Waffenruhe zwischen Gaza und Israel: Gehört der ESC in ein potenzielles Kriegsgebiet?

Der Eurovision Song Contest in Tel Aviv wird der 14., bei dem ich in der Austragungsstadt vor Ort bin. Und er ist der erste, bei dem ich mir tatsächlich Sorgen um mein leibliches Wohlergehen gemacht habe.

Die Diskussionen um meine Besuche der ESCs in Moskau 2009 oder in Baku 2012 waren im Vorfeld größer und intensiver. Ich musste mich eher verteidigen, weil ich in Autokratien fuhr, die den ESC für ihre Zwecke missbrauchen wollten. Vielleicht schwang bei dem einen oder anderen in diesen Jahren auch Angst um mich mit. So wie auch 2017 in Kiew. Ich selbst hatte diese Befürchtungen nicht. Denn ich hatte Erfahrungen in vergleichbaren Ländern und wusste, dass die Gastgeberstädte und -nationen alles unternehmen würden, dass mir als Besucher und erst recht als Mitglied des internationalen Pressekorps nichts geschehen würde, wenn ich mich nur rational verhielte.

In Tel Aviv ist das ein bisschen anders. Natürlich unternimmt der Staat dort alles zum Schutze seiner Bürger und der Besucher. Womöglich sind die Verteidigungssysteme dort sogar die ausgeklügelsten der Welt. Und doch haben die Medienberichte der letzten Tage gezeigt, dass sie nicht unfehlbar sind. „Binnen zwei Tagen hatten Hamas und Islamischer Dschihad rund 690 Raketen auf Israel abgefeuert. Das israelische Luftabwehrsystem fing 240 von ihnen ab, 35 Geschosse trafen dicht besiedeltes Gebiet… In Israel wurden vier Zivilisten getötet. Auf palästinensischer Seite gab es 25 Tote.“ (SpiegelOnline, 6. Mai 2019)

Das heißt für mich, dass ich mich im Fall des Falles in Tel Aviv nicht nur rational verhalten muss, sondern ich brauche ggf. auch ein Quäntchen mehr Glück. Um so mehr freut es mich zu hören, dass es nach den letzten Gefechten eine Waffenruhe zwischen Israel und den militanten Palästinensern im Gazastreifen gibt. Eine Waffenruhe, die hoffentlich hält. Nicht nur bis zum ESC, sondern auch weit darüber hinaus.

Denn natürlich ging und geht es bei den aktuellen militärischen Auseinandersetzungen nicht (nur) um den ESC. Es geht um ein komplexes Problem, dessen Ursprung und Ursachen zum Teil weit zurückliegen. Man kann sich dazu politisch verhalten und positionieren. Und man kann sich fragen, ob ein ESC überhaupt in ein solches potenzielles Kriegsgebiet gehört.

Nach dem Sieg von Netta 2018 gab es aus unterschiedlichen Richtungen Aufrufe zum Boykott des ESC im „Aggressorstaat“ Israel. Ich bin 2009 in Moskau und 2012 in Baku gegen einen Boykott gewesen. Und ohne Israel mit diesen beiden Ländern vergleichen zu wollen, bin ich es auch dieses Mal. Ein Boykott von Veranstaltungen, die unterschiedliche Menschen zusammenführen und Völkerverständigung stiften wollen, hat in der Vergangenheit nichts erreicht oder höchstens die Falschen getroffen.

Vielmehr ist es gut, dass die Austragung des ESC in Israel, aber auch seinerzeit in Russland oder Aserbaidschan die Blicke der Welt auf das Ausrichterland wirft, Konflikte in Erinnerung ruft und letztlich Lösungen anmahnt. Denn das kann der ESC und die mit ihm verbundene Berichterstattung. Und er schließt dabei keinen Partner grundsätzlich aus. Zur Erinnerung: eine potenzielle ESC-Teilnahme des Libanons, die für 2005 geplant war, scheiterte letztlich am Libanon, nicht am Einspruch Israels. Was für ein Zeichen der Stärke wäre es heute, wenn in Tel Aviv ein libanesischer Beitrag aufgeführt werden würde?!

Es mag pathetisch klingen, aber der ESC ist in seiner DNA mehr als nur eine Unterhaltungsshow. Er führt Menschen zusammen, schafft Verständnis und baut im besten Fall Brücken. Die Musik und der Wettstreit sind dabei nur der Köder für eine viel größere Botschaft. Das gilt heute wie vor 60 Jahren.

