
Während in Europa weiter nach Möglichkeiten gesucht wird, wie man das Power-Voting für einzelne Beiträge reduzieren kann, könnten in Asien bereits neue Mechaniken getestet werden, die später auch für den Eurovision Song Contest relevant werden. Rund um den geplanten Eurovision Song Contest Asia 2026 gibt es derzeit Hinweise auf ein alternatives Voting-Modell – inklusive verpflichtender Mehrfach-Abstimmung über die neue Plattform ZOOP. Offiziell bestätigt ist vieles davon bislang nicht. Die App könnte aber einige der Probleme lösen, die auch im Hinblick auf den ESC 2027 wieder diskutiert werden dürften.
Konkret geht es um den nationalen Vorentscheid in Bangladesch. Der dortige TV-Sender Channel i und die Entertainment-Plattform Bongo haben Details zum geplanten nationalen Vorentscheid für den Eurovision Song Contest Asia 2026 veröffentlicht. Demnach sollen sich Interessierte vom 10. Mai bis 10. Juni bewerben können, zwölf Acts würden anschließend von einer Fachjury ausgewählt und am 23. August in einer Live-Show antreten.
Soweit klingt das alles noch relativ bekannt. Spannend wird es allerdings beim Voting. In einer Social-Media-Grafik, die sich auf die bangladeschischen Informationen bezieht, taucht ein interessanter Satz auf: Zuschauer*innen sollen „für mindestens drei Songs“ abstimmen müssen – und das ausdrücklich „um Fanbase-Bias zu reduzieren“. Das Voting soll dabei über die Plattform ZOOP abgewickelt werden.
🇧🇩 Bangladeshi broadcaster NTV and national final co-producer Bongo have revealed the details of their selection show for Eurovision Song Contest Asia 2026. pic.twitter.com/pO5rSyNUcJ
— ESC Discord (@ESCdiscord) May 24, 2026
Zur Klarstellung: Diese Passage hat der Autor so nicht eindeutig auf der Website des Senders gefunden. Diese findet sich aber im X-Post vom gewöhnlich gut informierten ESC Discord (siehe oben). Diese Quelle dürfte auch die Basis für die Berichte auf anderen ESC-Seiten sein. Insofern muss man hier Vorsicht walten lassen. Als gesichert kann aber gesehen werden, dass ZOOP als Voting- und Fanplattform eingesetzt werden soll.
Interessant ist die Idee trotzdem – gerade aus europäischer Sicht. Denn beim ESC wurde das Problem organisierter Fanmobilisierung zuletzt immer sichtbarer. Noch bis 2025 konnten Zuschauer*innen bis zu 20-mal abstimmen – und theoretisch sämtliche Stimmen einem einzigen Act geben. 2026 wurde diese Obergrenze bereits halbiert. Gleichzeitig riefen die ESC-Moderator*innen während der Shows immer wieder dazu auf, „für mehrere Songs“ zu voten – letztlich um extreme Fanblock-Effekte abzuschwächen.
Mit ZOOP könnte man im Zweifel darauf verzichten, weil die Stimmenverteilung über eine technische Vorgabe begleitet wird. Denn so eine Plattform-App kann Verhalten viel direkter steuern als klassisches SMS- oder Telefonvoting. Wenn ein System verlangt, mindestens drei Acts auszuwählen, verändert das automatisch den Ablauf des gesamten Televotings – und taktisches Power-Voting wird schwieriger.
Natürlich kann man das auch kritisch sehen. Denn letztlich wäre es eine Form algorithmischer Bevormundung: Zuschauer*innen dürften eben nicht mehr ausschließlich ihren Favoriten unterstützen, sondern müssten zusätzliche Stimmen verteilen, um überhaupt am Voting teilnehmen zu können.
