Welcher Beitrag wird das Dark Horse des Eurovision Song Contest 2026?

Bild: ARD/SWR/Claudius Pflug

In wenigen Wochen startet der Eurovision Song Contest 2026 in Wien. Die Wettquoten auf den Sieg scheinen zementiert. Und doch haben nicht immer die Favoriten gewonnen. Mehr noch: unerwartete Beiträge schnitten letztlich viel besser ab als allgemein erwartet. Manche von ihnen überraschen, weil sie es überhaupt ins Finale schaffen. Andere mischen plötzlich die Top 5 mit auf. Das sind die sogenannten Dark Horses – und welche Beiträge könnten das in diesem Jahr sein?

Wie in den letzten Jahren wollen wir uns diese Geheimtipps wieder genauer anschauen: Welcher Act fliegt bislang unter dem Radar und könnte beim großen Finale alle überraschen? Ist Sarah Engels aus Deutschland (Aufmacherbild) einer davon? Sehen wir mit der Weisheit der ESC-kompakt-Leser*innen-Masse etwas, was andere bisher nicht wahrgenommen haben?

In der ESC-kompakt-Redaktion haben wir eine Shortlist möglicher Dark Horses zusammengestellt, über die Ihr am Ende des Artikels abstimmen könnt. Aber natürlich interessiert uns auch Eure Meinung: Welche Songs haltet Ihr für völlig unterschätzt? Wenn Ihr noch ganz andere Geheimfavoriten im Blick habt als die hier vorgestellten, teilt sie gern mit uns in den Kommentaren.

Deutschland: Sarah Engels – Fire

„Feuer (brennt nicht nur im Kamin)“, „Fuego“ und jetzt „Fire“ – das heiße Thema zieht sich wie eine lodernde Schneise durch die Geschichte des ESC. Insofern fährt Sarah Engels nicht gerade mit einer inhaltlichen Innovation zum ESC nach Wien. Doch sie ist hochgradig professionell und eine hervorragende Sängerin. Für ihren Auftritt hat sie zudem noch einen Wow-Moment versprochen. Kann sie also noch ein paar Kohlen nachlegen und am Ende ein besseres Ergebnis einfahren als erwartet?

Estland: Vanilla Ninja – Too Epic To Be True

Bei kaum einem Beitrag hört in diesem Jahr so häufig das Wort „Guilty Pleasure“ wie bei dem estnischen Beitrag. Die Erwartungen an das Comeback der Vanilla Ninjas nach der ersten ESC-Teilnahme 2005 waren riesig. Ebenso groß war dann auch die Enttäuschung nach der Veröffentlichung von „Too Epic To Be True“. Mittlerweile feiern aber immer mehr Fans den Track – und der Revamp hat ihm auch nicht geschadet.

Großbritannien: Look Mum No Computer – Eins, Zwei, Drei

Ist es pure Verzweiflung oder ein genialer Schachzug des britischen Fernsehens? Look Mum No Computer hatte ganz sicher niemand auf der Bingo-Karte für den ESC in Wien, als die BBC diesen Act aus dem Hut zauberte. Der Künstler besetzt mit seiner Musik und seinem Auftreten eine ganz eigene Nische und hat damit ein Alleinstellungsmerkmal in Wien. Wenn die Nische groß genug ist, könnte „Eins, Zwei, Drei“ besser abschneiden als viele aktuell denken.

Italien: Sal Da Vinci – Per Sempre Sì

Italien überzeugt immer. Letztes Jahr waren auch viele skeptisch, als Lucio Corsi als Nachrücker mit außergewöhnlichem Outfit in Basel an den Start ging. Mit Sal Da Vinci schickt das Stiefelland nun eine ganze andere Kategorie eines Cantante ins Rennen – Best Ager, gut gelaunt, ein bisschen tacky. Und das Verrückte: auch sein schlagriger Sound mit durchaus traditioneller Botschaft überzeugt und reißt viele mit (und von den Stühlen).

Moldau: Satoshi – Viva, Moldova!

Moldau malt beim ESC immer mit dem dicken Pinsel – und ganz viel Lokalkolorit. Da ist „Viva, Moldova!“ keine Ausnahme. Der Song ist laut und geht nach vorn. Dass unvermittelt „Palma de Mallorca“ in dieser Rap-Ode an Moldau auftaucht überrascht und bleibt hängen – genau wie der positive Vibe den Satoshi auf der Bühne versprüht.

