Swedish Show Autumn 2019 (2): Stockholm – Magnus Carlsson „Från Barbados till Gamla Stan“

Eine musikalische Zeitreise durch 25 Jahre schwedische Musikgeschichte voller Hits unterschiedlichster Stilrichtungen erwartete Peter, Norman und den Autor auf der zweiten Station des diesjährigen Swedish Show Autumns. Die Show von Magnus Carlsson war ganz anders als die am Tag zuvor von Danny, war vom Unterhaltungsfaktor aber womöglich noch etwas mitreißender.

Dass Schweden nicht nur idyllische Landschaften zu bieten hat, zeigte uns die Durchfahrt durch die südlich von Stockholm gelegene Industriestadt Södertälje (Foto oben). Aber in der Hauptstadt selbst riss der Himmel wieder auf und wir konnten die City in der verbleibenden Zeit bis zum abendlichen Konzert u.a. beim Speed-Shopping genießen.

Wobei es natürlich vorher noch eine leckere Stärkung im Sture Hof auf Östermalm gab. Von dort zogen wir dann zum Lilla Cirkus (dem kleinen Cirkus), einer moderneren Nebenbühne des „alten“ Cirkus. In Letzterem hatten wir schon die Musical-Fassung von „Livet är en Schlager“ und die Show mit Peter Jöback gesehen.

Nun also unsere Premiere im Lilla Cirkus. In dem Veranstaltungskomplex läuft offenbar aktuell auch eine Show mit „Karius & Baktus“, bei der es in der Tat nicht zuletzt um Zahnpflege geht.

Der Beginn unserer Show war auf 20 Uhr terminiert. Nicht zuletzt aufgrund der räumlichen Gegebenheiten gab es diesmal vorher nicht die Dinner-Option.

Denn Lilla Cirkus ist ein klassischer Theatersaal, der ca. 600 Platz bietet. Und diese Plätze waren alle ausverkauft. Dazu muss man sagen, dass Magnus Carlsson mit der Show bereits durch halb Schweden getourt ist und im Herbst jetzt noch Stockholm an mehreren Wochenenden bespielt.

Das Publikum zeigt deutlicher als bei Danny, dass Magnus bereits seit 25 auf den Bühnen unterwegs ist und dabei immer auch ein sehr normales Publikum angesprochen hat. Alle Altersgruppen, viele Frauen, ein paar Gays. Ein bisschen wie bei einer Schlagershow des MDR.

Den Auftakt der Zeitreise bildet Magnus‘ Version von „The Greatest Showman“. Mit dabei sind seine vier Tänzer/innen, die ihn über den Abend immer wieder begleiten und für zusätzliche Dynamik sorgen. Dabei kann Magnus eine Bühne aber sehr gut allein bespielen – bei der Erfahrung kein Wunder.

Der Rückblick beginnt erwartungsgemäß mit dem ersten TV-Auftritt der Gruppe Barbados 1994 bei Bingolotto (Foto oben), der dann auch schon den Durchbruch brachte. Die Hemden wurden übrigens von der Mutter des einen Bandmitglieds in einem Klamottengeschäft in Partille außerhalb von Göteborg gekauft.

Mit viel Selbstdistanz erzählt Magnus von seinen Erlebnissen. Und dass er musikalisch ganz sicher keinen roten Faden aufweisen kann. So ist das auch in der Show, die eher seine Entwicklung über 25 Jahre darstellt als einen bestimmten Musikstil. Oben wird gerade „The Lion Sleeps Tonight“ gespielt.

Die Boyband Barbados bediente vor allem das in Schweden sehr beliebte Segment „Dansbandsmusik“, einfach Popmusik zum Foxtrott-Tanzen. Klar dass Magnus hier auch diverse dieser Songs sang.

Während der Show bleibt Magnus kaum einmal still an einer Stelle stehen, sondern tanz gern auch in Choreographie mit den anderen. Und natürlich geht ein Publikumsliebling auch ins Publikum und lässt sich anfassen.

Während seiner Karriere als noch Un-Geouteter spielte er den Frauenhelden und hat dabei auch etliche Songs gesungen, die heute wegen politischer Inkorrektheit wohl kaum noch durchgehen dürften: „Nu kommer flickorna“ gab’s dann im Medley.

Doch irgendwann wurde es ihm zu viel, das Vorspielen eines Frauenheldens. Es wurde auch hinter seinem Rücken getuschelt. So entschied er sich für das Outing. Obwohl er diese Erzählung im Rahmen der Show schon sehr oft gemacht hat, wirkt sie authentisch und sehr emotional. Großer Applaus vom Publikum.

Klar, dass für ihn der Melodifestivalen-Beitrag „Se mig (bara för den jag är)“ (Sieh mich, einfach als der, der ich bin) eine besonders große Bedeutung hat. Ein Gänsehautmoment.

Danach geht es weiter mit Mello-Hits, die die Zuschauer mitreißen und zum Mittanzen animieren.

Warum Magnus dann noch einmal einen Dreh zurück macht und ein 50er- und 60er-Medley präsentiert, wird nicht direkt klar (die musikalischen Vorlieben der Eltern?). Das Publikum singt dennoch dankbar mit. Hits sind schließlich Hits.

Und dann kommt die Alcazar-Zeit. Da waren nicht nur die Mello-Hits, sondern auch internationale Dancefloor-Kracher. Magnus berichtet davon mit großem – aber auch verdientem – Stolz. Seine (Liebes-)Beziehung zu Andreas Lundstedt, dem anderen Alcazar-Mann, blendet er allerdings aus.

