
Gute zwei Monate vor dem Eurovision Song Contest 2026 in Wien ist der Generaldirektor Roland Weißmann (Aufmacherbild) am gestrigen Sonntagvormittag mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Hintergrund sind Vorwürfe der sexuellen Belästigung, die eine ORF-Mitarbeiterin in Bezug auf ein angebliches Fehlverhalten im Jahr 2022 erhoben hat. Weißmann bestreitet die Anschuldigungen, sein Anwalt spricht von einer „überschießenden Reaktion“ und kritisiert das Vorgehen des Stiftungsrats, der den Generaldirektor bestellt. Die interimistische Führung übernimmt die bisherige Hörfunkdirektorin Ingrid Thurnher.
Wie der ORF-Stiftungsrat am Montagvormittag mitteilte, habe der im Raum stehende Vorwurf eine „rasche und transparente Aufklärung“ erforderlich gemacht. Der Schutz der betroffenen Person habe dabei „oberstes Ziel“. Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer und sein Stellvertreter Gregor Schütze dankten Weißmann zugleich für dessen 30-jährige Tätigkeit im ORF. In der kommenden Sitzung des Gremiums soll Ingrid Thurnher offiziell mit der vorläufigen Führung der Geschäfte betraut werden.
Heinz Lederer betonte, es liege nun in der Verantwortung des Stiftungsrats, „rasch die nötigen Schritte zu setzen“, um die Vorwürfe transparent und mit aller Konsequenz zu prüfen und gleichzeitig die Handlungsfähigkeit des Unternehmens sicherzustellen. Auch Gregor Schütze verwies auf eine „entschiedene Vorgangsweise“ in schwieriger Lage und zeigte sich überzeugt, dass mit Thurnher die Kontinuität gewährleistet sei.
Aus dem Umfeld Weißmanns wird hingegen Kritik laut. In einer schriftlichen Stellungnahme seines Anwalts heißt es, dem Generaldirektor seien nur wenige Tage Frist für eine Rücktrittserklärung eingeräumt worden, obwohl er die Vorwürfe bestreite und eine inhaltliche Überprüfung nicht erfolgt sei. Weißmann selbst habe nach eigenen Angaben bis zuletzt keinen genauen Sachverhalt vorliegen gehabt. Gleichwohl sei er „um Schaden vom Unternehmen abzuwenden“ am Sonntag, 8. März 2026, um 11:45 Uhr mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Die öffentliche Verbreitung der Vorwürfe bezeichnete sein Anwalt als unverhältnismäßig und kündigte rechtliche Schritte an. Zudem wird darauf hingewiesen, dass der Vorgang wenige Monate vor der anstehenden Wahl der Generaldirektion erfolge.
Die Personalie kommt gleich aus zwei Gründen zur Unzeit: Zum einen befindet sich die Organisation des Eurovision Song Contest auf der Zielgerade. Noch entscheidender ist aber die mögliche Auswirkung auf die bevorstehende Neuwahl des Postens: Die Ausschreibung für die Generalintendanz soll am 1. Mai starten, die Wahl ist für den 11. August vorgesehen. Der oder die neue Generaldirektor*in soll mit Jänner 2027 die Leitung des ORF übernehmen. An diesem Zeitplan soll aber festgehalten werden.
Für den Eurovision Song Contest, bei dem der ORF federführend verantwortlich ist, bedeutet der Rücktritt zunächst vor allem eine Phase erhöhter Aufmerksamkeit. Für die Veranstaltung in Wien müsste eigentlich alles vorbereitet sein, so dass es hier eher um die Umsetzung der Pläne geht. Mittel- und langfristig könnte eine neue ORF-Spitze möglicherweise Schwerpunktverschiebungen auch in Sachen ESC vornehmen.
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Auweia! Hoffentlich klärt sich alles auf!
2022? Das war vor vier Jahren, hätte also schon längst auf dem Tisch sein können … 🤨
Eben!
Eben nicht. Sehe etwas nach unten oder https://esc-kompakt.de/zwei-monate-vor-dem-esc-orf-generaldirektor-roland-weissmann-tritt-nach-belaestigungsvorwuerfen-zurueck/comment-page-1/#comment-758347
Nanu? Ein Kommentar ohne den ✨Göttergatten✨ zu zitieren?
Du darfst davon ausgehen, daß er einen Spruch losgelassen hat – bei echt Berliner Schnauze nahezu so unvermeidlich wie das Amen in der Kirche.
