat nun, wie gesagt, die Möglichkeit, sich in Wort und Ton fortzubilden.

Seit vergangenen Donnerstag ist Ralph Siegels neue Autobiographie „Mehr als ein bisschen Frieden“ im Handel erhältlich. Der Klappentext verspricht so einiges:

Ralph Siegel hat über 50 Jahre die deutsche Musikszene entscheidend mitgeprägt. Mit über 2.000 veröffentlichten Songs und Produktionen sowie 25 Teilnahmen am „Eurovision Song Contest“ ist er eine der erfolgreichsten Persönlichkeiten der Showbranche. Mit dieser Biografie gewährt uns Ralph Siegel einen spannenden Blick in sein Leben und hinter die Kulissen der Musikbranche: Studios auf dem Dachboden, Ausflüge in die Spielhöllen von Paris, die ersten Erfolge und Misserfolge, die Frauen, der Durchbruch – Ralph Siegel lässt nichts aus und erzählt mit viel Humor von den Wendepunkten und prägenden Momenten in seinem Leben.

Das Buch kann hier bei Amazon oder beim Buchhändler Eures Vertrauens erworben werden.

Ebenfalls bereits erschienen ist das neue Best-of-Album „Mehr als ein bisschen Frieden: Ralph Siegel – Das Beste vom Besten“, das aus sage und schreibe 3 CDs besteht (wenn man es denn in der physischen Ausgabe erwirbt). Die Tracklist liest sich (nicht nur) wie ein „Who is who“ der deutschen ESC-Geschichte:

  1. Nicole: Mehr als ein bisschen Frieden
  2. Dschinghis Khan: Moskau
  3. Katja Ebstein: Theater
  4. Lena Valaitis: Johnny Blue
  5. Peter Alexander: Der Papa wird’s schon richten
  6. Dschinghis Khan: Dschinghis Khan
  7. Chris Roberts: Du kannst nicht immer 17 sein
  8. Rex Gildo: Fiesta Mexicana
  9. Wind: Lass die Sonne in dein Herz
  10. Nicole & Trio: Ich hab dich doch lieb
  11. Karel Gott: Babicka
  12. Nicole: Und außerdem hab ich dich lieb – A.M. Boogie-Version
  13. Dschinghis Khan: Rom
  14. Michael Schanze & Die Deutsche Fußballnationalmannschaft: Ole Espana
  15. Peter Alexander: Und manchmal weinst du sicher ein paar Tränen
  16. Nicole: Mit dir vielleicht
  17. Chris Roberts: Do You Speak English?
  18. Katja Ebstein: Abschied ist ein bisschen wie sterben
  19. Peter Alexander: Feierabend
  20. Nicole: Ein bisschen Frieden, A Little Peace, La Paix Sur Terre, Een Beetje Vrede, Un Poco De Paz – Multivocal Version
  21. Dschinghis Khan: Hadschi Halef Omar
  22. Nicole: Papillon
  23. Peter Alexander: Pedro (Mandolinen um Mitternacht)
  24. Ireen Sheer: Goodbye Mama
  25. Ulli Martin: Ich träume mit offenen Augen von dir
  26. Paola: Peter Pan
  27. Peggy March: Einmal verliebt – immer verliebt
  28. Rex Gildo: Der letzte Sirtaki (Komm Melina, tanz mit mir)
  29. Roy Black: Sand in deinen Augen
  30. Peter Alexander: Unser tägliches Brot ist die Liebe
  31. Nicole: Song For The World
  32. Dschinghis Khan: Loreley
  33. Vicky Leandros: Verlorenes Paradies
  34. Rex Gildo: Marie, der letzte Tanz ist nur für dich
  35. Heike Schäfer: Die Glocken von Rom
  36. Chris Roberts: Ich tausch den Sommer gegen 7 Tage Regen
  37. Sophie & Magaly: Papa Pingouin
  38. Peter Alexander: Irgendwo brennt für jeden ein Licht
  39. Chris Roberts: Wann liegen wir uns wieder in den Armen, Barbara?
  40. Peter Alexander: Steck dir deine Sorgen an den Hut
  41. Nana Mouskouri: La Provence (Du blühendes Land)
  42. Chris Kempers & Daniel Kovac: Frei zu leben
  43. Mekado: We’re Givin‘ A Party
  44. Maxi & Chris Garden: Lied für einen Freund
  45. Sürpriz: Reise nach Jerusalem – Kudüs’e Seyahat
  46. Lou: Let’s Get Happy
  47. Corinna May Supported By Queensize, Nadine, Phillyz: I Can’t Live Without Music – Grand Prix-Version
  48. Lena Valaitis: Wir sehn uns wieder
  49. Corinna May: I Believe In God
  50. Bianca Shomburg: Zeit
  51. Andrea Demirovic: Just Get out of My Life – ESC-Version
  52. Marianne Rosenberg: Blue Jeans Kinder
  53. Valentina Monetta: Crisalide (Vola)
  54. Laura Pinski: Under the Sun We Are One
  55. Maxi & Chris Garden: Frieden für die Teddybär’n
  56. Nicole Süßmilch & Marco Matias: A Miracle of Love
  57. Stereoact: Der Ralph Siegel ‚Stereoact‘ Hitmix 2020
  58. Heike Schäfer: Die Glocken von Rom – Stereoact Remix