Norwegen: Jonas Lovv – Ya Ya Ya

Es gibt nicht viele Menschen, die Rockmusik mit dem ESC verbinden. Dabei gibt es in den letzten Jahren immer häufiger rockige Beiträge – nicht zuletzt seit dem ESC-Sieg von Måneskin 2021. An deren Sänger erinnert Jonas Lovv auch ein bisschen (zumindest mit der Latzhose über nacktem Oberkörper) – und behält dabei doch seine eigene Note. „Ya Ya Ya“ ist gefälliger als andere Rocksongs in diesem Jahr in Wien und könnte so am Ende in dieser Nische mehr Punkte einsammeln als andere.

Österreich: Cosmó – Tanzschein

Cosmó verbreitet Freude und begeistert die Österreicher. Die Idee von einem „Tanzschein“ ist so einfach wie genial – und wird als Wort noch in den Köpfen vieler deutschsprachiger ESC-Fans sein, wenn die meisten ESC-Beiträge dieses Jahres längst vergessen sind. Die Radio- und Chartplatzierungen sprechen dafür, dass die Österreicher mit ihrem Song für Wien im Reinen sind, auch wenn die Wettbüros das überaus skeptisch sehen. Kann Cosmó diese eines besseren belehren?

Polen: Alicja – Pray

Polen darf man nie beim ESC unterschätzen. Die Polen im In- und Ausland verfolgen den ESC und wissen auch, was ihre patriotische Aufgabe ist. Dazu kommt, dass das möglicherweise sperrige „Pray“ von Alicja in gesanglicher Perfektion vorgetragen wird. Damit kann sie sicher einige Juror*innen überzeugen und möglicherweise und einige Zuschauer*innen begeistern, denen die anderen Acts in diesem Jahr einfach zu laut sind.

Portugal: Bandidos do Cante – Rosa

Portugal geht mal wieder seinen ganz eigenen Weg beim ESC – und schickt nicht weniger als immaterielles Weltkulturerbe nach Wien. Bereits im letzten Jahr kam der Song, der letztlich die meisten Streams erzielte, von der iberischen Halbinsel (und profitierte sicher davon, dass man auch in Brasilien Portugiesisch spricht). Der Klang und Gesang von „Rosa“ ist einerseits typisch für Portugal, gleichzeitig ist er so universell, dass sich viele Zuschauer*innen hier ebenfalls wiederfinden und dafür anrufen könnten.

San Marino: Senhit – Superstar

Neben „Too Epic To Be True“ (siehe oben) ist „Superstar“ der zweite große Contender im Rennen um den ESC-Guilty-Pleasure 2026. Senhit hat sich wieder populären Beistand an die Seite geholt: Boy George ist vielleicht nicht mehr in aller Munde und für die meisten Nach-1990-Geborenen möglicherweise ein Unbekannter – aber bei der Gen X lässt er warme Erinnerungen an die 80er Jahre aufkommen. Der wilde Genre-Mix von Senhit bedient diese Nostalgie zwar nur bedingt, aber der Promi-Faktor könnte hier für den einen oder anderen Anruf gut sein.

Ukraine: Leléka – Ridnym

Die Ukraine ist immer eine sichere Bank beim ESC. Leléka fliegt aber für ukrainische Verhältnisse deutlich unter dem Radar. Natürlich geht es hier nicht darum, ob sich das Land für das Finale qualifiziert, sondern eher wie weit nach oben es die Sängerin schafft. Und mit ihrer Stimme und Ausstrahlung sowie den immer beeindruckenden ukrainischen Inszenierungen gibt’s da durchaus gut Chancen.

Welcher Beitrag wird beim ESC 2026 besser abschneiden als allgemein erwartet und damit das diesjährige Black Horse? Du kannst max. 3 Beiträge wählen.

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Im letzten und vorletzten Jahr hatten die Leser*innen von ESC kompakt jeweils auf den deutschen Beitrag als Dark Horse getippt. Und tatsächlich schnitten ISAAK mit „Always on the Run“ und Abor & Tynna mit „Baller“ beim ESC besser ab, als es vorher von vielen erwartet worden war. Auch in diesem Jahr sind die internationalen Erwartungen an den deutschen Beitrag überschaubar. Vielleicht kann aber auch Sarah Engels überraschen?

Welcher ESC-Beitrag ist Deiner Meinung nach in diesem Jahr besonders unterschätzt und wird uns am Finalabend überraschen – und warum? Lass uns gern Deinen Tipp und Deine Begründung in den Kommentaren da. 

Das waren die wirklichen Dark Horses der letzten Jahre

2025: Tautumeitas – Bur man laimi (Lettland)
2024: Bambie Thug – Doomsday Blue (Irland)
2023: TVORCHI „Heart Of Steel“ (Ukraine)
2022: Nadir Rustamli „Fade to Black“ (Aserbaidschan)
2021: Go_A „Shum“ (Ukraine)



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