Aber manchmal ist mir die Gefahr zu groß, daß Leute etwas geradezu mißverstehen wollen, um ihre eigenen Heiligenscheine polieren zu können … 😇 Und politische Korrektheit zählt ja ohnehin nicht zu meinen Stärken.
Hier die erste Kommentare von Matty, Inn4bricks, 4Porcelli, Rainer1 und anderen:
https://esc-kompakt.de/daniel-zizka-vertritt-tschechien-beim-esc-2026-in-wien-beitrag-crossroads-kommt-am-11-maerz/#comment-758289
Ist üblich in Ö. Meistens werden solche Verfahren eingestellt oder die Forderungen vom Gericht abgewiesen. Heiße Luft.
Das ist ein Schock. Man kann nur hoffen, dass sich das alles aufklärt. Auf den ESC wird das sicher keine großen Auswirkungen haben.
Ich bin fassungslos🫠. Das kam.plötzlich, unerwartet und mir steht der Mund offen😱
Warum? Wenn ich fragen darf?
Off Topic:
Das offizielle Musikvideo zu Viva, Moldova ist draußen. Satoshi und sein Team scheinen den Text etwas angegändert zu haben. Denn man hört mehr „Welcome to Moldova als „Republica Moldova“.
Ist das ein Cover nur mit anderer Musik?
Abgesehen davon: wenn der deutsche Interpret Vivaldi Deutschland singen würde, würde ich mich so schämen. Das geht wohl nur in anderen Ländern 😬
ethno hart geknüppelt. 🥳🕺💃
Kapier ich nicht, wieso das nicht mind. genauso gehypet wird wie „Ferto“. Finde den moldauischen Beitrag eigentlich fast in allen Belangen besser und mitreißender. Und musikalisch sowieso interessanter wegen dem starken Ethno-Einschlag. Vielleicht ist es manchen zu viel HipHop-Gehabe. Habe ich aber immer noch lieber als Millenial-Super-Mario-Humor.
Ich finde den Song megapeinlich. Man stelle sich vor Deutschland hätte ein Künstler ausgesucht, der „Viva Deutschland“ singt.
Ist mir ja schon peinlich, aber das ist immer noch meine Nummer 1. Es kam früh und es dann nichts Besseres nach.
„Schwerpunktverschiebungen“, das klingt ja sehr orakelhaft
Der Generaldirektor hat in Programmfragen gar keine Entscheidungsgewalt. Also um den ESC muss man sich keine Sorgen machen.
Jetzt Mal unabhängig vom echt schweren Thema, mal eher etwas Leichtes:
Fühlt sich jemand bei dem Foto auch an die Figur „Hank“ aus der Serie „Fallout“ erinnert?
Eher Kyle MacLachlan
😀
Stimmt! 😅 Der Schauspieler sieht genauso aus wie die Figur, die er spielt. Krass! 😉
Ich finde, er sieht etwas aus wie Christer Björkman. Nur noch nicht ganz so verlebt.
Das hat keinerlei Einfluß auf den ESC. Die Verantwortliche beim ESC ist Stefanie Groiss-Horowitz, die Programmdirektorin.
Meines Wissens benötigt aber jede Idee/Entscheidung von Stefanie Groiss-Horowitz den Stempel von Roland Weißmann. Also wenn der Direktor von einem Vorschlag nicht überzeugt ist, kann er auch jedes Mal Nein dazu sagen.
Off-Topic:
Der serbische Beitrag für den OGAE Second Chance Contest 2026 steht fest. Das Lied hätte ich viel lieber beim ESC gesehen. Viel Glück für den OGAE Second Chance Contest 2026!
https://www.instagram.com/p/DVWnFiUjBW_/
Also die Kommentare hier sind ja mal absolut unter aller Sau und ekelhaft 🤮 Hier wird entweder der Mann und seine Aktionen verteidigt oder vom Thema abgelenkt mit Off Topic Beiträgen. Das ist wirklich das aller letzte …
Volle Zustimmung und es ist auf ESC kompakt auch die Kommentarfunktion schon deaktiviert worden.
Die meisten OTKs kommen übrigens von Meckie und Alex John.