„Mehr als ein bisschen Frieden: Ralph Siegel – Das Beste vom Besten“ ist jetzt unter anderem bei Amazon, bei iTunes und auf Spotify verfügbar.

Größere Wellen scheint übrigens schon der Remix von Heike Schäfers „Die Glocken von Rom“ zu schlagen. Die Schlager-DJs von Stereoact haben sich dem Vorentscheidungs-Zweiten von 1985 angenommen und landeten damit gestern auf Platz 1 der Amazon-Aufsteiger-des-Tages-Charts, wie Ralph Siegel auf Instagram verkündet hat.

Da sagen wir doch schon mal „Herzlichen Glückwunsch“ und wünschen Ralph Siegel für die kommende Woche einen schönen 75. Geburtstag sowie viel Erfolg für sein „Zeppelin – Das Musical“, das (Corona-bedingt erst) im kommenden Jahr Premiere feiern soll.


35 Kommentare

  1. Omg… es ist vielleicht ein bisschen peinlich aber die Songs von Dschinghis Khan fand ich damals toll und irgendwie….heute noch immer 🙋‍♂️
    Moskau, Rom, Pistolero…mega Erinnerungen 🤩
    Happy birthday Herr Siegel und danke 🙃😊

  2. Wow, eine sehr beeindruckende Liste! Da sind neben seinen Grand-Prix-Beiträgen (meine Lieblinge: „Papa Pingouin“ und „Crisalide“) auch einige schöne Titel dabei, von denen ich bisher nicht wusste, dass sie von Ralph Siegel sind.

  3. Trotz voll Respekt Ralph Siegel für seine Leistung, auch sein Verdienst beim ESC, seine Niederlagen gestand er nicht richtig ein.

    1982 wird sein einziger ESC-Sieg bleiben.

    Ralph Siegel hatte seine musikalische Zeit gehabt.

    Ich wünsche ihm ein schönen Geburtstag und beste Gesundheit.

    • „seine Niederlagen gestand er nicht richtig ein“
      Was meinst Du mit Niederlagen und in welcher Form hätte er die eingestehen sollen? Hat er ein paar Tennisspiele verloren und nachher behauptet, er hätte gewonnen?

      „1982 wird sein einziger ESC-Sieg bleiben“
      Reicht das denn nicht? Viele andere wären froh darüber.

      „Ralph Siegel hatte seine musikalische Zeit gehabt.“
      Es ist meistens so, dass vom Schaffen mehr hinter einem als vor einem liegt, wenn man 75 wird. Mir haben auf jeden Fall einige seiner späteren Titel besonders gut gefallen, und vielleicht hören wir ja nochmal was Schönes von ihm, ich würde mich sehr freuen (falls er denn noch komponieren möchte, man muss sich diesen Stress mit 75 nicht unbedingt noch antun).

  4. Erstmal herzlichen Glückwunsch Herr Siegel zum 75. Geburtstag. Er hat durchaus seine Verdienste um den ESC in Deutschland. Leider hat er sich in den späteren Jahren nicht so musikalisch weiterentwickelt, das er auch in den späten Jahren erfolgreich beim ESC hätte sein können. Den Absprung hat er leider somit verpasst und somit Deutschland auch einige gute Platzierungen gekostet. Trotzdem alles gute Herr Siegel und bleiben sie gesund.

  5. Für mich ganz klar mein esc-hero. Soviele tolle, zeitlose songs, die ich bis heute gerne höre. Theater, jonny blue, dschingis khan,papa pingouin, abschied ist ein bisschen wie sterben…etc,etc,etc. Unglaubliche leistung. Eigentlich muss man für herrn siegel ein denkmal aufstellen. Ich kann mich gar nicht tief genug vor seiner lebensleistung verbeugen.

  6. Nur 19 Postings bisher – das hat Herr Siegel nicht verdient, auch wenn ich die meisten seiner Grand-Prix-Einreichungen nie mochte. Doch auf handwerklicher und technischer Ebene waren viele Sachen keineswegs anspruchslos.
    Besonders gelungen m. E. die Uptempo-Phase mit den schmissigen Streicher-Arrangements („Dann heirat‘ doch dein Büro“, Katja Ebstein). Pech natürlich, dass ich damals nicht Zielgruppe war. Ich stand eher auf Punk von „Ronni Urini & die letzten Poeten“ (die gab’s wirklich!).