Und wenn 40 Rundfunkanstalten ihre Künstler und Delegationen nach Tel Aviv schicken, dann kann auch ich davon ausgehen, dass sie alle möglichen Szenarien durchgespielt und Gefahren abgewogen haben. Dann kann auch ich dorthin fahren und meine kleine Rolle übernehmen: über den Wettbewerb, das Land und meine Erfahrungen dort berichten – und als DJ auch noch ein bisschen zur Völkerverständigung auf dem Dancefloor beitragen. Israel, ich freue mich auf Dich!



32 Kommentare

  1. Ich finde auch, dass die Austragung des ESC in kritisch zu sehenden Staaten (aus welchen Gründen auch immer) zumindest dafür sorgen kann, dass ein paar Fans und andere Zuschauer auf die Situation im Land hingewiesen werden und diese vielleicht auch journalistisch genauer betrachtet wird. Von daher halte auch ich nichts von pauschalen Boykottaufrufen, sollte ein bestimmtes Land gewinnen.

    Nichtsdestotrotz bin ich dieses Jahr noch besorgter als sonst. Irgendwie grusele ich mich immer, wenn cih darüber nachdenke, was für ein grandioses Anschlagsziel der ESC darstellt: Friedliches Zusammen aller europäischen Nationen, das Feiern von Diversity, größtes Musikevent der Welt…
    Und wenn man dann noch bedenkt, dass sowohl 2017 als auch 2018 Leute in der Lage waren, die Bühne zu stürmen, kann einem schon anders werden…

    Egal. Ich werde versuchen meinen Kopf auszustellen und das Spektakel einfach zu genießen. Vertrauen wir einfach darauf, dass der israelische Veranstalter weiß, was er tut.

    Ich wünsche dir noch eine tolle und unbeschwerte Zeit in Tel Aviv!

  2. Wenn es wirklich gefährlich sein sollte, wird der ESC in ein anderes Land abgehalten. 1979 hat Israel gewonnen und in 1980 war der ESC in Den Haag. Nur weiß ich nicht mehr aus welchem Grund: Sicherheitslage in Israel kombiniert mit Finanzlage der Sender ??? Wer weiß mehr?

    • Ich glaube, das lag damals daran, dass Israel zweimal hintereinander gewonnen hatte und aber eben nicht zum zweiten Mal hintereinander das ganze Ding ausrichten wollte / konnte. Korrigiert mich, wenn ich falsch liege…

  3. Vielen Dank für den guten reflektierten Beitrag, auch ich bin sehr besorgt, aufgrund der politisch angespannten Lage. Aber natürlich hast Du Recht, ich denke, wir alle lieben u. a. den ESC dafür, dass es die Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen zusammenbringt, und man auch andere Länder kennenlernt. Wenn auch „nur“ am TV bzw. im Internet. Aber im Grunde finde ich es wichtig, dass man auch über unbequeme Dinge diskutiert. Würde man wahrscheinlich nicht in dem Maße, wenn der ESC z. B. nur in Schweden stattfinden würde. Allerdings habe ich auch öfters schon gedacht, wenn solche Schreckensmeldungen kommen, dass es besser wäre, den ESC zu verlagern, z. b. an den Zweitplatzierten. Wäre natürlich in der Kürze der Zeit nicht praktikabel, schon klar. Wobei der Konflikt ja schon längere Zeit besteht. Na ja, auf jeden Fall ganz viel Spass, ist bestimmt ein sehr schönes und interessantes Land.

  4. Ich war von Anfang an skeptisch, was die Austragung in Israel angeht. Hoffentlich bewahrheiten sich nicht meine schlimmsten Befürchtungen….. Ein alternativer Ort wäre besser gewesen (und wurde vor der Entscheidung für Tel Aviv anscheinend in Erwägung gezogen)

  5. Man kann nur hoffen, das der nächste esc in einem „normalen“ land stattfindet. Italien, holland, frankreich, schweiz,spanien . Bitte nicht russland oder aserbaidschan

  6. Beten wir, dass alles seinen Gang gehen wird. Zwar ist es gut, wenn das weltweite Augenmerk auch auf dem Gastgeberland und seiner Politik liegt, aber das ist doch meistens von kurzer Dauer. Ich denke nicht dass das eine dauerhafte Wirkung hat.

    1979 ist übrigens Noel Kelehan dem ESC absichtlich ferngeblieben, weil er zu sehr Angst hatte. Norbert Daum aus Deutschland hat berichtet, wie sehr sich Israel um die Sicherheit bemüht hat. Als dann am Bus der deutschen Delegation ein Reifen während der Fahrt geplatzt ist, hatten alle erst mal einen Schreck – aber sie waren übersensibilisiert und waren froh, dass es nur ein Reifen war.