Du hast aber auch schon oft Off-Topic gepostet. Nur weil ich auf einem ESC Blog manchmal Off-Topic poste, heißt es nicht, dass ich der Frau oder generell Frauen in solchen Situationen nicht glauben würde. Irgendwie ablenken will ich damit auch nicht. Daher kennzeichne ich die Beiträge ja extra mit dem Vermerk „Off-Topic“. Wer die dann nicht lesen will, muss es ja auch nicht. Ich habe sogar schon Frauen, Männern, Jugendlichen und Kindern in solchen Situationen geholfen und beraten und finde, dass über diese Themen generell nicht geschwiegen werden darf. Wollte nur ESC-Infos liefern oder informieren, aber damit meine ich es nicht böse oder so. Ab und zu ist es nun mal auch Off-Topic. Dafür entschuldige ich mich und wenn es manchmal doppelt gepostet wurde, habe ich es leider übersehen und dafür entschuldige ich mich dann auch gerne.
Wenn hier ab und zu Olympia oder Politik-Themen Off-Topic gepostet wird, beschwert sich doch sonst auch niemand und sogar du postest manchmal Beiträge, die auch deutlich Off-Topic sind. Dagegen sagt aber auch niemand etwas. 🙄
Du machst alles richtig, ich sehe null Probleme bei Deinen Posts.
Und hiermit möchte ich, ohne irgendjemandem zu nahe treten zu wollen, aber auch erwähnen, dass es natürlich auch falsche Beschuldigungen gibt. Dies habe ich auch schon bei anderen, völlig unschuldigen, Menschen mitbekommen und die betroffenen Personen und ihre Familie sowie Freunde litten sehr unter der falschen Beschuldigung, was sogar u. a. finanzielle und weitere Auswirkungen (Job weg, Ratenkredite nicht abbezahlbar, Bank und Bekannte wollen wegen Rufmord nicht helfen, psychische Belastung bis hin zu bestimmten „Gedanken“ – möchte nicht näher darauf eingehen – usw.) hatte. Daher kenne ich die Situation aus zwei unterschiedlichen Sichtweisen. Ob dies in diesem Fall so ist, weiß ich aber natürlich nicht. Das müssen die Gerichte unabhängig und objektiv klären.
Das alles ist nun mal ein wunderbarer Spiegel unserer Welt.
Verstehe gar nicht, warum du dich von diesem Kommentator beeindrucken lässt.
Er ist oft respektlos, beleidigend und hält sich nie an seine eigenen aufgestellten, ominösen „Regeln“.
Wie viele schon geschrieben haben, den unangenehmen Typen einfach ignorieren.
Das ist natürlich nur ein Vorschlag meinerseits. 🙂
Genauso sollte man aber auch Vorverurteilungen meiden. Es gibt genügend Beispiel, wo sich der Mann nach her als unschuldig herausgestellt hat. Siehe Fall Kachelmann, z. bsp.
Danke, dass das mal jemand schreibt. Und dann wird sich gewundert, warum Frauen so oft sexuelle Belästigung nicht zur Anzeige bringen. Weil ihnen eben – anders als man hier in den Kommentaren darstellen will – meist eben nicht geglaubt wird. Oder es den Leuten einfach egal ist. Die Kommentarsektion hier ist wieder ein wunderbarer Spiegel unserer Welt.
„…Die Kommentarsektion hier ist wieder ein wunderbarer Spiegel unserer Welt.“
Aber solche Pauschalisierungen helfen natürlich total weiter, oder?? 🙄
Wieso Pauschalisierung? Die meisten glauben es nicht oder es ist ihnen egal, nur ein paar wenige nehmen die Vorwürfe ernst. Ist hier in den Kommentaren genauso wie in der realen Welt. Ich verlange von niemandem, gleich mit Fackeln und Mistgabeln auf Herrn Weismann loszugehen. Natürlich muss hier erstmal ermittelt werden. Aber dass von vornherein die Vorwürfe klein gemacht werden, prangere ich an.
(Ironie ein)
Tss, Lillie, du enttäuscht mich tief. Wo bleibt denn der Scheiterhaufen?
(Ironie aus)
Eine Anzeige bei der Polizei bewirkt aber mehr, als das man im Unternehmen was sagt. Denn die Polizei muss wohl auch in Österreich den Aussagen der mutmaßlichen Opfer nachgehen und ermitteln. Die Vorgesetzten können das halt abtun.
Ach OT werden immer im gerade aktuellen Beitrag gepostet, da muss man wirklich keinen Zusammenhang sehen.
Aber klar ist mal wieder, dass die Kommentare, die meiner Meinung nach daneben sind, immer von den gleichen Nasen kommen.