    2003 hat Siegel unter dem Pseudonym Peter Starkowski an der österreichischen Vorausscheidung teilgenommen; Text von Bernd Meinunger. Petra Frey wurde mit „This Night Should Never End“ zweite:

    • Tja, alles was alt bzw.älter ist, wird vielfach nicht mehr wertgeschätzt. Das merkt man, je länger je mehr, auch bei den kommentaren auf esc-kompakt. Ich finds schade.

    • Das gefällt mir richtig gut.😊 Ein richtig schön schmissiger Schlager.
      Aber ich fand auch „Let’s get Happy“ nicht schlecht, zumindest von der Komposition. Nur die Lou fand ich irgendwie zu künstlich.🙂

      • Bei „Let’s Get Happy“ ist mir allein schon der Text zu arg. Dieser konversionstherapeutische Ansatz: „Let’s be gay!“ 😀 😀
        „Theater“ fand ich schöner. Auch „Dschingis Khan“, ein lässiger Disco-Schlager von den hyperaktiven Geschwistern der Village People 🙂

      • Ja stimmt, den Text sollte man sich besser nicht genauer anhören.😀 Den hatte aber, glaube ich, der Herr Meinunger „verbrochen“.
        Der Song hatte aber trotzdem Ohrwurmqualitäten, meiner Meinung nach.🙂

  7. @Gaby: Für Lets get Happy habe ich mich damals richtig geschämt. Das war einer der schlimmsten Beiträge die Deutschlands jemals zum ESC geschickt hat. Und einer der schlechtesten Lieder vom Siegel. „Lets get happy, lets be gay?“ Sag mal gehts noch. Theater, Johnny Blue oder Dschingis Khan finde ich dagegen immer noch super. Von den späteren Liedern von Siegel gefällt mir immer noch „Reise nach Jerusalem“ mit Surpriz immer noch am besten. Das war mit das Originellste was Siegel in seinen späten Jahren hinbekommen hat.

  8. @Thomas M.: Die damalige Vorentscheidung von 2003 war einfach nur grausig. Gabs kaum wirkliche Alternativen. 2002 war ich so enttäuscht als Corinna May nur Platz 21 erreichte. Ich dachte damals wirklich das sie das Ding gewinnen könnte, weil ich ihre Stimme so toll fand.

    • Corinnas Stimme ist in der Tat sensationell, die Komposition 2002 fand ich allerdings sehr schwach. Es tat mir um Corinna sehr leid, zumal die Inszenierung sehr unausgegoren und hektisch war, meiner Meinung nach.
      „I believe in God“ (auch eine Komposition von Herrn Siegel aus der VE 2000) hingegen fand und finde ich wunderbar. Der Song war perfekt auf Corinna zugeschnitten.😊

  9. Ich reihe mich mal ein (und erwarte auch, dass dieser Thread am 30. erneuert wird).

    Ich weiss, die Floskel „Dabei sein ist alles“ mag etwas überstrapaziert und oft auch nur ein schwacher Trost sein, aber im Grunde treffen sich beim ESC doch tatsächlich nur Gewinner aus allen Ländern und am Ende wird in einem wunderbar nerdigen Wahlverfahren der Gewinner der Gewinner ermittelt. Und ich glaube gerne, dass Siegel auch deshalb seit Jahrzehnten mit Emotion und Begeisterung dabei ist. Da braucht es nicht zu wundern, wenn er auf die eine oder andere „gefühlte“ Niederlage unsachlich reagiert haben mag.

    Ich bin nicht mal unbedingt Fan, halte ihn eigentlich auch eher für einen Handwerker als einen Künstler, doch ist die Grenze da ohnehin fliessend und in obiger Liste sind fürwahr einige unsterbliche Gassenhauer dabei, die ich immer wieder gerne auflege (wozu natürlich auch die Texte wesentlich beigetragen haben).
    Mein Alltime-Favourite bleibt Theater. Geschmeidig wie elegant an Bill Ramseys „Pigalle“ entlang tänzelnd und doch eigen – manisch, tragisch, komisch, ja, „lachen und weinen“ (sehr gelungen auch, wie sich hier Musik und Text gegenseitig beflügeln), ein Lied, das nicht nur vom Rausch erzählt, sondern diesen direkt überträgt, gerade im ESC-Kontext ein hübsches Metaebenen-Spiel und da schließt sich der Kreis zu unser aller Sucht, aber natürlich auch der von Siegel und Meinunger, die hier zusammen mit Ebstein schlicht und einfach ein Meisterstück schufen.

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