    Und soweit ich mich erinnern kann, saßen 1999 Scharfschützen auf der Halle und bewaffnete Polizisten im Publikum.

  7. Irving Wolther hat in seinem Livestream gesagt, dass es nicht glaubt, dass die Hamas den ESC angreifen würde, weil dadurch würden sie ja die Palästinenser sehr unbeliebt machen. Dann gäbe es ja international noch weniger Hilfe für die Palästinenser, wenn deren Hamas-Leute die Besucher und Menschen aus 41 Nationen angreifen. Also ich denke, dass da was wahres dran ist. Diese Hamas-Leute wollen ja eher ,Gerechtigkeit erzielen‘, aber kein Terror verbreiten.

    Fun fact: Wenn man bei Google Maps eine Route berechnen lässt zwischen zwei Punkten, die jeweils in Israel und Libanon liegen und nur 50 m voneinander entfernt sind, dann kommt eine 7,5-stündige Autofahrt mit einem gigantischen Umweg über Jerusalem, Westjordanland, Jordanien, Syrien und Libanon raus. Der Hass ist wohl echt krass.

  8. Ich habe mir auch schon ausgemalt, wie es wohl wäre, wenn die Veranstaltung aufgrund der Sicherheitslage verschoben oder aus der Konserve mit anschließender Punktevergabe in einem sicheren Studio kommen müsste. Das möchte wohl keiner.
    So wie es aussieht erkauft man sich nun für die Eurovisionszeit Waffenruhe, doch die Probleme sind damit lange nicht aus der Welt.
    Um auf die Eingangsfrage einzugehen: für mich gehört der ESC nicht in ein Krisengebiet, doch soweit wie möglich sollte man sich mit Hilfe des ESC für immer wieder Frieden und Völkerverständigung einsetzen, auch wenn es notgedrungen in einem Gefahrengebiet sei.

  9. Ob es während des ESC und darüber hinaus wirklich friedlich zugeht, hängt einzig und allein von den Verbrechern der Hamas ab. Israel greift nicht an, wenn die ihre Raketen auf dem Boden lassen. So einfach ist das. Die Schuld an den Toten haben einzig und allein die Palästinenser. Keiner hat sie gezwungen Raketen auf Wohnungen in Israel zu schießen.

    • Das ist dann auch wieder viel zu einfach. Natürlich ist die Hamas eine Terrororganisation, aber Israel verhält sich Dank der rechten Regierung Netanyahu nun auch nicht wie ein Waisenknabe. Was ich dem israelischen Staat bei aller Demokratie (Die unter Netanyahu auch gelitten hat, aber gut) nach wie vor ankreide: Warum unterstützt man religiöse, extremistische Siedler, deren Gegenwart mitten in Hebron zum Beispiel Millionen an Steuergeldern kostet und die israelische Gesellschaft im Zuge unsicherer werden lässt? Warum werden die Siedlungen im Westjordanland bezuschusst und warum gibt man damit den Leuten Munition, die Israel als Apartheidsstaat bezeichnen? Es ist schon befremdlich, wenn man dort auf Strassen fährt, die nur Autos mit israelischen Kennzecihen benutzen dürfen. Drum herum ist alles öd und trocken und die Bauern kriegen ihre Felder nicht bestellt und kaum passiert man die scharf-kontrollierten Eingänge in die Siedlungen, blühen die Gärten und die Swimmingpools vor den Häusern sind voll. Da passt einfach etwas nicht und genau das schürt diesen Konflikt immer weiter.

      Niemand dort ist nur Opfer und niemand ist nur Täter, weswegen eine einseitige Positionierung von außen immer falsch ist.

      • Netanyahu ist schlichtweg eine Katastrophe…..

        Israel hatte große Regierungschefs. Er sorgt leider dafür, daß der Ruf des Landes nicht mehr der beste ist.

  10. Schuld an der Misere sind beide Seiten. In Tel-Aviv wird getanzt, gefeiert und gelacht. Weniger als 100 km weiter, schneidet Israel einem Volk (welches genauso Anrecht auf einen eigenen Staat hat) von den Lebensgrundlagen ab. Wenn sich die Palästinenser dagegen wehren und versuchen weltweite Aufmerksamkeit für ihr Land zu bekommen, dann ist das natürlich schlecht in den Augen der Israelis. Mit der Situation in Moskau oder Aserbaidschan kann dieser ESC keineswegs verglichen werden.