Ich finde eher die Vorverurteilung ekelhaft, ohne dass er eine Chance hatte, angehört zu werden. Seltsam auch, dass die Vorwürfe zu dieser Zeit auftauchen.
ich sage dazu nur: ME TOO !
Feministischer Kampftag war (buchstäblich) gestern; willkommen in der abgefuckten Realität.
Manche habe ihn gerade verlängert.
Nun, man muss den Anschuldigungen natürlich nachgehen und ernst nehmen. Allerdings bin ich auch der Meinung, dass man niemanden vorverurteilen darf.
P. S.: Bin zwar keine Juristin, aber soweit ich weiss, gelten im Arbeitsrecht andere Maßstäbe als im Strafrecht. Klar, im Strafrecht gilt erst einmal die Unschuldsvermutung, so lange, bis die Schuld bewiesen wurde. Im Arbeitsgericht reicht, glaube ich, schon ein Verdacht aus, um jemandem (zumindest vorübergehend) freizustellen, allein schon deshalb, um Schaden vom Unternehmen abzuwenden.
Was ich sehr bedenklich finde, gerade auch in der heutigen Zeit durch die sozialen Netzwerke, ist, dass direkt Personen „zum Schafott“ geführt werden, wo noch gar nichts bewiesen ist, es eventuell nicht einmal Indizien gibt. Hier würde ich mir allgemein mehr Sachlichkeit wünschen, denn vor allem den Opfern sexualisierter Gewalt hilft man so in keinster Weise weiter. Einfach mal die Fachleute ihre Arbeit machen lassen, und darauf vertrauen, dass dies sorgfältig geschieht.
Lese gerade in einer österreichischen Online-Ausgabe, dass es sogar Bild und Tonmaterial gibt. Was mich jetzt wieder wundert, denn wer geht schon mit versteckter Kamera zum Generaldirektor.
Dieser Vorwurf geht nicht an die Frau, sondern an die Entscheidungsträger. Für mich sieht es so aus, als hätte man diese Vorwürfe 4 Jahre beiseite gelegt um sie dann, wenn die Zeit reif ist, wieder hervorzuholen. Im Sinne der Frau hat man bestimmt nicht gehandelt.
Die Unterschiede sind großer. Strafrechtlich sind solche Vorwürfe selten nach zu weisen, weil es zu wenig Beweise gibt um jemanden erfolgreich zu verurteilen.
In Arbeitsrecht reicht es jemanden zu entlassen auf Grund der Zerstörung des Vertrauens.
Hinzu kommt die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers
Stimmt, ist schwieriger. Was in der realen Welt schon als Fakt gesehen wird oder für jemanden ausreichend, überzeugende Aussagekraft hat, ist nicht immer im Einklang mit der Gesetzeslage.
Am Ende ist man Jahren weiter, wenn es schon ein Urteil gibt.
@ Roxy,
Du hast geschrieben „Ich halte von Herrn Weißmann nicht viel (wie viele andere in diesem Land auch), also nachtrauern werde ich ihm nicht.“
Darf ich fragen warum das Deine Meinung ist? War er kein „guter“ ORF- Chef? Ich habe ihn nur durch die ESC- Pressekonferenzen wahrgenommen.
Warum ahne ich, worauf das hinausläuft?
Not all men but always a man.
Das ist übrigens der Typ, der vor kurzem noch zusammen mit dem israelischen Präsidenten für deren Verbleib lobbyierte, während 2 Tage vorher offiziell behauptet wurde, der ESC wäre ein unpolitisches Event. Das hätte ihn schon den Job kosten sollen, aber spät ist besser als nie.
……fand ich auch sehr seltsam. Geht auf offizielle Dienstreise nach Israel, diskutiert mit Herzog den ESC und stellt sich dann vor die Kamera und sagt der ESC soll unpolitisch bleiben. Richtig absurd.
Gerade kam Fire im Radio, ich war schon recht überrascht, aber leider war das nur die ESC-Vorschau des hiesigen Lokalradios. Eine Wertung gab es aber nicht, nur der Hinweis, dass wir sehen werden, ob das mehr Punkte holt als sonst.
Das wird darauf ankommen, wie man „sonst“ definiert. Die letzten beiden Jahre liefen schließlich ganz annehmbar.
Frau Thurnher, die neue Direktorin der ÖRF, ist 1997 durch ein Interview mit Otto Waalkes berühmt geworden. Aus heutiger Sicht würde es in einigen vielleicht woken Kreisen als sexuelle Belästigung gelesen werden. Ich finde es einfach nur lustig.