Die Kostüme werden häufig gewechselt, sind aber meistens weiß und Pailletten-besetzt. Oder schwarz und mit Kunstleder.

Nach Alcazar wendet sich Magnus wieder Soloprojekten zu – und landet natürlich auch wieder beim Mello. Wie mit dem Knaller „Lev livet“.

Natürlich gehört noch ein sentimentaler Blick zurück auf die Kindheit dazu. Er spricht zu sich selbst, als er vier Jahre alt war. Damals und später als Schüler wurde er zwar wegen seiner Gesangsfähigheiten geschätzt, beim Sport und anderen Sachen war er aber oft außen vor. Ihm ruft er zu: „Sing!“ Der zweite – wenn auch nicht ganz so starke, weil erwartbare – Gänsehautmoment.

Danach ist er dann in Gamla stan angekommen. Der Mello-Hit hat Magnus noch weiter in das kollektive Musikgedächtnis der Schweden gebrannt und entsprechend euphorisch wird er gefeiert.

Nach einer Zugabe in Form des Songs „Kom hem“ endet nach knapp zwei Stunden die dynamische Show.

Doch auch danach zeigt sich Magnus von seiner publikumsnahen Seite: Im Foyer unterschreibt er Devotionalien und steht für Fotos zur Verfügung – auch für Peter und den Autoren.

Der Nachteil unserer Reisezeit Anfang November ist, dass wir regelmäßig mit Halloween kollidieren – und die Schweden, die ansonsten karnevalslos sind, dies extrem zelebrieren. Gleichzeitig ist die Gaybar-Szene weiter ausgedünnt. Das Secret Garden stellte sich aber als gute Alternative heraus.

Willkommen in der Hölle

Dort wurde nicht nur reichlich ESC-Musik gespielt (die auf einem Video-Bildschirm oft auch passend untermalt wurde). Auf Wunsch der vielen anwesenden Deutschen kam auch ihre Schlagergöttin zu einem Einsatz. Wir waren schlicht Atemlos.

Liederliste „Från Barbados till Gamla stan“

1. Från Barbados till Gamla Stan
2. Nätterna med dig i Californien
3. The Lion Sleeps Tonight
4. Grand Hotel
5. Rosalita
6. Belinda
7. Nu kommer flickorna/Mariann från Tylösand/Kvinnornas man
8. Se mig
9. Allt som jag ser
10. Världen utanför
11. 60-talsmedley
12. Alcastar
13. This is the World We Live in
14. Crying at the Discoteque
15. Wonderland
16. Not a Sinner Nor a Saint
17. Physical
18. Start the Fire
19. Lev livet
20. Live Forever
21. Does your Mother Know
22. Möt mig i Gamla Stan
23. Kom hem

Bisher erschienen

Swedish Show Autumn 2019 (1): Göteborg – Danny Saucedo „The Run Away Tour“



10 Kommentare

  1. Toller Bericht und schöne Fotos! Und ihr hattet ja ganz vorne einen großartigen Platz! Magnus‘ Show hat mir auch gut gefallen und die eher kühlen Schweden sind da ziemlich abgegangen, selbst ältere. Aber er füllt ja nicht umsonst jedes Mal den Saal, obwohl die Tour schon eine Weile läuft.
    Im Hotel (Nähe Oper) wurde ich gefragt, warum ich da sei und sagte, hauptsächlich wegen eines Konzerts. „Ach, in die Oper?“. Als ich Magnus Carlsson gesagt habe, musste sie ziemlich schmunzeln 🙂

    Geht es als nächstes zu Sanna?

  2. Eigentlich sehr erstaunlich, dass diese Art seiner Musik, der sogenannte „Pop-Schlager“ erst so spät – durch Helene Fischer – in Deutschland überhaupt populär geworden ist. Von seinem Oeuvre gefällt mir Tillsammans und Gamla Stan am besten…

    • Naja, eigentlich gab es den bei uns schonmal Ende der ’90er (ich denke da besonders an Leonard, Matthias Carras und den „Deutschen Hitmix“), er ist dann aber schnell in eine sehr bräsige Ballermann-Richtung abgedriftet und wurde dann tatsächlich erst durch HF und Wolkenfrei/Vanessa Mai wieder anhörbar gemacht.

  3. Wurde luca auf wunsch der vielen anwesenden schweizer gespielt?
    Mir gefällt magnus extrem gut und auch alle projekte die er bis jetzt gemacht hat. Egal ob barbados, alcazar oder jetzt solo. Mein lieblingssong ist ganz klar gamla stan, auch weil gamla stan meine absolute lieblings-altstadt in europa ist.
    Ps. Wenn man in 10 jahren magnus, charlotte perelli, anna bergendahl und noch eine(deren name mir entfallen ist) nebeneinander stellt, sehen die bestimmt alle aus wie zwillingsschwestern.

  4. Hach, Magnus Carlsson: der Name ist wie Musik in meinen Ohren und in meinen Augen blinken Herzchen auf! Okay, bevor jetzt die Toilette wegen Massenübergebung blockiert ist, übe ich mich in Contenance und sage: ich finde den Mann einfach toll und er sieht viel besser als Soßen-Daniel aus. Er fühlt sich auf der Bühne pudelwohl und seine Songs sind auch hörenswert und abseits seines Titels „Möt mig i gamla stan“ gefallen mir auch noch „Feel you“, „Oblivious (Nej nej nej)“ und „Togehter (Tillsammans)“.

  5. Was ganz anderes. Oder off topic….
    Dj. Antoine hat heute in einem interview mit dany von wattenwyl angedeutet, das er einen song für den esc eingereicht hat. #djdarude

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