    Warum liest man hier nichts darüber, dass während der Pressekonferenzen Journalisten und Fans mit ihren Fragen zur aktuellen Lage durch die Moderatoren abgewimmelt werden? Warum nichts darüber, dass bei Antworten der Künstler schnell der Ton abgedreht wird oder die PK vorzeitig beendet wird? Darüber schweigt esc-kompakt … Hauptsache, die Fans und „Journalisten“ können ihre Parties feiern.

    • @Torsten: Schuld an allem sind nur die Palästinenser. Es gab ja mal ne Zeit, da war der Gazastreifen offen, Israel durchaus zu Kompromissen bereit. Aber was ist immer passiert? Die Palästinenser bzw. die Hamas haben Terroranschläge begangen mit vielen unschuldige Toten. Soll Israel etwa zusehen und nix machen, wenn die Palästinenser Israelische Staatsbürger massakrieren? Jeder Staat ist verpflichtet seine Bürger vor Terroristen zu schützen. Das Israel den Gaza-Streifen abriegelt, dient einzig und allein der israelischen Zivilbevölkerung. Gerade wir Deutschen, die ja relativ sicher leben, sollten mit Kritik an Israel sehr, sehr, sehr vorsichtig sein.

      • „1956 wurde der Gazastreifen im Sinaifeldzug (Suezkrise) von Israel vorübergehend militärisch besetzt (Militärgouverneur war General Matti Peled, später Professor für Arabistik in Tel Aviv und ein erbitterter Gegner der jüdischen Kolonisation der besetzten Gebiete), fiel jedoch aufgrund internationalen Drucks wieder an Ägypten. Im Rahmen des Sechstagekriegs 1967 wurde der Gazastreifen von Israel besetzt. Während die gleichzeitig besetzte Sinai-Halbinsel von der israelischen Armee nach den Camp-David-Gesprächen 1978 und der Unterzeichnung des Israelisch-ägyptischen Friedensvertrages 1979 stufenweise bis 1982 geräumt wurde, blieb der Gazastreifen bis 2005 besetzt. Die israelische Regierung genehmigte den Bau jüdischer Siedlungen im Gazastreifen. 8000 Siedler lebten auf 40 % des Gazastreifens in dem als Gusch Katif bezeichneten Siedlungsblock im südlichen Gazastreifen. Diese Siedlungen waren für die arabischen Bewohner des Gazastreifens nicht zugänglich und schnitten sie von Stränden und Feldern ab.“ (Quelle: Wikipedia)

        @escfan05: Die Indoktrinierung scheint bei Dir Erfolg gehabt zu haben. Und es ist nicht nur der Gazastreifen. Was ist mit den Golanhöhen und dem Westjordanland?

        Auch Deutsche dürfen Israel kritisieren. Gerade damit so etwas wie damals nicht wieder passiert.

      • Ich lasse mir von Dir keinerlei Vorschriften machen, Du Pseudomoralapostel !!!

        Wenn man bedenkt, daß Du auch nicht gerade den feinfühligen Ton pflegst…..

    • Hallo Torsten, das ist ganz einfach: Weil ich hier von morgens bis abends alle Proben covere, hatte ich bislang keine Zeit, auch nur eine einzige Pressekonferenz anzuschauen. Andere haben das aber miterlebt und dann auch gut aufgeschrieben – zum Beispiel die Kollegen von Eurovisionen hier https://eurovisionen.eu/kommentar-esc-und-politik-und-die-ebu/ – und wir haben den Artikel zum Beispiel retweetet und ich habe ihn gestern in einem Gespräch mit dem Korrespondenten der ARD aufgegriffen (voraussichtlich ab morgen nachzuhören). Ich freue mich, dass Du so hohe Erwartungen an uns hast, aber neben dem ESC auch noch die komplette EBU- und Nahostpolitik abzudecken, ist für uns schlicht nicht möglich.

      • @Benjamin: Es ist auch nicht nötig, die komplette EBU- und Nahostpolitik abzudecken. Ich denke schon ,dass Du / Ihr dabei ein Zeitproblem habt. Etwas mehr differenzierte Berichterstattung wäre aber schön. Gerade an solchen kritischen Orten. Aus Aserbaidschan hat es doch auch bei euch geklappt.

  11. Ich wäre ja mal dafür, das die EBU überlegt, das man die Regel, das der Sieger, im nächsten Jahr den ESC austrägt, abzuschaffen. Entweder trennt man den Austragungsort vom Sieger oder sucht sich einen festen Standort. Dann können interessierte Länder sich für die Austragung bewerben oder man wählt irgendwo in Europa einen festen Standort für mehrere Jahre. Das hätte den Vorteil, das auch komplizierte Länder gewinnen könnten, ohne das man sich über die Austragung im nächsten Jahr Gedanken machen muss.