ZOOP ist dabei nicht nur ein Voting-Tool, sondern positioniert sich als komplette „Fan Engagement“-Plattform. Sie kombiniert Social Media, Livestreaming, Community-Features, Challenges, Rewards und Gamification-Elemente. Nutzer*innen sollen dort nicht nur abstimmen, sondern dauerhaft mit Shows (wie dem ESC) und Künstler*innen interagieren.
Hier könnte also noch viel mehr ausprobiert werden als nur ein neues Votingsystem. Es war in Wien bereits zu beobachten, wie die EBU versucht, Fans über Accounts auf ihren Online-Plattformen stärker an sich zu binden. In der heutigen Social-Media-Gesellschaft ist das ein nur logisches Vorgehen. ZOOP könnte der nächste Schritt sein.
Ob ZOOP und die mutmaßliche Drei-Songs-Voting-Regel tatsächlich ein Vorgeschmack auf künftige ESC-Experimente in Europa sind, lässt sich derzeit noch nicht seriös sagen. Aber allein die vorliegenden Informationen zeigen bereits, wohin die Reise gehen könnte.
Wäre eine Pflicht zu Stimmen für mehrere unterschiedliche Acts für Dich ein guter Ansatz, um stärker gegen organisierte Fanmobilisierung vorgehen? Ist es fair zu erwarten, dass jemand für drei Beiträge abstimmt, wenn er/sie eigentlich nur einen Favoriten hat? Und könnte ein System wie ZOOP tatsächlich irgendwann auch beim ESC in Europa auftauchen? Lass uns Deine Meinung in den Kommentaren da.
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Danke für die Info und es wäre auf jeden Fall einen Versuch wert. Es könnte aber auch dazu führen, daß es einige Fans vom Voting abhält.
Testlabor Asien? 😱😱😱 Zur Sicherheit: 😷😷😷🫣🫣🫣*duckundweg*
Ironiemodus aus.
3 Acts wäre Interessant, aber wird es gewichtet oder bekommen alle 3 gleich viele Stimmen. 🤔 Könnte für Ottonormalzuschauer aber eventuell zu kompliziert sein. 🤔
Mich persönlich würde es vom Voting nicht abhalten. Meine Stimmen verteile ich immer breit gefächert 😀 Bin gespannt, wie die Resonanz in Bangladesch/Asien sein wird, falls diese Voting-Regeln dort in der Tat gelten.
Klingt erstmal interessant und auch ganz sinnvoll. Ich hätte nichts gegen eine Pflicht für mehrere abzustimmen, da ich das in der Regel sowieso tue.
Man muss dann schauen wie gut Zoop am Ende wirklich dafür geeignet ist. Ich kannte die App bisher nicht.
Wenn das technisch möglich und sicher ist, könnte man das Voting theoretisch auch einfach in die offizielle Eurovision-App integrieren.
In Schweden läuft das Appvoting auch einfach über eine Melodifestivalen-App, glaube ich
Naja. App-Voting ist jetzt nichts neues. Gerade beim Blick auf den Autor wundert es mich sehr, dass das Mello in diesem Artikel gar nicht erwähnt wird 😉 Mit Zoop hat die EBU halt einen Sponsorenvertrag, das muss man dann auch nicht höher hängen.
Das Problem dürfte eher sein, dass die TV Sender ungern das Telefonvoting und die damit verbundenen Gebühren aufgeben wollen.
Ich denke, es ist kein Problem, das Voting dort auch kostenpflichtig zu machen und die Einnahmen werden dann auf den Länder verteilt, aus denen die Stimmen/Zahlungen gekommen sind
🫣
Es kann aber auch dazu führen, dass man deutlich strategischer abstimmt. Einmal für deinen Lieblingsact und dann jeweils für Länder, bei denen schon durch die Odds klar ist, dass sie hinten landen bzw. gar nicht ins Finale kommen werden…
Ich glaube das ist kein gutes System..
Wird doch seit Jahren genauso auch beim JESC Voting gehandelt. Dort muss man auch mehrere Songs auswählen und votet letztendlich für mehrere Länder.