  12. @Torsten: Ja klar, Israel und die Juden sind an allem schuld. Mit so einer perfiden Art von Antisemitismus brauchst du mir gar nicht kommen. Da beisst du bei mir auf Granit. Das es soviel Antisemitismus in Deutschland und anderswo gibt, ist eine Schande. Als hätten die Juden nicht schon genug durchmachen müssen.

    • Hör bloß auf, von Antisemitismus zu schwafeln. Ausgerechnet Du !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

      Die Kritik an der israelischen Regierung ist KEIN Antisemitismus. Ich glaube wohl, Du spinnst !!!!!!!

      • Beim Thema Israel (im Unterschied zum Thema Russland) gebe ich escfan05 sogar in vielen Dingen recht. Wobei auch hier sein Problem ist: Er neigt dem Freund-Feind-Denken zu und Differenzierung ist nicht sein Ding.

        In der Tat bedeutet Kritik an der israelischen Regierung a priori keinen Antisemitismus. Es gibt aber schon auch Leute, die in Israel Dinge beklagen, die sie anderswo auf der Welt eher wenig interessieren. Viele Leute weigern sich auch, die besondere Lage Israels zu berücksichtigen mit manchem Nachbar, der diesen Staat am liebsten von der Landkarte entfernt hätte.

        Dass viele militärische Aktionen Israels gegen Gaza eben mit solch häufigem Dauerbeschuss von dort zusammenhängen, über den in den letzten Tagen berichtet wurde, sollte nicht unerwähnt bleiben. Sonst ist bei uns ja nicht so oft von den Raketen aus Gaza auf Israel zu hören.

        Auch dass immer so getan wird, als sei allein Israel und nicht ganz wesentlich auch die Hamas für das Leid der Bevölkerung in Gaza verantwortlich, ist sehr ärgerlich.

        Zum Schluss noch ein kleiner Bezug zum gestrigen Diskussionsthema: Es ist doch eigentlich recht positiv, dass Putins Regierung recht gute Beziehungen zu Israel unterhält, findest Du nicht auch, escfan05?

  13. Zuerst: Tel Aviv war zu keiner Zeit der letzten 20 Jahre ein Kriegsgebiet. Die Stadt wird durch den Iron Dome geschützt und auch der letzte Terroranschlag liegt Jahre zurück, übrigens weiter als Terroranschläge in europäischen Metropolen. Ich bin bisher dreimal in Israel gewesen und fühlte mich in Tel Aviv immer absolut sicher. Für die Menschen vor Ort ist die Situation Alltag und nichts drückt das Lebensgefühl dort besser aus, als die Gedenkstätte für die Opfer des Terroranschlags auf die Dolphinarium-Diskothek. Da steht sinngemäß „Wir werden nie aufhören zu tanzen.“

    Man tut Israel oft sehr Unrecht, wenn man meint, dass man dort irgendwie anderen Gefahren ausgesetzt wäre, als in Kiew, Berlin oder Paris. Ist man nicht und auch „ein bisschen mehr Glück“ muss man hier nicht haben.

    Terrorgruppen haben noch nie Besucher und Touristen angegriffen, denn das würde keinen Sinn machen in deren kruder Weltsicht. Ich kann jedem Besucher in Israel nur raten, sich auch einmal auf eine Tour ins Westjordanland zu begeben, ob zum Baden im Toten Meer oder auf eine geführte Tour (Ich glaube der beste Anbieter heißt Big Olive oder sowas). Insbesondere die jungen Menschen dort sind sehr viel offener und herzlicher, als uns das die deutsche Berichterstattung eintrichtert und man freut sich über Besucher.

    Viel Spaß all jenen, die gerade vor Ort sind. Es ist in jedem Fall ein Erlebnis und ich hoffe, dass viele nach der Reise einen etwas anderen Blick haben und merken, dass die ganze Hysterie völlig übertrieben ist.

  14. Das positive daran ist, dass der ESC in den letzten Tagen auch auf den Politik-Seiten Thema war und somit eine relevante Größe ist.

  15. An alle die vor Ort sind, wünsche ich selbstverständlich das sie wieder gesund und munter wieder aus Israel zurückkommen. Noch viel Spass in Tel Aviv.

  16. … DANKE Wolfgang Borchert,

    als Kind habe ich Dein Prosatext Dann gibt’s nur eins! gelesen

    …von da an war ich nicht mehr hilflos der Willkuer ausgesetzt.

    das ist meine Antwort auf Krieg

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